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Skandalbank: Sind Bayern schuld am Hypo-Debakel?

17.09.2012 | 18:07 |  Von Christian Höller (Die Presse)

Die Republik Österreich soll weitere 2,2 Milliarden Euro in die Sanierung der Hypo Alpe Adria stecken, obwohl laut einem Gutachten die Bayerische Landesbank für das Desaster mitverantwortlich ist.

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Wien. Fritz Kleiner ist einer der renommiertesten Wirtschaftsexperten des Landes. In akribischer Kleinarbeit hat er für den österreichischen Staat das Debakel bei der Hypo aufgearbeitet. Er bekam Zugang zu allen internen Unterlagen. Kleiner hat sein 700 Seiten starkes Gutachten im Sommer fertig gestellt. Doch die Hypo Alpe Adria und das Finanzministerium weigern sich, die Expertise zu veröffentlichen. Sie wollen nicht, dass jene Leute, die die Hypo geschädigt haben sollen, von möglichen juristischen Schritten Wind bekommen. Dem stellvertretenden BZÖ-Klubobmann Stefan Petzner wurde am Wochenende das 700-Seiten-Gutachten zugespielt. Er hat am Montag wichtige Passagen veröffentlicht.

Kleiner hat in der Expertise die Verfehlungen aus der Zeit aufgelistet, in der die Hypo der Bayerischen Landesbank gehört hat. Auf Seite 29 des Gutachtens heißt es: „Der Wachstumskurs wird unverändert fortgesetzt, obwohl dieser in der 81. Aufsichtsratssitzung vom 17. 12. 2007 als problematisch diskutiert wird.“ Auf Seite 37 steht: „Die Mitglieder des Aufsichtsrats respektive die Vertreter der Bayerischen Landesbank wurden vom Vorstand regelmäßig über Problembereiche und Problemfälle der HypoBank International informiert. Bis zum vierten Quartal 2008 wurde am Wachstumskurs festgehalten“, obwohl die zu optimistisch angenommenen Planwerte bereits in der Aufsichtsratssitzung kritisch hinterfragt worden seien.

Massives Missmanagement?

Massive Probleme dürfte es bei der Leasingtochter der Hypo gegeben haben: „Unserer Ansicht nach sind das unkontrollierte Wachstum und das Missmanagement in den Leasinggesellschaften wesentlich für den Niedergang dieses Instituts in den Jahren bis 2009 verantwortlich“, schreibt Kleiner auf Seite 155. In einer abschließenden Stellungnahme betont der Gutachter: „Hätte sich der (neue) Vorstand von Anfang an zentral mit den Werthaltigkeiten der Kreditforderungen und Beteiligungen und dem wirtschaftlichen Eigenleben der Leasinggesellschaften in Südosteuropa beschäftigt, ein wesentliches Verlustpotenzial wäre früher erkannt worden.“

Außerdem kommt Kleiner zur Ansicht, dass die BayernLB den Ausstieg bei der Hypo schon länger geplant habe. Kurz vor der Übernahme durch den österreichischen Staat kappten die Deutschen 2009 bei der Hypo Kreditlinien in dreistelliger Millionenhöhe. Ende 2009 wurde das Klagenfurter Institut mit der Verstaatlichung vor der Pleite gerettet. Doch Kleiner deckt auf, dass die Bayern schon ein Jahr zuvor beschlossen haben, sich von der Österreich-Tochter zu trennen – wie auf Seite 566 des Gutachtens steht: „Laut Aussagen von Kurt Fahrenschon, dem damaligen Ministerpräsidenten für Finanzen, wurde als mittelfristige Perspektive in der Verwaltungsratssitzung am 29. 11. 2008 beschlossen, sich von der Hypo zu trennen und die Osteuropa-Strategie aufzugeben.“

Weder die Hypo noch das Finanzministerium nimmt zum Gutachten von Kleiner Stellung. Dem Vernehmen nach werden aber hinter den Kulissen juristische Schritte gegen die BayernLB geprüft. Im Zuge der Verstaatlichung musste sich die BayernLB verpflichten, der Hypo eine bis 2014 laufende Liquiditätsspritze von 3,1 Mrd. Euro zur Verfügung zu stellen. Nun gibt es Überlegungen, das Geld einzubehalten. Die Hypo hat dazu ein neues Gutachten in Auftrag gegeben, ob die 3,1 Mrd. Euro als „verstecktes Eigenkapital“ zu sehen sind. Und Eigenkapital muss grundsätzlich nicht zurückbezahlt werden. Das Gutachten dazu soll demnächst vorliegen. Falls die Hypo die Bayern-Milliarden behält, braucht die Republik Österreich nicht 2,2 Mrd. Euro zuschießen, wie es die Finanzaufsicht vor Kurzem gefordert hat.

Indes bereitet Petzner eine Anzeige gegen Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer wegen des Verdachts auf Korruption vor. Gusenbauer hat die Hypo in der Vergangenheit beraten. Kleiner soll in seinem Gutachten dafür Leistungsnachweise vermissen, behauptet Petzner. Gusenbauer sei nicht erreichbar, sagte seine Assistentin beim Renner-Institut am Montag auf „Presse“-Anfrage. Der Ex-Kanzler hat in der Vergangenheit alle Vorwürfe im Zusammenhang mit der Hypo zurückgewiesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.09.2012)

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21 Kommentare

Die nächste Eiterblase platzt ......

und nichts passiert, oder doch?

Balsam für unsere österreichische Seele

jetzt machen wir, ob berechtigt oder nicht, schnell die pösen Piefkes verantwortlich, und alles ist wieder gut.

Wie leicht man uns doch Sand in die Augen streuen kann.

Gast: Don Corleone war nicht viel anders
18.09.2012 13:58
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Unglaublich!

"Dem stellvertretenden BZÖ-Klubobmann Stefan Petzner wurde am Wochenende das 700-Seiten-Gutachten zugespielt."

Sind wir jetzt wirklich ein Gangsterstaat geworden? Der Bericht soll allgemein bekannt gegeben werden, nicht irgendwem "zugespielt". Wer ist der "Zuspieler"? Hat er vielleicht Amtsmissbrauch begangen?

Vor den Vorhang, Herr!

Die Gier ist a Hund!

Die BL hat beim Kauf der Hypo genug Zeit gehabt um sich die Unterlagen anzusehen, wurde anscheinend nicht getan. Pech gehabt.

Wie der Jörgl damals sagte:"Der Verkauf der Hypo ist das Beste was dem Land Kärnten passieren konnte!" Der hat schon gewusst warum ein Verkauf notwendig war. :) Also viel Spaß beim sanieren, liebe Nachbarn!

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Re: Die Gier ist a Hund!

Wenn die Haftung mit entsorgt worden wäre, dann ja. Obwohl der Verkauf etwas betrügerisches hat...

Re: Re: Die Gier ist a Hund!

Ich hab keine genauen Zahlen über die Haftung im Kopf und bin zu faul um nachzusehen, aber meines Wissens ist die Haftung des Staates bzw des Landes im Vergleich zu den Verlusten sehr gering.

opfer haider?

warum soll man gegen die bayern vorgehen, wenn man so praktisch innenpolitisch verwertbar alles dem verstorbenen haider in die schuhe schieben kann? wurde deshalb das unliebsame gutachten nicht veröffentlicht?

Ist das jetzt wieder so eine "Petzner-Bombe" wie vor Gericht, bei der nichts als heisser Luft rauskam. Na mal abwarten...

Soweit ich mich erinnern kann, waren die Landeshaftungen Kärntens unter Fedeführung Haiders von in der Spitzenzeit 25 Milliarden Euro für die Hypo-Bank der Hauptgrund, warum Österreich die Bank später zurücknehmen musste und diese notverstaatlicht hat, da die Haftung sonst schlagend geworden wäre und die Bank damit so oder so auf Österreich zurückgefallen wäre. Warum wird das in diesem "Gschichterl" von Petzner eigentlich mit keinem Wort erwähnt?
.
Zumindest eigenartig erscheint mir auch, das dieses "Gschichterl" von Petzner genau zu einem Zeitpunkt kolportiert wird, in dem Haider und seine Kärntner Epigonen mit neuen Vorwürfen in die Medien geraten!
.
Die ganze Story sieht für mich auch irgendwie so aus, als würde er Dörfler und seinen alten Freunden von der FPK zur Seite springen und etwas Luft verschaffen wollen. Ach ja, was war da eigentlich vor dem Gerichtstermin so wichtiges mit Dobernig in der Landesregierung zu besprechen, Herr Petzner. Vielleicht ein Pöstchen auf dem untergehenden FPK-Dampfer für den Dampfplauderer?

Übrigens hat Petzner soweit ich weiß nur behauptet, dass er dieses Konvolut zugespielt bekommen hat,

gezeigt hat er es niemandem... so what...

verdecktes Eigenkapital

und nicht "verstecktes"! Peinlich, peinlich für die Zeitung mit der Wirtschaftskompetenz.
der ganze Artikel ist recht und schlecht zusammengeschustert.

Typisch Deutsche Wirtschaftsstrategie

Ich denke nicht dass die Hypo das einzige "Unternehmen" ist das Deutschland mit einer beschönigten Bilanz ins Ausland abgetreten hat, und im Gegensatz das eine oder andere erfolgreiche Unternehmen gegründet bzw. übernommen hat. (es gilt natürlich die Unschuldsvermutung) Zudem kennen wir auch das gnadenlose Spiel mit den Knebelverträgen. ..... tztztz .. Ein Hoch auf die EU

Haider und einige Schwarze wie Martinz haben die Bank in Schieflage gebracht

Richtig versenkt haben die HAA tatsächlich die Bayern.

Fritz Kleiner zeigt genau die maßgeblichen Punkte auf.
Die größte Katastrophe für Österreich hat tatsächlich Pröll angerichtet.

Es ist zu befürchten, dass die ÖVP die Einspruchsfrist ungenutzt verstreichen lassen wird um die Wahrheit zu vertuschen. Dass dies Österreich Milliarden kostet ist diesen Parteipolitikern sowas von egal.

8 0

Interessant

Es wird interessant, wenn sich Österreich mit der wahrscheinlich wirtschaftlich stärksten Region der Welt "anlegt".

Re: Interessant

Mit Bayern ?

Schuld

ist die Asche im Bärental!

7 0

Re: Schuld

Ich meine der Sumpf ist ein wenig größer. Auch farblich würde ich in AT keine Trennlinien mehr ziehen.

wieso "nur" mitverantwortlich?

als die Hypo den Bayern gehörte wandelte sie sich von einer Regionalbank zu einer international agierenden Großbank. Dies erreichte sie durch Aufkäufe von Osteuropäischen Banken die größer waren als die Hypo. Also warum soll der Staat Österreich für etwas zahlen, das die Bayern angeleiert haben, und wieso hat J.Pröll (damals als Finanzminister) dieses "Grab" zurück gekauft?

Man möchte Meinen, man ist live dabei beim Villacher Fasching.

LeiLei

Re: wieso "nur" mitverantwortlich?

Zahlen und Tatsachen liegen Ihrem Kommentar aber nicht zugrunde

Antworten Gast: ecoNomics
17.09.2012 21:54
3 2

. . . das größte Übel, die Großbanken, die keiner zu zerschlagen wagt

. . . gewinnen bis zur Zerfleischung ist ihre Maxime.
Ihr Fundament ist bedrucktes Papier, ihre Aktien sind Schulden und der Steuerzahler, der Dumme bleibt immer übrig.
Die Banken haben nichts, spekulieren mit allem Geld. Dort wo Geld kommt und geht, das sind die Banken, die Abzocker.
Nun ist halb Europa dran. Nennt sich Euro, doch's sind die Banken, die alles verbanken. Sie drucken, was immer und wer immer danach langt.
Griechenland wird nun eingedeckt und der Euro muß's brennen, für immer.

6 5

Re: wieso "nur" mitverantwortlich?

"....sie durch Aufkäufe von Osteuropäischen Banken die größer waren als die Hypo."

Was Sie alles wissen! Lassen Sie mich an Ihrem Wissen teilhaben und nennen Sie mir die "osteuropäischen Banken die größer waren als die Hypo"!

Meines Wissens hat die Hypo Alpe Adria selber in Osteuropa Niederlassungen GEGRÜNDET. Ich zähle Ihnen die Markteintritte und die Jahreszahlen gerne auf:

Slowenien 1994
Bosnien u. Herzegowina 2001
Serbien 2002
Deutschland 2003
Montenegro 2005
Bulgarien 2006
Ungarn 2006
Ukraine 2007

Zu Ihrer Info, die Bayr. Landesbank hat erst im April 2007 die Hypo Alpe Adria gekauft!

Das Anwachsen der Bilanzsumme datiert auch aus der Zeit vorher:

2003: 12,714 Milliarden EURO
2004: 17,828 Milliarden EURO
2005: 24,23 Milliarden EURO
2006: 30,59 Milliarden EURO
2007: 37,9 Milliarden EURO
2008: 43,3 Milliarden EURO
2009: 41,078 Milliarden EURO

So verdreifachte sich die Bilanzsumme von 2003 bis 2007, aber nachher stieg die Bilanzsumme bis 2009 nur mehr um 3 Milliarden EURO!


sehr guter artikel

endlich mal

Hobbyökonom