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"Vielen Spielern fehlt der Bezug zu realem Geld"

06.10.2012 | 17:52 |  von Matthias Auer (Die Presse)

Ein junger Student erspielt sich im Online-Rollenspiel RuneScape ein kleines Vermögen. Sein Clou: Statt wie alle anderen Monster zu jagen, wurde er zum digitalen Casinobaron der (Glücks-)Ritter und Feen.

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Zweihundert Tage und zweihundert Nächte hat Martin G. Drachen gejagt, Rüstungen geschmiedet, Bäume gefällt und Zaubertränke gebraut. Das Zimmer hat der Gymnasiast dafür nicht verlassen. Er ist, wie 200 Millionen andere Jugendliche weltweit, dem Online-Rollenspiel RuneScape verfallen. Sieben Monate reine Spielzeit, da können Eltern schon verzweifeln. Aber wer glaubt, dass alle Spieler ihre Zeit in der virtuellen Fantasiewelt vertrödeln, irrt. Manche verdienen dort auch ein kleines Vermögen.

Martin ist so ein Fall. Nach ein paar Jahren bei RuneScape war sein Charakter bis ans Limit entwickelt, alle Abenteuer waren bestritten, alle Ecken der Welt erkundet. „Das Spiel hatte seinen Reiz für mich verloren“, sagt er. „Aber ich wollte nicht einfach aufhören. Ich wollte aus der investierten Zeit noch Profit schlagen.“ Zu seinem Glück gibt es viele, die gerne genügend Spielgeld hätten, um sich die besten Rüstungen zu kaufen, dafür aber nicht so lange spielen wollen. Ihnen verkaufte er sein gesammeltes virtuelles Gold über eigene Börsen im Internet. Auf einen Schlag hat er 200 Euro verdient – und Blut geleckt. Es musste doch möglich sein, in der Onlinewelt schneller reich zu werden. Immerhin stand die Maturareise an und war nicht finanziert.

Im Internet finden sich etliche Anleitungen, wie Spieler bei RuneScape möglichst schnell zu Geld kommen. Ganz einfach ist das aber nicht. Wer als virtueller Holzhacker reich werden will, braucht etwa einen langen Atem. Für eine Echtzeitstunde Bäume sägen am Computer gibt es eine Million Gold. Umgerechnet sind das beim derzeitigen Kurs gerade einmal 26 Eurocent.

1000 Euro am Tag. Aber Martin fand eine Abkürzung zum Reichtum. Gemeinsam mit 14 Spielern aus aller Welt gründete der heute 20-Jährige das erste Casino in der Welt von RuneScape. „Bei uns können die Spieler jetzt 100 Millionen einfach in einer Sekunde verdoppeln“, sagt er. Gespielt wird mit einem virtuellen hundertseitigen Würfel. Von eins bis 60 gewinnt Martin, von 61 bis 100 der Glücksspieler. Mit der eigentlichen Idee von RuneScape hat das nichts mehr zu tun. Doch die Kunde vom digitalen Casino verbreitete sich im Internet wie ein Lauffeuer. Mittlerweile gibt es tausende digitale Hütchenspieler. Südlich vom „Spirit Tree“ sammeln sich die Würfelspieler, heißt es in Foren. Östlich vom „Spirit Tree“ wird das neuere „Flower Game“ angeboten. Die Regeln sind einfach: Der Anbieter sät einen digitalen Blumensamen aus, die Spieler setzen auf die Farbe der Blume. Auch hier stehen die Chancen für die Zocker meist schlecht.

Für Martin G. ist das Leben als digitaler Croupier zu einer relativ sicheren Einnahmequelle geworden. „Vielen fehlt der Bezug zu realem Geld völlig“, mutmaßt er. „Natürlich gewinnt ab und zu jemand viel Gold, aber die meisten sind schnell abhängig und verlieren alles gleich wieder. Langfristig kann man die Wahrscheinlichkeit nicht brechen.“ Und die steht stets auf seiner Seite. An guten Tagen sind heute bis zu tausendEuro drinnen. Der 20-Jährige legt sich 5000 bis 10.000 Euro im Monat zur Seite. Die Maturareise war da kein Problem. „Auch den Ferialjob habe ich mir heuer erspart.“


Tummelplatz für Betrüger.
Angelockt vom schnellen Geld tummeln sich rund um den „Spirit Tree“ aber auch Betrüger. Es ist denkbar einfach, den virtuellen Spieleinsatz an sich zu nehmen und damit aus dem Spiel auszusteigen. Öfter als ein-, zweimal könne man die Menschen aber nicht hereinlegen, sagt Martin. Um langfristig Erfolg zu haben, sei es „entscheidend, dass alle wissen, wer vertrauenswürdig ist und wer nicht“. Als Werbekanal dient den Anbietern das Videoportal YouTube. Wer dort nach „runescape legit gambling“ sucht, landet bei Dutzenden Werbeclips, auf denen Martins Casinoclan zeigt, wie er glücklichen Spielern hohe Summen ausbezahlt. Hunderttausend Mal wurden die Filme bisher angesehen.

Einen Haken gibt es dennoch: Eigentlich ist es gegen die Spielregeln von RuneScape, das virtuelle Geld zu echten Euros zu machen. Von einer möglichen Steuerschuld ganz zu schweigen. Darum haben die Betreiber des Spiels das Casino zwischenzeitlich gesperrt, darum will der junge Internetkapitalist nicht mit richtigem Namen in der Zeitung stehen. Martin ist nur ein Pseudonym. Früher wurden die digitalen Goldklumpen ganz offen auf Ebay verkauft. „Heute läuft das unter der Hand in Internetforen“, erzählt er.

Martin selbst verkauft seinen Wettgewinn meist an einen chinesischen Zwischenhändler. Dieser überweist ihm den vereinbarten Betrag erst auf sein PayPal-Konto, dann treffen sich die beiden in RuneScape zur Übergabe des virtuellen Goldes. So reibungslos läuft es aber erst, seit der Computerfan 18 Jahre alt geworden ist. Wer nicht volljährig ist, hat nämlich keine Chance, Geld von PayPal auf das eigene Bankkonto überwiesen zu bekommen. Die ersten Tausender landeten so auf dem Konto seiner Mutter – und der Schüler war in Erklärungsnot. Ganz überzeugt von seinem einträglichen Job hat er sie bis heute nicht. „In Wahrheit stehen meine Eltern immer noch unter Schock.“

Martin selbst hat hingegen seinen Traumjob gefunden. Wenn auch nur vorübergehend. „Es kann jederzeit aus sein“, sagt er. Sobald die Betreiber beschließen, das Casino wieder zu schließen, ist es mit dem schnellen Reichtum vorbei. Seit Oktober bereitet er sich auf eine alternative Zukunft vor – und studiert Technik. Irgendwann will der Student auch einen „normalen“ Job machen. Bis dahin hortet er weiter Geld als Casinobaron der Onlinezocker.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2012)

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10 Kommentare
Gast: ganegal
08.10.2012 14:08
0 0

Reales Geld LOL

Der Artikel zeigt sehr gut, dass die Zeit des "realen Geld" vorbei ist.

0 0

coole geschichte

wenn er das mit 18 macht, warum nicht?

solange er später aufhört...

schlechter artikel

:-/

Gast: kasperlkrokodil
07.10.2012 23:21
0 0

verblendet?

Martin selbst verkauft seinen Wettgewinn meist an einen chinesischen Zwischenhändler. ... Die ersten Tausender landeten so auf dem Konto seiner Mutter...

Hier wird der skrupellose Steuerbetrug und das illegale Glücksspiel glorifiziert. Dass er sein "Einkommen", mit dem er seine Maturareise bezahlt (wie liiiieb), nur von Volljährigen bekommt, kann ich mir auch nicht vorstellen.

...

Geld online machen gibt's schon ewig D2 und so oder einfach einen farm-bot .... aber naja

Gast: gast:1
07.10.2012 11:08
3 0

Anmerkung: ich glaube...

generell fehlt vielen Menschen der Bezug zum Geld.

Wenn man sich ansieht wie leichtfertig Unsummen für irgendwelchen unnützen Mist verpulvert werden...

6 0

Mich frisst der Neid.

Ideen muss man haben...

haha

200 Millionen Spieler?
den Artikel muss ein Praktikant geschrieben haben :D

0 0

Re: haha

schlag halt nach bei wikipedia - was meinst du tun journalisten ?

Re: Re: haha

Noch weniger...

Hobbyökonom