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Deutschland: Steinbrück bläst zum Banken-Wahlkampf

26.09.2012 | 18:17 |  KARL GAULHOFER (Die Presse)

Mit kühnen Regulierungsplänen stellt sich der Ex-Finanzminister als Kanzlerkandidat auf. Die Finanzkrise sei schon vier Jahre her, aber immer noch hielten systemrelevante Institute die Steuerzahler als Geiseln.

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Berlin. Früher, als deutscher Finanzminister, rief er nach der Kavallerie im Kampf gegen die renitente Steueroase Schweiz. Heute ist Peer Steinbrück nur Abgeordneter ohne Amt, aber als Drittel der SPD-Troika auch möglicher Frontmann im Bundestagswahlkampf. Folgerichtig müsste er seine Rösser nun gegen Angela Merkel lenken. Doch der schlaue Politiker reitet nicht gegen die übermächtige Kanzlerin, sondern gegen die allseits unbeliebten Banken.

Die Finanzkrise sei schon vier Jahre her, aber immer noch hielten systemrelevante Institute die Steuerzahler als Geiseln: Diese weitverbreitete Stimmung greift Steinbrück auf und macht sie zum Wahlkampfthema. Im Nachsatz heißt es dann: Die Regierung hat geschlafen. Und so könnte der Kanzlerkandidat in spe die bekannt flexible Merkel dazu bringen, auf den Zug seiner populären Bankenschelte aufzuspringen.

Angriff auf die Deutsche Bank

Soeben hat er ein Positionspapier präsentiert, das auf 25 Seiten ausbreitet, welche Daumenschrauben die Politik den Finanzmärkten anlegen soll. Erstellt wurde das Konzept im Auftrag der SPD-Fraktion, unter Einbeziehung von Experten. Die wichtigste Forderung ist eine Kriegserklärung an die Deutsche Bank: die Trennung des Einlagen- und Kreditgeschäfts vom Investmentbanking.

Steinbrück plädiert für eine Aufspaltung nach OECD-Modell. Dabei werden die beiden Sparten Töchter einer Holding. Gerät der Investmentteil in die Bredouille, könnte man ihn getrost abwickeln. Staatsgarantien blieben der Geschäftsbank vorbehalten.

Das größte deutsche Institut läuft eilig Sturm gegen den Vorschlag. „Alle Experten wissen“, dass eine „breiter diversifizierte“ Universalbank „weniger Risiken mit sich bringt“, gibt Aufsichtsratspräsident Paul Achleitner dem „Handelsblatt“ zu Protokoll. In der Finanzkrise hätten gerade spezialisierte Institute die größten Probleme gehabt. Die Deutsche Bank kam ohne staatliche Hilfen aus.

Mehr Tempo für „Banken-ESM“

Das Trennbankensystem hat auch in den USA, wo es viele Jahrzehnte in Kraft war, nur wenige Anhänger. Im Visier ist dort der Eigenhandel – und so auch ergänzend bei Steinbrück. Mit Geschäften ohne Kundenbezug habe die Deutsche Bank schon 2009 Schluss gemacht, beteuert Achleitner. Ein isolierter Investmentteil müsste sich zu deutlich höheren Kosten refinanzieren. Pläne, im Investmentbanking bis 2015 zur globalen Nummer drei aufzusteigen, könnte sich die Deutsche Bank mit einem Kanzler Steinbrück wohl abschminken. „Eine bestimmte Größe ist notwendig“, um das zu tun, was die „global orientierten Kunden von uns erwarten“, sagte Co-Vorstand Jürgen Fitschen vor Kurzem.

Ein weiterer Kernpunkt des SPD-Papiers: In einen „Banken-ESM“ sollen alle großen europäischen Institute einzahlen, um den Steuerzahler aus der Haftung zu nehmen. Die Höhe der Abgabe könnte sich am Zinsvorteil orientieren, den sie heute durch die implizite Staatsgarantie genießen.

Der volle Topf soll 200 Mrd. Euro fassen. Freilich speist die deutsche Bankenabgabe bereits einen Rettungsfonds. Er aber baut pro Jahr nur eine halbe Milliarde auf. Das geht Steinbrück viel zu langsam. Sein Banken-ESM soll auch Anleihen emittieren, die von den Banken aufgekauft werden. Der Haupteinwand gegen europaweite Eigenvorsorge: Die Einheit von Handlung und Haftung geht verloren, wenn etwa ein deutsches Institut die Rettung einer spanischen Bank mitfinanzieren muss.

Manche Punkte hätte Steinbrück auch bei der Regierung abschreiben können: Eine Eindämmung des Hochfrequenzhandels hat das Kabinett erst gestern beschlossen, eine Begrenzung von Boni auf die Höhe des Festgehalts will sie gerade auf den Weg bringen. Zwei kleinere Themen lassen jedoch aufhorchen: Von zehn Landesbanken sollen nur mehr zwei schlagkräftige übrig bleiben. Und aus Immobilienblasen will Steinbrück die Luft rauslassen, indem maximal 80 Prozent des Wertes von Haus und Grund zu beleihen sind – ein Deckel, der in Boomphasen auf 60 Prozent sinken soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)

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50 Kommentare
 
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Witterung für den Wähler.

Natürlich sind die deutschen Steuerzahler (übrigens ebensosehr wie die österreichischen) stinksauer auf die Banken, die von zockenden, aber gleichzeitig absahnenden Managern schlecht geführt und nur mit Staats= Steuerzahlergeldern gerettet werden können. Das weiß dieser Fuchs genau, dort stößt er hinein und versucht das, was Stronach z.B. viel glaubwürdiger vertritt, in Wählerstimmen umzusetzen.
Nur, wer hat geholfen den ESM durchzuwinken, wer war dabei als Schröder mit den Franzosen gemeinsam die Maastrichtkriterien aufweichte?
Sosehr Steinbrück als bunter Vogel auftritt, er war und ist ein Systemerhalter und ich vermute, daß ihm für den Fall er wäre Finanzminister einer Großen Koaltion, von den Banken genauso die Hände gebunden würden, wie seinen Gegner von CDU und CSU. Von der FDP ganz zu schweigen.

Gast: Freiheit
26.09.2012 19:15
2 0

also laecherlicher geht es schon gar nicht mehr herr

lieber steinnazi. Die idee der trennung der beiden bankenbereiche ist ja ok aber sich ueber die banken als zocker aufzuregen - gerade SIE ist wohl der witz des jahrhunderts. soll ich sie an herrn eichel und seine zocker spekulationen erinnern welche sie als richtig und korrekt unterstuetzt haben und welche mit goldman sachs und deutsche bank gemacht wurden damit deutschland (a la griechenland betrug) die maastricht kriterien unter schroeder erreicht??? bevor sie irgendein ein wort bzgl steuern, spekulaten und banken sagen verlangen ich von ihnen, schroeder, eichel uebernahme der verantwortung fuer die spekulationen, betrug der eu-buerger (der netto steuerzahler) den durch ihren betrug wurde das handeln der griechen und aller anderen laendern legitimiert. ihre partei hat geziehlt die pandora geoeffnet fuer die probleme die wir jetzt haben. es stimmt auch dass kohl um seine wiedervereinigung und sein EU-projekt zu schaffen von den franzosen in die knie gegangen ist und laender wie spanien, italien und portugal in den euro gelassen hat egal welche kosten das fuer die buerger der eu bedeuten wuerde. nehmen sie ihren mund nicht zu voll und kehren sie mal lieber vor ihrer eigenen tuere. sie sind ein sozi populist der schlimmsten sorte und haben kein interesse an einem freien und buergerfairen europa. was ich kritisiere ist dass der oberzocker sich ueber die oberzockerbanken aufregt aber diese nicht in den konkurs schickt.

Wenigstens einer, der das

Handeln der Banken infrage stellt!

Antworten Gast: Halbwissen
26.09.2012 23:20
0 0

Re: Wenigstens einer, der das

Er war die Bank !

Gast: der Bock als Gärtner
26.09.2012 17:54
3 0

der Steinbrück soll die Notenbanken zerschlagen

Die Fed, die EZB, die Bank von England drucken Unmengen von Geld, das den Geschäftsbanken dann aufgezwungen wird, um damit Staatsanleihen von Pleitestaaten zu kaufen.

Die Notenbanken, die ihre Währung hüten sollten, zerstören unter dem Diktat der Politik die eigene Währung. Mit der Unabhängigkeit der Notenbanken ist es längst vorbei. Siehe die Rücktritte von Pöhl, Weber, Stark.

Darum dringenst! nehmt den Politikern die Geldpressen weg und schließt die Zentralbanken.

Gast: oeconomicus
26.09.2012 17:20
1 0

glass steagall

in den usa schon seit 1933 bekanntes gesetz um die damalige krise zu bekaempfen. nur leider wurde dieses gesetz unter clinton aufgehoben.

ergebnis: banken konnten mit den spareinlagen bilanzen aufblasen, geld multiplizieren und der finanzblase war der weg geebnet. es ist unbedingt notwendig diese trennung vorzunehmen.

Man muss Hrn. Steinbrück

hier doch Achtung zollen. Denn über die Banken-Geschäftstrennung kann man zwar geteilter Meinung sein, der Denkansatz ist einmal aber prinzipiell nicht schlecht. Und zudem "neu" in der ofiziellen Diskussion.

Er muss sich jedoch ebenfalls die Frage gefallen lassen, warum er die letzten Jahre die "Sozialisierung der Bankverluste" (mittels Rettungsschirme + ESM) mitgetragen hat, wenn er heute, fast über Nacht, nun eine gegenteilige Meinung auf's offizielle Tabeltt bringt?

Es wird wohl bereits Wahlkampf sein. Und damit scheint sich ein durchaus diskussionswürdiger Vorschlag eher wieder zum Wahlkampfslogan zu reduzieren.

Gast: Konationsstreben
26.09.2012 16:11
1 3

Der Mann hat Recht

"...Peer Steinbrück hat die Finanzbranche zu einer radikalen Verhaltensänderung aufgerufen. Banken müssten wieder Dienstleister sein und keine „Zockerbuden, die mit fremder Leute Geld hohe Einsätze wagen“, heißt es in einem Papier mit Vorschlägen zur Bändigung der Finanzmärkte, das Steinbrück am Dienstag der SPD-Bundestagsfraktion vorstellte. Am Mittwoch soll es in Berlin öffentlich präsentiert werden.

In seinem 25-seitigen Konzept plädiert Steinbrück dafür, dass sich der Staat aus der finanziellen Haftung für Banken weitgehend zurückzieht. „Wer private Gewinne realisieren kann, der darf Verluste nicht sozialisieren können“, heißt es darin. „Auch Banken müssen die Gefahr des Scheiterns spüren.“ Er rege deshalb den Aufbau eines von der Kreditwirtschaft allein finanzierten „Banken-ESM“ an, mit dem europaweit Großbanken in Schieflage gerettet werden könnten.

Notwendig ist nach Ansicht Steinbrücks, der sein Konzept zusammen mit Bankexperten ausgearbeitet hat, auch die Trennung des herkömmlichen Bankgeschäfts vom Investmentbanking. Alle Großverdiener im Bankbereich, nicht nur die Vorstände, sollten zudem ihre Einkommen veröffentlichen. Spekulationen der Finanzwirtschaft mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen will Steinbrück beschränken. Zur künftigen Vermeidung von Blasen spricht er sich für Obergrenzen bei der Beleihung von Immobilien aus. Diese sollten höchstens 80 Prozent des Preises oder des eingebrachten Eigenkapitals betragen..."

Quelle: FAZ.net

Gast: Johan Meltini
26.09.2012 16:00
6 0

Kurzzeitgedächtnis

anscheinend hat man vergessen, was Steinbrück zu diesem Schlamassel alles beigetragen hat. Eine Art Amnesie muss um sich greifen. Und er scheint auch noch davon auszugehen: die wissen ja nicht mehr, was ich alles gemacht habe.

Gast: Raffzahn Schani
26.09.2012 15:33
0 0

Jeden Tag eine neue Idee, um an unser Geld zu kommen.


http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/09/26/eu-will-nationale-steuern-nach-bruessel-umleiten/

Na, hoffentlich wird es langsam den Unsrigen auch zu bunt.

Gast: walter 3
26.09.2012 15:31
1 4

Vollkommen

richtig die Banken und Versicherungen haben mit unserem Geld gezockt und viel Geld verloren. Der Konsument wird die Zeche zahlen. Der Staat muß eingreifen und diesen Wahnsinn stoppen.

Gast: ecoNomics
26.09.2012 15:12
3 6

die Großbanken und die Multinationalen sind mit dem freien Markt unkontrollierbar

. . . eine skrupellose Mafia, welche sich jeder politischen Kontrolle entzieht.
Doch solange die Politiker dem Kapitalismus frönen, bleibt die Sozialdemokratie auf der Strecke.

Re: Bitte aufwachen,

das ist eine (ziemlich) öffentliche Diskussion, und keine Zettelarbeit in der sozialistischen Akademie.

0 0

. . . das soziale Europa schaufelt sich mit seiner Pfründe- und Privilegienwirtschaft sein eigenes Grab!


Na, will er schon wieder die Kavallerie losschicken ?

Ein typischer SPD-Karrierist und Schwätzer, der außer verbalen Entgleisungen nichts zustande gebracht hat.

Passt bestens zu den anderen Schmatzern wie Schröder, Steinmeier, Münte, Nahles, Roth, LaFo und wie sie alle heißen.

Alles die gleichen Nullnummern. Nur heiße Luft produzieren, abzocken und Häme für die Bevölkerung übrig haben, das können sie.

*würg*

Antworten Gast: Tatsache ist
26.09.2012 15:58
0 4

Re: Na, will er schon wieder die Kavallerie losschicken ?

Steinmeier war schon damals als Finanzminister gut. Ein Fachmann, im Gegensatz zum damals zu gleichen Zeit in Österreich Finanzminister, Grasser, der sich groß aufspielte von wegen Deutschland sollte sich ein Beispiel nehmen an der Finanzgebarung in Österreich.
Steinmeier antwortete damals kurz und bündig: "Man sieht sich in Europa".
Er hatte damals anscheinend schon kommen sehen, wie sein Kollege aus dem Alpenland heute dasteht.

Antworten Antworten Gast: Tatsache ist ...
26.09.2012 16:07
0 0

Re: Re: Na, will er schon wieder die Kavallerie losschicken ?

... dass es natürlich "Steinbrück" und nicht "Steinmeier" heißen soll :-))

1 0

Re: Re: Re: Na, will er schon wieder die Kavallerie losschicken ?

bei bei dem Schwachsinn den sie hier verzapfen ist das egal

Gast: prison planet
26.09.2012 15:03
6 0

Ausgerechnet der Hr. Steinbrück


der traut sich was, muss man schon sagen.
Da mimt ein Brandstifter den Feuerwehrmann

http://www.youtube.com/watch?v=vYNdvjug_8M

Antworten Gast: Gast4711
26.09.2012 20:59
0 0

Re: Ausgerechnet der Hr. Steinbrück

Vielen Dank für den Link.

Sicherlich besser

als die Verlogenheit von Schäuble!

Antworten Gast: knüppeldick
26.09.2012 15:16
0 0

Re: als die Verlogenheit von S

der lügt nicht, er täuscht für das wohl der haberer.

Gast: porto5
26.09.2012 13:49
2 0

"Banken-Wahlkampf"

Eben - Wahlkampf. Zur Umsetzung braucht es aber mindestens die Zustimmung der anderen EU-Staaten. Jeder, der halbwegs klar im Kopf ist, weiss damit sofort - das war's. Ausserdem wird die SPD wohl nur in einer Koalition in die Regierung kommen. Da wissen wir aber seit Müntefering, dass dann Wahlkampfversprechen eben nur Versprechen waren. Die man doch nicht einlösen muss. Wo kämen wir denn da hin?

Antworten Gast: Juris Prudens
26.09.2012 14:03
0 0

Re: "Banken-Wahlkampf"

Für was braucht es eine Zustimmung der EU? - für Bankengesetzesänderungen?

Nennen Sie die Gesetze doch genau, auf die Sie sich beziehen, die meinen, dass souveräne Staaten alles immer nur von der EU zugestimmt brauchen.


Antworten Antworten Gast: sifted entry
26.09.2012 16:02
1 0

Re: Re: "Banken-Wahlkampf"

mein gott, so viel unbedartheit wie heute wieder unterwegs ist hier auf diepresse.com zeigt unter vielen anderen auch Ihr kommentar sehr deutlich.

Re: "Banken-Wahlkampf"

und was hindert z.b. unsere Regierung dafür bei der EU einzutreten? Aber nicht einmal eine Absichtserklärung hört man da! Warum? Weil unserer Regierung das Wohl der Bürger weniger wichtig ist als das der Banken. Warum? Darauf weiss ich keine Antwort!

 
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