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Deutschland droht "Stromlücke"

16.09.2012 | 18:23 |   (Die Presse)

Der Erfolg von Sonnen- und Windkraft macht konventionelle Kraftwerke in Deutschland unrentabel. Im kommenden Winter drohen den Deutschen Versorgungslücken, die im Extremfall zu Blackouts führen könnten.

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Berlin/Frankfurt/Red./Ag. Die viel bejubelte „Energiewende“ und der Erfolg von Wind- und Sonnenstrom stürzen Deutschland in ein beträchtliches Energiedilemma: Eine Schwemme an hochsubventioniertem, an den Strombörsen aber nur zu Niedrigstpreisen absetzbaren Ökostrom macht konventionelle Kohle- und Gaskraftwerke, aber auch Pumpspeicher unrentabel. Genau diese Vorrichtungen werden aber benötigt, um die Schwankungen in der Ökostromerzeugung und deren Rückgang im Winter abzufangen.

Die Konsequenz: Im kommenden Winter drohen den Deutschen Versorgungslücken, die im Extremfall zu Blackouts führen könnten. Die Gefahr ist so real, dass die deutsche Regierung den Kraftwerksbetreibern am Wochenende ein „Abschaltverbot“ für Kohle- und Gaskraftwerke angedroht hat. Das könnte in Form einer entsprechenden Ergänzung des Energiewirtschaftsgesetzes geschehen.

Das schöne Wetter und eine günstige Windsituation im Norden treiben den deutschen Energieexperten jedenfalls den Schweiß auf die Stirn: Sonnen- und Windkraftwerke laufen auf Hochtouren, die Ökostromproduktion eilt von Rekord zu Rekord, am vergangenen Freitag war der Anteil des Ökostroms an der Leipziger Strombörse auf den noch nie registrierten Wert von 45 Prozent geklettert.

 

Überangebot an den Strombörsen

Das Problem: Die Spitzen treten zwischen 13 und 14 Uhr (dann, wenn eben die Sonne am intensivsten scheint) auf, zu dieser Zeit ist aber die Nachfrage relativ gering. Der hoch subventionierte Ökostrom, für den die Anlagenbetreiber Abnahmegarantien zu Fixpreisen besitzen, sorgt an den Strombörsen für Überangebot und macht dort die Strompreise kaputt. Viele konventionelle Kraftwerke werden dadurch unrentabel, weshalb sie in nächster Zeit vom Netz genommen werden sollten.

Das Problem: Stromverbrauchsspitzen treten nicht an Sommernachmittagen, sondern an nebligen (und damit sonnenlosen und windarmen) Winterabenden auf. Hier müssen Gas- und Kohlekraftwerke einspringen – die aber nicht zur Verfügung stehen, wenn sie „eingemottet“ werden.

Schon im vorigen Winter waren Versorgungslücken nur vermieden worden, indem alle Gas- und Kohlekraftwerke auf vollen Touren liefen. Auch österreichische „Fossil“-Kraftwerke haben mehrfach ausschließlich für den deutschen Markt produziert. Ähnliche Probleme bereitet die Ökostromschwemme den Pumpspeicherwerken, die eigentlich als „Speicher“ für Ökostrom dienen sollten. Der Chef des deutschen Stromkonzerns Vattenfall, Tuomo Hatakka, sagte am Wochenende, die Wirtschaftlichkeit dieser Anlagen habe sich so dramatisch verschlechtert, dass Vattenfall seine Pumpspeicherkraftwerke infrage stelle. Die funktionierten bisher so, dass Wasser mit billigem Nachtstrom hochgepumpt wurde, um zu den Verbrauchsspitzen (etwa um die Mittagszeit) teuren Spitzenstrom zu produzieren. Weil die Stromschwemme aus Ökoanlagen aber gerade zur Mittagszeit den Strompreis drückt, rentieren sich Pumpspeicherwerke nicht mehr .

Österreich baut seine Pumpspeicher gerade aus, um den Deutschen beim Ausgleich zu helfen. Das dürfte das bessere Geschäft sein: Hochgepumpt wird mit sehr billigem deutschen Solar-Importstrom, „abgearbeitet“ wird dann, wenn in Deutschland Engpässe auftreten, für den Strom also Höchstpreise zu erzielen sind.

 

Strom aus Atombomben

Noch ein Kuriosum aus der deutschen Stromwelt: Nach einem Zeitungsbericht vom Wochenende wird in deutschen Kernkraftwerken Uran aus „recycelten“ russischen Atombomben „verfeuert“. Auch Plutonium aus russischen Bomben soll in Deutschland verwendet werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2012)

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59 Kommentare
 
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Es ist aber ein wenig anders!

Jeder weiß, wie böig der Wind weht. Halbe Windgeschwindigkeit bedeutet aber, dass der Energieinhalt des Windes auf ein Achtel, fällt. Ist die Windgeschwindigkeit nur mehr ein Viertel, so ist sein Energiegehalt nur mehr ein Vierundsechzigstel, also so gut wie nichts! Diese enormen Windschwankungen gibt es aber nicht nur zu bestimmten Zeiten, sondern immer. Da das Stromnetz sofort zusammenbricht, wenn nicht in jedem Augenblick genau so viel Strom geliefert wird, als die Verbraucher benötigen, müssen Gas- und Kohlekraftwerke ständig fähig sein, die Stromlieferung zu übernehmen, weshalb die Dampfkessel immer so beheizt werden müssen, als ob gerade kein Windstrom anfallen würde (die berechnete CO2-Einsparung gibt es gar nicht). Die Betreiber haben also laufende Kosten für bereitgehaltenen Strom, bezahlt bekommen sie aber nur den wirklich abgerufenen, womit die Kosten des Kraftwerksbetriebes nicht gedeckt werden können.

Weitere Verluste der Stromversorger entstehen dadurch, dass sie für Naturstrom die gesetzlich vorgeschriebenen Einspeistarife bezahlen müssen, für diesen Strom aber an der Strombörse meist kein Geld bekommen, sondern noch dazuzahlen müssen, damit ihn jemand nimmt!

Ein Verbot, die unrentabel gemachten Kraftwerke abzuschalten, müsste zum Konkurs der Energieversorger und damit auch zum Ende der Stromversorgung führen.
Deshalb führt kein Weg daran vorbei, dass die Stromkunden auch noch für den bereitgehaltenen, aber nicht abgerufenen Strom zahlen werden müssen!

Re: Es ist aber ein wenig anders!

"Österreich baut seine Pumpspeicher gerade aus", ist Unsinn!

Heuer im März hat die TIWAG angekündigt, ein neues Pumpspeicherkraftwerk zu bauen. Die Proteste von allen Seiten waren derart wütend, dass dieses Vorhaben aufgegeben werden musste. Von einem Ausbau in Österreich kann gar keine Rede sein!

Das Regelarbeitsvermögen aller bestehenden österreichischen Pumpspeicherkraftwerke zusammen entspricht drei Prozent des durchschnittlichen Stromverbrauchs in Österreich. Das ist sehr, sehr wenig! Wir könnten ein Vielfaches davon brauchen, die Errichtung weiterer Kraftwerke ist aber praktisch unmöglich. Dass wir mit dieser lächerlichen Kapazität auch noch nennenswerte Mengen von deutschem Windstrom speichern könnten, ist völlig unrealistisch!

Um ein Pumpspeicherkraftwerk errichten zu können, braucht man ein hoch gelegenes Gebirgstal, das man total überschwemmen kann. Unten muss es einen See oder einen Fluss geben, dem man die großen Wassermengen, die man braucht, ohne Störung der Flora und Fauna entnehmen und dann wieder zuführen kann. Solche geeigneten Standorte, wo auch niemand dagegen protestiert, gibt es in Europa kaum mehr. Von der Speicherung von Windstrom in Pumpspeicherwerken ist gar nichts zu erwarten!

es

gibt kein unrentabel, da der strom an der börse gehandelt wird und bei engpässen wird einfach der teurere strom gekauft.

es loht sich also sehr wohl "teurere" kraftwerke zu bauen.

anstelle froh zu sein - super billigen ökostrom zu haben, wird wieder mal panik gemacht!

Gast: mmmh
17.09.2012 12:23
0 0

da stimmt

was nicht zusammen.... oder es ist schlicht falsch formuliert. wenn gas/kohle/kern kraftwerke aufgrund des überschüssigen alternativstromes unrentabel werden, dann kann es keinen bedarf nach ihnen geben, odr? oder ist es umgekehrt. oder gibt es eine jahreszeitliche schieflage, oder gibt es ein signifikantes transport / logistikproblem. oder es gibt ein speicherproblem, oder von allen problemen ein bisschen...
ärgerlich ist, dass in einem qualitätsmedium tendenziöses ohne recherche copypastiert wird!
und ich möchte - hrrgttnchml - eine objektive gegenüberstellung der national/eu-subventionen für alle energiearten! niemand sagt, dass ohne abnehmergarantien der länder in deutschland kein einziges akw aufgestellt worden wäre, da zu teuer......

waffenfähiges uran in atomkraftwerken zu "verfeuern" ist eigentlich ziemlich sinnvoll

und wenig kurios

z.b für leichtwasserreaktoren braucht man uran das zu ca 3% mit uran 235 angereichert ist.

bei kernwaffen besteht das uran zu ca 90% aus u235 isotopen, man kann daher aus den abgerüsteten atomsprengköpfen massenhaft brennmaterial für kernkraftwerke gewinnen.

da die atomkraft in den letzten jahren wieder modern geworden ist, und vorallem in china sehr viele neue kraftwerke gebaut werden werden halt alle möglichen quellen angezapft um an das seltene uran 235 zu kommen!

nunja wie dem auch sei, ich finde es prinzipiell schon sinnvoll dass deutschalnd aus der atomkraft aussteigt, nicht weil sie derart unsicher ist, sondern weil man noch immer kein konzept für die sichere endlagerung hat!

aber die deutschen politiker sollten nicht so populistisch sein, und auf den unpopulären leitungsbau verzichten, ohne massenhaft neuen 380kv nord süd leitungen wird die energiewende nicht möglich sein

selbiges gilt aber auch für österreich, wenn wir grünen strom wollen, so müssen wir wohl in den sauren apfel beißen und ua den 380kv ring fertigstellen, sowie diverse andere 380kv trassen errichten, da wir sonst gefahr laufen dass uns das stromnetz um die ohrne fliegt, und wir massive volkswirtschaftliche shcäden durch blackauts davontragen!

außerdem werden wir wohl mehr pumpspeicher brauchen!

Gast: Luggl
17.09.2012 11:07
1 1

Na no na net.

Das war von Beginn an das Ziel des Ökostroms. Die alten Stinkerkraftwerke müssen weg. Schön, dass die alten Konzerne das endlich überzuckert haben...

Gast: toro
17.09.2012 10:44
4 0

Sie lasen eine bezahlte Anzeige von RWE, e.on, Vattenfall und EnBW

Natürlich sind die Konzerne besorgt, wenn der früher schön unter ihnen aufgeteilte Markt plötzlich komplizierter wird.

Gast: Kecer
17.09.2012 10:06
3 1

Aha, die Großkonzerne

wollen sich die neuen, teuren Leitungen vom Staat zahlen lassen, daher diese Panikmache.

Gast: zetto
17.09.2012 10:01
5 0

Seltsame Vattenfall-Argumentation.

Dann soll Vattenfall den überschüssigen billigen Tagesstrom eben dafür verwenden, die Speicher zu füllen und in der Nacht die prognostizierte Lücke zu füllen.
Zu einfach?
Natürlich.
Vattenfall ist ja mit der größte Betreiber fossil befeuerter Kraftwerke...

Re: Seltsame Vattenfall-Argumentation.

Welche Speicher soll Vattenfall denn füllen ? Die in den österreichischen Alpen die wegen gut organisierter Proteste nicht gebaut werden ?
Protestiert wird gegen alles: den Leitungsausbau, neue Kohle-, Gas-, Wasserkraftwerke.
Eines habe aber auch alle Protestierer gemeinsam: sie brauchen und verbrauchen Strom

Re: Re: Seltsame Vattenfall-Argumentation.

Falsch, jene in Norwegen.
http://d76.de/blogs/about/norger-das-seekabel-zwischen-deutschland-und-norwegen-und-die-petition/
Das ist nur ein kleiner Vorgeschmack was geht: 60 Atomkraftwerke sinds nicht, es sind 60 Reaktoren.
Zum Vergleich: D hat derzeit noch 9 Atomkraftwerke im Einsatz.

und dann gibts noch:
http://en.wikipedia.org/wiki/Ulla-F%C3%B8rre
Jährliche Leistung 7.8TWh.
Da kann man schon nett ausgleichen.
Ich würde mir da keine Sorgen um die Sicherheit machen.

Schon eher um Aktien der großen Deutschen Stromanbieter, weil denen gerade das Geschäftsmodell zusammenbricht.
Aber die sind mir wurscht.

Antworten Gast: X15TN
17.09.2012 10:37
0 1

Re: Seltsame Vattenfall-Argumentation.

Im Winter gibt es keinen billigen Solarstrom!

Re: Re: Seltsame Vattenfall-Argumentation.

im winter scheint die sonne nicht???

wäre mir neu!

Re: Re: Seltsame Vattenfall-Argumentation.

Aber superbilligen Windstrom!

Schon mal darüber nachgedacht, dass sich die Systeme ausgleichen?

0 2

Re: Re: Re: Seltsame Vattenfall-Argumentation.

Als ob im Winter mehr Wind weht...

Re: Re: Re: Re: Seltsame Vattenfall-Argumentation.

http://www.heise.de/tp/artikel/34/34475/3.html

Der ganze Artikel zeigt die Möglichkeiten aber auch die notwendigen Maßnahmen auf.


Antworten Antworten Gast: Brentan
17.09.2012 11:09
1 0

Doch, an Wochenenden

und Feiertagen.

Gast: Zwerkina
17.09.2012 09:57
3 1

Jetzt auf einmal ist der zu teure Ökostrom

zu billig. Also was denn nun?

Weg mit den

gigantischen Förderungen für grausliche Windfloder!

Re: Weg mit den

Die Förderungen sind ein Bruchteil von dem, was der deutsche Staat für die Sicherheit der Atomkraftwerke ausgeben muß.

Dann kommen noch die Entsorgungskosten für Brennstäbe und Kraftwerke dazu.

Außerdem kommt noch die Anwendungsforschung für die Sicherheit der Atomkraftwerke dazu.

Für die Kohlekraftwerke kommen die Kosten dazu, weil sie mit Steuergeldern gebaut wurden
und die Übernahme der Versorgung der bereits abgebauten Arbeiter
und die Entsorgungskosten der Abräumhalden.

Fragen?

Antworten Gast: Haro von Wenen
17.09.2012 09:59
1 2

Dann muss man auch die Milliarden-Förderungen

für Kohlekraftwerke und AKWs abschaffen.

Grüne Politik!

Grosse Klappe aber keine Ahnung von Technik!
Der Strom kommt eh aus der Steckdose!

2 0

Re: Grüne Politik!

Sie hat such der Quasi nicht verdient!

4 0

Blackout?

Seit der Energiewende malen die vier deutschen Stromkonzerne dieses Szenario an "die Wand"!

Überlastung der Netze etc. durch Erneuerbare Energien.
Die Netze seien zu alt und würden den Anforderungen nicht standhalten.
Das mag alles stimmen; denn die Netz sind von den Konzernen nur notdürftig gewartet worden.

Aber: Der Verbraucher zahlt seit Jahrzehnten mit seiner Stromrechnung immer einen extra Betrag zu Erneuerung und in Standhaltung der Netze.
Dieses Geld wurde aber von der Stromkonzernen zweckentfremdet.

Atomstrom ist nur für den Erzeuger billig, für den Verbraucher der teuerste Strom; denn er muss auch die gesamten Zusatzkosten und Subventionen die an die Konzerne gehen mit seinen Steuer bezahlen!
Eine schon vor Jahren erstellte Berechnung kommt auf einen Bruttopreis von 0,52 € pro KW Stunde!

wer das glaubt ist selber Schuld

solche Infos kommen nur von den einschlägigen Lobbyisten

Warum

verkauft Deutschland dann weiterhin Strom nach Polen?

Sie kaufen Strom ( Werbewirksam ) in Österreich und andererseits verkaufen sie Strom!

Wie passt das zusammen?

 
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Hobbyökonom