Die US-Verbraucher haben dem Einzelhandel im August das größte Umsatzplus seit Februar beschert. Die Händler hatten 0,9 Prozent mehr in den Kassen als im Juli, wie das Handelsministerium in Washington am Freitag mitteilte. Es war der zweite Anstieg in Folge und etwas stärker als erwartet. Viele Experten warnten davor, die Daten seien leicht verzerrt. "Das auf den ersten Blick erfreulich gute Ergebnis wird durch den Blick in die Zusammensetzung stark relativiert", sagte Postbanker Thilo Heidrich. Denn der Umsatzanstieg gehe vor allem auf steigende Benzinpreise zurück, der den Tankstellen ein deutliches Plus verschafft habe. Ähnlich äußerte sich NordLB-Experte Tobias Basse. Er betonte aber: "Dennoch kann festgehalten werden, dass der US-Konsument durchaus eine Stütze der Konjunktur bleibt."
Die Einzelhandelsdaten gelten als wichtiger Indikator für die Konjunkturentwicklung in den USA, da deren Wirtschaftskraft zu mehr als zwei Dritteln vom privaten Konsum abhängt. Klammert man den Autosektor aus, stiegen die Einzelhandelsumsätze um 0,8 Prozent. Ohne Berücksichtigung der Tankstelleneinnahmen blieb nur ein Plus von 0,3 Prozent.
Preise stiegen
Der nur zögerliche Jobaufbau sorgt bei vielen Verbrauchern für Unsicherheit. Die Stimmung der Konsumenten hellte sich im September dennoch unerwartet auf, wie aus einer Umfrage von Thomson Reuters und der Universität Michigan hervorgeht. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen kletterte um fast fünf Punkte auf 79,2 Zähler.
Wegen des teuren Benzins stiegen die Verbraucherpreise in den USA im August so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Sie legten zum Juli um 0,6 Prozent zu, teilte das Arbeitsministerium mit. Das war der erste Anstieg seit fünf Monaten. Für die Entwicklung sind die Kraftstoffpreise verantwortlich, die sich mit neun Prozent so stark verteuerten wie seit Juni 2009 nicht mehr.
Isaac bremste Produktion
Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Preise um 1,7 Prozent. Im Juli hatte die Teuerungsrate noch bei 1,4 Prozent gelegen. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) will die Inflationsrate unter zwei Prozent halten. Sie geht davon aus, dass dieses Ziel auch mittelfristig eingehalten wird.
Verzerrte Daten gab es auch im Verarbeitenden Gewerbe. Die US-Unternehmen drosselten ihre Produktion so stark wie seit über drei Jahren nicht mehr. Sie schrumpfte nach Fed-Angaben um 1,2 Prozent im Vergleich zum Juli. Das war der größte Rückgang seit März 2009. Ein Grund dafür war der Hurrikan "Isaac". Seinetwegen mussten zahlreiche Öl- und Erdgas-Bohrinseln im Golf von Mexiko zeitweise geschlossen werden. Dies allein habe die Produktion um 0,3 Punkte gedrückt.
(APA/Reuters)
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