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Österreich soll Urbanisierung in Indien unterstützen

03.10.2012 | 16:41 |   (DiePresse.com)

Bald wohnen 600 Millionen Inder in Städten. In den nächsten fünf Jahre plant Indien eine Billion Dollar in den Ausbau seiner Infrastruktur zu investieren.

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In Indien soll nach den Plänen der Regierung bis 2017 eine Billion Dollar aus öffentlichen und privaten Mitteln in die Infrastruktur investiert werden. Ein gewaltiger Kuchen, an dem zunehmend auch österreichische Unternehmen mitnaschen wollen. Um die Chancen speziell im Technologiebereich zu erhöhen, beginnt - nach China in den vergangenen Jahren - nun das Werben in Indien. Konkret hat SP-Infrastrukturministerin Doris Bures bei einem Arbeitsbesuch in New Delhi seit Montag vier indische Minister getroffen und zwei Abkommen unterzeichnet. Bei einem Technologiesymposium am Mittwoch präsentierten sich heimische Firmen potenziellen indischen Partnern, auch das Austrian Institute of Technology (AIT) suchte Anknüpfungspunkte etwa mit dem Indian Institute of Technology (IIT), ist aber selbst schon gefragter Partner, wenn es etwa um "Intelligente Städte" geht.

Asiens Mega-Volkswirtschaft mit 1,2 Milliarden Einwohnern vermittelt ein zwiespältiges Bild. Einerseits wird auf die hohen Wachstumsraten der Wirtschaft und eine kaufkräftige, wachsende Mittelschicht mit derzeit etwa 250 Millionen Konsumenten verwiesen. Andererseits ist nach wie vor jeder fünfte Inder unterernährt, 42 Prozent der Bevölkerung haben weniger als einen Dollar (kaufkraftbereinigt) täglich zum Leben. Zugleich hat das Land mit einer völlig veralteten und unterentwickelten Infrastruktur zu kämpfen.

Vertiefung bei Infrastruktur-Technologien

Und genau hier hätten österreichische Unternehmen große Chancen, sagte Bures vor Journalisten, "Indien ist ein Land des Aufbruchs". Mit dem Symposium am Mittwoch wolle man zeigen, dass Österreich nicht nur ein Kultur-, sondern auch ein Hochtechnologieland sei, das bei vielen Problemen wie der Urbanisierung Lösungen bieten könne. Österreichische Unternehmen seien in Bereichen wie Energie- und Umwelttechnik, Fahrzeug-, Eisenbahn oder Tunneltechnologie weltweit führend - all jene Bereiche, die erforderlich seien, um Infrastruktur auszubauen und zu modernisieren.

Mit zwei neuen und einem im Vorjahr unterzeichneten bilateralen Abkommen soll die Zusammenarbeit bei Infrastruktur-Technologien vertieft werden. Nun sollen auch bilaterale Brücken bei Intelligenten Transportsystemen und Schifffahrts-Infrastruktur geschlagen werden. Gelegenheit dafür gibt es genug: Alleine für den Ausbau der Straßeninfrastruktur hat Indien bis 2015 Investitionen in Höhe von 157 Milliarden Euro vorgesehen. Firmen wie Frequentis, Kapsch TrafficCom oder Swarco sollen hier ihr Know-how bei elektronischen Mautsystemen, Verkehrsmanagement- und -informations-Systemen, Ampelsystemen, etc. einbringen. Und das von Frequentis und der österreichischen Wasserstraßengesellschaft ViaDonau seit 2008 eingesetzte "River Information System" (RIS) könnte schon bald auch den Schiffsverkehr am Ganges oder in indischen Küstengewässern regeln.

Mithilfe bei Entwicklung von Modell-Städten

Der Besuch der Österreicher scheint auch beim indischen Minister für urbane Entwicklung, Kamal Nath, einen Nerv getroffen zu haben. Dabei wurde eine konkrete Zusammenarbeit zwischen dem AIT und dem National Institute of Urban Affairs im Bereich "Smart Cities" vereinbart. Hintergrund ist die rapide Urbanisierung in Indien: derzeit leben laut Nath 400 Millionen Menschen in Städten, in der nächsten Dekade werden es 600 Millionen Menschen sein. In jedem der 28 indischen Bundesstaaten sollen deshalb zwei Modell-Städte mittlerer Größe (bis zu einer Millionen Einwohner) geschaffen werden, sagte Nath, der sich hier von österreichischer Seite Unterstützung erwartet. Brigitte Bach, Leiterin des Energy-Departments am AIT, arbeitet bereits seit 2010 an Konzepten für die chinesische Fünf-Millionen-Stadt Nanchang, eine zweite chinesische Kommune soll demnächst folgen.

Der Vorsitzende des AIT-Aufsichtsrats und Chef des Rats für Forschung und Technologieentwicklung (RFT), Hannes Androsch, verwies darauf, dass das AIT im Bereich "Smart Cities" nicht nur in der Wahrnehmung der EU, sondern global eine führende Position einnehme. Androsch, mit dem AT&S-Werk in Nanjangud bei Mysore im südindischen Bundesstaat Karantaka selbst größter österreichischer Investor in Indien, hofft, dass sich aus der beratenden Tätigkeit des AIT auch wirtschaftlicher Nutzen für österreichische Firmen in Indien ergeben wird. Österreich habe mit einer Exportquote von 85 Prozent in die EU Aufholbedarf gegenüber Ländern wie Schweden (75 Prozent) oder der Schweiz (65 Prozent). Der Vizepräsident der Wirtschaftskammer, Christoph Matznetter, betonte, dass man im Bereich "Smart Cities" mit Wien ein "lebendes Showcase" habe, mit von österreichischen Firmen entwickelten Technologien, an denen kaum ein Auftraggeber vorbeikomme.

Wirtschaftlich erzielt Österreich im Warenaustausch mit Indien laut der Wirtschaftskammer Überschüsse. Das Außenhandelsaktivum belief sich 2011 auf 260 Millionen Euro, die heimischen Ausfuhren legten im Jahresabstand um 25 Prozent auf 818 Millionen Euro zu, die Importe aus dem Subkontinent erhöhten sich mit einem Plus von 15,6 Prozent auf 558 Millionen Euro. Derzeit sind in Indien vor Ort mehr als 120 heimische Unternehmen aktiv.

(APA)

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1 Kommentare

Indien

Warum sollten wir auch nur 1Cent in dieses Land schicken!
Indien hat Atomwaffen, U Boote, Jagdflieger und, und und!
Aber wir sollen das Volk ernähren, ausbilden etc!
Ja, geht's noch?

Hobbyökonom