Auch Branchenprimus Volkswagen bleibt vom Absatzeinbruch auf den europäischen Automärkten nicht verschont und streicht daher Produktions- und Verkaufspläne zusammen. "Die Probleme in Europa treffen uns besonders beim Passat, der gerade bei Geschäftskunden gefragt ist", sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh dem "Handelsblatt".
"Wir reagieren darauf, indem wir Schichten herausnehmen." Nach dem Feiertag am Mittwoch ruhe die Passat-Montage in dieser Woche für zwei Tage, vom Kompaktvan Touran liefen ebenfalls weniger Autos vom Band, berichtete die Zeitung.
Auch Audi drosselt Produktion
Auch die VW-Oberklassetochter Audi stoppte in dieser Woche die Produktion im Werk Neckarsulm für vier Tage, um angesichts der schleppenden Neuwagen-Nachfrage in Europa keine unverkäuflichen Fahrzeugbestände aufzubauen. Eine solche Überproduktion kann die Fahrzeughersteller zusammen mit den später notwendigen hohen Rabatten für den Abverkauf schnell hohe Millionenbeträge kosten.
Osterloh rechnet mit geringeren Pkw-Verkaufszahlen als bisher geplant. "Wir reden allerdings von maximal 140.000 Autos", sagte der Betriebsratschef. 2011 setzte VW als größter europäischer Autobauer weltweit knapp 8,4 Millionen Autos ab. Technisch möglich sei in diesem Jahr einschließlich der Lkw-Töchter MAN und Scania die Montage von bis zu 9,7 Millionen Fahrzeugen bei VW, berichtete das "Handelsblatt" weiter. VW-Produktionsvorstand Michael Macht rechne derzeit aber bestenfalls nur noch mit 9,4 Millionen Fahrzeugen. VW wollte sich dazu nicht im Detail äußern.
Keine Kürzungspläne bei BMW
Mit den Produktionskürzungen beim Kassenschlager Passat reiht sich Europas größter Autobauer in die Riege der Hersteller ein, die den Fahrzeugausstoß ihrer Werke drosseln müssen. Opel hat für rund 10.000 Beschäftigten Kurzarbeit angeordnet, Ford will in Europa mehrere hundert Beschäftigte in seinen nicht ausgelasteten Werken per Abfindung loswerden. Auch Porsche wird die Bänder künftig langsamer laufen lassen, um nicht auf Halde zu produzieren. Daimler will sein Flaggschiff Mercedes-Benz S-Klasse für sechs bis neun Monate nur noch in einer Schicht anstatt in zwei produzieren.
Weitgehend ungeschoren kommen bisher die Beschäftigten von BMW davon: "Wir haben keine außergewöhnlichen Schritte geplant", sagte ein BMW-Sprecher. "Die Auslastung in allen Fabriken ist weiter sehr hoch." Die Marktbedingungen seien in Südeuropa zwar schwierig, mit den Absatzzuwächsen in Nordamerika und China könne BMW diese aber "noch ausgleichen".
Golf rettet Situation für VW
Zum rechten Zeitpunkt kommt für VW daher derzeit der Produktionsstart des neuen Golf: Für die siebte Generation des Kompaktwagens werden bei den Wolfsburger Sonderschichten fällig. Der Auftragseingang für den Golf sei "überaus erfreulich", sagte Vertriebsvorstand Christian Klingler. In Deutschland steht der Golf ab Mitte November bei den Händlern, in anderen Länder dagegen erst später. Den neuen Golf biete VW zum gleichen Preis wie das Vorgängermodell an und gewähre "keine Riesen-Rabatte, wie das gegenwärtig kolportiert wird", sagte Vertriebschef Klingler. Das seien "Lockangebote einiger weniger Händler im Internet."
In Europa wurden zuletzt so wenig Autos verkauft wie vor knapp 20 Jahren, die früher bei Modellwechseln üblichen Preiserhöhungen haben derzeit eher Seltenheitswert. Bei den in der Regel alle sieben Jahre stattfindenden Modellwechseln ist es zudem seit langem üblich, auf die auslaufende Fahrzeug-Generation Preisabschläge zu gewähren, um Produktion und Absatz in Einklang zu bringen.(APA/Reuters)










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