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Deutschland erwirtschaftet Milliardengewinn

23.08.2012 | 17:43 |   (Die Presse)

Während der Süden unter hohen Defiziten ächzt, schafft Deutschland im ersten Halbjahr einen Haushaltsüberschuss. Hoffnung auf ein ausgeglichenes Budget im Gesamtjahr könnte sich aber als verfrüht herausstellen.

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Wien/Ag./Weber. Die Nachricht ist Balsam auf die schuldengeplagte europäische Seele: Der deutsche Staat hat im ersten Halbjahr des laufenden Jahres mehr eingenommen, als er ausgegeben hat. Das gab es das letzte Mal im Jahr 2008. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) kann sich über einen Überschuss von 8,3 Mrd. Euro freuen. Das entspricht einem Plus von 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Zu verdanken hat er das aber nicht so sehr der eigenen Disziplin, sondern der stabilen Konjunktur. Wegen der guten Lage am Arbeitsmarkt erzielte die Sozialversicherung einen Rekordgewinn von 11,6 Mrd. Euro. Weil so viele Leute wie nie in Lohn und Brot stehen, stiegen die Betragseinnahmen kräftig an. Gleichzeitig sanken die Ausgaben – etwa für Arbeitslosenhilfe. Bei Bund, Ländern und Gemeinden klaffen dagegen immer noch große Löcher. Sie machten im ersten Halbjahr 3,3 Mrd. Euro Schulden. Der größte Schuldensünder ist hier der Bund: Er machte 6,9 Mrd. Euro Miese, die Gemeinden dagegen ein Plus von 4,4 Mrd. Euro.

Konjunktur sorgt für Gegenwind

Die unerwartet positiven Zahlen schüren die Hoffnung, dass Deutschland auch im Gesamtjahr einen Gewinn erwirtschaften könnte. Offiziell rechnet das Finanzministerium mit einem Defizit von 0,5 Prozent. Einen Überschuss im Gesamtjahr gab es zuletzt 2007, bevor Lehman Brothers pleite ging und die Weltwirtschaft in die tiefste Krise seit den 1930er-Jahren geriet.

Die Wirtschaftsforscher sind jedoch skeptisch: „Am Ende dürfte eine rote Null herauskommen“, sagt Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Spielraum für Mehrausgaben sieht er nicht: „Wir haben immer noch einen größeren Schuldenberg als Spanien.“ Etwaige Überschüsse sollten daher ausschließlich für den Schuldenabbau verwendet werden. „Wichtig ist eine nachhaltige Finanzpolitik“, stimmt ihm sein Kollege Heinz Gebhardt vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung zu.

Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass von der Konjunkturfront bald ein rauerer Wind wehen könnte. Wichtige Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes haben in der letzten Zeit nachgegeben. Im zweiten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft um 0,3 Prozent, nach 0,5 Prozent zu Jahresanfang. Wegen der anhaltenden Schuldenkrise dürfte sich die Konjunktur im dritten Quartal weiter abkühlen. Das könnte zu niedrigeren Steuereinnahmen und höherer Belastung der Sozialversicherung führen.

Überschuss auch in der Schweiz

Weil Anleger auf der ganzen Welt in deutsche Staatsanleihen flüchten, reduzierten sich die Zinskosten Deutschlands im ersten Halbjahr um 3,5 Prozent. Sollte hier der Wind drehen, etwa weil Investoren an der Bonität Deutschlands zu zweifeln beginnen, müsste Schäuble auch mit höheren Kosten bei der Neuverschuldung rechnen.

Auf einem deutlicheren Erfolgskurs befindet sich die Schweiz. Sie rechnet für 2012 bereits offiziell mit einem Überschuss von 1,5 Mrd. Franken (1,25 Mrd. Euro). Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Ausgaben des Landes deutlich unter Plan liegen. Auch hier profitierte der Bund von der Unsicherheit auf den Finanzmärkten. Investoren sind bereit, Schweizer Staatsanleihen mit Minizinsen von knapp über Null zu zeichnen. Für kurzfristige Geldmarktpapiere schenken sie dem Staat sogar Geld in Form von Negativzinsen.

Für Österreich liegen die Zahlen zum ersten Halbjahr erst Ende September vor. Im ersten Quartal erzielten Bund, Länder und Gemeinden laut Statistik Austria ein Minus von 5,6 Mrd. Euro. Bei einer Wirtschaftsleistung im ersten Quartal von knapp 74 Mrd. Euro entspräche dies einem Defizit von über 7,5 Prozent. Jedoch schwanken die Abgänge der Finanzministerin von Quartal zu Quartal stark. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass das erste Quartal traditionell jenes mit den bei Weitem höchsten Defiziten ist.

Offiziell rechnet Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) für heuer mit einem Defizit von drei Prozent. Nach der Veröffentlichung der Budgetzahlen für die ersten vier Monate des Jahres verkündete sie, daran festhalten zu wollen. Von Jänner bis April waren die Einnahmen gesunken, die Ausgaben aber gestiegen. Starke Zuwächse gab es bei den Pensionszuschüssen (plus 500 Mio. Euro) und bei der Beamtenpension. Auch einige der Kosten für die Rettung der Kommunalkredit fließen, anders als geplant, ins heurige Budget.

Auf einen Blick
Deutschland hat im ersten Halbjahr 8,3 Mrd. Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Ob es im Gesamtjahr auch einen Budgetüberschuss gibt, ist jedoch fraglich. Wenn sich die Konjunktur abkühlt – und danach sieht es aus – dürften die Steuereinnahmen weniger sprudeln als zuletzt. Die Schweiz hingegen rechnet fix mit einem Überschuss im Gesamtjahr. Für Österreich liegen noch keine Halbjahreszahlen vor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.08.2012)

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24 Kommentare

sollte gleich für den ESM abgeschöpft werden!

Solidarität mit den Südländern!

am deutschen wesen sollte die welt genesen

ohne den ganzen sued-zirkus im schlepptau und mit einer eigenen waehrung waere deutschland bereits die reichste nation der erde, gemessen an der kaufkraft des volks mit eigener waehrung (harte deutsche mark) - dann waere auch der spritpreis irrelevant, weil der biligst aus dem ausland gekaeuft werden kann

Gast: Gehrer O
24.08.2012 08:04
2 1

Die tüchtige Deutschen!

Hoffentlich schieben sie den Gewinn nicht den schwächelnden Südländer der EU in den Rachen.

Antworten Gast: xyz und abc
24.08.2012 12:16
4 0

Re: Die tüchtige Deutschen!

nichts ist leichter als stereotyp zu sein, gell

"Deutschland erwirtschaftet Milliardengewinn"

Was für eine völlig vertrottelte Überschrift! Steuereinnahmen als "wirtschaften" zu bezeichnen ist ziemlich weit hergeholt. Von "Gewinn" zu sprechen, wenn ein Staat ausnahmsweise mal mehr einnimmt, als er zumindest im regulären Budget ausgibt, ist noch kreativer. "Milliardengewinn" mag zwar für ein Unternehmen eine gewisse Souveränität und Größe ausdrücken, bei einem Staatshaushalt ist ein Milliarde aber eher wenig.

Ausserdem: während der Staat mal ausnahmsweise 8 Mrd. "Gewinn" macht, hat er andererseits gut 800 Mrd. an vorhersehbaren Verlusten in Form von Rettungspaketen und Garantien "erwirtschaftet".

Das erinnert ein wenig an Lehman Bros. Die hatten auch ein AAA Rating und Milliardengewinne als sie bankrott gingen.

Re: "Deutschland erwirtschaftet Milliardengewinn"

"erwirtschaften" heisst, wie werden ausgaben sinnvoll und effizient geplant und gesetzt.
anders als zb hackler am schreibtisch mit ca 53 in pensi zu wchicken (wien), gelder via ausgelagerter firmen zu verzocken, silber zu verscherbeln oder an haberer zu verschenken, alles legal....

ok?

Gast: ludwigvonmises
23.08.2012 21:34
0 0

Crack up boom

Die Angst vor Geldentwertung treibt das Geld aus dem Geldbörsel

Gast: Rechenkönig
23.08.2012 20:14
0 6

Alles relativ

bei 2 Billionen Euro Schulden soll Deutschland die Goschen halten.

Gast: b745
23.08.2012 19:28
0 5

die deutschen verdienen sich dumm und dämlich an der krise

und ruinieren den rest europas

Re: die deutschen verdienen sich dumm und dämlich an der krise

Auf Sie habe ich schon gewartet...

Im Text steht ja u.a. geschrieben (Zitat): "Auch hier profitierte der Bund von der Unsicherheit auf den Finanzmärkten" (gemeint: Sehr tiefe Zinsen auf Staatsanleihen).

Selbstverständlich gibt es Staaten, die von der aktuellen Unsicherheit profitieren. Dies aufgrund ihrer (relativ) "konfortablen" Lage (kompetitive Volkswirtschaft, lediglich "halbkranker" Staatshaushalt, etc.). Dies ist einer Marktwirtschaft jedoch inhärent! Für Sie, werter b754, sind die Profiteure selbstverständlich Schurkenstaaten, die gefälligst solidarisch mitzuhungern haben.

Antworten Antworten Gast: Altkater1
23.08.2012 20:37
1 0

Re: Re: die deutschen verdienen sich dumm und dämlich an der krise

Werter Helvetier!

Dieser B-dingstibumsti ist ein bekannter, nicht ernstzunehmender linker Forentroll.

Was mich aber doch sehr verwundert, seine meist wirren Postings sind überall zu finden, während andere neutrale Wortmeldungen einfach verschwinden.

Ob das vielleicht doch was mit der Presseförderung zu tun haben könnte?

Jetzt bin ich neugierig ob das durchkommt.

Re: Re: Re: die deutschen verdienen sich dumm und dämlich an der krise

Durchgekommen ;-)

Keine Ergänzungen meinerseits.

Mit den besten Grüssen.

Die Schätzen und Orakeln hat ein Ende

Die Deutschen haben gezeigt, was zählt:
- eine super effiziente Wirtschaft
- ein tragfähiger Ausgleich zwischen Unternehmern und Arbeitern (Schröder sei Dank)
- und die Sparmoral der schwäbischen Hausfrau (sind auch erst jetzt draufgekommen).

Die Studie der UBS wurde Lügen gestraft:
Wenn die Deutschen so schlecht verdienen, wo haben die dann das Geld her? Und dass sind keine Schätzungen sondern die konkrete Abrechnung der Einnahmen.

Die Deficit-Spender wurden Lügen gestraft:
Alle die Geld für die ineffizente Wirtschaft ausgeben wollen (zB: FR, I,A). Wo ist das Wirtschaftswachstum? Die Leistungsfähigkeit? die geringere Arbeitslosenzahl? Das Geld ist weg, und damit die Chance in Zukunft sinnvoll zu investieren.

Die FED wurde Lügen gestraft:
Sie hat den Markt zur Unterstützung mit Geld geflutet. Und was hats gebracht? Die Börsen steigen in Höhen, wo der Fall dann länger dauert und der Aufprall mehr weh tut. Und was hats sonst noch gebracht? Der Konsum steigt nicht mehr, weil keine Ersparnisse da sind und er Staat häuft Schulden an, die er teuer bei den Banken abzahlen muß.
In den USA baut sich die nächste Blase auf. Wenn die platzt, platzt auch China, und dagegen war dann 2008 ein Kindergeburtstag.

Gott sei Dank, geht es "nur" um Geld und bis jetzt war noch niemand so blöd eine Rethorik wie nach 1929 anzufangen.

Antworten Gast: Halbwissen
23.08.2012 14:29
0 0

Re: Die Schätzen und Orakeln hat ein Ende

Ist Ihr Kommentar ironisch gemeint ?

Denn wenn dies so ist, so werden Sie von Zahlen geblendet.

Antworten Antworten Gast: Halbwissen
23.08.2012 14:54
1 0

Re: Re: Die Schätzen und Orakeln hat ein Ende

Denn wenn dies NICHT so ist, so werden Sie von den Zahlen geblendet.

Wie hatte schon Kreisky anlässlich des Sieges der CDU unter Helmut Kohl gemeint:

"In Österreich gehen die Uhren anders!"

Kein Wunder, wir sind ja wie Griechenland, Italien, Portugal und Spanien schon südlich des Weißwurstaquaators.

Krisen.

na klar- mit den Krisen in Griechenland, Spanien, Portugal verdienen die Deutschen enorme Summen verbunden mit einem vergleichbar geringen Aufwand.

Re: Krisen.

Falsch!
Die Deutschen hatten 20-30 Jahre Aufwand, um jetzt die Reserven zu haben die "reiche Tante" zu spielen.

Stellen sie sich vor, ein Strache wäre an der Macht, und würde den GR kein Geld geben (können). Die Länder hätten andere Probleme, als den Zeitrahmen der ihnen gesetzt wurde. Wahrscheinlich wären ganze griechische Inseln billig zum haben. Ich würde ihnen dann "helfen".

Auf die Deutschen zu schimpfen ist natürlich einfache populische Argumentation der griechischen Beamtengewerkschafter, aber das Geld von denen ist das einzige, dass sie noch irgendwie auf dem Wasser treiben läßt.

Re: Re: Krisen.

strache an der macht will ich mir nicht mal vorstellen. Mein Statement ist eigentlich NICHT als beschimpfen der Deutschen gedacht - sondern das Verdienen an Krise der Griechen wird ja nicht mal von der Deutschen Regierung geleugnet - es ist einfach eine Tatsache. Auch Österreich verdient ein bisserl damit. "geht es den Griechen schlecht freut es die es die anderen"

Auf dem falschen Fuss erwischt!

... hm, da tun sich jetzt aber viele kampposter schwer da für Deutschland was negatives rauszulesen... nach 20 Minuten bin ich der erste der was dazu schreibt!

Bin mir aber sicher nach dem ersten Schock finden sich wie gehabt ein ganzer schopf in der suppe.

Gast: masselle
23.08.2012 12:22
1 0

Überschuss

Überschuss ??!!! ...bitte gleich nach Griechenland etc.. überweisen.... die können sich dann weiter ausruhen auf Kosten der anderen Mitgliedstaaten...

Gast: 1. Parteiloser
23.08.2012 12:22
2 1

Bei einem Schuldenstand von mehr als 2.000.000.000.000.- Euro wäre eine langsame Rückzahlung auch dringend erforderlich!

Deutschland ist ja selber mit irren Summen verschuldet. Die Schuldenquote lag auch Ende 2011 schon bei kranken 81,5% des BIP.

Dass Deutschland aktuell so gut beurteilt wird hängt wahrscheinlich mit den Steuererhöhungen (kalte Progression!) zusammen, welche die Abgabenquote erheblich über das Niveau von 2011 (43,4%!) treiben wird.

Nicht zu verachten auch die aktuell extrem niedrigen Finanzierungskosten für die Schulden. Jedes 1% an geringeren Zinskosten schlägt mit 0,8% beim Defizit zu Buche. Das bedeutet nichts anderes, als dass Deutschland bei Zinsen von 6-/% pro Jahr (wie E, I) anstatt dem tollen ausgeglichenen Budget 2012 ein Defizit von 4-5% haben würde!

Ich würde meinen, dass sich Deutschland nur scheinbar von der Staatsausgabenkrankheit erholt hat, die Lage nur im Vergleich mit den anderen Euroländern gut aussieht.

Wahrscheinlich wird aber Frankreich den letzten Stoß auf den Euro geben und diesen samt EU in die Luft jagen. Frankreich wird also Vernichter der EU in die Geschichte eingehen und Hollande diese Ehre bekommen.

1 0

Verglichen mit anderen Euro-Ländern steht Deutschland gut da.

Oder anders formuliert.
Unter Blinden ist der Einäugige reich!

Gast: Kurt der Beständige
23.08.2012 12:22
0 0

Und wer ist verantwortlich? Der Euro!

Ahso, nein. Der Euro ist ja nur verantwortlich für die negativen Entwicklungen!
Alle anderen Einflussfaktoren lasse ich jetzt mal beiseite, weil es mein Gehirn überfordert, so wie bei der UBS-Studie...

Hobbyökonom