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Schweiz: Steuervertrag trotz Begehrens nicht in Gefahr

09.09.2012 | 18:18 |  NORBERT RIEF (Die Presse)

Um die eine Milliarde Euro aus dem Steuerabkommen mit der Schweiz muss sich das Finanzministerium trotz eines Volksbegehrens keine Sorgen machen: Österreich profitiert davon, nicht Deutschland zu sein.

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Wien. Zehn Milliarden Euro sind kein Pappenstiel, auch nicht bei Gesamteinnahmen von etwa 270 Milliarden Euro. Auf die wird Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble künftig wohl verzichten müssen. Denn das Steuerabkommen mit der Schweiz, das Deutschland jährliche Einnahmen von zehn Mrd,. Euro ab 2013 beschert hätte, dürfte tot sein. Die oppositionelle SPD will dem Vorhaben nicht zustimmen, auch in der Schweizer regt sich Widerstand.

Der trifft indirekt auch Österreich. Die Initiatoren eines Schweizer Volksbegehrens wollen nämlich nicht nur das Steuerabkommen mit Deutschland kippen, sondern auch das mit Großbritannien und Österreich. Für das Finanzministerium in Wien wäre das wenig erfreulich: Im Budget 2013 ist bereits eine Milliarde Euro als Vorauszahlung aus dem Abkommen eingeplant.

Wien wird seinen Budgetplan aber nicht umschreiben müssen. Denn Österreich hat einen großen Vorteil: Wir sind nicht Deutschland, und auf dieses Land konzentriert sich derzeit aller Unmut im westlichen Nachbarland. Sogar die Betreiber des Volksbegehrens zweifeln, dass sie das Abkommen mit Österreich kippen werden.

 

Ärger über Deutschland

„In der Schweiz waren am Anfang ja alle sehr erleichtert, dass die ewige Diskussion um Schwarzgeld und Steueroasen vorbei ist“, erklärt Werner Gartenmann, Geschäftsführer der „Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz“ (AUNS), die derzeit Unterschriften für die Abhaltung einer Volksabstimmung sammelt. Die Steuerabkommen regelten, wie Gelder legalisiert werden, die Ausländer in der Vergangenheit am Finanzamt vorbei in die Schweiz brachten.

Doch die Deutschen verdarben den Schweizern die gute Stimmung. „Als dort das Abkommen immer lauter kritisiert wurde, hat uns das schon sehr geärgert.“ Gerade, weil das Land bei dem Abkommen viel von seiner lieb gewonnenen Tradition aufgab, über Geld und Konten zu schweigen wie der Eiger. Man sei „wirklich weit“ gegangen, erklärte ein Mitarbeiter des Schweizer Finanzministeriums, der nicht genannt werden will.

Nach Ansicht Gartenmanns zu weit: „Wir machen uns mit dem den Abkommen zum Steuereintreiber für andere Länder, das ist ein Eingriff in unsere Souveränität.“

Und dann die undankbaren Deutschen, die das Abkommen kritisieren und nachverhandeln wollen. Den Ärger setzte die AUNS in ein Begehren um, das auch von den Jungsozialisten unterstützt wird (wenn auch aus anderer Motivation: Sie wollen das Schweizer Bankgeheimnis abschaffen).

Bis 27. September haben die Initiatoren Zeit, um je 50.000 Unterschriften gegen jedes der drei Abkommen zu sammeln. Wird die Zahl erreicht, muss eine Volksabstimmung abgehalten werden (geplanter Termin ist der 25. November). „Wir halten bei etwa zwei Drittel“, sagt Gartenmann. Vor wenigen Tagen hat man noch zusätzliche Unterschriftenbögen an 1,5 Millionen Haushalte verschickt. Er ist zuversichtlich, bis Ende des Monats die notwendige Hürde zu nehmen.

Das Interesse sei jedenfalls groß – dank Deutschland. Nicht nur wegen der politischen Debatte, jüngst hat Nordrhein-Westfalen erneut CDs voll mit Bankdaten aus der Schweiz gekauft. Die Volksseele kocht. „Wir merkten den Ärger deutlich an der gestiegenen Zahl an Unterschriften, die wir seither bekommen“, sagt Gartenmann.

Das ist zwar auf den ersten Blick nicht gut für Österreich, weil jemand, der gegen das Steuerabkommen mit Deutschland unterschreibt, üblicherweise auch gleich bei Österreich und Großbritannien unterschreibt. Aber eines ist klar: „Die Österreicher sind keine Deutschen“, analysiert Gartenmann treffend. „Mit Österreich haben wir Schweizer generell weniger Probleme, gegen das Abkommen mit Wien gibt es auch nicht so massive Widerstände.“ Dazu kommt, dass sich Österreich in dem Abkommen verpflichtet, nicht aktiv den Ankauf von Bankdaten-CDs zu betreiben.

Ob er glaube, dass die Schweizer bei einer Volksabstimmung mehrheitlich das Abkommen mit Österreich ablehnen würden? Gartenmann: „Vielleicht nicht. Also Deutschland lehnt man mehr ab.“

 

Berlin entscheidet vor Volksabstimmung

Nimmt das Begehren die Hürde, könnte das Interesse an einer Abstimmung in der Schweiz aber auch wenige Tage vor dem Termin zusammenbrechen. Deutschland wird nämlich voraussichtlich am 23. November, also zwei Tage vor dem geplanten Volksabstimmungstermin, im Bundesrat über das Abkommen beraten. Dort dürfte es am Widerstand der SPÖ-Länder scheitern.

„Was das für Folgen hat, kann ich nur schwer abschätzen“, meint der AUNS-Geschäftsführer. Möglicherweise gehe dann niemand zur Abstimmung. Oder die Schweizer gehen erst recht zu den Urnen, nach dem Motto: Was ihr nicht wollt, wollen wir noch viel weniger.

Deutschland würde jedenfalls allen Ärger auf sich ziehen, da bliebe nicht mehr viel für Österreich übrig.

Auf einen Blick

Bis Ende September hat eine Schweizer Initiative Zeit, jeweils 50.000 Unterschriften gegen das Steuerabkommen mit Deutschland, Österreich und Großbritannien zu sammeln. Dann muss eine Volksabstimmung über die Verträge abgehalten werden. Das Abkommen mit Österreich ist dennoch kaum gefährdet, weil sich der Ärger in unserem Nachbarland auf Deutschland konzentriert: Dort wird das mühsam ausverhandelte Abkommen nicht nur heftig kritisiert, ein Bundesland kaufte auch erst kürzlich neue Steuer-CDs von einem Bankbeamten und verärgert damit die Schweiz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.09.2012)

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14 Kommentare

Sicht eines Schweizer Bürgers

Als Schweizer möchte ich doch einige Ergänzungen anbringen:

1. Das Abkommen mit A (und UK) dürfte vielleicht besserere Chancen haben als das entsprechende Pendant mit D, ich würde jedoch das Geld - so wie ich die Stimmungslage einschätze - nicht zu früh einplanen. Wobei: Die österreichische Finanzministerin hat das ja sowieso (fahrlässigerweise!) getan.

2. Die Situation "CH vs. D" stellt sich aus schweizerischer (Bürger-) Sicht wohl doch etwas anders dar. Was die Schweizer masslos geärgert hat war kaum die deutsche Kritik am Abkommen. Die andauernd geforderten Nachverhandlungen, gepaart mit dem "Rechtsbruch" durch "CD-Käufe" hat dem Fass den Boden ausgeschlagen. Die unzimperliche Rhetorik gewisser deutscher Politiker (den Anfang markierte der deutsche Minister Steinbrück mit seinem Kavallerievergleich) trug entsprechendes zur Situation bei.

3. Es muss klar festgehalten werden: Der Schweizer Bürger befürtwortet keine Schwarzgelder und Steuerhinterziehungsgehilfenschaft. Er befürwortet jedoch im Allgemeinen das Bankgeheimnis und akzeptiert keine ausländischen Eingriffe (welcher Art auch immer) in die (Steuer-) Souveränität das Landes.

Re: Sicht eines Schweizer Bürgers

Ich teile Ihre Meinung vollinhaltlich!
Ich finde es einfach letztklassig die Schweiz permanent als Steuer- und Steuerhinterzieherparadies anzuprangern ohne sich mit Details und Hintergründen auseinander zu setzen. In der Schweiz zahlt man zwar weniger Steuern, aber die Regierung geht mit dem Geld der Steuerzahlerinnen und -zahler auch wesentlich vorsichtiger um.
Ich frage mich ja sowieso weshalb sich grad die UK so aufspielt. Die sollen mal ihre Steuerparadies auf den Kanalinseln in die Mangel nehmen!

Re: Re: Sicht eines Schweizer Bürgers

Teil I

Besten Dank für Ihre Wortmeldung.
Was mich letztlich insbesondere beunruhigt ist die Tatsache, dass viele Regierungen von (ich nenne sie jetzt einmal bewusst) "Steuerhöllen" offensichtlich keine "Steuerparadiese" (damit meine ich Tiefsteuerländer) mehr zu dulden scheinen. Letztenendes ist es jedoch der Unfähigkeit der Politik dieser Hochsteuerländer zu verdanken, dass mobilere und vermögendere Staatsbürger massenhaft das eigene Nationalterritorium verlassen. Neuestes Beispiel Frankreich:

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/1288201/Frankreich_Hollande-laufen-die-Reichen-davon?direct=1288338&_vl_backlink=/home/index.do&selChannel=103

Bluten sollen nun - durch die argumentatorische Rechtfertigung der Bekämpfung von Steuerflucht und Steuerhinterziehung - diejenigen Staaten, die ihre Budget- und Steuerpolitik auf Nachhaltigkeit aufgebaut haben. Durch die europäischen Grundfreiheiten (freier Personen- und Kapitalverkehr, etc.) ist es möglich, seinen Arbeits- und Wohnort frei - unabhängig der Schlagbäume - zu wählen. Deshalb wird nun vermehrt versucht, Einfluss auf die (Steuer-) Souveränität dieser "reichen Länder" zu nehmen. Als Beispiel sei an dieser Stelle wiederum Frankreich erwähnt, das neurdings französische Erblasser mit Wohnsitz in der CH, nach französischem Recht, zur französischen Staatskasse bitten möchten. Dem ist ein Riegel zu schieben. Das Problem der nationalstaatlichen Souveränität mag dabei in einem "vereinten" Europa als zweitrangig (...)

Re: Re: Re: Sicht eines Schweizer Bürgers

Teil II

(...) erscheinen. Gravierender wäre allerdings der Umstand, dass es keinen gesunden, befruchtenden (Steuer-)wettbewerb mehr geben würde. Zudem bestünde bei einer (zwanghaften) Steuernivellierung die Gefahr, dass das Steuerniveau generell angehoben werden würde, dafür jedoch weitere, unnötige Ausgaben getätigt und der Staatsapparat aufgebläht würde.

Vielleicht sehen Sie es ähnlich (?)

Mit freundlichen Grüssen.

Grenzen dicht machen...

...bis die Schweiz ihre Geldversteckpolitik aufgibt.
Und/oder in die Schweiz verschobene Gelder zusätzlich besteuern - bei entsprechend hohen Strafandrohungen würde das schon funktionieren.

Re: Grenzen dicht machen...

tut mir leid, aber ihr post strotzt nur so vor unwissenheit!

SPÖ????

wusste nicht das es in germanien SPÖ länder gibt!!!

Re: SPÖ????

Mei, dachte ich hätte die Ehre...

Gast: Lukas
09.09.2012 21:37
4 1

die Schweizer wären blöd

wenn sie sich zum Steuereintreiber für andere Länder machen lassen. Schon gar nicht für eine staatliche Hehlerbande die gestohlene Daten-CD's ankauft!

Gast: qaywsx
09.09.2012 20:45
4 2

Wir werden keinen einzigen Cent bekommen

Der lügenkanzler und das dumme Volk.

Antworten Gast: Ein paar Tage gehts schon wieder!....aber irgendwann sind die Tage aus, gel Herr Werner!
09.09.2012 22:01
0 2

Re: Wir werden keinen einzigen Cent bekommen

Schaun Sie, wenn es wirklich eintreffen sollte, dass man keinen einzigen Cent bekommen wird, dann haben DIE POLITIKER DIE DAFÜR VERANTWORTLICH SIND, diesen Missstand zu erklären und das wird "lustig".....glauben sie mir, die Politiker die jetzt diese Verbrechen an Millionen Europäern begehen, die werden zur Verantwortung gezogen.....WO WOLLEN DIESE POLITIKER DENN HINFLÜCHTEN, WENN UNS(DER BEVÖLKERUNG) DIE REALITÄT UND WAHRHEIT DIESER VERBRECHEN INS HAUS STEHT???.....es kommt eine interessante Zeit, schaun Sie sich das an!

Gast: grashüpfer
09.09.2012 20:44
2 3

was ist denn das für ein

Schleimerartikel, wie kann man nur so einen haarsträubenden Unsinn verzapfen. Wer profitiert da , wer muss sich da fürchten ? Pfui Deibel.

Sehr blauäugig die Österreicher!


Gast: b745
09.09.2012 20:15
2 9

schweiz ein mafiöser schmarotzerstaat

und unsere fekter macht auch noch einen deal mit denen da frag ich mich warum die eu nicht einschreitet hier werden ganz offen verbrechen belohnt und es kümmert keinen?

Hobbyökonom