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Der lachende Fünfte im Ikea-Streit

17.09.2012 | 18:04 |   (Die Presse)

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad hat sich entschieden. Seine Nachfolge wird keiner seiner drei Söhne antreten: Der bisherige Leiter des Schweden-Geschäfts Peter Agnefjäll soll ab September 2013 den Konzern steuern.

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Stockholm/Wien/JUK/Ag. Die Zeiten bei der Möbelhauskette Ikea bleiben spannend: Innerhalb von 24 Stunden gab der Konzern zwei neue Führungsriegen bekannt. Der neue Boss des Unternehmens mit zuletzt 24,7 Mrd. Euro Umsatz ist ab September 2013 der bisherige Leiter des Schweden-Geschäfts Peter Agnefjäll (41), teilte Ikea am Montag mit. Agnefjäll löse damit Mikael Ohlson an der Spitze ab. Der Firmengründer Ingvar Kamprad bleibe als „Senior-Berater“ erhalten, so der aktuelle Stand. Wenige Stunden zuvor hatte der Aufsichtsratschef der Ikea-Mutter Ingka Holding den Übergang der Gesamtverantwortung auf die drei Söhne Kamprads, Peter, Jonas und Mathias, verkündet. Der Vater ziehe sich demnach gänzlich aus dem operativen Geschäft zurück. Was dieser innerhalb einer Stunde erbost dementieren ließ.

Jahrelanger Kampf um Nachfolge

Diese Wendung markiert ein vorläufiges Ende in der Führungsdebatte, die den Möbelriesen seit den Neunzigerjahren beschäftigt hatte. Seit damals hatte der Unternehmensgründer, der seinen Geiz gerne zur Schau stellt, versucht, sein Milliardenerbe an seine drei Söhne abzugeben. Der Vater erhöhe mit jedem Tag den Druck, sagt einer: „Ihr müsst jetzt übernehmen“, fordert er. Was darauf folgt, war wenig konkret. Welcher Sohn welchen Posten zu welcher Zeit übernehmen soll, verlautete er nie, schrieb der Autor Rüdiger Jungbluth in seinem 2008 erschienenen Buch „Die 11 Geheimnisse des Ikea-Erfolgs“.

Einen Schritt vor, zwei zurück. Gemäß diesem Muster pflegte der erst jüngst zum reichsten Mann Europas gekürte Kamprad die Nachfolge für den Möbelkonzern mit 131.000 Mitarbeitern zu erwägen. Jahrzehntelang stemmte sich der Alte mit aller Kraft gegen den Verlust seines Lebenswerks. Er sei eben ein Fachidiot, begründete er einmal. Er könne nichts anderes als Möbel verkaufen. Bücher lese er nur drei Stück im Jahr. Radfahren, Pilze sammeln und Tomaten züchten seien die einzigen Tätigkeiten, die sich hin und wieder seine Aufmerksamkeit verdienen. Seine Söhne, die er gemeinsam mit der zweiten Ehefrau Margaretha bekam, liebe er heiß. Nachdem der Wunsch nach einem Stammhalter in der ersten Ehe (das Paar adoptierte ein Mädchen) unerfüllt blieb, war die Freude über die Söhne in der zweiten Ehe groß. Noch heute streichelt er den erwachsenen Männern (Peter ist 48, Jonas 46 und Mathias 43 Jahre alt) zärtlich über Gesicht und Nacken.

Auf der anderen Seite putzt er sie in Firmensitzungen vor versammelter Mannschaft herunter. „Er hat uns unnötig unter Druck gesetzt“, sagten die Söhne dem Buchautor Bertil Torekull in ihrem bisher einzigen Interview. Sie führten das Gespräch, nachdem der Autor zugesagt hatte, nicht zu veröffentlichen, wer was sagt. Lange Zeit gab es Gerüchte, der Chef lasse seine Söhne gegeneinander antreten, um herauszufinden, wer als Konzernchef taugt. Die Persönlichkeiten der drei „Jungen“ sind dereinst recht unterschiedlich. Peter hat Ökonomie studiert und den manischen Sparzwang vom Vater geerbt. Sein Bruder Jonas, der als Architekt und Designer schon Produkte für Ikea entworfen hat, gilt als introvertiert. Der Jüngste – Mathias – hat laut „Manager Magazin“ keinen Abschluss und vertreibt sich die Nächte gerne in Bars.

Mitarbeiter waren gegen Söhne

Eine Art Probelauf stellte wohl der Einsatz von Mathias und Jonas bei der Möbelkette Habitat dar, die der Senior 1992 gekauft und den Söhnen zur Sanierung überlassen hatte. Sie scheiterten – die Kette wurde mit einem Verlust von 50 Mio. Euro verkauft. Auch deshalb reagieren Ikea-Mitarbeiter nicht gerade euphorisch, wenn von einem Führungswechsel die Rede ist. „Das wird eine Katastrophe“, raunte jüngst ein hochrangiger Manager. Viele seiner Kollegen sähen das ähnlich: „Wenn Ingvar nicht mehr da ist, gehen wir auch.“

Doch so leicht lässt sich der 86-jährige Firmengründer nicht vertreiben.

Auf einen Blick
Die Möbelkette Ikea hat 131.000 Mitarbeiter, erwirtschaftet 24,7 Mrd. Euro Umsatz und hat bald einen neuen Konzernchef: Ab September 2013 soll Peter Agnefjäll, Chef des Schweden-Geschäfts, die Geschicke des Konzerns lenken. Der 86-jährige Firmengründer Ingvar Kamprad ist weiter als „Senior-Berater“ tätig. Wenige Stunden zuvor hatte ein hochrangiger Konzernmanager noch erklärt, die drei Söhne des Ikea-Gründers würden die gesamte Verantwortung übernehmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2012)

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4 Kommentare
Gast: Take one und es ist ein klax to be free
17.09.2012 21:38
2 0

Ingvar Kamprad hängt an seinem Lebenserk

Es gibt Menschen, die haben wirklich ein beachtliches Lebenswerk geschaffen.

Steve Jobs und Steve Wozniak mit Apple, Bill Gates mit Microsoft, Ferdinand Porsche, Enzo Ferrari, Daniel Swarovski, die Gründer von Krupp, Thyssen, Gottfried Daimler und viele, viele tausende andere.

Es gibt wahrscheinlich mehr Leute, deren Vermächtnis man nicht kennt oder die karikativ oder um ihres Glaubens willen tätig waren bzw. sind wie Mutter Theresa.

Ingvar Kamprad zählt sicher zur ersten Gruppe. Diese Leute haben wirtschaftliche Spitzenleistungen vollbracht, was aber nicht heißt, dass sie auch zwingend einen besseren Charakter haben als jene, die "gemeinnützig" und "im stillen Kämmerlein" großartiges vollbringen und zu Vorbildern für einige Leute werden.

Was man aber jedenfalls sollte: Ein Vermächtnis hinterlassen. Dem Leben einen Sinn, ein Ziel und eine Erfüllung geben und das meine ich nicht im religiösen Kontext, sondern auch das Leben im "diesseits" darf interessant, lustig, spannend .... und lebenswert sein. Ein lebenswertes Leben hängt immer mit dem Wunsch und mit der Tatkraft, etwas zu schaffen und das zu tun, was man wirklich gerne tun will, zusammen.

Ich denke, dass Ingvar Kamprad an seinem Lebenswerk hängt. Wie alle, die erfolgreich sind, egal in welchem Bereich.

Altersdiskriminierung hat Hochkonjunktur!

Wenn ich das mal bei anderen Themen machen würde, .... heiß!

Die Botschaft ist ja klar: Einer der 86 Jahre alt ist, soll nicht mehr arbeiten! Offensichtlich will der Staat Arbeitssklaven mit einem versehenen Datum haben. Das einfach jemand Freude an seinem "Lebenswerk" hat, und dieses noch solange pflegen will bis er gesundheitlich nicht mehr kann, ist natürlich in unserem Zwangssystem nicht vorgesehen!

Gast: Zyni
17.09.2012 12:59
1 5

Na ja

wird schon Zeit, außer Billy nix brauchbares.

3 0

Re: Na ja

Expedit!!!

Hobbyökonom