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Deutsche Bank will wieder Wertpapiere „umpacken“

01.10.2012 | 18:33 |   (Die Presse)

Jene Wertpapiere, die 2008 die Finanzkrise ausgelöst haben, feiern ein Comeback. „Ramsch“-Hypotheken waren mit guten Anleihen zu neuen Wertpapieren zusammengefasst worden.

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Frankfurt/New york/Bloomberg. Die neue Führung der Deutschen Bank hat zuletzt zwar mehrfach betont, sie wolle das größte deutsche Geldinstitut künftig vom Zockerimage wegbekommen. Im Unternehmen selbst scheint sich das aber noch nicht herumgesprochen zu haben: Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg plant die Bank, mit Gewerbeimmobilien besicherte und vergleichsweise niedrig bewertete Anleihen in Papiere mit besserer Bewertung „umzupacken“.

Das klingt harmlos, ist es aber nicht: Das „Verpacken“ von zweifelhaften Immobilienpapieren in neue, mit Top-Ratings ausgestattete Wertpapiere gilt als Hauptauslöser der schweren Finanzkrise, die Ende 2008 beinahe das Weltfinanzsystem kollabieren hätte lassen. Seither galt diese Art von Wertpapieren als Tabu.

Wie Bloomberg berichtet, könnte die Bank bei Anleihen, die auf aus Hypothekenkrediten „geschaffenen“ Papieren beruhen, Renditen von rund vier Prozent bieten. Das Volumen soll mit 300 Mio. Dollar vorerst freilich vergleichsweise bescheiden bleiben. Bloomberg beruft sich auf Angaben von drei mit den Plänen befassten Deutsche-Bank-Mitarbeitern. Die Pläne seien in einem „frühen Stadium“, hieß es. Eine Sprecherin der Deutschen Bank wollte die Angaben nicht kommentieren.

Den Angaben zufolge will die Bank Gewerbe-Hypothekenanleihen mit der Bewertung „BBB“ (das ist die niedrigste Ratingstufe im Segment „Investmentgrade“) in neue Papiere (CDO) „wandeln“, die die Bewertung „A“ tragen sollen. Das Rating würde sich also um vier Stufen verbessern.

 

Ratingagenturen spielen mit

Die Ratingagenturen spielen dabei wieder einmal mit: „Die Möglichkeit, erst vor Kurzem mit „BBB“ bewertete Anleihen in „A“-Bonds zu verwandeln, legt den Schluss nahe, dass die Ratingagenturen weiterhin signifikanten Wert auf die Vielfältigkeit legen, welche durch die Bündelung mehrerer Anleihen geschaffen wird“, sagte der Anleihenexperte der Royal Bank of Scotland, Richard Hill. Nachsatz: „Bei älteren CDOs war die Methode nicht sehr erfolgreich“.

„Die Methode“ war vor 2008 besonders in den USA ausführlich angewendet worden: „Ramsch“-Hypotheken waren mit guten Anleihen zu neuen Wertpapieren zusammengefasst worden, die von den Ratingagenturen meist die höchste Bonitätsstufe erhielten. Das „AAA“ täuschte freilich nur Sicherheit vor, wo in Wahrheit keine war: Durch das häufige „Umpacken“ konnte nach kurzer Zeit niemand mehr sagen, welches Papier welche Risken enthielt.

 

Kredite an Finanzschwache

Auf der anderen Seite sorgte das häufige „Umpacken“ von Krediten an Schuldner mit zweifelhafter Bonität dafür, dass ausreichend Immobilienkredite an finanzschwache Immobilienkunden fließen konnten, um das von der US-Regierung ausgegebene Motto „jedem Amerikaner sein Eigenheim“ mit Leben zu erfüllen.

Als die so aufgebaute Immobilienblase schließlich platzte und sich die so aufgebauten strukturierten Wertpapiere (Collateralized Debt Obligations, CDO) als wertlos erwiesen, war das Chaos perfekt. Betroffen waren nicht zuletzt zahlreiche europäische Großbanken, die im Vertrauen auf die „AAA“-Ratings in großem Stil CDOs gekauft hatten.

Was folgte war eine Untersuchung des US-Kongresses und eine Art Tabuisierung solcher strukturierten Produkte. In der Zwischenzeit scheint die Scheu davor wieder zu schwinden.

Das könnte auch mit der Erholung der Immobilienmärkte speziell im Gewerbebereich zusammenhängen. Derzeit steigt das Interesse der Investoren an Verbindlichkeiten aus dem Gewerbeimmobilienmarkt stark. Besonders, seit den jüngsten Konjunkturstabilisierungsmaßnahmen der US-Notenbank Fed, die auch viel Geld in den Immobiliensektor fließen lassen. Die Fed-Maßnahmen haben auch die Risikobereitschaft der Investoren erhöht, was die Nachfrage zusätzlich steigert.

Die Fed hatte, wie berichtet, Mitte September angekündigt, am Markt Hypothekenanleihen erwerben zu wollen. 40 Mrd. Dollar pro Monat sollen in nächster Zeit in solche Käufe gesteckt werden. Außerdem wurde zugesichert, dass die Leitzinsen zumindest bis Mitte 2015 in der Nähe der Nulllinie bleiben werden, was dem Immobilienmarkt nicht gerade schadet.

 

Nachfrage explodiert geradezu

Kein Wunder, dass die Nachfrage nach Immobilienpapieren in den vergangenen Monaten geradezu explodiert ist. Allein im September kamen Anleihen im Volumen von 7,9 Mrd. Dollar auf den Markt, die an Einkaufszentren, Bürohochhäuser, Hotels und andere Gewerbeimmobilien gekoppelt sind.

Auf einen Blick

„Umgepackte“, gebündelte und dadurch besser geratete Immo-Anleihen hatten 2008 nach dem Platzen der Immobilienblase beinahe das Weltfinanzsystem zum Einsturz gebracht. Jetzt steigt die Nachfrage nach mit Immobilienpapieren unterlegten, strukturierten Produkten wieder. Die Deutsche Bank etwa plant, niedrig geratete Immobilienanleihen durch Bündelung in strukturierten Papieren um ganze vier Ratingstufen zu „verbessern“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.10.2012)

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49 Kommentare
 
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Gast: Postindustrielle Barbaren
02.10.2012 20:06
5 0

Banken in die Schranken!

Dieser Haufen postindustrieller Barbaren gehört zerschlagen und aufgelöst. Die wohlhabenden Akteure & Profiteure enteignet und vor Gericht gestellt.

Ein wesentlich größeres Verbrechen als eine Bank auszurauben, ist eine Bank zu gründen !!!


Re: Ein wesentlich größeres Verbrechen als eine Bank auszurauben, ist eine Bank zu gründen !!!

Karl Marx wusste das schon vor langer langer Zeit, aber geändert hat das keiner

Was die Deutsche Bank hier vor hat, ist gut, richtig und wichtig!

Wenn eine Ratingagentur ein “Bündel” bewertet, so bekommen alle darin enthaltenen Papiere diese Bewertung, obwohl ihre Bonität oft sehr unterschiedlich ist. Die beiden staatlichen USA-Immobilienbanken Fannie.mac und Freddie.mae haben zur Unterstützung von Bill Clintons Programm “Jedem Amerikaner sein Haus” massenhaft Immobilienkredite an praktisch zahlungsunfähige Schuldner vergeben und dann ihr Risiko abwälzen wollen. Deshalb haben sie immer wieder neue Bündel geschnürt, die hauptsächlich aus früher im Bündel als AAA bewerteten, aber in Wirklichkeit schlechten Papieren und einigen hinzugefügten neuen schlechten Papieren bestand. Wegen dieser “wenigen” schlechten, wurden diese Bündel immer wieder mit AAA bewertet. Nachdem das bis zu 42.-mal hintereinander gemacht wurde, gab es Bündel, die fast nur mehr aus schlechten Papieren bestanden, aber die Bewertung AAA hatten. Diese “giftigen” Bündel wurden dann staatsgläubigen, fast immer von Politikern gelenkten europäischen Banken (z. B. den deutschen Landesbanken) angedreht!
In diesen Bündeln gibt es aber auch aufstrebende, guten Gewinn machende Gewerbebetriebe, die eigentlich AAA-Schuldner sind, aber ihre Produktion nicht ausweiten können, weil ihnen wegen der schlechten Bündelbewertung niemand Geld leiht. Diese Betriebe dort herauszunehmen und in sichere Bündel zu verpacken, hilft der ganzen Wirtschaft und ist deshalb sinnvoll und notwendig!

Re: Was die Deutsche Bank hier vor hat, ist schlecht, falsch und gehört verboten !

Diese völlig undurchsichtigen "Finanzderivate" gehören alle schleunigst untersagt! Wie die vergangene Bankenkrise ja gezeigt hat, öffnen sie dem Betrug Tür und Tor !!!

Re: Re: Was die Deutsche Bank hier vor hat, ist schlecht, falsch und gehört verboten !

das Prädikat "deutsch" sollte diesen Kriminellen weggenommen werden, diese Bande ist eine Schande für den deutschsprachigen Raum ...

Re: Re: Re: Was die Deutsche Bank hier vor hat, ist schlecht, falsch und gehört verboten !

Da ist eine ganze Kompanie von Bankstern abkommandiert worden, um uns mit roten Stricherl zu strafen!

Argumente haben sie ja keine diese präpotenten Abzocker. Aber solnge sie Politiker finden, die zur Wählerbestechung mit ihnen Geschäfte machen, lachen sie uns Steuerzahler aus und mästen sich mit fetten Prämien weiter....

Gast: sepplmaier
02.10.2012 10:30
2 0

rien ne va plus

rien ne va plus
nichts geht mehr!

gilt aber auch nur für´s kasino

6 0

Umpacken

ist ja auch in den Lebensmittelmärkten eine beliebte Methode um abgelaufene Lebensmittel noch eine kurze Zeit weiterverkaufen zu können (solange sie halt noch nicht zum Himmel stinken).

Dort wie da wird allerdings keine erstklassige Ware mehr draus, sondern ist es schlicht und ergreifend Etikettenschwindel der bestraft gehört. Bei diesen Großbanken sollte der Mafiaparagraph zur Anwendung kommen. Leider sind unsere europäischen Politiker im Augenblick allerdings fast durchgehend gekaufte Lakaien bzw. überhaupt Ex-Banker (Monti, Draghi).

es ist

traurig das fast alle Bürger vergessen haben das wir die Banken damals mit unseren Steuergeld gerettet!!! haben !!!als dank gab es keine Kredite mehr keine Zinsen mehr die sich lohnen .....

Re: es ist

"Gerettet" wurden fast ausschließlich Banken, die im Besitz der öffentlichen Hand sind und von Politikern gelenkt werden. Private Banken haben (mit ganz wenigen Ausnahmen) ihre Finger von diesem Mist gelassen! Die Politiker haben also ihre eigenen, von ihnen selbst in den Graben gefahrenen Banken gerettet!

Das dürfte auch der Grund sein, weshalb aus der "Aufsicht" bis jetzt nichts geworden ist, da würde man ja nur den Bock zum Gärtner machen!

Re: Re: es ist

also bitte, die unregulierten Privatbanken sind die Summe aller Übel,

alles andere ist Realitätsverdrängung a' la Leman - Brothers und Konsorten

Re: Re: es ist augenscheinlich, daß Sie der Rothschild selber sind !


Re: Re: Re: es ist augenscheinlich, daß Sie der Rothschild selber sind !

Dieses Lob ist enorm übertrieben! Die sagenhafte Tüchtigkeit der Rothschilds ist weltberühmt, in diese Kategorie gehöre ich mit Sicherheit nicht!

Re: Re: Re: Re: es ist augenscheinlich, daß Sie der Rothschild selber sind !

Sie meinen wohl die sagenhafte Skrupellosigkeit der Rothschilds....

Re: Re: Re: Re: Re: es ist augenscheinlich, daß Sie der Rothschild selber sind !

Erzählen Sie doch eine Geschichte über die Skrupellosigkeit der Rothschilds, ich bin ja so gespannt, mit wem Sie mich gleich setzen!

7 0

und wieder einmal:

ohne STRENGE WELTWEIT GÜLTIGE Bankenvorschriften wird der Wahnsinn nicht enden. Die Selbstregulation der Märkte bleibt eine kapitalistische Phantasmagorie.

Der Markt ist ein Handelsplatz für Waren!

Und Geld ist keine Ware! "Handel" mit Geld ist immer ein Spiel im Casino, wo auch letztlich immer die "Bank" gewinnt, also reine Abzockerei !!!

Es ist also ein Unding, die Marktwirtschaft immer mit der "Finanzindustrie" in einen "kapitalistischen" Topf zu werfen !

Selbstverständlich gehören die Banken einer strengen staatlichen Kontrolle unterworfen, denn die Wirtschaft muß vor der Ausbeutung durch sie geschützt werden !!!!

7 0

Re: und wieder einmal:

Konsequente Selbstregulierung hätte bedeutet, dass keine Bank mit Steuergeld gerettet wird und Griechenland die Eurozone verlassen hätte müssen. Möglicherweise wäre das doch die bessere Alternative, denn eine "strenge, weltweit gültige" Bankvorschrift wird wohl für die nächsten zig Jahre eine Illusion bleiben ...

9 0

Lasst endlich

Zocker verlieren und Banken sterben.
Diese Branche wird nicht sterben, aber die seriösen werden mehr Chancen zum Überleben haben als die, die mit Luft Handel treiben.

3 1

Na Frau Merkel?

Man wünscht sich Neuwahlen in D.

Gast: Sepp Dudlinger
02.10.2012 07:14
2 0

Deutsch Österreischische Sprachentwicklung

Die Österreicher haben dieser Art der Tätigkeit schon längst in ihren Grundwortschatz aufgenommen. Das Pakeln im Gegensatz zum Paktieren beschreibt nämlich ganau obiges Verhalten.

Gast: Don Häcksler
02.10.2012 07:01
8 0

Zerschneiden

zerstückeln, passieren, abfüllen. Wer dann dieses Apfelmus als frische Äpfel kauft ist selbst Schuld. Die Warnung vor einer deutschen Immoblase vor einigen Tagen ist nicht unbegründet. Büroräume gibt es zuviele, die Mieten sinken im Einzelobjekt. Wer dann glaubt im Packerl wird Mehrwert daraus, hat die letzten 5 Jahre nicht verstanden. Diese Methode dient lediglich dem Hinauszögern bis zu einem vermeintlichen Auffanggeschäft, das es aber dann nicht geben wird.

Re: Zerschneiden

Sie haben den äußerst primitiven Schmäh der Bankster nicht verstanden!

Je größer aufgeblasen ein Finanzderivat ist, um so eher werden die Steuerzahler als "Retter" mißbraucht.....

Deutsche Bank will wieder Wertpapiere „umpacken“

In der Finanzwelt und im Steuerrecht heißt die Maßnahme "Bilanzfälschung" und "wird mit Zuchthaus, nicht unter 2 Jahren" bestraft. :-o

Antworten Gast: S. Heiny
02.10.2012 08:16
4 0

Re: Deutsche Bank will wieder Wertpapiere „umpacken“

Damit nach solchen Umpackaktionen das Geschäft zum Laufen beginnt, muss es gezielte Verkaufsbeschleuniger geben. Ansonsten kommt das Ding kaum vom Fleck. Möchte wissen wie die das wieder gemacht haben.

 
12

Hobbyökonom