21.05.2013 21:38 Merkliste 0

Osteuropageschäft beschert Baumärkten herbe Verluste

26.09.2012 | 18:16 |  JULIA KERN (Die Presse)

Die Krise und Währungsabwertungen treffen Baumax und Praktiker. Baumax erlitt im Vorjahr erstmals einen Nettoverlust von 57,2 Mio. Euro. Erst in drei Jahren soll es wieder einen Gewinn geben.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Das Dilemma kommt einem irgendwie bekannt vor: Ein österreichisches Unternehmen nutzt die unbesetzten Märkte in benachbarten Ländern Osteuropas, um abseits des gesättigten heimischen Marktes weiterzuwachsen. Auf Jahre mit satten Gewinnen folgt ein Einbruch im Zuge der Wirtschaftskrise. Das Schicksal, das die österreichischen Banken in den ersten Krisenjahren ereilt hat, trifft nun die heimische Baumarktkette Baumax mit voller Wucht.

Das Unternehmen erlitt im Vorjahr erstmals einen Nettoverlust von 57,2 Mio. Euro. 2012 werde abermals ein Verlust in dieser Größenordnung anfallen, bestätigte eine Sprecherin der „Presse“. Erst in drei Jahren erhoffe sich Vorstandschef Martin Essl, Sohn des Baumax-Gründers und Kunstsammlers Karlheinz Essl, wieder einen Gewinn für seine internationale Baumarktkette (Umsatz zuletzt 1,2 Mrd. Euro).

(c) DiePresse

vergrößern

Privatkonsum bricht ein

60 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet die Baumax-Gruppe mittlerweile im Ausland. Im Jahr 1992 hat sie ihre ersten Standorte in Osteuropa eröffnet, in den Ländern Ungarn und Tschechien. Heute gehört sie gemeinsam mit den beiden deutschen Heimwerkerketten Obi und Praktiker zu den größten Playern in Osteuropa (siehe Grafik).

Was ist passiert? Branchenkenner beobachten in der CEE-Region (Central and Eastern Europe) eine „anhaltende kräftige Schwäche“ des privaten Konsums. Diese bessert sich laut den Daten des Marktforschungsunternehmens RegioData zwar bereits wieder; so verzeichneten etwa die Einzelhandelsumsätze in Ungarn zuletzt ein nominelles Plus von 4,1 Prozent. In Rumänien erwirtschaftete der Handel um zaghafte 0,4 Prozent mehr, in Bulgarien um drei Prozent mehr.

Jedoch: Die Baumärkte tröstet das nur bedingt. „Wenn die Menschen unsicher sind, was die Zukunft bringt, neigen sie dazu, weniger Investitionen, insbesondere im langfristigen Bereich, zu tätigen“, sagt RegioData-Experte Mark Ruhsam. Soll heißen: „Sie müssen essen, sie müssen sich anziehen, werden aber größere Renovierungen, Reparaturen und Anschaffungen allgemein verschieben.“

Im Zuge dessen könne auch die Nachfrage im Baumarktsektor zurückgehen. Was auch an den Zahlen des deutschen Baumax-Konkurrenten Praktiker zu sehen ist: Im ersten Halbjahr 2012 rutschten die Umsätze in praktisch allen Märkten, die Praktiker in Osteuropa bearbeitet (ausgenommen Ukraine), ab.

Anpassung im Sortiment nötig

Im größten CEE-Markt Polen sanken die Erlöse um 14,8 Prozent auf knapp 90 Mio. Euro. In Ungarn fiel der Umsatz um 14,8 Prozent auf 42 Mio. Euro. In Rumänien betrug der Umsatz 61,9 Mio. Euro (minus 10,2 Prozent). Was die Situation für die Baumärkte noch verschärft: Stark schwankende Wechselkurse verwandeln „in vielen Fällen einen mäßigen Umsatzrückgang in Landeswährung in einen starken Umsatzrückgang in Euro“, wie Praktiker es in seinem Halbjahresfinanzbericht formuliert. Der Nettoverlust betrug 97 Mio. Euro. Konkurrent Obi hält sich mit Zahlen bedeckt: Es seien zwar einige Länder Osteuropas stärker von der Krise betroffen als andere, zum Beispiel Ungarn. Aber „glücklicherweise merken wir das nicht“.

Marktforscher Ruhsam sieht neben der Krise auch hausgemachte Probleme in Osteuropa. Viele Baumärkte treffe hart, dass sie das Angebot zu wenig differenziert hätten. So gebe ein polnischer Haushalt 22 Prozent seines Budgets für „Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte und Instandhaltung“ für Werkzeuge aus, ein Tscheche nur neun Prozent, ein Slowene nicht einmal fünf Prozent. „Solche Unterschiede müssen irgendwo Berücksichtigung finden, im Sortiment, im Betriebstyp oder in der Vermarktung“, sagt er. Die Baumärkte geloben Besserung: Sie wollen ihre Sortimente anpassen.

Auf einen Blick

Die Baumärkte Baumax und Praktiker, die zu den Top-Playern auf den osteuropäischen Märkten gehören, leiden unter der sinkenden Investitionslust der Osteuropäer: Diese verschieben ihre Pläne für Renovierungen in die Zukunft. Währungsabwertungen und falsche Sortimentspolitik verschärfen das Problem. Die heimische Kette Baumax erlitt zuletzt 57 Mio. Euro Verlust.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

Hobbyökonom