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"Kampfbudget": Paris plant 37-Milliarden-Sparpaket

28.09.2012 | 14:39 |   (DiePresse.com)

Frankreichs Premier Ayrault hält an dem Defizitziel von drei Prozent fest. Dazu muss ein Loch von 30 Milliarden Euro gestopft werden.

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Mit Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen im Umfang von 36,9 Milliarden Euro will Frankreich das Haushaltsdefizit im kommenden Jahr auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) drücken. Die französische Regierung beschloss am Freitag den Haushalt für 2013.

Das Budget sieht nach Angaben der Regierung "nie dagewesene Anstrengungen" vor. Premierminister Jean-Marc Ayrault sprach von einem "Kampfbudget".

Um das Drei-Prozent-Ziel zu erreichen, sollen die Staatsausgaben um zehn Milliarden Euro gekürzt werden. Bei den Ausgaben der öffentlichen Krankenversicherung sollen zusätzlich 2,5 Milliarden gespart werden.

Vorgesehen sind zudem Steuererhöhungen von jeweils zehn Milliarden Euro für Privathaushalte und Unternehmen - zusätzlich zu den Steuererhöhungen von 4,4 Milliarden Euro, die die sozialistische Regierung bereits im Sommer beschlossen hatte. Von den Steuererhöhungen sollen in erster Linie große Unternehmen und Besserverdiener betroffen sein.

Der Haushalt sei ein "Haushalt der sozialen Gerechtigkeit" und "für das Wachstum, die Vorbereitung auf die Zukunft", sagte Ayrault nach einer Kabinettssitzung. Die Franzosen rief er auf, den "Kampf" für einen Wirtschaftsaufschwung zu unterstützen. Der Haushalt bereite den Weg für eine Rückkehr zum Wirtschaftswachstum, beteuerte der Sozialist.

Verschuldung bei 90 Prozent des BIP

Die Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen seien notwendig, um dem stetigen Anwachsen des Schuldenbergs entgegenzutreten, sagte Ayrault. Die Staatsverschuldung sei binnen fünf Jahren um 30 Prozentpunkte auf inzwischen mehr als 90 Prozent des BIP angestiegen.

Zuvor hatte das Statistikamt Insee mitgeteilt, dass die Staatsschulden mittlerweile 91 Prozent des BIP betragen. Wirtschafts-und Finanzminister Pierre Moscovici warnte, die Staatsverschuldung habe eine "absolut kritische Schwelle" erreicht.

Staatschef Francois Hollande lobte den Haushalt nach Angaben von Regierungssprecherin Najat Vallaud-Belkacem als "Träger für die Wiederankurbelung der Wirtschaft".

Kritik kam umgehend von der Opposition: Der Vorsitzende des Finanzausschusses in der Nationalversammlung, der konservative Abgeordnete Gilles Carrez, sagte, "niemals zuvor" sei Unternehmen und Haushalten ein solcher "Steuerschock" auferlegt worden. Die Massnahmen würden die Kaufkraft der Franzosen schwächen.

Frankreichs Defizit in diesem Jahr dürfte mit 83,6 Milliarden Euro bei 4,5 Prozent des BIP liegen. Für das kommende Jahr soll die Neuverschuldung auf 61,6 Milliarden Euro gesenkt werden.

Wirtschaftsexperten bezweifeln, dass das Staatsdefizit tatsächlich auf drei Prozent gesenkt werden kann. Sie sagen unter anderem negative Effekte der Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen auf das Wirtschaftswachstum voraus, das der Regierung zufolge 2013 bei 0,8 Prozent liegen soll.

Bei den Steuererhöhungen bei den Privathaushalten erhofft sich die Regierung in Paris unter anderem Mehreinnahmen von 3,5 Milliarden Euro über eine Erhöhung der Einkommenssteuer. Über die Reichensteuer von 75 Prozent auf Einnahmen über einer Million Euro sollen 200 Millionen Euro eingenommen werden.

In französischen Ministerien sollen dem Haushaltsplan zufolge knapp 12.300 Stellen gestrichen werden. Im Gegenzug sollen rund 11.000 neue Stellen für Lehrer, bei der Polizei und in der Justiz geschaffen werden.

(APA/AFP/sda)

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3 Kommentare

Und was war jetzt falsch ...

... an meinem Posting, in dem ich angemerkt habe, dass das Pensionsalter in Frankreich auf 60 gesenkt wird, ich das für eine Irrwitzige Handlung halte (und mich damit mit vielen Politikern im EU-Raum und Wirtschaftswissenschaftern auf einer Linie weiss) und das - in Zusammenhang mit der Information, dass das Defizit verringert wird (die offensichtlich falsch ist, denn das ist mit einer Pensionsantrittsalterskürzung nicht möglich) - als kabarettreif bezeichnete?
Wobei kabarettreif falsch ist, denn kein Kabarett würde es wagen, derart unglaubwürdiges auf eine Bühne zu bringen.

Gast: NocheinParteiloser
28.09.2012 09:22
1 0

Frankreich ist am besten Weg den Euro in die Luft zu jagen, die EU gleich mit dazu.

Die Gründe dazu:

1) Das Ziel mit 3% Defizit ist schon falsch und wird die Staatsfinanzen weiter durcheinander bringen. Die Schulden steigen ja in diesem Fall um 60.000 Mio. Euro und viel schneller als die Wirtschaftsleistung.

2) Frankreich hat ein heftiges Problem mit den Staatsausgaben, die Staatsausgabenquote lag 2011 bei irren 55,3% (Hochkonjunktur!).

3) Das Sparprogramm ist zu 2/3 einnahmenseitig angelegt. Das bedeutet, dass die Staatsausgaben noch weiter steigen sollen und eine noch höhere Beschädigung der Realwirtschaft bedeuten werden = Rezession!

4) Das Traumziel mit +0,8% Wachstum kann niemals erreicht werden, das einnahmenseitige Sparen wird, wie in GR und I, eine Rezession auslösen. Bei einer Stagnation würden sofort ca. 9 Mrd. Euro im Staatshaushalt fehlen. Eine Rezession von 2% würde dann bedeuten, dass weitere 28 Mrd. fehlen!

5) Frankreich hat keine Basis um Wachstum generieren zu können, die Industrieanteil am BIP beträgt nur noch lächerliche 18,8%.

6) Die Zinsen werden nicht immer am historischen Tiefstand bleiben, reale Verluste der Geldgeber sind nicht haltbar. Eine durchschnittliche Zinsenerhöhung von nur 1% würde eine Belastung von 18 Mrd. Euro bringen!

6.1) Wen Frankreich in den Blickpunkt der Geldgeber kommt, dann ist die Bonität weg. Dann werden die Zinses eher um 3-4% steigen und den Staatshaushalt um zusätzliche min. 50 Mrd. Euro belasten.

7) Keine Ambitionen die Ursache des Problems, die Staatsausgaben, unter Kontrolle zu bekommen!

Das Ziel ist schon richtig.

Denn das langfristige Ziel ist das gleiche Einkommen aller Bürger innerhalb des EU-Raums (Herr Juncker hat das schon so formuliert. Er verwendete das Wort "Angleichung").
Die Höhe des Einkommens spielt dafür keine Rolle, denn wie wir wissen, betrachten die Sozialisten Armut als Differenz zum Einkommen der "Besserverdiener" (und die ÖVP schreit nicht laut auf, sondern stimmt dem noch zu).
Wenn daher die Gesellschaft als Ganzes ärmer wird, die sogenannte "Schere" aber zugeht, ist das durchaus erwünscht.
Irrsinn. Aber alle Handlungen der Politiker weisen in diese Richtung.

Hobbyökonom