25.05.2013 01:54 Merkliste 0

SPD trägt Schweizer Steuerabkommen zu Grabe

20.08.2012 | 17:16 |  Von unserem Korrespondenten Karl Gaulhofer (Die Presse)

„De facto tot“ sei das Abkommen mit der Schweiz. Eine Kettenreaktion droht. An ihrem Ende würde auch der Vertrag mit Österreich fallen. Das Finanzministerium müsste auf eine längst eingeplante Milliarde verzichten.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Berlin. Es war das Wochenende der Grabreden. SPD-Politiker überboten sich in Diagnosen über den letalen Zustand des deutschen Steuerabkommens mit der Schweiz. Wegen der Blockade der rot und grün geführten Bundesländer ist die Generalamnestie, die dem Fiskus zehn Milliarden Euro bringen soll, bis heute nicht ratifiziert – und wird es wohl auch nicht mehr werden. „De facto tot“ sei das ungeliebte Abkommen, lautete der frohlockende Befund von mehreren Seiten. Für gänzlich tot hält es Generalsekretärin Andrea Nahles: „Jedes Gefeilsche“ sei „zwecklos“. Für den nordrhein-westfälischen Finanzminister Norbert Walter-Borjans, der laufend CDs mit gestohlenen Bankdaten erwirbt, ist es tot, „solange es nicht nachgebessert wird“. Er weiß freilich, dass Bern eine zweite Nachverhandlung kategorisch ablehnt.

Volle Rückendeckung hat er von NRW-Landesmutter Hannelore Kraft. Sie orchestriert den Widerstand. Bei der Abstimmung im Bundesrat im Herbst sollen die Reihen dicht geschlossen sein, um den „Ablasshandel“ zu Fall zu bringen. SPD-Bundespolitiker fordern ein Geschäftsverbot für Schweizer Banken, die sich nicht ausreichend kooperativ verhalten.

62 Prozent für CD-Käufe

Die Regierung in Berlin will eine Blamage vermeiden und hofft auf Wackelkandidaten unter den Ländern. Dazu zählt neben Hamburg auch Rheinland-Pfalz, dessen Finanzminister Carsten Kühl das Abkommen noch nicht ins Totenreich verbannt: „Etwas Leben steckt noch in ihm“, tröstete er den Schweizer „Tagesanzeiger“.

Tatsächlich rückt die SPD von ihrer wichtigsten Forderung ab, dem Verzicht auf die Anonymität. Denn das wäre das Ende des Bankgeheimnisses. Nun fordert man nur noch einen höheren Mindestsatz für die Nachversteuerung, 25 statt 21 Prozent. Dennoch: Die Atmosphäre scheint längst zu vergiftet, um den Pakt noch zu retten. In der Öffentlichkeit hat der Wind in der letzten Woche gedreht.
Bereits 62 Prozent der Deutschen finden es gut, dass der Staat Hehlerware kauft, um Steuerflüchtlingen auf die Spur zu kommen. Wasser auf die Mühlen der Abkommensgegner war ein Schulungsvideo der UBS. Es soll zeigen, wie Schwarzgeld nach Singapur in Sicherheit gebracht und der deutsche Kunde dazu überredet wird.
Mittlerweile schraubt der „Spiegel“ die Geschichte herunter: Das Video sei bereits sechs oder sieben Jahre alt.

Eine Kiste voller Steuertricks

Doch Steuerfahnder sprechen von laufenden Hinweisen auf Umgehungsstrategien. Die Rede ist von zwischengeschalteten Stiftungen in Liechtenstein, über die Treuhänder als Strohmänner wachen. Oder Briefkästen auf den Kanalinseln, die es ersparen, Kapitalerträge zu besteuern und die Steuer abzuliefern. Demselben Zweck sollen Zertifikate dienen, die nur spärliche Zinsen, aber hohe, quellensteuerfreie „Prämien“ abwerfen.

Solche kolportierten Tricks schüren Zweifel, ob die Schweiz überhaupt zu einem ehrlichen Deal bereit sei. Immer lauter wird der Ruf, Deutschland soll sich ein Vorbild an den USA nehmen: Washington verzichtet auf Diplomatie und erreicht mit direktem Druck auf die Banken weit mehr. Das hat allerdings auch mit einem größeren Erpressungspotenzial zu tun: Auf das lukrative US-Geschäft können und wollen die Schweizer Institute keinesfalls verzichten.

Das Abkommen mit Deutschland sehen sie hingegen eher gelassen. Derweil wächst unter den Schweizern der Unmut über die deutschen Provokationen. Eine bunte Allianz trommelt zu einem Referendum gegen das Abkommen. Bei 50.000 Unterschriften bis Ende September muss es am 25. November eine Volksabstimmung geben. Kurioserweise auch dann, wenn der deutsche Bundesrat dem Vertrag bis dahin schon den Todesstoß versetzt hat. Das nur mehr symbolische Votum wäre umso klarer: Wenn ihr das Abkommen nicht wollt, wir Schweizer brauchen es erst recht nicht.

Abgestimmt würde aber nicht nur über den Deal mit Deutschland, sondern auch gleich über die Vereinbarungen mit Großbritannien und Österreich. Am Ende der absehbaren Kettenreaktion müsste also das Finanzministerium in Wien auf eine Milliarde aus der Schweiz verzichten, die es längst eingeplant hat – der deutschen Opposition sei Dank.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.08.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

7 Kommentare

Die SteuerCD

wohl vergessen ?
Diese Scheibe hat dem armen Mann das Leben gekostet.
Jaja, er hat doch Selbstmord begangen der Mann.

Macht nur weiter so und steckt den Kopf in den Sand.

Gast: Justice007
21.08.2012 01:56
1 0

Steuerbetrugsbegünstigungsabkommen

Anders kann man es wohl nicht nennen. Wer sich auch nur halbwegs mit dem Thema befasst hat, weiß, dass Steuerkriminelle gegenüber Steuerehrlichen finanziell begünstigt würden, obendrein noch straffrei ausgingen und ihr weißgewaschenes Geld anschließend wieder zurückführen könnten, ohne noch strafrechtlich verfolgt werden zu können. Würde die schwarz-gelbe Regierung nicht die Anstrengungen auf EU-Ebene hintertreiben, gäbe es längst mithilfe der Marktmacht der gesamten EU den nötigen Druck, dem sich auch die Schweizer Banken nicht widersetzen könnten. Sich mit Peanuts zum Nachteil der Steuerehrlichen abspeisen zu lassen ist definitiv der falsche Weg. Es geht nur mit Druck und vereinten Kräften.

Gast: Richard Hübner
20.08.2012 21:24
0 1

Bitte auf Text achten--> die Reihen dicht geschlossen

....."Sie orchestriert den Widerstand. Bei der Abstimmung im Bundesrat im Herbst sollen die Reihen dicht geschlossen sein"...

Es tut weh, wenn Formulierungen aus Unkenntnis oder Schlampigkeit verwendet werden, die historisch eindeutig besetzt sind.
Siehe auch
de.wikipedia.org/wiki/Horst-Wessel-Lied

Vielen Dank
RH


Gast: b745
20.08.2012 19:47
2 4

jaaa

bringt den schurkenstaat schweiz vor ein internationales gericht
die achse des bösen beginnt in der schweiz

3 1

Europa

Ist ein Kindergarten und nichts anderes. Jegliche Diskussion unnötig.
Deutschland beschwert sich über Steuerflüchtlinge, würde sie nicht Milliarden in Europa, das noch keines ist verschenken, und die Schweiz in Ruhe lassen, die eh und je das bessere System haben.
Die Kleingeister, die der Meinung sind, die Schweiz müßte ihre Geldpolitik ändern sollte sich einmal Überlegen wenn es denn so wäre, was wäre dann? Der Glaube der Bürger, sie hätten dann mehr von ihrem Sauerverdienten Geld, wird sich in Luft auflösen. Gewinner sind nur die Großen und unsere eigenen Politiker die dann weitere Unsummen in die Ruine Euro stecken.

Antworten Gast: Matador
21.08.2012 09:30
0 0

Re: Europa

Der Zusammenhang ist so nicht gegeben. Steuerbetrüger legen seit jeher ihr Geld in der Schweiz an, unabhängig davon, ob DE Geld verschenkt oder nicht.
Das System war insofern lange günstig für die Schweiz, weil man nichts unternahm.

Gast: Wasserlaeufer
20.08.2012 12:13
1 3

Welcher korrupte osterr. Korruptionsausschuss

hat da wieder einmal zugestimmt?

Hobbyökonom