Im Jahr eins nach Steve Jobs verdient Apple besser als je zuvor

Vor einem Jahr starb Apple-Gründer Steve Jobs. An der Börse geht es dem Konzern heute besser als je zuvor. Der Aktienkurs legte um fast 80 Prozent auf über 672 Dollar je Stück zu. Innovationen bleiben aber aus.

Jahr eins nach Steve
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Jahr eins nach Steve
(c) Dapd (Paul Sakuma)

Wien. Ein Jahr nach dem Tod von Apple-Gründer Steve Jobs steht sein Nachfolger im Kreuzfeuer der Kritik: „Wäre Steve Jobs noch am Leben, würde er Tim Cook feuern“, erklärte das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ kurzerhand. Grund dafür sind die Probleme des Elektronikgiganten mit seinem unausgegorenen Kartendienst Apple Maps. Surreal verzerrte Satellitenbilder und haufenweise falsche Informationen brachten Apple-Fans rund um den Globus in Aufruhr. Klar, der Perfektionist Jobs hätte bei einem derartigen Fehltritt wohl getobt. Aber ist Tim Cook deswegen tatsächlich reif für eine Ablöse?

Am Tag, an dem der 51-Jährige Ende August 2011 die Firmenführung übernahm, purzelten die Apple-Aktien um sechs Dollar nach unten. Heute, ein gutes Jahr später, steht das Unternehmen – zumindest an der Börse – besser da als je zuvor. Der Aktienkurs legte um fast 80 Prozent auf über 672 Dollar je Stück zu. Lässt man die Inflation außer Acht, ist der iPhone-Produzent damit das wertvollste Unternehmen, das je an der Börse notierte. Bis dato hielt den Titel der Software-Konzern Microsoft aus dem Jahr 1999.

 

Exzellenter Verwalter des Erbes

Irgendetwas muss der sportversessene Einzelgänger also richtig gemacht haben. Denn auch wenn Cook in einem seiner seltenen Interviews jüngst beteuerte, seinen Mentor Jobs „jeden Tag“ zu vermissen, gibt letztlich er heute den Ton in Cupertino an. Und die Veränderung ist deutlich spürbar.

Vom ersten Tag an lehnte es Cook ab, den Jobs-Imitator zu spielen. Zwar trägt er bei Produktpräsentationen, wie sein Vorgänger, gern Schwarz. Damit ist es mit den Gemeinsamkeiten aber schon wieder vorbei. Cook zaubert am Ende der Apple-Show keine Überraschung für die Fans mehr aus dem Hut. Das neueste „iDing“ dürfen statt seiner gerne seine Marketingleute in die Höhe halten.

Während Steve Jobs leidenschaftlicher Produktdesigner und Marketinggenie war, verlässt sich Cook lieber auf seine eigenen Stärken: die Optimierung der Produktion und des Verkaufs. Kurzfristig gibt ihm der Erfolg recht. Allein in den ersten drei Quartalen 2012 konnte Apple seinen Umsatz um die Hälfte auf 120,5 Mrd. Dollar, den Nettogewinn um 80 Prozent auf 32,9 Mrd. Dollar steigern. Aber noch kann Tim Cook auf die Ideen seines Vorgängers zurückgreifen. Auch das jüngst präsentierte iPhone 5 ist nicht mehr als eine gute Weiterentwicklung des altbekannten Erstlings. Keine Frage, Tim Cook ist ein exzellenter Verwalter des Erbes von Steve Jobs. Aber hat er auch die Visionen, die Apple erst groß gemacht haben? Kann er dem Unternehmen seinen eigenen Stempel aufdrücken?

 

Keine Fehler unter Steve Jobs?

Ob es Apple gelingt, unter seiner Führung noch revolutionäre Produkte auf den Markt zu bringen? Zum Knackpunkt könnte etwa der lange erwartete Einstieg des Elektronikkonzerns in das Fernsehgeschäft werden.

Bis dahin verändert Tim Cook das Unternehmen auf einer persönlichen Ebene. Und das nicht zum Schlechtesten. Bestes Beispiel ist die Affäre rund um Apple Maps. Der Firmenchef reagierte rasch, entschuldigte sich bei den Kunden und riet sogar, bis auf Weiteres auf Konkurrenzprodukte umzusteigen. Zum Vergleich eine Episode aus dem Jahr 2010: Zigtausende iPhone-Nutzer klagten über Empfangsprobleme beim iPhone 4. Zwei Wochen lang hielt das Unternehmen still. Erst dann meldete sich Steve Jobs zum sogenannten „Antennagate“ zu Wort. Er nutzte die Pressekonferenz, um seine eigenen Produkte zu loben und über die Konkurrenz zu lästern. Fehler gab es damals einfach nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2012)

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