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Chinas Wirtschaft geht die Luft aus

09.09.2012 | 18:16 |   (Die Presse)

In China wächst die Industrie so langsam wie seit drei Jahren nicht. Wegen steigender Inflation bleiben der Regierung immer weniger Werkzeuge zum Gegensteuern.

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Peking/Wladiwostok/Ag. Neben dem schuldengeplagten Europa und den USA, die nicht von ihrer hohen Arbeitslosenrate herunterkommen, tut sich eine weitere Baustelle der Weltwirtschaft auf: China. Lange wurde mit dem Aufschwung in Fernost die Hoffnung verknüpft, die Konjunkturlokomotive China könne auch der westlichen Wirtschaft wieder auf die Sprünge helfen. Neueste Zahlen lassen aber daran zweifeln. Im August wuchs die Industrieproduktion so langsam wie seit Mai 2009 nicht. Damit verlor sie deutlicher an Fahrt, als viele Experten erwartet hatten. Auch der Rückgang der Erzeugerpreise überraschte am Sonntag die Beobachter.

Im vergangenen Monat verlangsamte sich das Produktionswachstum auf 8,9 Prozent, die Prognose der Volkswirte lag im Schnitt bei 9,1 Prozent. Im Juli lag das Wachstum noch bei 9,2 Prozent. Die Erzeugerpreise – das sind jene Preise, die für Industriegüter bezahlt werden – fielen derweil den sechsten Monat in Folge. Während Analysten mit einem Rückgang von 3,3 Prozent im August gerechnet hatten, fielen sie um 3,5 Prozent.

Trotz allem stieg im August die Inflationsrate wieder an – von 1,8 auf 2,0 Prozent im Jahresvergleich. Das ist vor allem für China zwar ein niedriger Wert. Dennoch dürfte der Anstieg im August die Zentralbank davon abhalten, die Zinsen noch weiter zu senken. Schon im Juni und Juli hatte sie den Leitzins auf zuletzt 6,0 Prozent gesenkt. Zudem wurden seit November die Mindestreserven für die Banken dreimal gekappt, womit die Kreditvergabe der Banken angekurbelt werden sollte.

Acuh die Exporte Chinas wachsen geringer als erwartete. Im August konnte die Volksrepublik die für ihre Wirtschaft zentralen Verkäufe ins Ausland nicht so stark steigern wie erwartet. Die Ausfuhren stiegen um 2,7 Prozent, wie aus am Montag veröffentlichten Statistiken hervorging. Die Prognose lag bei drei Prozent. Die Importe fielen sogar überraschend um 2,6 Prozent, wie aus den Daten weiter hervorging. Hier war ein Plus von 3,5 Prozent erwartet worden.

 

124 Mrd. Euro für Infrastruktur

Zwar deuten die jüngsten Statistiken noch nicht auf eine „harte Landung“ hin, die einige Ökonomen befürchten. Für Beunruhigung sorgt jedoch die Tatsache, dass die Regierung in Peking gegen die Abkühlung immer machtloser wirkt. „Man muss sich wirklich fragen, ob es die Regierung vermasselt“, sagte Alistair Thornton vom US-amerikanischen Analysehaus IHS der „Financial Times“. „Obwohl es in den vergangenen neun Monaten teilweise heftige Maßnahmen gab, hat sich die Konjunktur nicht wieder belebt.“ Zuletzt war ein Konjunkturpaket im Ausmaß von 124 Mrd. Euro geschnürt worden. Mit dem Geld sollen 60 Infrastrukturprojekte wie Autobahnen, Häfen und Flughäfen realisiert werden.

Auf dem asiatisch-pazifischen Wirtschaftsforum (Apec) im russischen Wladiwostok verteidigte Chinas Präsident Hu Jintao am Wochenende seinen Kurs. „Wir werden die Binnennachfrage ankurbeln und ein stetiges und robustes Wachstum unterstützen ebenso wie die grundlegende Preisstabilität“, sagte er. Gleichzeitig versuchte er, die anderen Gipfelteilnehmer für ähnliche Maßnahmen zu gewinnen: „Regierungen sollten bei der Infrastruktur eine große Rolle spielen und die finanziellen Mittel dafür erhöhen.“ Die Auswirkungen der Finanzkrise seien noch längst nicht überwunden.

Die 21 teilnehmenden Länder des Apec-Treffens zeigten sich besorgt über die europäische Schuldenkrise. In ihrer Abschlusserklärung versprachen sie, sich mit stärkerem Wachstum gegen die Auswirkungen zu wappnen. „Wir sind entschlossen, gemeinsam zu arbeiten, um das Wachstum zu stützen und die Finanzstabilität zu fördern“, heißt es in der Erklärung. Konkrete Maßnahmen wurden jedoch nicht angekündigt.

 

Orientierung Richtung Asien

Die Apec-Nationen vereinen 40 Prozent der Weltbevölkerung und 54 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf sich. Gastgeber Wladimir Putin nutzte das Treffen, um Russland als Tor nach Asien zu empfehlen. Ebenso wie die USA versucht auch Russland, sich stärker auf die trotz allem noch wachsende Region zu konzentrieren – gerade in Zeiten schwachen Wachstums in Europa.

Beim Aufbau einer Freihandelszone in der Region konnten am Wochenende jedoch keine Fortschritte erzielt werden. Auch der Kampf um die Führungsrolle bleibt weiter ungeklärt.

Auf einen Blick

In China hat sich die Industrieproduktion im August unerwartet stark abgeschwächt. Gleichzeitig stieg die Inflationsrate leicht. Das gibt der Notenbank wenig Spielraum für Zinssenkungen. Überhaupt wirkt die Regierung in Peking angesichts der sich abkühlenden Wirtschaft immer machtloser. Jetzt versucht sie es mit neuen Infrastrukturprojekten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2012)

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15 Kommentare
Gast: Johan C.
10.09.2012 11:09
0 0

Und was hat der Typ am Foto...

blad und mit Eisstanitzel mit den Kurven dahinter zu tun??

Scheinbar irrrgendein Foto, damit der Bericht bunter wird...

7 0

EK vs FK

Es bleibt abzuwarten, wie lange es noch dauert, bis man versteht, dass Eigenkapital und Mittelstand für eine hohe Stabilität in Krisen erforderlich sind. Zur Zeit kommt es mir eher so vor, als ob man glaubt, dass Banken diese Aufgabe erledigen könnten.

Der Motor läuft heiß

Die Chinesen betrieben bis jetzt einen Turbokapitalismus mit Kommunismuseinspritzung und kommen jetzt in einen Bereich wo das Zeug heiß läuft.
Ein paar Anmerkungen

Die Immobilienblase hat eine riesisge Dimension bekommen. Wenn die platzt, sind viele Ersparnisse einfach beim Teufel und es wird Unmengen an Geld vernichtet. Die Inlandsnachfrage ist dann auf Jahre tot. Die Amis haben das vorgemacht.

Strukturprobleme lassen sich nicht mehr verstecken: Alles was bis jetzt durch Wirtschaftsaufschwung ging, muß jetzt bereinigt werden. Diese Bereinigung ist aber hart und die Chinesen haben bis jetzt keine Erfahrung damit, und schon gar nicht die Reserven sie durchzuführen. Die Wirtschaftsleistung wird einbrechen und die Neuivestionen fehlen.

Und die Chinesen haben bis jetzt noch nicht gemerkt, dass Keynes nur unter 2 Vorbedingungen funktioniert:
Eine deflationäre Wirtschaft und ein effizienter Staat. Wir Europäer merken gerade, dass nur eine nachhaltige Investionspolitik Sinn macht. Die Schweden haben das in den 90ern gezeigt und die Schweizer machen das. Wenn der Staat mehr Geld in die Wirtschaft pumpt, dann heißt das, dass er ineffiziente Strukturen fördert, die dann irgendwann mit einem größeren Kracht zusammenstürzen.

Eigentlich könnten uns die Chinesen wurscht sein, leider haben wir aber schon so viel Geld in eine Blase investiert, das das bald einfach weg sein wird.

Wir werden wieder eines gezeigt bekommen: Solide Leistungen sind nachhaltiger, als ein schöne Bilanzzahlen

Gast: bubbles
09.09.2012 20:47
2 0

wieso soll China Lokomotive für den Westen spielen?

die haben noch immer eine überhitzte Wirtschaft.

Soll es doch eine harte Landung geben. Ist doch 100 mal besser, als das platzen einer Blase, wo sowieso nur Fehlinvestitionen entstehen.

Re: wieso soll China Lokomotive für den Westen spielen?

stimmt. spüren werden wir es so oder so.

Antworten Gast: Halbwissen
09.09.2012 21:41
2 0

Re: wieso soll China Lokomotive für den Westen spielen?

Wieso sollte der Westen Lokomotive für China spielen ?

Blasen haben eine wichtige Funktion !
Große Investitionen wie zB der Internetaufbau können ohne Blasen niemals realisiert werden.

KÜNSTLICHE BLASEN wie die Immobilienblase 2003-2008 oder die jetzige Anleihenlasen sind das große Übel !

Gast: Halbwissen
09.09.2012 19:59
2 0

Es können halt nicht schlagartig mehr als ca. 100 Millionen Barrel Öl am Tag gefördert werden !

Und da es der Werkbank der Welt nur gut gehen kann wenn es deren Konsumenten gut geht ....

Gast: IQ
09.09.2012 19:47
9 6

SEID IHR VERWIRRT?!

Ich habe den überzeugenden Eindruck, dass die Wirtschaftsredakteure der PRESSE nicht ganz dicht sind im Kopf!!
Das Wachstum Chinas verlangsamt sich also-AUF UNGLAUBLICH MIESE 8,9%!!
Das ist ein Wert, von dem die Amerikaner und Europäer in den kommenden Jahrzehnten nur-TRÄUMEN KÖNNEN!!
Und noch eins, für Euch blutigen Amateure: Selbst wenn das Chinesische Wachstum schwach wäre, hätten wir Europäer keinerlei Grund zum Jubeln!!
In Zeiten der globalen Wirtschaft sind die Ökonomien miteinander verbunden, wie direkt kommunizierende Röhren!!
Schon mal davon gehört Ökonomie-Experten der Presse?!

Antworten Gast: mehr IQ
10.09.2012 12:22
1 0

Re: SEID IHR VERWIRRT?!

Nanana...da kennt sich aber wer gar nicht aus.

Abgesehen von den Ballungsräumen an den Küsten verfügt China weitgehend nicht mal über befestigte Straßen und 2/3 der Einwohner leben in bitterer Armut. Darum ist wachstum von gar nichts auf ein bisserl was leicht möglich und schlägt sich so auch nieder.
BTW: Rumänien und Bulgarien hatten auch 5-6% Wachstum - deswegen glauben Sie ja auch nicht, dass AT bald überholt wird...

Antworten Antworten Gast: IQ
10.09.2012 12:54
0 0

Re: Re: SEID IHR VERWIRRT?!

Nach Ihren eigenen Feststellungen und Ihrem Beitrag, finde ich Ihr-"mehr IQ" als ziemlich vermessen!!
Wir diskutieren hier nicht das Gemeindebudget von St.Pölten, sonder jenes von CHINA!
ARGUMENTARIUM:
1.Die Chinesen haben ein Infrastrukturbutget von 350mrd US$ verabschiedet, die Pealisierung ist im Gange!
2.DEVISENRESERVEN: Betragen ca 15bio US$, und zwar in Cash!
3.DIe CHINESEN verfügen über Geldwerte Anlagen von noch 1x dem gleichen Betrg, nämlich USA und BRD-Staatsanleihen!
4.Die Chinesen sind, Stand von heute der größte Besitzer von physischem Gold!
5.Dass Sie bei dieser Diskussion Rumänien und Bulgarien ins Spiel bringen, zeigt mir, dass Sie AHNUNGSLOS SIND!!

Antworten Antworten Antworten Gast: 2810
12.09.2012 11:02
0 0

Re: Re: Re: SEID IHR VERWIRRT?!

-die frage ist auf welchen niveau BIP zugelegt wird, dass ist in china mager.
-frage ist auch ob schulden der komunen und betriebe richtig dargestellt bzw. aktiva richtig bewertet sind.
-binnennachfrage ist in china aufgrund der geringen einkünfte schwer möglich
-zuwächse im export zur zeit schwer realisierbar
-viele andere tiegerstaaten sind jetzt auch erwacht...

Antworten Gast: Auslandsoesterreicher
10.09.2012 11:47
1 0

Re: SEID IHR VERWIRRT?!

Naja, von Wirtschaft(en) verstehen sie gar nichts!

Allein zu behaupten, dass Wachstum ist massgeblich verantwortlich für Wirtschaft, ist mehr als dumm!
...die chinesischen Zahlen sind Makulatur.
...China ist mehrere Griechenlands!
...Wirtschaftswachstum (ihre duemmliche Def.) von 8.9%...ZUWENIG, um die jaehrlich neu auf den Markt draengenden Arbeiter von 1 Mio zubeschaeftigen. Um Vollbeschaeftigung zu haben, braucht China ein Wachstum von mindestens 12%! Alles was darunter ist sind Arbeitslose.
...Mieterhoehungen in Shanghai 6% PRO MONAT!!
...eine riesige chin. Immobilienblase tut sich auf (groesser als in den USA)
...Autobahnen werden gebaut ins Niemandsland, da (s.u.)
...die lokalen Banken sitzen auf faulen Krediten, da ist Griechenland nichts dagegen.
...auslaendische Firmen gehen bereits nach Indien und Vietnam (weil dort u.a. die Leute produktiver sind, innovativer, sprachlich gewandter und die Lohnstueckkosten erheblich niedriger).
...kaufen Europa und USA nichts mehr aus Asien, dann passiert das, was dort nun vor sich geht. Und verkaufen kann man ihre Quietschentchen nur an eine wohlhabende Mittelschicht, und diese fehlt in China.

Mein Rat an sie:
STUDIEREN SIE zuerst BWL und VW, vielleicht verstehen sie dann etwas von Wirtschaft. Ich weiss wovon ich spreche, denn ich lebe dort (in Asien) und lese andere Zeitungen als KRONE und HEUTE etc. bzw. habe ein Fach davon studiert auf der WU und ein anderes Fach auf der Hauptuni.

...ein Auslandsoesterreicher

Antworten Gast: Halbwissen
09.09.2012 21:33
2 0

Re: SEID IHR VERWIRRT?!

BIP zahlen sind die eine Seite !

Der Stomverbrauch ist zB nur um 0,7 Prozent gestiegen.

Das einzige was steigt und das BIP aufbläst sind die Preise.
Menschen die auch Mitwirtschaften wollen sind ausgeschlossen und die Preise laufen ihnen davon.

Re: SEID IHR VERWIRRT?!

Naja,
Die Chinesen sind noch nicht ganz auf dem Level der Europäer.
Dort sind in vielen Gebieten noch gar keine Wirtschaftsleistungen "erfaßt". Dort ist dann eine 10% Steigerung, wenn ein Paar neue Schuhe nicht mehr mit Naturalien bezahlt werden, sondern mit Geld.

Die Inflationsrate ist auch eher mit Vorsicht zu genießen, weil sie ja fürs Land berechnet werden und nicht für die Wirtschaftsgebiete selbst, wo schon alleine die gestiegenen Wohnungspreise das gesamte Wirtschaftswachstum erklären würden.

Und dann kommt noch dazu, dass ihre Rechnungslegung eher nicht dem Grundsatz der Vorsicht folgt. Das ist wie in der USA, wo einige Steigerungen durch Bilanzsachen passieren, als durch echte Wirtschaftliche Leistung. Unsere Banken haben ja dieses System nach dem BAWAG-Skandal übernommen und so kann eine RZB Gewinne schreiben, obwohl sie nach der "alten" Bilanzierung bankrott wäre.

Die einzige Aussage, die übrigbleibt ist:
Die wirtschaftliche Situation hat sich verschlechtert.

0 0

Re: SEID IHR VERWIRRT?!

dem schließe ich mich an.

Hobbyökonom