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Lufthansa: Die „zahme“ Kabine streikt

28.08.2012 | 16:57 |   (Die Presse)

19.000 Flugbegleiter wollen den Sparkurs der deutschen Fluglinie Lufthansa durch Streiks verhindern. Ein wochenlanges Chaos auf den Flughäfen droht. Auch die AUA ist durch eine geleaste Maschine betroffen.

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Berlin/Wien/gau/jaz. Sie servieren Kaffee und führen Schwimmwesten vor, verlieren selten die Geduld und lächeln freundlich. Noch nie haben die 19.000 Stewardessen und Stewards der Lufthansa gestreikt, ganz anders als die kampfeslustigen Piloten oder die Lotsen an deutschen Flughäfen. Doch nun, just vor Ende der Ferienzeit in Süddeutschland, ist es soweit: „Wir sind ab heute im Arbeitskampf“, verkündete die Gewerkschaft der als „zahm“ bekannten Kabine am Dienstag.

Ihr Name ist UFO, und nicht identifiziert sind vorerst auch die Flugobjekte, die ab Mittwoch ohne offizielle Vorankündigung punktuell bestreikt werden sollen. Nur die Mitarbeiter erfahren per SMS, welche Maschinen am Boden bleiben. Mit dieser Taktik der Nadelstiche will die Gewerkschaft Notfallpläne des Arbeitgebers vereiteln.

Die absehbare Folge ist ein Chaos auf den Flughäfen. Erst recht dann, wenn laut Plan „mittelfristig“ (das ist frühestens in einer Woche) flächendeckend gestreikt wird. Bis dahin will die AUA-Mutter zumindest die Interkontinentalflüge und ihre Zubringer über die Drehkreuze Frankfurt und München irgendwie sichern. Andere Kurz- und Mittelstrecken dürften umso stärker betroffen sein. Ein Vollstreik würde den DAX-Konzern jeden Tag Millionen kosten. Der Kurs der Aktie ging gestern um 1,6 Prozent zurück.

Eskalation eines langen Streits

Der jetzt eskalierte Tarifstreit dauert schon ein Jahr. Es geht dem Kabinenpersonal nicht nur um eine fünfprozentige Lohnerhöhung. Es will den gesamten Sparkurs zu Fall bringen, der dem Kranich im härter werdenden Wettbewerb die Flügel stärken soll.
Die Vorgabe lautet: Um 1,5 Mrd. Euro mehr Ergebnis bis 2014. 600 Mio. sollen dafür Einsparungen im Passagiergeschäft beisteuern. Dabei ist bei den Flugbegleitern gar kein Personalabbau geplant, nur in der Verwaltung soll es Kündigungen geben. Aber nach dem Willen von Konzernchef Christoph Franz müssen die Kosten auch in der Kabine runter.

Deshalb rekrutiert seit Juni die Zeitarbeitsfirma „Aviation Power“ neues Personal für den Ausbau des Berlin-Geschäfts der Lufthansa. Nach ihren Verträgen wird länger gearbeitet, die Gehaltskurve verläuft flacher. Das „Senioritätsprinzip“ mit laufenden automatischen Erhöhungen, das einem länger dienenden Kabinenchef über 7000 Euro brutto pro Monat beschert, ist der Lufthansa-Führung nämlich ein Dorn im Auge.

Der Hintergrund des Sparprogramms ist die Sorge um die Zukunft. Noch geht es der Lufthansa zwar gut, defizitäre Zukäufe stößt sie gerade ab – mit Ausnahme der AUA. Aber zwei Konkurrenten machen ihr das Leben immer schwerer: Ryanair greift auf den kurzen Distanzen an, Emirates auf der Langstrecke. Beide Airlines haben einen entscheidenden Vorteil. Ihre Lohnkosten sind weit niedriger. Bei der irischen Billigfluglinie liegt es am ausgedünnten Service, beim Aufsteiger aus dem Orient am deutlich niedrigeren Lohnniveau für das Bodenpersonal. Schon vor einer Woche stärkte Aufsichtsratschef Jürgen Weber dem Lufthansa-Management für den absehbaren Streik den Rücken: „Besser man lässt es zum großen Knall kommen, bevor sich das Unternehmen aus dem Wettbewerb katapultiert.“

AUA hat Lufthansa-Airbus

Einen Streik könnte auch die Lufthansa-Tochter AUA direkt zu spüren bekommen. Denn aufgrund des Pilotenmangels fliegt noch bis 9. September ein Lufthansa-Airbus mit deutschem Personal täglich von Wien nach Dubai. Dieser Flug würde bei einem flächendeckenden Streik ebenfalls ausfallen. „Wir rechnen jedoch nicht damit“, so AUA-Sprecher Peter Thier.

Indirekt wäre die AUA aber auf jeden Fall betroffen. Wenn etwa Lufthansa-Verbindungen zwischen Österreich und Deutschland ausfallen. In diesem Fall könnten größere Flugzeuge auf diesen Routen eingesetzt werden, um einen Teil der mit Lufthansa-Tickets gestrandeten Passagiere mitnehmen zu können, heißt es bei der AUA.

Auf einen Blick
Die Gewerkschaft des Kabinenpersonals UFO und die Lufthansa-Führung konnten sich im seit Monaten schwelenden Tarifstreit nicht einigen. Die 19.000 Flugbegleiter befinden sich daher „im Arbeitskampf“. Ab sofort soll es zu unangekündigten Streiks kommen. Die AUA will auf Ausfälle von Lufthansa-Flügen nach Deutschland mit größeren Maschinen reagieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)

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24 Kommentare
Gast: holar
29.08.2012 15:31
3 0

gebt leiharbeiter-firmen keine chance

Der Leiharbeiter arbeitet billiger, damit Leiharbeiterfirmen verdienen - und Festanstellungen "verschwinden"
Toll für die Firmen - hire and fire- Prinzip- etwas versteckter halt als z.B. in USA

Finde es richtig, dass sich mal jemand gegen die wehrt.
Und jeder der dagegen ist (auch dein Job kann jederzeit so vergeben werden!), dass sich da mal jemand öffentl. wehrt, dem wünsche ich einen Leiharbeiter (der selbst ja nichts dafür kann - politisch gewollt m.M.nach), der seinen Job übernimmt!


Gast: Revolutionsbroschüre
29.08.2012 10:37
0 1

7000 Euro brutto pro Monat

sollte bei dieser industriellen Teuerungswelle eigentlich der europäische Mindestlohn sein.

Gast: Flügelspieler rechts außen
29.08.2012 09:58
1 0

Warum nur sollten arbeitende Menschen

zugunsten der Aktionärsgewinne sparen?

Gast: economeuss
29.08.2012 09:02
1 4

Ist dieser Herr Hable jetzt etwa bei der Lufthansa? Die Armen . . .


1 5

Dann werd ich sie verklagen... ;)

Wir befinden uns gerade auf Berlinurlaub...
Wenn wir morgen nicht nach Wien kommen, verklag ich sie! :)

Da fliegst nach langem wieder einmal mit der LH...

Beim vorletzten Flug nach Hamburg - Sie müssen sich selbst an Bord darum kümmern, dass sie beieinander sitzen können. (Wir waren in einer Reisegruppe mit zwei von unseren Kindern gebucht, alle mit Namen Raith (2EW, 2KD) und sie haben es nicht geschafft uns jeweils einen Platz neben einem Kind zu geben.

Am Schalter: Die Person am Gate kümmert sich darum; Am Gate die Person im Flugzeug kümmert sich darum; Im Flugzeug: Sie müssen sich selbst darum kümmern! Noch dazu war der Flieger überbucht und am Gate wurde ausgerufen - wer mit der nächsten Maschine fliegt bekommt 75€!

Also wozu noch Personal im Flieger? Die Schwimmweste und den Sauerstoffzutz kann jeder selbst anlegen... (Kann mich jetzt gar nicht erinnern wann der letzte Druckabfall od. Wasserlandung gewesen wäre, wo diese Sachen zur Lebensrettung beigetragen haben)!


Antworten Gast: gast345
30.08.2012 15:10
1 0

Re: Dann werd ich sie verklagen... ;)

Also, wenn Sie Wert darauf legen, mit bestimmten Nachbarn zu fliegen, dann machen Sie halt rechtzeitig einen Web-Check In. Mir ist es noch immer gelungen, einen zufriedenstellenden Platz zu kriegen. Nachdem das die meisten machen, bleibt natürlich nicht mehr viel an Auswahl, wenn Sie tatsächlich bis zum Eintreffen am Flughafen damit warten oder gar erst wenn Sie an Bord sind. Und Computerzugang haben Sie ja im Urlaub offensichtlich, wenn Sie solche Posts produzieren. Wenn sich im Flieger alle nach Lust und Laune umsetzen, dauert das Einsteigen ja noch länger! Also das sollte nicht der Job des Kabinenpersonlas sein. Aber vielleicht finden Sie als nächstes, die Piloten sind auch überflüssig, weils eh Autopilot gibt? Und ja wenn Sie morgen nicht nach Wien kommen, gibts es rechtliche Möglichkeiten, aber Klage wird da nicht nötig sein, informieren Sie sich einfach, was Ihnen dann an Kompensation zusteht.

0 0

Re: Re: Dann werd ich sie verklagen... ;)

;) Sie werden es kaum glauben... aber ich fliege schon seit's geht nur mehr mit QR-Code...
Aber: Mit Kinder geht der WEB Check in halt nicht immer. (Man wird zum Schalter bestellt)
Und zu guter letzt: Der LH Flug heute wurde von der "AUA" durchgeführt! Service super! Die Flugbegleitung darf bleiben! ;)

Re: Dann werd ich sie verklagen... ;)

peinlich mit was sie hier kommentieren, sie sollten auf Bahn, Bus

Passagiere?

am Schluss sind die Kunden wieder die dummen ...

5 0

Re: Passagiere?

Aus dieser Sicht dürfte das für jeden Streik gelten denke ich. Andererseits kämpfen die FB auch gegen Billigpersonal und Leiharbeit in der Kabine - für den Passagier finde ich eher ein Vorteil, wenn man bedenkt, dass außer Kaffee und Saft u.A. auch die Sicherheit an Bord, bei Evakuierungen etc. von der Crew abhängt.

Gast: ghjghjhgj
28.08.2012 22:23
1 7

KLARE ANTWORT: NURMEHR BILLIGFLIEGER OHNE (!!!!!!!) GEERKSCHAFT BUCHEN

warum sind andauernd die fluggäste (!!!!) die leidtragenden, wenn sich gewerkschaften weiterhin pfründe leisten wollen und anstatt etwas realistischer zu sein die fluggäste (!!!!) zu verärgern?

denken diese gewerkschaftler, die vermutlich noch nie dreck unter ihren fingernägeln hatten, dass dieser streik den fluglinien nichts kostet?
noch dazu der imageschaden ...

ich fliege sehr viel und haben termine und kann auf keine unzulässigen "guten" fluglinien mehr zählen. meine klare antwort wird sein, nurmehr billigflieger zu buchen. die machen sie ihre personalstreitereien zumindest hinter den kulissen aus und nicht über den fluggast (!!!!!)

anscheinend geht es in ein gewerkschaftshirn aber nicht rein, dass man mit solchen ewig feigen aktionen die leute welche mit ihren tickets auch die gewerkschaftler zahlen, es sich ziemlich verscherzen kann.

immer dieses depperste streiken, wo fette gewerschsaftsbonzen an der macht sind.
geht endlich mal SELBST ARBEITEN und arbeite PRODUKTIV; damit ihr das geld auch mal SELBST verdient was ihre unnötigen kröpfe kostet!!!!!!!!

Re: KLARE ANTWORT: NURMEHR BILLIGFLIEGER OHNE (!!!!!!!) GEERKSCHAFT BUCHEN

dann schaue auf die Qualität wegen 50 Euro mehr oder weniger

Gast: statuskunde 223
28.08.2012 22:02
3 2

7000 Euro Gehalt eines Flugbegleiters

das kann ja wohl nicht wahr sein, dass ein Purser bei LH 7000 Euro im Monat verdient - um Gäste zu bedienen und f. die Sicherheit an Bord verantwortlich zu sein.

Und jetzt noch 15 % mehr Gehalt verlangen das ist UNVERANTWORTLICH

Antworten Gast: hora
29.08.2012 15:45
2 0

Re: 7000 Euro Gehalt eines Flugbegleiters

Statuskunde sind sie sicherl nicht - 15% mehr Gehalt.
Flugbegleiter verlangen die nicht (5%! nach 3 J.Nullrunde!- aber nicht beim Vorstand!!) - Statuskunden können nämlich lesen ;-)
-geh ich mal von aus-


Antworten Gast: the nors
29.08.2012 08:34
1 3

Re: 7000 Euro Gehalt eines Flugbegleiters

also für die Sicherheit an Bord VERANTWORTLICH ist immer noch der Kapitän.

Da sieht man, wie man der Allgemeinheit etwas als besser verkaufen kann, als es ist Wahrheit ist.

Die 7000€ wären in der Tat mehr als gerechtfertig werden kann. Wenn es gerechtfertig wäre, hätte ich gerne für Programmierer im sicherheits-relevantem Umfeld einen sofortigen Gehaltsanstieg auf mindestens diese 7000.

Stelle man sich vor, Programmierer gehen mal streiken? oder Leute in der Bank?

Diese Streikkultur finde ich zum kotzen.
wieso soll mein Mann nicht nach einer langen Arbeitswoche nach Hause kommen können!!!?? der arbeitet auch 50 Stunden in der Woche! und verdient nicht das, was er verdienen sollte. trotzdem macht der seine Arbeit!

Re: Re: 7000 Euro Gehalt eines Flugbegleiters

der Kapitän tut sich aber schwer, an bis zu 8 Notausgängen gleichzeitig panische Passagiere zu evakuieren.
Ansonsten kann ich ihrem Mann nur raten: SELBST BEWERBEN!

Gast: Ein Vielflieger
28.08.2012 21:00
1 1

Das war einmal ....

... das einem länger dienenden Kabinenchef über 7000 Euro brutto pro Monat beschert.

Für was? 1970 kostete ein Flug von GRZ nach FRA 5.000 Schillinge. Jezt kriegt man das für 99 € ...

Gast: Fprester
28.08.2012 14:29
4 2

Swiss mit operativem Überschuss!

Der Lufthansakonzern hat im ersten Halbjahr 20 Mio. Euro operativen Verlust gemacht. Interessanterweise konnte die Swiss im gleichen Zeitraum mit einem operativen Plus von 61 Mio. CHF abschliessen. Und dies trotz (oder wegen?) des hohen Frankenkurses. In D und A sollte man sich dazu Einiges überlegen. Offenbar ist die Nichtmitgliedschaft im Euro doch nicht so kritisch.

mhmmm !

ge i le "stewardössen" :-)

AUA als Generalprobe

die Geschichte wiederholt sich

Gast: vielflieger
28.08.2012 09:09
12 1

Na dann Gute Nacht Lufthansa

Die Aktie ist sowieso kaum noch was wert, und fällt so weiter ins Bodenlose.
Der Konzernlenker Franz fährt einen erbarmungslosen Crashkurs, der am Ende keinem etwas nützen wird.
Weder dem Kunden, noch den Mitarbeitern

Der Konzernlenker Franz fährt einen erbarmungslosen Crashkurs,

So sind sie eben die Prämienoptimierer, gute Ideen und dann völliger Mist, Hauptsache es gibt Prämien dafür!

Re: Der Konzernlenker Franz fährt einen erbarmungslosen Crashkurs,

Sie haben doch mit Österreich nichts mehr zu tun.

Haltens gefälligst die Guschen

Re: Re: Der Konzernlenker Franz fährt einen erbarmungslosen Crashkurs,

Gosche - Singular. die Goschen Plural

Hobbyökonom