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Spaniens Regierung wirft Ryanair „Low-Cost-Sicherheit“ vor

26.09.2012 | 18:17 |  Vonunserem Korrespondenten RALPH SCHULZE (Die Presse)

Die Airline wird von anderen Ländern entlastet, das schlechte Image bleibt. Ryanair liegt in den Sicherheitsstatistiken des Flugunfallbüros Jacdec auf Platz 28.

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Madrid. Erst zettelte Spaniens Regierung einen Luftkrieg mit der irischen Billig-Airline Ryanair an und warf ihr „Low-Cost-Sicherheit“ vor. Jetzt signalisieren neue Informationen, dass die spanischen Behörden vielleicht etwas einäugig sind. Ryanair-Pannen wurden anscheinend diesen Sommer gezielt veröffentlicht, technische Probleme anderer Fluglinien totgeschwiegen. Nach fünf außerplanmäßigen Landungen in Spanien binnen weniger Wochen muss sich die größte der europäischen Billigfluglinien den Vorwurf gefallen lassen, sie tanke besonders sparsam und vernachlässige die Sicherheit.

Ein neuer Bericht der irischen Luftfahrtbehörde IAA, die für die Kontrolle und Überwachung der Ryanair mit Sitz in Irland zuständig ist, entlastet nun die Fluglinie. Die IAA versichert, dass bei Ryanair alles in Ordnung sei. Die IAA „überwacht rigoros die Ryanair-Flüge und ist zufrieden mit den Sicherheitsniveaus, welche jenen der sichersten Fluggesellschaften in Europa entsprechen“.

Die Behörde schließt zudem aus, dass Ryanair bei drei Flügen im Juli, als die Piloten wegen Kerosinmangels in Valencia Vorrang bei der Landung beantragten, gegen Vorschriften verstieß. Die drei Ryanair-Maschinen konnten auf ihrem Zielflughafen in Madrid wegen schlechten Wetters nicht landen und mussten daher nach Valencia ausweichen. Die getankten Kerosinmengen hätten den Bestimmungen entsprochen, befanden die Kontrolleure.

Im Zweifelsfall ein bisserl mehr

Sie empfahlen Ryanair aber, die Treibstoffsparpolitik zu überprüfen und im Zweifelsfall doch lieber ein bisschen mehr zu tanken. Nach dem Zwischenfall war der Vorwurf erhoben worden, Ryanair spare über das verantwortbare Maß hinaus beim Kerosin.

In den Sicherheitsstatistiken des Flugunfallbüros Jacdec fallen Billiganbieter nicht negativ auf. Ryanair lag 2011 auf Rang 28, Easyjet auf Platz 19. Zum Vergleich: Air Berlin rangiert auf Platz neun, die Lufthansa auf Platz 12. Swiss (30), Alitalia (34) und Air France (39) schneiden deutlich schlechter ab. Die spanische Iberia muss sich in dieser Zwischenfallstatistik mit dem 45. Platz begnügen.

Auch aus anderen EU-Ländern wurden keine Auffälligkeiten bei Ryanair gemeldet. So erklärten dieser Tage die deutschen und die österreichischen Aufsichtsbehörden, dass ihnen in Sachen Sicherheit „keine Unregelmäßigkeiten“ bei Ryanair-Flügen bekannt seien.

Der Branchendienst „The Aviation Herald“ will wissen, dass im Sommer auch Maschinen etlicher anderer Airlines technische Probleme über Spanien hatten und deshalb außerplanmäßig landen mussten – ohne dass die Öffentlichkeit davon erfuhr.

Spaniens Verkehrsministerium weigert sich bisher, vergleichende Daten über Zwischenfälle im spanischen Luftraum zu veröffentlichen. Möglicherweise, weil diese die Aussage von Ryanair-Chef Michael O'Leary bestätigen könnten, dass es bei Ryanair nicht mehr Sicherheitspannen gibt als bei anderen großen Airlines? O'Leary hat beklagt, dass in Spanien mit „falschen Informationen“ eine Verleumdungskampagne gegen Ryanair angezettelt wurde, um den ungeliebten Billigkonkurrenten in Verruf zu bringen.

Ryanair ist gemessen an Passagieren die größte Fluglinie Europas. Sie beförderte im Vorjahr 76 Millionen Reisende, die Lufthansa (allein, ohne Töchter) 65,5 Millionen. Die Iren bringen die meisten ausländischen Touristen nach Spanien. Sie jagen den spanischen Linien Iberia, Vueling und Air Europa erhebliche Marktanteile ab.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2012)

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