Im Jahr eins nach Steve Jobs verdient Apple besser als je zuvor

04.10.2012 | 18:36 |  MATTHIAS AUER (Die Presse)

Vor einem Jahr starb Apple-Gründer Steve Jobs. An der Börse geht es dem Konzern heute besser als je zuvor. Der Aktienkurs legte um fast 80 Prozent auf über 672 Dollar je Stück zu. Innovationen bleiben aber aus.

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Wien. Ein Jahr nach dem Tod von Apple-Gründer Steve Jobs steht sein Nachfolger im Kreuzfeuer der Kritik: „Wäre Steve Jobs noch am Leben, würde er Tim Cook feuern“, erklärte das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ kurzerhand. Grund dafür sind die Probleme des Elektronikgiganten mit seinem unausgegorenen Kartendienst Apple Maps. Surreal verzerrte Satellitenbilder und haufenweise falsche Informationen brachten Apple-Fans rund um den Globus in Aufruhr. Klar, der Perfektionist Jobs hätte bei einem derartigen Fehltritt wohl getobt. Aber ist Tim Cook deswegen tatsächlich reif für eine Ablöse?

Am Tag, an dem der 51-Jährige Ende August 2011 die Firmenführung übernahm, purzelten die Apple-Aktien um sechs Dollar nach unten. Heute, ein gutes Jahr später, steht das Unternehmen – zumindest an der Börse – besser da als je zuvor. Der Aktienkurs legte um fast 80 Prozent auf über 672 Dollar je Stück zu. Lässt man die Inflation außer Acht, ist der iPhone-Produzent damit das wertvollste Unternehmen, das je an der Börse notierte. Bis dato hielt den Titel der Software-Konzern Microsoft aus dem Jahr 1999.

 

Exzellenter Verwalter des Erbes

Irgendetwas muss der sportversessene Einzelgänger also richtig gemacht haben. Denn auch wenn Cook in einem seiner seltenen Interviews jüngst beteuerte, seinen Mentor Jobs „jeden Tag“ zu vermissen, gibt letztlich er heute den Ton in Cupertino an. Und die Veränderung ist deutlich spürbar.

Vom ersten Tag an lehnte es Cook ab, den Jobs-Imitator zu spielen. Zwar trägt er bei Produktpräsentationen, wie sein Vorgänger, gern Schwarz. Damit ist es mit den Gemeinsamkeiten aber schon wieder vorbei. Cook zaubert am Ende der Apple-Show keine Überraschung für die Fans mehr aus dem Hut. Das neueste „iDing“ dürfen statt seiner gerne seine Marketingleute in die Höhe halten.

Während Steve Jobs leidenschaftlicher Produktdesigner und Marketinggenie war, verlässt sich Cook lieber auf seine eigenen Stärken: die Optimierung der Produktion und des Verkaufs. Kurzfristig gibt ihm der Erfolg recht. Allein in den ersten drei Quartalen 2012 konnte Apple seinen Umsatz um die Hälfte auf 120,5 Mrd. Dollar, den Nettogewinn um 80 Prozent auf 32,9 Mrd. Dollar steigern. Aber noch kann Tim Cook auf die Ideen seines Vorgängers zurückgreifen. Auch das jüngst präsentierte iPhone 5 ist nicht mehr als eine gute Weiterentwicklung des altbekannten Erstlings. Keine Frage, Tim Cook ist ein exzellenter Verwalter des Erbes von Steve Jobs. Aber hat er auch die Visionen, die Apple erst groß gemacht haben? Kann er dem Unternehmen seinen eigenen Stempel aufdrücken?

 

Keine Fehler unter Steve Jobs?

Ob es Apple gelingt, unter seiner Führung noch revolutionäre Produkte auf den Markt zu bringen? Zum Knackpunkt könnte etwa der lange erwartete Einstieg des Elektronikkonzerns in das Fernsehgeschäft werden.

Bis dahin verändert Tim Cook das Unternehmen auf einer persönlichen Ebene. Und das nicht zum Schlechtesten. Bestes Beispiel ist die Affäre rund um Apple Maps. Der Firmenchef reagierte rasch, entschuldigte sich bei den Kunden und riet sogar, bis auf Weiteres auf Konkurrenzprodukte umzusteigen. Zum Vergleich eine Episode aus dem Jahr 2010: Zigtausende iPhone-Nutzer klagten über Empfangsprobleme beim iPhone 4. Zwei Wochen lang hielt das Unternehmen still. Erst dann meldete sich Steve Jobs zum sogenannten „Antennagate“ zu Wort. Er nutzte die Pressekonferenz, um seine eigenen Produkte zu loben und über die Konkurrenz zu lästern. Fehler gab es damals einfach nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2012)

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7 Kommentare
Gast: Take one und es ist wirklich ein klax to be really free
05.10.2012 12:32
1

Innovationen kommen von Sir Ive und Phil Schiller

Die Innovationen werden nicht von Tim Cook kommen, sondern von Ionathan Ive und Phil Schiller. Diese sind herausragende Marketing- und Designspezialisten.

Gast: gast:1
05.10.2012 07:18
1

mal sehen

was die Zukunft bringt:

Das Apple gute Wege kennt um an des Geld seiner Gläubigen=Kunden zu kommen ist nix Neues: mutige, innovative Produkte mit gefällgem Design = der technisch Interessierte kann genauso angesprochen werden wie jene die nur auf Design ansprechen.

zuletzt hat sich aber gezeigt, dass in Punkto Innovation etwas die Luft raus ist:

- beim Telefon den Bildschirm zu vergrössern war keine Innovation sondern nur Nachholen dessen was schon Standard ist.
- ein kleines Tablet zu bringen ist ebefalls nur ein Nachziehen
- online-KartenDienste sind jetzt auch kein Novum
- sein soziales Netzwerk hat Apple ja wieder abgedreht..
- Clound-Dienste bekommt man an jeder Ecke nachgeschmissen..
- bei den Computern - früher mal das Hauptgeschäft dieser Firma - was das MacBook-Air die letzte Innovation, seither auffällig unauffällige Produkte.

Und selbst wenn Apple angesichts der Probleme mit der Garantie-vs-Gewährleistungs-Frage nachzöge und die Hersteller-Garantie auf 2 oder 3 Jahre erweiterte: dann hätten sie noch immer erst mit dem Rest der IT-Branche gleich gezogen die das schon lange bietet...

Also: schauen wir mal, welche Produkte Apple in 2 Jahren hat...

Re: mal sehen

Es ist aber gut, dass Apple alles falsch macht. Dadurch haben sie so großen Erfolg. Ich höre auch schon seit mindestens zwei Jahrzehnten, was Microsoft alles falsch macht und verschläft. Dennoch können sich beide ganz gut über Wasser halten.

Antworten Antworten Gast: gast:1
05.10.2012 10:14
0

@fefe

Wo schreibe ich, dass Apple "alles falsch macht"?

ich habe nur darauf Bezug genommen, was auch die Presse Sub-Überschrift sagt: Innovationen bleiben aus.

Das hab ich ein wenig ausgearbeitet.

Keine Frage sind Marketing und Produkt-Politik bei Apple besser:

Ich werde beispielsweise nie verstehen, warum andere Hersteller so einen unübersichtlichen Wust an ähnlichen Produkten mit derart kranken Bezeichnungen herstellen:

Wozu braucht Lenovo 13 verschiedene Produktgruppen bei Notebooks???
Wieso hat Acer für seine Klapprechner so geisteskranke Namen wie "TM7750-2314G32Mnss" ??

Warum nennt Samsung gleich mehrere Produktgruppen "Galaxy" (Tablets und Handys) und warum so Viele - Tolle als auch low-level-Müll?

Und warum heißt das "GS3" bei Samsung "Samsung GALAXY S III I9300" - was soll dieser Nummernzusatz hinten dran?

DAS hat Apple nach wie vor viel besser im Griff!


Re: @fefe

Vergessen Sie einfach die Typenbezeichnung nach Galaxy S III, wenn Sie das irritiert. Ja, Samsung hat halt auch keine Ahnung. Die sind nur innerhalb zehn Jahren von Null an die Spitze gekommen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Hurra, Hurra, der Apple Zombie ist wieder da!
05.10.2012 10:52
0

Re: @fefe

Netter Einblick in die Gedankenwelt des durchschnittlichen Apple-Jüngers: In dieser Religion wird Technik nicht nach der Leistung gewählt, sondern des Namens wegen!

Gast: praisethejobs
04.10.2012 22:33
0

Ave Jobs

Ich spüre es! Steve Jobs ist geistig da und kommuniziert mit Tim Cook! Wieso haben sie sonst so viel Erfolg?

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