Die Austrian-Airlines-Mutter und größte europäische Fluglinie Lufthansa zieht ihre umstrittenen Pläne für eine konzerninterne Billigfluglinie durch. Zum Jahreswechsel werden die Lufthansa-Direktverkehre mit der Tochter Germanwings kommerziell und organisatorisch zusammengeführt, beschloss am Mittwoch der Aufsichtsrat der größten Fluggesellschaft Europas in Frankfurt. Dafür wird keine neue Gesellschaft gegründet, sondern die bereits bestehende Germanwings GmbH als Basis genutzt. Der Sitz des Unternehmens bleibt Köln.
Auch Flugzeuge der Lufthansa-Tochter Eurowings sollen im Auftrag der neuen Gesellschaft fliegen, die dann über 90 Jets der kleineren Airbus-Reihen verfügt. Sie wird für alle Flüge außerhalb der Drehkreuze München und Frankfurt zuständig sein. Im ersten Jahr sollen rund 18 Millionen Passagiere befördert werden, teilte Lufthansa weiter mit. Ein Markenname für die neue Gesellschaft steht noch nicht fest und soll erst in den kommenden Monaten gefunden werden.
Gewerkschaft kündigt Widerstand an
Die Pläne der AUA-Mutter Lufthansa belasten nach Ansicht der Kabinengewerkschaft Ufo die Schlichtung für die rund 18.000 Flugbegleiter. "Die Kollegen sind völlig verunsichert. In unseren Foren ist die Hölle los", sagte Ufo-Gewerkschaftschef Nicoley Baublies. Vielen Beschäftigte hätten Angst vor Versetzungen oder Kündigungen.Die Gewerkschaft sei nicht bereit, einen Billigtarif für Flugbegleiter im Konzern zu dulden, sagte der Gewerkschafter. Die Ufo fürchtet, dass rund 1.200 Lufthanseaten zu einem Wechsel gezwungen werden könnten.
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sieht sich von den Plänen hingegen in ihren laufenden Tarifverhandlungen nicht beeinträchtigt. "Wir sprechen ausschließlich über die Entgelte bei der Lufthansa", erklärte VC-Sprecher Jörg Handwerg. Die Piloten hätten zudem in zurückliegenden Tarifrunden bereits kollektiv zu einer 20-prozentigen Kosteneinsparung im dezentralen Verkehr beigetragen.
Die Gesellschaft werde als Teil des Lufthansa Airline Verbundes mit entsprechendem Qualitätsanspruch unterwegs sein, kündigte Vorstandschef Christoph Franz an. Die Bündelung der Direktverkehre berge erhebliche Effizienzpotenziale. Ziel sei es, die Verkehre unter dem Dach einer Gesellschaft wieder profitabel zu machen. Bisher fliegt Lufthansa in diesem von Billigfliegern wie Ryanair oder Easyjet angegriffenen Bereich hohe Verluste ein.
20 Euro Gutschein für Passagiere
Um gutes Wetter bemüht sich die Lufthansa unterdessen bei ihren Kunden. Rund 90.000 vom Streik getroffenen Fluggästen habe man jeweils einen Gutschein über 20 Euro übermittelt, berichtete ein Sprecher. Voraussetzungen waren ein ausgefallener oder mindestens um zwei Stunden verspäteter Flug sowie die an Lufthansa übermittelte E-Mail-Adresse. Die Bonus-Codes seien als Dankeschön für das Verständnis gedacht und können ein ganzes Jahr lang eingelöst werden. Es handele sich um eine reine Geste, verpflichtet sei das Unternehmen dazu nicht.
(APA/Reuters/dpa)
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