Frankfurt/New york/Bloomberg. Die neue Führung der Deutschen Bank hat zuletzt zwar mehrfach betont, sie wolle das größte deutsche Geldinstitut künftig vom Zockerimage wegbekommen. Im Unternehmen selbst scheint sich das aber noch nicht herumgesprochen zu haben: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg plant die Bank, mit Gewerbeimmobilien besicherte und vergleichsweise niedrig bewertete Anleihen in Papiere mit besserer Bewertung „umzupacken“.
Das klingt harmlos, ist es aber nicht: Das „Verpacken“ von zweifelhaften Immobilienpapieren in neue, mit Top-Ratings ausgestattete Wertpapiere gilt als Hauptauslöser der schweren Finanzkrise, die Ende 2008 beinahe das Weltfinanzsystem kollabieren hätte lassen. Seither galt diese Art von Wertpapieren als Tabu.
Wie Bloomberg berichtet, könnte die Bank bei Anleihen, die auf aus Hypothekenkrediten „geschaffenen“ Papieren beruhen, Renditen von rund vier Prozent bieten. Das Volumen soll mit 300 Mio. Dollar vorerst freilich vergleichsweise bescheiden bleiben. Bloomberg beruft sich auf Angaben von drei mit den Plänen befassten Deutsche-Bank-Mitarbeitern. Die Pläne seien in einem „frühen Stadium“, hieß es. Eine Sprecherin der Deutschen Bank wollte die Angaben nicht kommentieren.
Den Angaben zufolge will die Bank Gewerbe-Hypothekenanleihen mit der Bewertung „BBB“ (das ist die niedrigste Ratingstufe im Segment „Investmentgrade“) in neue Papiere (CDO) „wandeln“, die die Bewertung „A“ tragen sollen. Das Rating würde sich also um vier Stufen verbessern.
Ratingagenturen spielen mit
Die Ratingagenturen spielen dabei wieder einmal mit: „Die Möglichkeit, erst vor Kurzem mit „BBB“ bewertete Anleihen in „A“-Bonds zu verwandeln, legt den Schluss nahe, dass die Ratingagenturen weiterhin signifikanten Wert auf die Vielfältigkeit legen, welche durch die Bündelung mehrerer Anleihen geschaffen wird“, sagte der Anleihenexperte der Royal Bank of Scotland, Richard Hill. Nachsatz: „Bei älteren CDOs war die Methode nicht sehr erfolgreich“.
„Die Methode“ war vor 2008 besonders in den USA ausführlich angewendet worden: „Ramsch“-Hypotheken waren mit guten Anleihen zu neuen Wertpapieren zusammengefasst worden, die von den Ratingagenturen meist die höchste Bonitätsstufe erhielten. Das „AAA“ täuschte freilich nur Sicherheit vor, wo in Wahrheit keine war: Durch das häufige „Umpacken“ konnte nach kurzer Zeit niemand mehr sagen, welches Papier welche Risken enthielt.
Kredite an Finanzschwache
Auf der anderen Seite sorgte das häufige „Umpacken“ von Krediten an Schuldner mit zweifelhafter Bonität dafür, dass ausreichend Immobilienkredite an finanzschwache Immobilienkunden fließen konnten, um das von der US-Regierung ausgegebene Motto „jedem Amerikaner sein Eigenheim“ mit Leben zu erfüllen.
Als die so aufgebaute Immobilienblase schließlich platzte und sich die so aufgebauten strukturierten Wertpapiere (Collateralized Debt Obligations, CDO) als wertlos erwiesen, war das Chaos perfekt. Betroffen waren nicht zuletzt zahlreiche europäische Großbanken, die im Vertrauen auf die „AAA“-Ratings in großem Stil CDOs gekauft hatten.
Was folgte war eine Untersuchung des US-Kongresses und eine Art Tabuisierung solcher strukturierten Produkte. In der Zwischenzeit scheint die Scheu davor wieder zu schwinden.
Das könnte auch mit der Erholung der Immobilienmärkte speziell im Gewerbebereich zusammenhängen. Derzeit steigt das Interesse der Investoren an Verbindlichkeiten aus dem Gewerbeimmobilienmarkt stark. Besonders, seit den jüngsten Konjunkturstabilisierungsmaßnahmen der US-Notenbank Fed, die auch viel Geld in den Immobiliensektor fließen lassen. Die Fed-Maßnahmen haben auch die Risikobereitschaft der Investoren erhöht, was die Nachfrage zusätzlich steigert.
Die Fed hatte, wie berichtet, Mitte September angekündigt, am Markt Hypothekenanleihen erwerben zu wollen. 40 Mrd. Dollar pro Monat sollen in nächster Zeit in solche Käufe gesteckt werden. Außerdem wurde zugesichert, dass die Leitzinsen zumindest bis Mitte 2015 in der Nähe der Nulllinie bleiben werden, was dem Immobilienmarkt nicht gerade schadet.
Nachfrage explodiert geradezu
Kein Wunder, dass die Nachfrage nach Immobilienpapieren in den vergangenen Monaten geradezu explodiert ist. Allein im September kamen Anleihen im Volumen von 7,9 Mrd. Dollar auf den Markt, die an Einkaufszentren, Bürohochhäuser, Hotels und andere Gewerbeimmobilien gekoppelt sind.
„Umgepackte“, gebündelte und dadurch besser geratete Immo-Anleihen hatten 2008 nach dem Platzen der Immobilienblase beinahe das Weltfinanzsystem zum Einsturz gebracht. Jetzt steigt die Nachfrage nach mit Immobilienpapieren unterlegten, strukturierten Produkten wieder. Die Deutsche Bank etwa plant, niedrig geratete Immobilienanleihen durch Bündelung in strukturierten Papieren um ganze vier Ratingstufen zu „verbessern“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)
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