Der Zusammenschluss des deutsch-französischen Flugzeug- und Rüstungskonzerns EADS mit dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems steht einem Zeitungsbericht zufolge vor entscheidenden Hindernissen. Wie das deutsche "Handelsblatt" aus dem französischen Präsidialamt erfuhr, will Frankreich auf keinen Fall auf den eigenen Staatsanteil verzichten. In Berlin bestehe aber die Tendenz, ebenfalls Aktien zu kaufen, falls Frankreich seine Anteile hält. Die Briten jedoch wollten laut EADS keinen Konzern mit deutsch-französischer Staatsbeteiligung.
Ein hoher französischer Regierungsbeamter sagte dem "Handelsblatt", Paris sei durchaus bereit, im Falle einer Fusion eine Verringerung der Beteiligung von 15 auf neun Prozent hinzunehmen. Ganz aufgeben werde man den Anteil aber nicht, hieß es laut dem "Handelsblatt" aus dem Präsidialamt.
EADS-Chef: Vetorecht sollte ausreichen
Dagegen sähe es EADS-Chef Tom Enders am liebsten, wenn alle Staaten ihre Anteile aufgäben und stattdessen "Goldene Aktien" erhielten, die ein Veto gegen feindliche Übernahmen ermöglichen sollen. In der deutschen Regierung gilt es demnach aber als "unwahrscheinlich", dass sie einer Lösung zustimmen werde, in der zwar alle Regierungen eine "Goldene Aktie" hätten, die französische Seite aber zusätzlich noch ein Aktienpaket von neun Prozent.
Der europäische Konzern EADS und das britische Unternehmen BAE Systems hatten vor kurzem bekanntgegeben, dass sie über eine Fusion verhandeln. Die Airbus-Mutter EADS soll demnach an dem künftigen Konzern 60 Prozent, BAE 40 Prozent der Anteile halten. Der neue Konzern wäre das größte Rüstungsunternehmen der Welt und deutlich größer als US-Konkurrent Boeing. Bis 10. Oktober müssen die Unternehmen das Zustandekommen oder Scheitern des Geschäfts verkünden. Sollten Berlin und Paris auf eigene Staatsanteile pochen, käme die Fusion nach Ansicht von EADS wohl nicht zustande, so das "Handelsblatt".
Deshalb drängt EADS die deutsche Regierung einer Zeitung zufolge, auf den zuletzt noch geplanten Kauf von EADS-Aktien zu verzichten. Auch die "Welt" berichtete am Montag, die britische Regierung täte sich schwer damit, sollte der Anteil der deutschen und französischen Regierung am fusionierten Konzern insgesamt deutlich über zehn Prozent hinausgehen.
(APA/AFP)
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