Der deutsche Versicherungskonzern Ergo war 2011 durch eine Sex-Party in Budapest mit Prostituierten als Belohnung für Versicherungsvertreter in die Schlagzeilen geraten. Dies sei ein Einzelfall gewesen wurde stets betont. Interne Ermittler haben nun weitere Lustreisen aufgedeckt, wie das "Handelsblatt" berichtet. Demnach weilten die leistungsstärksten freien Vertreter der Ergo-Tochter Hamburg-Mannheimer auf Konzernkosten im Bordell auf Mallorca. Und auch für tagelange Aufenthalte in einem Swinger-Club auf Jamaika (Hedonism II) kam die Firma bis vor kurzem auf. Drei Berichte der Konzern-Revision, die der Zeitung vorliegen, belegen das.
Vor einem Jahr war publik geworden, dass die rund 70 besten Versicherungsvertreter im Jahr 2007 in der Budapester Gellerttherme Orgien mit rund 20 Prostituierten gefeiert hatten. Die Frauen wurden in Firmenfarben bemalt und mit farbigen Bändern ausgestattet. An diesen konnten die Vertreter erkennen, zu welchen Diensten die Prostituierten bereit waren. Die Kosten der Sexparty wurden zudem als Betriebsausgabe von der Steuer abgesetzt.
"Das berüchtigste Hotel der Welt"
Zwischen 2009 und 2011 fuhren Geschäftsstellen der Hamburg-Mannheimer in einen Swinger-Club in Jamaika. Die Reise im Jahr 2010 kostete laut Revisionsbericht etwa 75.000 Euro. Der Konzern kam dafür zwar offenbar nicht auf, gibt aber zu, dass es Zuschüsse für die Jamaika-Reisen gegeben habe, wie "Spiegel Online" berichtet. In dem Bericht heißt es auch: "Die Hotelbeschreibung enthielt unseres Ermessens Hinweise auf die Ausrichtung des Hotels."
Was damit gemeint ist, zeigt ein Blick auf die Homepage des Swinger-Clubs: "Seit dem Augenblick als Hedonismus II die Tore öffnete, vor rund fünfundzwanzig Jahren, ist es das berüchtigste Hotel in der Welt für Singles und Paare ab 18 Jahren", wirbt das Hedonism II. Und: "Jeder Gast kommt mit einer unglaublichen Geschichte und mit einem verwegenen Lächeln Heim und träumt schon von nächsten Urlaub im Hedo II."
"Budapest war ein Einzelfall"
Laut Unternehmenssprecher Alexander Becker lassen sich die Ausflüge in den Swinger-Club in Jamaika nicht mit der Lustreise in Budapest vergleichen: "Bei dezentral organisierten Reisen wurde unternehmensseitig nicht die Auswahl von Hotels oder inhaltliche Ausgestaltung der Reise geprüft, sondern die Einhaltung formaler Kriterien für Reisewettbewerbe. Die Entscheidung über die Auswahl des Hotels wurde vom selbstständigen Vermittler getroffen. Budapest war nach unserer Kenntnis ein Einzelfall."
(phu)
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