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Klage: Ratingagenturen zittern vor US-Richterin

22.08.2012 | 18:36 |   (Die Presse)

Erstmals hat ein US-Gericht die Argumentation der Ratingagenturen, sie würden bloß ihre "Meinung" abgeben, zurückgewiesen. Eine richtungsweisende Entscheidung.

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Wien/New york/Jil. Ratingagenturen stehen seit Beginn der Finanzkrise im Kreuzfeuer der Kritik. Bisher konnten die „großen Drei“ (Standard & Poor's, Moody's und Fitch) sich hinter dem großzügigen Recht auf Meinungsfreiheit in den USA verstecken. Wann auch immer Medien, Politiker oder Gerichte Näheres zu Verlässlichkeit und Zustandekommen der Ratings wissen wollten, hatten die Vertreter der Agenturen nur eine Antwort.

Ratings seien nicht mehr als „Meinungen“, hieß es dann immer. Das Ziel: Falsche Ratings, derentwegen zum Beispiel im Zuge der Lehman-Pleite viele Investoren Geld an den Börsen verloren haben, sollten relativiert werden. Wenn es sich nur um Meinungen handelt, dann kann man die Agenturen auch nicht für Fehler verantwortlich machen.

Die New Yorker Richterin Shira Scheindlin sieht das aber offenbar anders. Sie hat jetzt in einem Schadenersatzprozess einen Einspruch der Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's zurückgewiesen. Der Einspruch basierte auf der Behauptung, Ratings seien Meinungen. Stimmt nicht, sagt Richterin Scheindlin.

„Faktenbasierte Meinung“

„Bei Ratingurteilen handelt es sich zwar nicht um objektiv messbare Darstellungen von Tatsachen“, schrieb die Richterin in der Begründung. Die Ratings seien aber auch nicht bloße Meinungen, „wie die Ansicht, dass eine Küche besser sei als die andere“. Es handele sich vielmehr um „faktenbasierte Meinung“. Sie habe sich deswegen entschlossen, die Klage von 15 Großinvestoren gegen die Ratingagenturen zuzulassen.

Die Investoren haben beim Kollaps des Investmentfonds Cheyne im Jahr 2007 Milliarden verloren. Neben der Wall-Street-Bank Morgan Stanley machen die Kläger (darunter die Abu Dhabi Commercial Bank) auch die Ratingagenturen für ihre Verluste verantwortlich. Der Vorwurf: S&P und Moody's sollen dem Fonds auf Anweisung von Morgan Stanley eine Top-Kreditwürdigkeit bescheinigt haben – obwohl dies nicht der Realität entsprach.

Im Mittelpunkt des Prozesses wird wohl ein Gespräch zwischen zwei Mitarbeitern von S&P stehen, das via Instant–Messaging-Dienst geführt wurde. Die Transkription liegt dem Gericht vor.

Der Dialog:
Analyst A: „Der Deal ist lächerlich, wir sollten ihn nicht bewerten.“
Analyst B: „Wir bewerten jeden Deal.“
Analyst A: „Der Deal könnte von Kühen strukturiert werden, und wir würden ihn trotzdem bewerten.“

Ob die Analysten damals wirklich über Cheyne geredet haben, ist unklar. Aber im Zuge des Subprime-Booms haben viele „Schrottpapiere“ Topratings erhalten. Das Argument, dies seien nur Meinungen gewesen, hat die Ratingagenturen aber gut vor Schadenersatzforderungen geschützt. Zumindest bisher.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2012)

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59 Kommentare
 
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Verbrechersyndikat

Letztendlich entscheidet diese Richterin - etwas überspitzt formuliert - über die wirtschaftliche Zukunft aller Menschen. Sie hat es in der Hand dem grössten Verbrechersyndikat in der Wirtschaft das Handwerk zu legen.

Gast: Marsmensch
23.08.2012 18:03
0 0

---

Eventuell verlassen sich die Agenturen auch nur auf die Lügen, die ihnen die Firmen geben, die sie bewerten sollen. Auch die bekommen sicher keinen tieferen Einblick in deren Bücher.

Die Banken wissen vermutlich mehr über den Zustand der Firmen, aber schweigen.

endlich...

...diese entscheidung war seit 2008 fällig!

"..die Klage von 15 Großinvestoren gegen die Ratingagenturen zuzulassen"

wäre die klage durch 15.000 kleininvestoren eingebracht worden, dann habe ich meine zweifel, ob sie ebenfalls zugelassen worden wäre.

doch was solls, wenigstens ist das ein weg, die mafia zu bekämpfen: wenn eines der mitglieder von 'la famiglia' sich übervorteilt fühlt, dann wird er/sie gelegentlich auch zum 'pentiti' und bricht die 'omerta'.

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AAA - USA



Alleine diese Bewertung spricht alle Bände!!! Ein Staat im Bankrott, riesige Arbeitslosenzahlen seit vielen Jahren, kein Sozialsystem, stark steigende Armut, ein vollkommen wertloser Dollar, eine private und manipulative Notenbank... aber unbeherrschte Kriegeslust!!!
All das führt zum AAA für USA ! ,-)))

Antworten Gast: morten
23.08.2012 11:41
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Re: AAA - USA

..weil der usd an den ölpreis gekoppelt ist
..und weil die usa zwar in etlichen kriegen viel geld liegen hat lassen, die zerstörten häuser und straßen allerdings mit amerikanischen krediten wieder aufgebaut werden.

Die USA hat ihr Toprating schon vor Monaten verloren, ...

nur das Interesse an ihren Staatsanleihen hat hingegen nicht nachgelassen

Diese Frau Richter

soll sich auch gleich die Mineralölfirmen vornehmen.

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Die tollen Experten!

Ratingagenturen dienen der Manipulation, wie auch die meisten anderer Experten. Der Schaden, der durch diese hochgejubelten "Experten", egal welcher Branche, entstanden ist, wird viele Jahrzehnte seine Spuren hinterlassen! Ahnungslose Politiker, wie wir sie in der Regierung haben, holen sich immer wieder diese tollen Experten, damit sie für die eigene Blödheit eine Entschuldigung finden.

Wer die Hintergründe dieses Bankenkartell kennt, weiss auch, dass die wahren Schädlinge in der FED sitzen und diese Krisen bewusst verursachen, damit noch mehr unter ihren Einfluss, ihrer Kontrolle gestellt wird!

Antworten Gast: morten
23.08.2012 11:44
0 0

Re: Die tollen Experten!

einerseits sind es die agenturen, die ratings erstellen...

...andererseits die gläubiger, die diese meinungen übernehmen

Wissen sie überhaupt wofür die FED zuständig ist?

Die Ratingagenturen besitzen nur deshalb Einfluß, weil es sich niemand mehr leisten kann, alle Firmen selbst zu bewerten!

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Was versteht die justiz von Recht?

Meinungsäußerungen an sich sollen frei sein, "faktenbasierte" Meinungen aber nicht? Das ist keineswegs der Befreiungsschlag, als den ihn die Medien hinstellen, es bedeutet nämlich im Klartext: Träumen (nicht faktenbasiert) darf man (noch), für den Rest kann man verklagt werden.
In Wirklichkeit geht es nicht um Meinungsfreiheit sondern einerseits um Sachverständigenhaftung und andererseits um die Frage, ob Investoren ein einklagbares Recht auf Dummheit haben.

Re: Was versteht die justiz von Recht?

Ratingagenturen sie so etwas wie Notare, sie werden von den Firmen beauftragt, diese zu Bewerten und bekommen dafür Einblick in vertrauliche Unterlagen und zukünftige Konzepte, es ist also weit mehr als eine Meinungsäußerung.

Es sollte sogar einen Nachweis für die Ratings geben den man bei Bedarf als Beweis vorzulegen hat, denn z.B. Wirtschaftsprüfer sind ja auch für ihre Einschätzung haftbar.

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Re: Was versteht die justiz von Recht?

Investoren sind z.T. sogar durch Gesetze verpflichtet, fast immer aber durch Richtlinien, die Ratings als Bewertungsgrundlage heranzuziehen. Was hat das mit Dummheit zu tun? Sie würden sich schön beklagen, wenn Ihr Pensionsfond sich nicht nach den Ratings, sondern nach eigenen Bewertungen gerichtet hätte und Ihre Pension verspielt hätte.

Re: Was versteht die justiz von Recht?

Wenn Sie Ihre Existenz in die Hände anderer legen müssen um in Übersee Geld geliehen zu bekommen, dann schätze ich doch, dass Sie dafür eintreten werden, dass deren Äußerungen fundiert sind.

Sind Sie es nicht, sollte klarerweise Schadenersatz einklagbar sein. Wäre ja sonst noch schöner!

Sollte überall anders auch so sein! Ein Psychiater der einen Triebtäter nachhause schickt, sollte auch persönlich haften wenn dieser rückfällig wird.

Ein Statiker der sich verrechnet geht ja auch in's Gefängnis wenn das Haus über seinen Bewohnern einstürzt und diese erschlägt.

Diese Frau Richter ...

... könnten wir in Österreich auch gut gebrauchen – die FMA z.B. böte ein weites Betätigungsfeld ...

2 1

Judge Scheindlin, a Democrat at heart and a very well known personality in the NY court circuit, will NOT play their game. I think she will go for it and at the end the RAs will pay BILLIONS in compensations and hopefully sink like the Titanic in mid-ocean with no one coming to the rescue. they have caused too much damage with their "opinions". enough is enough!


Antworten Gast: Igeißel mi...
23.08.2012 09:31
0 0

Re: Judge Scheindlin, a Democrat at heart and a very well known personality in the NY court circuit, will NOT play their game. I think she will go for it and at the end the RAs will pay BILLIONS in compensations and hopefully sink like the Titanic in mid-ocean with no one coming to the rescue. they have caused too much damage with their "opinions". enough is enough!

Hear hear! Ihr Wort in Gottes Ohr

Gast: Money Maker aaahhhhh
23.08.2012 00:20
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Ratten Agenturen

Was? Die sollen gelogen haben?? Und ich dachte immer, die sind seriös und man kann ihnen alles glauben!?!?

Gast: b745
22.08.2012 22:23
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wenn die für den schaden den sie angerichtet haben zur kasse gebeten werden

dann zahlen die in tausend jahren noch ab das sind die größten verbrecherorganisationen noch vor der mafia und der schweiz

Das ist das Amerika

Nach dem ich mich Sehne !
Hoffe das dieser Richterin der Rücken gestärkt wird.

Re: Das ist das Amerika

Ich fürchte eher, diese Frau lebt gefährlich.

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Re: Das ist das Amerika

Ja, vor der Richterin kann man wirklich den Hut ziehen. Sie wird es sicherlich nicht leicht haben. Eine Schande, dass das bislang noch niemand gemacht hat.

Standard & Poors beispielsweise gehört zu Goldman Sachs. Die bestimmen also mit ihren Ratings, welche Konditionen Goldman Sachs verrechnen kann. Schlechte Bonität, hohe Zinsen. Komfortabler geht es ja schon nicht mehr.

Das ist ein Märchen!

S&P größten US-Verlag für Wirtschaftsmedien, McGraw Hill, deren genaue Eigentümerstruktur hier

http://de.finance.yahoo.com/q/mh?s=MHP

ersichtlich ist.


pssst sowas dürfens nicht verraten!


Gast: trader1
22.08.2012 20:20
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kühe in der felswand

. das leben auf der alm ist halt gefährlich ..
wenn die leitkuh schon senil oder sonst wie gestört ist in die felsen steigt, und die dummen kühe der leitkuh in die felsen nachsteigen ..

übrigens .. österreich hat noch AA ... alles in ordnung im steilhang :-):-)??

 
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Hobbyökonom