[Wien/Weber] In Südeuropa hat sich die Eurokrise mittlerweile auch auf die Kaffeehäuser durchgeschlagen. Weil die Arbeitslosigkeit steigt und die Löhne sinken, verzichten immer mehr Spanier und Italiener auf ihren täglichen Kaffeekonsum oder brühen sich das Getränk zu Hause.
So heizen sie die Nachfrage nach günstigen Robusta-Bohnen an, während der Preis für die Sorte Arabica seit Monaten fällt. Die einfacher anzubauende Sorte Robusta wird vor allem zu Instant-Kaffeepulver und billigerem Supermarkt-Kaffee verarbeitet. In Kaffeehäusern, aber auch bei Starbucks, wird dagegen Arabica verwendet.
Das neue Konsumverhalten stellt den globalen Markt für Kaffeebohnen auf den Kopf. Die beiden Sorten entwickeln sich derzeit so unterschiedlich wie seit vier Jahren nicht. Während Ende 2011 ein Pfund (454 Gramm) der Sorte Arabica noch 115 Cent mehr kostete als eines der Sorte Robusta, beträgt der Abstand heute nur mehr 58 Cent. Experten zufolge könnte sich der Abstand bis Jahresende auf 44 Cent verkleinern.
Brasilianer holen auf
„Konsumenten haben sich in der vergangenen Zeit vornehmlich für günstigere Mischungen entschieden", heißt es in einer Analyse des Kaffeehändlers Volcafe. Auch hätten die Röster im Jahr 2011, als der Preis für Arabica-Bohnen auf ein 14-Jahres-Hoch geklettert war, ihre Rezepte verändert, um die Preise niedrig zu halten. Jetzt zögerten sie, die Mischungen so schnell wieder zu ändern.
Insgesamt gingen die Kaffeeverkäufe 2011 in Spanien um 2,6 Prozent und in Italien um 1,6 Prozent zurück. Schwellenländer gleichen die geringere Nachfrage jedoch aus. Schon in zwei bis drei Jahren könnte Brasilien der größte Kaffeekonsument der Welt sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30. August 2012)
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