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USA: AIG-Hilfe bringt Staat Milliardengewinn

11.09.2012 | 18:11 |  Von unserem Korrespondenten THOMAS VIEREGGE (Die Presse)

Der Staat gibt die Mehrheit am Versicherungsriesen AIG wieder ab. Nach der Erholung der Banken und der Autoindustrie ist dies für Finanzminister Geithner Grund zum Jubeln.

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Washington. Timothy Geithner klopfte sich selbst auf die Schulter. Also sprach der sonst so nüchterne US-Finanzminister: „AIG erst zu stabilisieren, dann umzubauen und dabei noch einen deutlichen Gewinn für die Steuerzahler zu erzielen, das ist eine großartige Leistung.“ In der Nacht zum Dienstag hat der Staat seinen Anteil am einst größten Versicherungskonzern der Welt auf 22 Prozent reduziert, damit seinen Mehrheitsanteil aufgegeben und für den Verkauf von mehr als 550 Millionen Aktien 18 Milliarden Dollar lukriert.

In mehreren Tranchen hat das Finanzministerium seinen Anteil von ursprünglich 92 Prozent abgestoßen. In Summe seien so nicht nur die 182,3 ursprünglich investiereten Milliarden, sondern auch ein Gewinn von 12,4 Milliarden Dollar in die Staatskasse zurückgeflossen, so Geithner. Bis zum Jahr 2013 will sich der Staat völlig zurückziehen. Für die gebeutelte Obama-Regierung ist dies vor den Wahlen eine Erfolgsbotschaft, wenngleich ihr die Opposition politisches Kalkül vorwirft und manche Analysten die Gewinnzahlen relativieren.

 

Panikstimmung vor vier Jahren

Ziemlich auf den Tag genau vor vier Jahren hat ein Anruf Geithner, damals Chef der New Yorker Filiale der Notenbank und eine Schlüsselfigur in der Finanzkrise, aufgerüttelt. Nicht nur die Investmentbank Lehman Brothers stehe vor dem Kollaps, auch der Versicherungsgigant AIG (American International Group). Der Konzern bat um eine staatliche Finanzspritze von 20 Mrd. Dollar. Um weitere Panik zu vermeiden, gewährte der damalige Finanzminister Hank Paulsen zunächst eine Nothilfe von 85 Mrd. Dollar, die sich im Lauf der Wochen und Monate auf insgesamt 182,3 Mrd. Dollar erhöhte – die größte Summe für einen einzelnen Konzern im Rahmen des „Bail-out“.

Hatte die Lehman-Pleite die Finanzwelt beinahe in den Abgrund gerissen, hätte der Untergang von AIG mit der weltweiten Verstrickung bis in den Kommunalbereich hinein vermutlich ein Fiasko ausgelöst, lautete die Überlegung in Washington und New York. Finanzkreise befürchteten eine Kettenreaktion.

Die Empörung über die „Abzocker“ der Wall Street schäumte indes über, als sich die AIG-Manager Bonuszahlungen von mehr als 200 Mio. Dollar genehmigten, ein Abgeordneter forderte die Bosse zum Rücktritt und zum „Harakiri“ nach japanischem Vorbild auf. AIG geriet zum Feindbild der „Occupy Wall Street“-Bewegung.

In einem Kongress-Hearing im April 2009 bekundete der 83-jährige jahrzehntelange AIG-Chef Hank Greenberg, der das Unternehmen zur weltweiten Nummer eins in der Versicherungsbranche mit 100.000 Angestellten in 130 Ländern und 4000 verschachtelten Tochterfirmen aufgebaut hatte, sein Unwissen über die Spekulationen auf dem Hypothekenmarkt und mit Schuldenpapieren. 1919 in Schanghai gegründet, entwickelte sich der Konzern zu einem mächtigen „Global Player“ mit engem Draht zu Diktatoren und angeblich auch als Durchlaufstation für CIA-Agenten.

Als der Vorstand Greenberg 2005 zum Rücktritt zwang, war ihm bereits der New Yorker Generalstaatsanwalt Eliot Spitzer auf den Schlichen. Manager der Investmentfirma Berkshire Hathaway des Milliardärs Warren Buffett hatten Spitzer auf die Fährte der Machinationen und Bilanztricks bei AIG geführt. Im September 2008 brach das komplexe Gebilde wie ein hohles Kartenhaus schließlich in sich zusammen.

Die US-Regierung verordnete AIG einen rigiden Sanierungskurs. Das Unternehmen veräußerte seine Zentrale mit der Nobeladresse in Nähe der Wall Street, es trennte sich von vielen seiner Töchterfirmen und konzentrierte sich wieder aufs Kerngeschäft.

Auf einen Blick

Versicherungsmulti. Der Konzern AIG (American International Group) war Branchenprimus mit 100.000 Angestellten in 130 Ländern. Seine Pleite stürzte vor vier Jahren fast die Finanzwelt ins Fiasko. Das US-Finanzministerium sprang mit 182,3 Mrd. Dollar Nothilfe ein. Jetzt verkaufte der Staat seinen Mehrheitsanteil mit Gewinn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2012)

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1 Kommentare
Gast: Bankster$$$$$$$
12.09.2012 00:38
0 0

Abzocke

Wär doch interessant, wieviele Groß und Invenstment Banken den Euro in der Krise, nach den famosen Geschäften mit Europa "short" hatten.

Morgen wird ja wahrscheinlich für jeden Sec-Day-Trader, dank des Euros, ein wahrer Feiertag!

Obwohl man den Kurven nach das Gefühl hat, dass einige bereits jetzt mehr wissen wie andere!
(kann natürlich auch "Wissen"bzw Hoffnung sein, wenn es Staaten Europas sind, wäre dies mal eine vernünftige Maßnahme um sich etwas Kohle wieder zu holen)

Nahezu nichts hat sich am Finanzmarkt seit der ersten Krise geändert! Somit ist es nur eine Frage der Zeit bis Europa wieder mal Schwäche zeigt und die Bevölkerung wieder oder noch mehr bluten wird.

Aber Danke für den Wink der Politik, ist ja anscheinend moralisch kein Problem, der Kurve zu folgen und wenn nötig auch gegen die eigene Währung zu setzten.

Vlt bekommt euch (die Entscheidungsträger) ein jetzt Junger (aus sozial schwachen Verhältnissen), mal im Altersheim zu Gesicht. Ich würde es euch wünschen. Denn wie ihr wissen solltet, vergisst das Internet sehr wenig!

Hobbyökonom