Pensionskrise wegen Facebook-Flop

In einer Studie warnt das Sozialministerium vor Einbußen bei den Pensionen in Höhe von acht Prozent. Trotz zahlreicher Warnungen haben viele niederländische Pensionsfonds große Mengen von Facebook-Aktien gekauft.

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(c) AP (Paul Sakuma)

Den haag. Die Wahlen in den Niederlanden sind geschlagen, die Zeiten der Versprechen und der guten Nachrichten sind vorbei. Und die schlechten Nachrichten ließen nicht lange auf sich warten. Den fast 13 Millionen niederländischen Pensionisten drohen massive Einkommensverluste. Ihre Pensionen könnten in den kommenden zwei Jahren um durchschnittlich 8,2 Prozent sinken. Das geht aus einer geheimen Studie des Haager Ministeriums für Arbeit und Soziales hervor, die von der Zeitung ,,de Volkskrant“ in Auszügen veröffentlicht wurde.

Die Studie ist für Menschen im Ruhestand das reinste Horrorszenario. Sollten die darin angestellten Berechnungen zutreffen, dann wird ein Großteil der niederländischen Pensionisten in den kommenden Jahren erheblich weniger von den Pensionskassen ausbezahlt bekommen, als bisher angenommen.

Ein konkretes Beispiel: Ein jährlicher Pensionsanspruch von bisher 10.000 Euro schrumpft dann auf 9180 Euro zusammen, wie aus dem Worst-Case-Szenario des Haager Arbeitsministeriums hervorgeht. Aber auch wenn dieses Szenario nicht eintreten sollte, müssen mindestens 5,7 Millionen Niederländer damit rechnen, dass ihre Pensionszahlungen in zwei Jahren durchschnittlich um sechs Prozent niedriger ausfallen werden, als bisher prognostiziert.

Hauptgründe für die düsteren Pensionsaussichten sind die lahmende Konjunktur und vor allem die niedrigen Zinsen. Aufgrund dieser sinkt nämlich der Deckungsgrad der großen Pensionsfonds, weil sie für ihr oft in Staatsobligationen angelegtes Vermögen immer weniger Zinsen bekommen. Ihr Vermögen wird also kleiner.

Um die Finanzierungslücke schließen zu können, sind nach Meinung des Haager Arbeitsministeriums Prämienerhöhungen unvermeidlich. So müssten die Pensionsprämien für Arbeitnehmer in den kommenden Jahren um „mindestens 14 Prozent“ steigen, um die Verluste auszugleichen, heißt es in dem Geheimpapier.

Außerdem haben sich einige große niederländische Pensionsfonds und Vermögensverwalter auch beim Börsengang von Facebook verspekuliert.

 

Warnungen ignoriert

Trotz zahlreicher Warnungen von Finanzanalysten haben viele große niederländische Pensionsfonds große Mengen von Facebook-Aktien gekauft. Doch die Titel sind im Vergleich zum Emissionspreis von 38 Euro heute nur noch etwas mehr als die Hälfte wert.

Die Investmentgruppe Robeco, die 250.000 Facebook-Anteile orderte und dafür 9,5 Millionen Euro zahlte, sitzt nun auf dem Paket, das mit 4,76 Millionen Euro nur noch die Hälfte wert ist. Ähnlich ging es auch der Rabobank und der All Pensions Group APG, die auf einem Paket von 330.500 Facebook-Aktien sitzen.

Auf einen Blick

Pensionisten in den Niederlanden drohen massive Einkommensverluste: Weil der Deckungsgrad der großen Pensionsfonds aufgrund der niedrigen Zinsen sinkt, werden Einschnitte bei den Pensionszahlungen unausweichlich sein, heißt es in einer geheimen Studie des Sozialministeriums. Im Schnitt werden die Pensionen um acht Prozent sinken. Nur mit massiven Erhöhungen der Beiträge („mindestens 14 Prozent“) sei das Loch zu stopfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2012)

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