[Wien/ag./red.] Die USA sind ein Land der Autofahrer. Trotz der jüngsten Ausschläge des Ölpreises nach oben ist in kaum einem anderen westlichen Industrieland Treibstoff an der Zapfsäule so günstig wie zwischen New York und Kalifornien. Das führt dazu, dass der Spritverbrauch ein viel geringeres Gewicht beim Autokauf darstellt als etwa in Europa. Denn während in der EU der Durchschnittsverbrauch von Neuwagen im Vorjahr bei knapp 5,8 Liter je 100 Kilometer gelegen ist, waren es in den USA noch 8,6 Liter pro 100 Kilometer.
Dies will US-Präsident Barack Obama nun gesetzlich ändern. So verabschiedete er am Dienstag ein Gesetz, wodurch die seit 1973 bestehenden Effizienzvorschriften für Neuwagen deutlich verschärft werden. Der durchschnittliche Spritverbrauch für neue Autos muss demnach bis zum Jahr 2025 auf 4,3 Liter je 100 Kilometer sinken. In die Pflicht genommen werden dafür die Autohersteller.
„Diese Standards für den Treibstoffverbrauch sind der wichtigste Schritt, den wir jemals unternommen haben, um unabhängig von ausländischem Öl zu werden“, so Obama in einer Aussendung. Und um Kritikern des Gesetzes den Wind aus den Segeln zu nehmen, rechnet das US-Verkehrsministerium auch gleich vor, dass sich die amerikanischen Familien durch das Gesetz langfristig 1,7 Billionen Dollar (1,4 Billionen Euro) pro Jahr ersparen werden. „Die Nettoersparnis entspricht einem Absenken des Benzinpreises um einen Dollar pro Gallone (3,79 Liter, Anm.)“, heißt es weiter.
Deutsche kritisieren Gesetz
Dennoch folgte umgehend Kritik. Nicht nur von Obamas republikanischem Herausforderer für die Präsidentschaft, Mitt Romney, der bereits angekündigt hat, das Gesetz wieder rückgängig machen zu wollen. Auch die deutschen Autohersteller VW und Daimler kritisieren das Gesetz. „Die Bürden sind nicht gleichmäßig in der Branche verteilt worden“, so VW in einer Stellungnahme.
Konkret geht es darum, dass für Pkw und sogenannte „Light trucks“ (also den in den USA besonders populären Pick-ups und SUVs) unterschiedliche Kriterien gelten. Während bei Ersteren der Verbrauch pro Jahr um fünf Prozent sinken soll, sind es bei den größeren und spritschluckenderen „Light trucks“ nur 3,5 Prozent.
Von der US-Regierung wird diese Bevorzugung damit begründet, dass sonst typische Eigenschaften von SUVs und Pick-ups wie hohe Zuladung und große Anhängelast nicht mehr möglich sind. Laut den beiden deutschen Herstellern ist dies eine ungerechte Bevorzugung der US-Konzerne GM, Ford und Chrysler, die in ihrem Modellportfolio überdurchschnittlich viele Autos haben, die unter die „Light truck“-Regelung fallen.
Ähnlich wie bei der EU-Verordnung über den maximalen CO2-Ausstoß je Kilometer (was einer Verbrauchsmessung mit anderen Werten entspricht), müssen auch in den USA Hersteller Strafen zahlen, wenn der Durchschnittsverbrauch ihrer jährlich produzierten Flotte über dem gesetzlich vorgeschriebenen Schnitt liegt. Bei diesem Punkt gibt es wiederum regelmäßig Kritik von Umweltschützern. Denn die Strafen wurden seit dem Jahr 1983 lediglich um zehn Prozent angehoben. Die Inflation stieg währenddessen jedoch um knapp 120 Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30. August 2012)
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