24.05.2013 23:43 Merkliste 0

Wiener Privatbank soll Baumarkt-Kette Praktiker retten

30.08.2012 | 20:24 |   (DiePresse.com)

Praktiker-Manager nahmen Verhandlungen mit der Bank Semper Constantia auf, die mit knapp fünf Prozent an der Baumarkt-Kette beteiligt ist.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Kehrtwende bei Praktiker: Die Wiener Privatbank Semper Constantia soll die angeschlagene Baumarkt-Kette retten. Das Unternehmen hat einen Hochzinskredit des US-Investors Anchorage ausgeschlagen und hofft nun auf ein günstigeres Darlehen seines Großaktionärs aus Österreich. An der Börse kam das gut an: Die Aktie schoss im Frankfurter Späthandel um 20 Prozent auf 1,28 Euro nach oben.

Praktiker-Manager flogen schon am Donnerstag von Hamburg nach Wien und nahmen Verhandlungen mit der Bank auf, die mit knapp fünf Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist. Eine Einigung sei "kurzfristig und zu besseren Konditionen zu erwarten," teilte Praktiker am Donnerstag mit. Der US-Hedgefonds Anchorage hatte mehr als 16 Prozent Zinsen für ein 85 Millionen Euro schweres Darlehen zur Rettung von Praktiker verlangt und die Tochter Max Bahr als Pfand gefordert.

Noch vor wenigen Wochen hatte der Praktiker-Vorstand ein Kreditangebot von Semper Constantia abgelehnt, weil es nicht vorteilhafter sei als die Anchorage-Offerte. Nun habe die Bank nachgebessert, hieß es. Die Fondsmanagerin Isabella de Krassny, die für Semper Constantia und eine zyprische Investorengruppe namens Maseltov spricht, die zehn Prozent an Praktiker hält, war Sturm gegen den als "Wucher" apostrophierten Anchorage-Kredit gelaufen. Sie stellt zwei Vertreter im Praktiker-Aufsichtsrat, der am Mittwochabend bis in die Nachtstunden verhandelt hatte. "Anchorage wollte immer mehr, da ist Praktiker der Kragen geplatzt", sagte ein mit dem Tauziehen Vertrauter.

nchorage wurde von der Absage Finanzkreisen zufolge am Donnerstag überrascht. Der Investor hatte den Informationen zufolge zuletzt weitere Zugeständnisse der Aktionäre, der Banken und der Vermieter von Praktiker gefordert und andernfalls mit Rückzug gedroht. Diese hätten "trotz des Entgegenkommens der Beteiligten nicht umfänglich erfüllt werden können", berichtete Praktiker. Vor allem die Mieten für die Max-Bahr-Märkte sollten drastisch sinken. Die 68 Gebäude gehören seit dem Frühjahr der britischen Bank RBS, seit ein Fonds Pleite gegangen war, der die Immobilien 2006 gekauft hatte. Ein Anchorage-Sprecher wollte sich nicht zu den Vorgängen äußern.

Praktiker hielt sich zu den Konditionen und zum Volumen des Semper-Kredits bedeckt. Er soll aber vorrangig zu allen anderen Darlehen und Anleihen von Praktiker bedient werden. Wie hoch die mit dem Sanierungskonzept verknüpfte Kapitalerhöhung ausfallen soll, sei offen, sagte ein Sprecher.

Unklar ist, ob der streitbare Investor Clemens Vedder weiter mit Semper Constantia verbündet ist. Er hatte eine Beteiligung an dem Sanierungskonzept avisiert, das de Krassny unterbreitet hatte - und wollte auch bei einer Kapitalerhöhung von Praktiker über 60 Millionen Euro mitziehen. An der Wiener Bank sind unter anderem der österreichische Bau-Magnat Hans Peter Haselsteiner (Strabag ) und Siemens -Vorstandschef Peter Löscher beteiligt.

Scheitert die Sanierung, droht Praktiker die Zerschlagung. Denn die als einzig wertvoller Teil des Unternehmens geltende Kette Max Bahr geht dann an die Kreditgeber. Das hatte Ängste vor einem Einstieg von Anchorage geschürt. Der Investor legt es oft darauf an, vom Kreditgeber zum Eigentümer eines Unternehmens zu werden. Beim Autozulieferer Honsel und beim Schiffsbauer Bavaria Yachtbau hatte Anchorage damit bereits Erfolg.

(APA/Reuters )

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

4 Kommentare
Gast: huber
31.08.2012 08:56
0 0

klarer Fall von Insiderhandel

Die Aktie schoss im Frankfurter Späthandel um 20 Prozent auf 1,28 Euro nach oben.


Re: klarer Fall von Insiderhandel

wie man an Informationen kommt ist Wurscht Hauptsache man hat sie. Daher gibt es keine Insiderhandel das wollen nur die Banken damit der Private keine Gewinne macht

Antworten Gast: safnsiada
31.08.2012 12:34
0 0

Re: klarer Fall von Insiderhandel

"Einigung sei zu erwarten ... teilte praktiker am Donnerstag mit" - wer Pressemeldungen verfolgt, muss deshalb noch lang kein "Insider" im bösen Sinn des Wortes sein

Gast: eddie
30.08.2012 23:09
0 0

...denn sie wissen nicht, was sie tun...

Dieser dilettantische (!!!) Vorstand fährt das Unternehmen noch komplett vor die Wand! Ist den Herren bewußt, dass es um knapp 8 Tsd. Arbeitsplätze und ein großes mittelständisches Unternehmen geht!!? Wie kann man über Wochen auf solch einem Ego-Tripp ein sinnloses Tauziehen und in die Länge ziehen veranstalten (zulassen), eine plausible Alternative hochnäsig & arrogant zurückweisen, sich am Ende das Wasser nicht nur bis zum Hals-sondern über das Kinn steigen lassen, um zuletzt doch genau dort wieder anzuklopfen und um Hilfe zu bitten... Das ist Casino Royal, unprofessionell und paßt nicht zu Praktiker. Und es ist einzig den Machtspielchen des VS/AR geschuldet. Unverantwortlich und fahrlässig!!! Schämt Euch!!

Hobbyökonom