Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im September überraschend eingetrübt. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 101,4 Punkte von 102,3 Zählern im Vormonat, teilte das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Unternehmen mit. Das war bereits der fünfte Rückgang in Folge. Ökonomen hatten dagegen mit einem Anstieg auf 102,5 Zähler gerechnet. "Die befragten Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage abermals weniger zufrieden. Darüber hinaus blicken sie pessimistischer in die Zukunft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.
Die Berenberg-Bank rechnet trotz der Eintrübung nicht mit einer Rezession in Deutschland. "Die deutsche Wirtschaft wird die Rezession vermeiden und kurz vor dem Jahresende wieder stärker in Schwung kommen", sagte Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding. Der September-Rückgang des Ifo-Index rufe aber in Erinnerung, dass die deutsche Wirtschaft und die konjunkturelle Entwicklung in der Eurozone zusammenhängen. Die Politik müsse noch mehr tun, um die Wirtschaft der Eurozone aus der Krise zu führen.
Verhaltenes Wachstum
Nach Ansicht der Bundesbank bleibt die deutsche Wirtschaft nach einem recht guten Start in den Sommer auf ihrem verhaltenen Wachstumskurs. "Die industrielle Erzeugung nahm im Juli spürbar zu, und die Bautätigkeit wurde deutlich ausgedehnt", erklärte die Notenbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht.
Zusammen mit der weitgehend zufriedenstellenden Lagebeurteilung der Industrie spreche dies dafür, dass die deutsche Wirtschaft vorerst weiter wachsen werde, wenn auch nur langsam. Allerdings seien die Perspektiven nach wie vor von großer Unsicherheit geprägt. Auch am Arbeitsmarkt würden Spuren einer schwächeren Konjunktur sichtbar.
Wohnbau und Konsum stützen
Die deutsche Wirtschaft war im ersten Quartal um 0,5 und im zweiten um 0,3 Prozent gewachsen. Wegen der teils schweren Rezessionen im Süden Europas gilt die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf als ungewiss. Einige Volkswirte halten es für möglich, dass die Wirtschaftsleistung im dritten oder vierten Quartal leicht schrumpft.
Aus Sicht der Bundesbank wird die deutsche Wirtschaft jedoch von der anhaltenden Kauflust der Verbraucher und dem florierenden Geschäft im Wohnungsbau gestützt. Zudem deute sich an, dass Investitionen der Unternehmen für neue Ausrüstungen nicht weiter zurückgehen werden.
(APA/Reuters)
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