[Frankfurt/New york/ju/ag.] Ben Bernanke allein zu Hause: Unter diesem Titel läuft heuer das jährliche Treffen der wichtigsten Notenbanker des Globus in Jackson Hole (USA) ab: EZB-Chef Mario Draghi und der Schweizer Notenbankpräsident Thomas Jordan – also die wichtigsten Notenbanker Kontinentaleuropas – haben ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt. Draghi hätte Freitagabend im Anschluss an den amerikanischen Notenbankpräsidenten Ben Bernanke eine Rede vor dem erlauchten Publikum halten sollen.
Das jährliche Treffen in Jackson Hole gilt als Pflichttermin für Notenbanker. Bei dieser Zusammenkunft waren bisher die Politiken der wichtigsten Notenbanken auf informeller Basis abgestimmt worden. Umso stutziger machen Experten die offiziellen Absagegründe: Draghi führt „Arbeitsüberlastung“ ins Treffen, in der Schweiz findet, so ein Pech aber auch, just zum Zeitpunkt der Jackson-Hole-Konferenz eine Routinesitzung des SNB-Bankrats statt. Die kann der Präsident natürlich nicht schwänzen.
Märkte reagieren verhalten
Die Märkte haben auf die merkwürdigen Absagen bisher verhalten reagiert. Unterdessen mehren sich aber die Stimmen, die die offiziell angeführten Gründe anzweifeln. „Da bahnt sich am Wochenende etwas Größeres an“, hieß es. Zumal die EZB auch keinen anderen Vertreter aus dem Direktorium schickt. Der österreichische Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny wird (ebenso wie sein Vize) in Jackson Hole nicht teilnehmen. Beide haben Wichtigeres zu tun: Sie treten in Alpbach auf. Der deutsche Bundesbankpräsident Weidmann ist der einzige Top-Euronotenbanker, der seine US-Reisepläne bisher nicht geändert hat.
Wenn Notenbanker ihr Programm umstoßen, dann steht meist etwas bevor. Schweizer Zeitungen verweisen darauf, dass ihr Notenbankchef Jordan vor genau einem Jahr kurzfristig einen wichtigen Bankenkongress abgesagt hatte – um dann die Bindung des Franken-Kurses an den Euro zu verkünden.
Für die Eurozone wird die kommende Woche tatsächlich heikel: Am 6. September tritt die EZB-Spitze das nächste Mal zusammen. Auf dem Plan steht nicht nur eine Zinsentscheidung, sondern auch eine Entscheidung über weitere Anleihekäufe durch die EZB. Darüber gibt es innerhalb der Gemeinschaftwährung einen tiefen Graben: Deutschland ist nach wie vor strikt dagegen.
In der Schweiz wird das wohl aufmerksam verfolgt: Bern hat zur Stützung des Franken-Kurses Europapiere in großem Stil aufkaufen müssen – und verfügt nun schon fast über mehr Eurostaatspapiere als die EZB selbst.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30. August 2012)
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