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Schweiz: Volksabstimmung über Steuerabkommen

24.09.2012 | 18:25 |   (Die Presse)

Eine Schweizer Initiative hat mehr als 50.000 Unterschriften gegen das Schwarzgeldabkommen mit Österreich gesammelt. Sind alle gültig, entscheidet das Volk im November, ob Wien eine Milliarde Euro bekommt.

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Bern/Wien/Rie. Die Unterschriften sind gesammelt, jetzt wird – so sie alle gültig sind – das Volk entscheiden, ob Österreich im kommenden Jahr bis zu einer Milliarde Euro von der Schweiz erhält. Denn über das Steuerabkommen zwischen Bern und Wien, das unter anderem diese Zahlung vorsieht, muss voraussichtlich eine Volksabstimmung abgehalten werden. Eine Initiative in der Schweiz hat nach eigenen Angaben die notwendige Zahl der Unterstützungsunterschriften – 50.000 – erreicht.

„Nach unseren Zählungen haben wir die Grenze überschritten, aber die Reserven sind sehr knapp“, erklärt Werner Gartenmann, Geschäftsführer der „Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz“ (AUNS), die das Volksbegehren initiierte, der „Presse“.

51.400 Menschen hätten mit Stand vom Montag die Abstimmung über das Gesetz unterstützt. Das Steuerabkommen mit Deutschland kommt in der Schweizer Bevölkerung offenbar noch ein wenig schlechter an: 52.400 Menschen haben dagegen unterschrieben.

Mit den Abkommen werden Gelder, die beispielsweise österreichische Staatsbürger an der Steuer vorbei in die Schweiz geschafft haben, legalisiert. Finanzministerin Maria Fekter hat im Budget 2013 bereits eine Milliarde Euro eingeplant, die als Zahlung von den Schweizer Banken kommen soll.

Laut Schweizer Verfassung muss über jedes Gesetz eine Volksabstimmung abgehalten werden, wenn das 50.000 Menschen mit ihrer Unterschrift fordern. Die Frist für das Begehren läuft noch bis kommenden Donnerstag, es dürften also noch ein paar hundert Unterschriften dazukommen.

Ob die Zahl für eine Abstimmung genügt, wird man vermutlich erst im Oktober endgültig wissen. Die Unterschriftenlisten werden am Freitag an die Behörden übergeben, die sie dann mit den Melderegistern der Gemeinden vergleichen (nur Bürger, die in der Gemeinde wahlberechtigt sind, können das Begehren unterstützen). Gibt es zu viele Falschmeldungen und Doppelunterstützungen, könnte Österreich einer Abstimmung entgehen.

 

Stimmung für Österreich

Aber auch wenn die Zahl von 50.000 überschritten ist, hat Österreich nicht wirklich viel zu fürchten, glaubt man der Stimmung in der Schweiz. Selbst Initiator Werner Gartenmann erklärt, dass „es nicht so sehr gegen Österreich geht“. Dass man die notwendigen Unterschriften erreicht hat, habe man dem „Zugpferd“ Deutschland zu verdanken. Denn in der Schweiz sei der Unmut sehr groß über den Nachbarn, der erst ein Abkommen mit Bern verhandelt und dann weiterhin aktiv illegal kopierte Bank-CDs gekauft hat. Und wenn einer gegen das Abkommen mit Deutschland unterschreibt, dann unterschreibt er vermutlich auch gegen jene mit Österreich und Großbritannien.

Laut einer unveröffentlichten Umfrage unterstützen deutlich mehr als 50 Prozent der Schweizer das Abkommen mit Österreich. „In der Schweiz waren am Anfang ja alle sehr erleichtert, dass die ewige Diskussion um Schwarzgeld und Steueroasen vorbei ist“, sagt Gartenmann. Die Stimmung sei erst gekippt, als in Deutschland die Diskussion losging und Politiker meinten, die Schweiz komme zu billig davon. Das „hat uns schon sehr geärgert“.

Spannend wird nun, wer seinem Ärger zuerst Luft macht: Denn in Deutschland wird der Bundesrat voraussichtlich am 23. November, also zwei Tage vor dem geplanten Volksabstimmungstermin in der Schweiz, über das Abkommen beraten. Dort dürfte es am Widerstand der SPD-Länder (und der Grünen) scheitern.

Als Folge könnte es in der Schweiz eine „Jetzt erst recht“-Stimmung geben. Nach dem Motto: Wenn ihr das Abkommen nicht wollt, wir wollen es noch weniger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2012)

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4 Kommentare
Gast: Hans M..
25.09.2012 05:38
0 0

Super

Ich hoffe dieser Ablasshandel kommt niemals zustande.

Kurze Bemerkungen

Zwei kurze Bemerkungen meinerseits:

1. Ich - und wohl auch viele weitere Eidgenossen - bin doch überrascht, wie knapp die nötige Unterschriftenzahl erreicht wurde. Erfahrungsgemäss fallen einige davon als "Ungültige" weg. Es dürfte noch eine Zitterpartie werden.

2. Zum letzten Abschnitt des Artikels: Ich könnte mir durchaus auch vorstellen - und taktisch wäre dies aus schweizerischer Sicht wohl klüger - dass die Schweizer bei einem vorweggenommenen "Nein" des deutschen Bundesrates, ein "Ja" einlegen werden. Die Position der CH würde für allfällige, weitere Verhandlungen und Forderungen von Seiten Deutschlands gestärkt.

Antworten Gast: m1315
25.09.2012 05:20
0 1

Re: Kurze Bemerkungen

Der Herr "Helvetier" tut hier seine eigene Meinung kund, verpackt sie aber so, dass man meinen könnte alle Schweizer denken so wie er. Fakt ist; die Schweizer Regierung und die sie unterstützenden Mitteparteien, haben sich so tief vor den Deutschen gebückt, dass es ein Hohn ist. Sie haben nichts erreicht, jedoch die Würde und Selbstachtung der Schweiz verkauft. Die Abkommen sind allesamt abzulehnen. Basta!

Re: Re: Kurze Bemerkungen

Besten Dank für Ihre Einschätzung. Ich denke ich habe schon klar darauf hingewiesen, dass dies meine persönliche Meinung darstellt. Im Gespräch mit Schweizern habe ich allerdings oft ähnliche Ansichten bemerken dürfen. Ob sich die CH "unter Wert" verkauft hat ist natürlich (für einen Aussenstehenden) schwer zu beurteilen. Da gehen die Meinungen durchaus auseinander. Was aber wohl festzuhalten wäre: Die CH hat sich seit jeher - für einen relativ unbedeutenden Kleinstaat - geschickt entschieden, auch aussenpolitisch. Die Institutionen und die Diplomatie hat in den letzten 100 Jahren im Grossen und Ganzen eine sehr gute Arbeit geleistet. Die Schweizerische Nationalbank steht dabei - für mich, damit Sie nicht irritiert sein müssen! - ebenfalls dazu. Wünsche Ihnen einen unaufgeregten Tag.

Hobbyökonom