Wien/München/APA/Reuters. Die Angst vor dem nächsten Abschwung vermiest den deutschen Unternehmen weiter die Stimmung: Angesichts der weltweit trüben Aussichten für die Konjunktur und der nach wie vor ungelösten Schuldenkrise in Europa sank der Münchner Ifo-Index im August bereits zum vierten Mal in Folge. „Die deutsche Konjunktur schwächt sich weiter ab“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Montag. Seit Mai sinkt der Geschäftsklima-Index, der als Frühindikator gilt. Deutschland, der Konjunkturmotor Europas, gerät zunehmend in den Sog der Krise.
Volkswirte sehen bereits nach drei Rückgängen in Folge eine Trendwende für die Wirtschaftsentwicklung. Im August sank das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer von 103,2 auf 102,3 Punkte und nähert sich damit der kritischen Marke von 100 Punkten weiter an. Zwar bewerteten die befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage nur wenig schlechter als noch im Juli, sie schraubten aber ihre Erwartungen für die kommenden Monate deutlich herunter.
Auch die Aussichten der lange erfolgsverwöhnten Industrie schwächten sich im August deutlich ab. „Erstmals seit fast drei Jahren sind auch die Erwartungen an das Exportgeschäft überwiegend leicht negativ“, so Sinn. Die Ausfuhren sind die wichtigste Stütze der deutschen Industrie und damit der gesamten Wirtschaft. Ökonomen erwarten für die Wirtschaftsentwicklung im zweiten Halbjahr eine weitere Abkühlung.
Konsum noch relativ robust
Neben exportorientierten Branchen sieht es auch für den Konsum nicht mehr so rosig aus, nachdem er zuletzt angesichts guter Daten vom Arbeitsmarkt und hoher Lohnabschlüsse noch die Konjunkturstütze in Deutschland war. „Einzelhandel und Großhandel sind ziemlich abgestürzt“, sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe.
Vor allem bei Nahrungs- und Genussmitteln laufe es schlechter. Insgesamt sei der Konsum aber immer noch relativ robust. Auf die Stimmung schlagen sich die schlechteren Perspektiven, auch wegen der Rekord-Benzinpreise. „Der Großhandel ist zum sechsten Mal in Folge gesunken.“ Hier wirke sich die Unsicherheit aus, wie es in der Eurokrise weitergehe. Der Blick richte sich nun auf die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum dauerhaften Rettungsschirm für die schuldengeplagten Länder und den mit Spannung erwarteten Bericht der Troika zu den Reformfortschritten in Griechenland.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2012)


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