Wie der Herstellerverband ACEA am Dienstag mitteilte, wurden in Europa heuer in den ersten acht Monaten 6,6 Prozent weniger Autos zugelassen. Besonders hart traf es Italien: Das Land verbuchte von Jänner bis August bei den Pkw-Neuzulassungen mit einem Minus von 19,9 Prozent. Das bekam vor allem Fiat zu spüren, beim italienischen Autobauer gingen die Neuzulassungen europaweit um 16,6 Prozent zurück.
Fiat-Chef Sergio Marchionne beschreibt die dramatische Lage auf dem italienischen Automarkt am Dienstag in einem Interview: "In Italien ist die Autoindustrie in ein Marktloch ohne gleichen gefallen. Der Markt ist auf ein Niveau wie in den 60er Jahren gestürzt. Wir haben in einem Schlag 40 Jahre verloren. Vor einem Jahr war das Land pleite. Nur der Eingriff einer glaubwürdigen Persönlichkeit hat Italien aus dem Abgrund retten können. Jetzt will man, dass sich Fiat so ruhig weiter verhält, wie in den Zeiten, als noch die Sonne schien?", fragte Marchionne in der Tageszeitung "La Repubblica".
Verluste in Europa, Gewinne in den USA
Zugleich bestreitet Marchionne Gerüchte, wonach sein Konzern sich aus Italien zurückziehen wolle. "Ich habe niemals die Schließung von Werken vorgeschlagen und niemals behauptet, dass ich weggehen will". Marchionne erklärte jedoch, dass Fiat seine 2010 präsentierten Investitionspläne für Italien revidieren müsse. "In Italien liegt der Automarkt in Agonie. Fiat wird in Italien dank der Gewinnen bleiben, die im Ausland generiert werden. Der italienische Automarkt ist zusammengebrochen. Wenn wir nach den ursprünglichen Plänen investieren würden, wären wir pleite", warnte Marchionne. In Europa habe Fiat Verluste in Höhe von 700 Millionen Euro angesammelt, die der Konzern nur dank der Gewinne in den USA und in den Schwellenländern kompensieren könne.
(APA)
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