Wien/jaz. Die Suche nach dem umweltfreundlichen Antrieb der Zukunft ist das bestimmende Thema der Autoindustrie. Und schnell werden hierbei favorisierte Technologien auch wieder zu Flops erklärt. So macht zurzeit nicht nur die „Teller oder Tank“-Diskussion die einst bejubelten Agrartreibstoffe zu Buhmännern, auch lange erwartete Elektroautos wie der „Volt“ von GM mutieren aufgrund fehlender Nachfrage zu Ladenhütern.
Der deutsche Autohersteller Audi setzt daher auf eine Technologie, die bereits vor rund fünf Jahren in der Branche groß diskutiert wurde, um die es seither aber relativ still geworden ist – das Erdgasauto. Ende nächsten Jahres soll mit dem A3 TCNG das erste ab Werk mit einem Erdgasantrieb ausgestattete Fahrzeug auf den Markt kommen. So weit, so unspektakulär. Das Besondere bei Audi ist jedoch, dass die VW-Tochter sich auch um die Produktion des Treibstoffes bemüht – und zurzeit eine Pilotanlage errichtet, in der aus überschüssigem Windstrom synthetisches Gas erzeugt werden soll.
„Wir wollen kein Strom- oder Gasanbieter werden. Aber wir sehen uns in der Pflicht, die Technologie voranzutreiben“, sagt dazu Heinz Peter Hollerweger, Entwicklungsleiter für Gesamtfahrzeuge bei Audi anlässlich einer Veranstaltung des heimischen Gas-Branchenverbands ÖVGW. Daher investiert der Konzern zusammen mit dem 2007 in Salzburg gegründeten Unternehmen Solarfuel 70 Mio. Euro in das Projekt.
Vom Windrad in den Gasspeicher
Dabei wird mittels Elektrolyse Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Der Wasserstoff wird danach mit CO2 zu künstlichem Methan (CH4) „verschmolzen“. Das dafür notwendige Kohlendioxid kann zuvor aus den Abgasen von Kraftwerken oder aus der Atmosphäre gewonnen werden. Da die beim Verbrennen im Auto emittierte Menge des klimaverändernden Gases genau gleich ausfällt, ist das synthetische Erdgas CO2-neutral.
„Wir wollen dabei auch niemandem Ökostrom wegnehmen, sondern jenen Strom verbrauchen, der als Überschuss anfällt“, so Hollerweger. Denn schon heute gibt es Zeiten, zu denen Windkraftanlagen abgeschaltet werden müssen, da das Netz ansonsten überlastet wäre. In den nächsten Jahrzehnten werde in Deutschland allein dieser Überschuss auf den dreifachen Jahresverbrauch Österreichs ansteigen. Das Synthetikgas wird von der Gasbranche daher auch als möglicher Langfristspeicher für die volatile Ökostromproduktion gesehen.
Wie überall gibt es aber auch hier einen Pferdefuß: So gehen bei der Umwandlung 40 Prozent der Energie verloren. Und da das Verfahren aufwendig ist, kostet die Kilowattstunde zwischen sieben und neun Cent. Importiertes fossiles Gas aus Russland kommt hingegen zurzeit auf rund drei Cent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)
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