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Dürre sei Dank: Bauerntochter besiegt Wall-Street-Riesen

21.09.2012 | 18:29 |   (Die Presse)

Renée Haugerud machte mit der Rekordhitze die Wette ihres Lebens. In der Welt der auf Rohstoffe spezialisierten Hedgefonds ist sie eine Ausnahme.

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Bloomberg. Drei qualvolle Wochen im Mai befürchtete Renée Haugerud, die Gründerin des New Yorker Hedgefonds Galtere Ltd., dass sie mit ihren Wetten auf Mais einen schrecklichen Fehler gemacht haben könnte. Im März hatte sie mit dem Kauf von Terminkontrakten für 5,59 Dollar je Bushel (35,2 Liter) begonnen, da sie fest mit steigenden Preisen gerechnet hatte. Die Nachfrage nach Viehfutter und die Ethanolproduktion sah sie immer weiter steigen.

Stattdessen brachen die Preise innerhalb eines Monats um zwölf Prozent ein, nachdem das US-Landwirtschaftsministerium (USDA) am 10. Mai erklärt hatte, dass Mais im Rekordvolumen angepflanzt worden und entsprechend mit einer Riesenernte zu rechnen sei. Andere Hedgefonds bekamen kalte Füße und zogen sich zurück.

Haugerud, die 57-jährige Tochter eines Teilzeitfarmers, blieb jedoch standhaft und machte sich stattdessen mit ihrem Team an die Arbeit. Sie prüften frühere Maisrenditen, durchforsteten Zahlen von Ethanolproduktion und Export, um zu sehen, ob ihre Annahme, dass es eine starke Nachfrage nach einer potenziell durchschnittlichen Ernte geben werde, richtig war.

Unterstützung kam im April von der US-Umweltbehörde, die das Limit für Ethanol in Benzin für Fahrzeuge mit einem Baujahr ab 2011 von zehn auf 15 Prozent hinaufsetzte. Die USDA-Schätzung des Angebots hielt Haugerud für zu optimistisch. Wenn die Farmer tatsächlich so viel Mais anpflanzten wie seit 1937 nicht mehr, hieß das gemäß ihrer Erfahrung, dass sie nun auch weniger geeignetes Land nutzten, bei dem mit geringeren Erträgen zu rechnen sei. „Unsere Nachforschungen brachten das Ergebnis, dass es bestenfalls eine Durchschnittsernte geben dürfte“, sagt sie im Interview mit „Bloomberg News“. „Auf dem Markt wurde jedoch Perfektion eingepreist.“

 

Zur richtigen Zeit verkauft

Um absolut sicherzugehen, flog sie zur Forschungsfarm der Firma nach Minnesota. Und als sie sich eine Handvoll Erde durch die Finger rieseln ließ, wuchs ihr Vertrauen, dass ihre Maiswette richtig war. Die Erde war trocken, die Maisstängel gingen ihr kaum bis zum Knie. Einige waren keine 15 Zentimeter hoch.

Einer ihrer Analysten erfuhr auf Reisen durch die Bundesstaaten Iowa, Illinois und Indiana, dass sich viele Farmer über die Hitze beschwerten, was für eine mögliche Dürre sprach. Ihre Erfahrung als Farmerstochter und ihre Nachforschungen machten sich bezahlt: Von den 50 US-Staaten erlebten 32 heuer die schlimmste Dürre seit 1956. Der seit 117 Jahren bestehende US-Hitzerekord wurde durchbrochen. Am 30. Juli erreichten die Mais-Terminkontrakte 8,1775 Dollar je Bushel und lagen damit 2,5 Dollar über dem Märzpreis. Haugerud verkaufte an diesem Tag ihre gesamten Kontrakte.

In der Welt der auf Rohstoffe spezialisierten Hedgefonds ist sie eine Ausnahme. Eine Frau aus dem Mittleren Westen mit einem 600 Mio. Dollar schweren Hedgefonds, der viele der Großen an der Wall Street schlägt. Nur drei Prozent der zwei Billionen Dollar in Hedgefonds werden von Frauen verwaltet. Im Jahr ihres Durchbruchs, 2002, schnellte Haugeruds Hedgefonds Galtere 61 Prozent nach oben, seit seiner Gründung 1999 kommt der Hedgefonds nach eigenen Angaben auf ein durchschnittliches Jahresplus von elf Prozent. In diesem Jahr bis Ende August hat Galtere 9,3 Prozent zugelegt.

Mittlerweile ist auch die USDA vorsichtiger geworden: Ihre Septemberprognose lautet, dass die Ernte 10,7 Milliarden Bushel betragen dürfte, das wäre der schlechteste Ertrag in sechs Jahren. „Die zweite Jahreshälfte 2012 wird fantastisch”, sagt Haugerud, die noch Optionen hält, um von steigenden Maispreisen zu profitieren. „Alle fünf bis zehn Jahre hatte ich ein richtiges Ausnahmejahr und das letzte war 2002. Da klopfe ich lieber auf Holz.“

Auf einen Blick

Renée Haugerud gründete den New Yorker Hedgefonds Galtere Ltd. Im März kaufte sie Terminkontrakte für Mais, da sie mit steigenden Preisen rechnete. Dann brachen die Preise ein, andere Hedgefonds zogen sich zurück. Die 57-jährige Farmerstochter behielt ihre Kontrakte. Schließlich verkaufte sie mit 2,5 Dollar Gewinn.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.09.2012)

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10 Kommentare
Gast: trader1
24.09.2012 16:53
0 0

glück gehabt

das hätte auch anders ausgehen können ...
zum mitschreiben:
regel 1) nie ohne stop loss limit traden
regel 2) siehe regel 1

anders sehen

mit hirn ehrlich verdient
Aeusserst schwierig da geld zu verdienen
Kann wieder schnell weg sein
Verbieten bewirkt das gegenteil

Gast: Hannes Ebner
22.09.2012 16:14
5 0

Wetten und Spekulationsgeschäfte auf Nahrungsmittel

sollten strengstens verboten werden. So ein Hasard ist irrsinnig und kann viele Menschen ins Unglück reißen - Produzenten genau so wie Konsumenten!!

Wann wird das endlich verboten??

Re: Wetten und Spekulationsgeschäfte auf Nahrungsmittel

Ursache der steigenden Lebensmittelpreise: Notenbanken drucken Geld wie verrückt.

Sie sollten lieber selbst auf steigende Lebensmittelpreise spekulieren, und sich den Keller anfüllen - die Hyperinflation kommt nämlich mit Sicherheit - aber nicht wegen den Spekulanten, sondern wegen verrückter Politiker und Notenbanker!

Gast: Markus Trullus
22.09.2012 09:30
1 0

Clever, das Mädchen:-)

Was dabei interessant erscheint: die "Gurus" der Wallstreet sind keine Hellseher, sondern leben häufig auch nur vom "Zufall" und "Glück". Und diese Frau hat etwas, was scheinbar manchen Männern der Branche abhanden gekommen ist: sie war fleißig, hat Infos vor Ort geholt und nicht auf Grund gestreuter Gerüchte... es seien ihr (resp. ihren Anlegner) der Gewinn vergönnt.... (denn es war ja größtenteils nicht ihr Geld, sondern Geld von Dritten.... )

Gast: gregor127
22.09.2012 07:55
4 0

Märkte

Das ist genau das was verboten werden sollte. Wetten riskanter als im Kasino und dann dazu sagen das sind die "Märkte". Das ist gar nichts. Wenn aber 90% des Geldes auf solchen Wetten fußen, braucht man sich über eine Wirtschaftskrise nicht zu wundern.

echt blöder Artikel

wie heißt es so schön: "bauernschlau".
Sprichwort: Liaba a bisserl bled und ob und zua a Glick, ois gscheit und imma a Pech!

Gast: paah arrrg
22.09.2012 01:50
0 0

wummm extrem

soviel gewinn

warum wurde dieser artikel geschrieben?

weil die managerin weiblich ist,
oder weil sie ein gutes geschäft gemacht hat?

Re: warum wurde dieser artikel geschrieben?

Vielleicht beides - das eine schließt ja das andere nicht aus, oder? :-)

Hobbyökonom