Paris/red./ag. Frankreich hat jetzt schon wieder eine große „Wackelbank“: Der französische Staat wird wahrscheinlich 20 Mrd. Euro in die Hand nehmen müssen, um die Hypothekenbank Credit Immobilier de France (CIF) vor dem Zusammenbruch zu retten. Vorläufig geht es zwar „nur“ um Garantien, zumindest einen Teil der Summe werden die Franzosen aber wohl in den Rauchfang schreiben müssen. Die EU muss die Unterstützung noch genehmigen.
CIF hat sich auf Hypothekenkredite für Familien mit niedrigem Einkommen und auf die Finanzierung des sozialen Wohnbaus konzentriert. Anfang Oktober muss das Institut eine pfandbriefähnliche Anleihe im Volumen von 1,75 Mrd. Euro zurückzahlen. Es scheint der Bank aber nicht mehr möglich zu sein, diese Summe selbst zu refinanzieren. Die Suche nach einem finanzkräftigen Käufer für die wackelnde Bank ist in den vergangenen Monaten fehlgeschlagen. Unter anderem hat die staatliche Postbank abgelehnt, den Hypothekenfinanzierer unter ihre Fittiche zu nehmen.
Nach der Rettung durch den Staat wird die Bank wahrscheinlich „abgewickelt“, neue Darlehen darf sie jedenfalls nicht mehr vergeben. Derzeit hat sie Darlehen über 30 Mrd. Euro in den Büchern.
Herber Schlag für die Regierung
Für die Regierung Hollande ist das ein herber Schlag, weil die Bemühungen um eine Sanierung der Staatsfinanzen damit unterminiert werden. Erst 2011 hat Frankreich den belgisch-französischen Kommunalfinanzierer Dexia auffangen müssen. Hollande muss den Staatshaushalt um 33 Mrd. Euro zusammenstreichen, um die EU-Defizitvorgaben zu erfüllen. Dafür wurde bereits eine Reihe von Steuererhöhungen angekündigt. Die Rettung der CIF und möglicherweise weiterer Banken ist in dieser Rechnung noch nicht enthalten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2012)
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