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Der teure Patriotismus der Peugeots

07.10.2012 | 18:16 |  UNSEREM KORRESPONDENTEN RUDOLF BALMER (Die Presse)

Die Tradition der Gründerfamilie, vor allem in Frankreich zu produzieren und zu verkaufen, kommt den Autohersteller Peugeot-Citroën nun teuer zu stehen. Rund 8000 Jobs sollen abgebaut werden.

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Paris. Thierry Peugeot (55) kam dieser Tage persönlich zur Feier des hundertjährigen Bestehens der Autofabrik im ostfranzösischen Sochaux-Montbéliard. Von den Sorgen, die derzeit das französische Familienunternehmen Peugeot-Citroën (PSA) plagen, ließ er sich nichts anmerken: „Wie immer, wenn ich nach Sochaux komme, bin ich extrem glücklich.“ Seine Festfreude wirkte auf die anwesenden Arbeiter nicht sehr ansteckend. Die Firma hat drastische Sparpläne angekündigt.

Der Chef der Besitzerfamilie (sie hält 25 Prozent der Anteile) sieht keinen Grund zur Angst vor einer Produktionsverlagerung: „Wir sind stolz auf dieses Werk, das ein Emblem unserer historischen Verankerung in Frankreich ist, an der wir festhalten wollen.“ Solche Zusicherungen hätten gewiss auch die Beschäftigten in anderen Fabriken der Gruppe gern gehört.

Regierung konnte nicht helfen

Rund 8000 Jobs – das entspricht zehn Prozent der Beschäftigten in Frankreich – sollen abgebaut werden. 5000 Stellen wurden bereits gekürzt. Die Produktionsanlage in Aulnay-sous-Bois mit 3400 Beschäftigten soll noch vor 2014 stillgelegt werden. Eine Beschwerde, die Gewerkschaften dagegen eingelegt hatten, wurde vom Gericht wegen Formfehlern abgewiesen.

Auch die Linksregierung von Frankreichs Präsident François Hollande, der letzteren Schritt unlängst als „in dieser Form nicht akzeptabel“ bezeichnet hatte, muss die Umstrukturierung als unabwendbar hinnehmen. Der von der Regierung eingesetzte, unabhängige Experte Emmanuel Sartorius hielt fest, dass die Situation von PSA womöglich um einiges weniger rosig ist, als man gehofft hatte. Noch dramatischer sieht es für die zahlreichen Zulieferbetriebe der französischen Automobilindustrie aus.

Nach Verlusten von 806 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2011 und 218 Mio. Euro im zweiten Halbjahr belaufen sich die Einbußen für PSA mittlerweile auf 819 Mio. Euro (im ersten Halbjahr 2012). Eine Besserung ist nicht in Sicht.

PSA bezahlt heute den Preis für seine „historische Verankerung“ im Stammland Frankreich, wo noch 37 Prozent der Peugeot- und Citroën-Modelle produziert werden (bei Renault sind es im Vergleich dazu 23 Prozent). 85 Prozent der Motoren werden in Frankreich hergestellt, auch die Forschung und Entwicklung ist zu 90 Prozent dort angesiedelt. Auch beim Verkauf hängt PSA mit einem Anteil von 58 Prozent vom europäischen Markt ab, der am stärksten von der Krise betroffen ist.

Konkurrenz fasste im Ausland Fuß

Gerade der Patriotismus der Gründerfamilie hat es der Firmenleitung in den letzten Jahren schwer gemacht, rechtzeitig industrielle Allianzen oder Fusionspartner zu suchen und in Asien und Amerika Fuß zu fassen, wie dies dem einst staatlichen Konkurrenten Renault (dank Nissan, Dacia und AvtoVAZ-Lada) gelungen ist.

Für die Verkaufsrückgänge von PSA (minus 13 Prozent im ersten Halbjahr 2012) gibt es noch weitere Ursachen. So geraten die von PSA vorzugsweise fabrizierten Dieselmotoren besonders in Frankreich wegen krebserregender Feinpartikel unter Beschuss.

Auf einen Blick

Dem Autohersteller Peugeot (PSA) macht die starke Konzentration auf den Heimatmarkt Frankreich zu schaffen. Dem Konkurrenten Renault sowie den deutschen Autobauern ist es besser gelungen, im Ausland Fuß zu fassen und die Nachfrageschwäche in Westeuropa zu kompensieren. Seit einem Jahr ist der Aktienkurs von PSA um 60 Prozent eingebrochen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2012)

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8 Kommentare

wiedermal zeigt sich der unterschied zwischen deutschland und frankreich!

die fahrzeug industrie ist ja ein paradebeispiel dafür, wieweit die französische wirtschaft hinter der deutschen herhinkt!

frankreich hat mit peugeot, citroen und renault 3 automarken, die aber allesamt mehr oder minder das selbe herstellen, ok citroen baut eher mittelklassewagen, während die anderen beiden eher auf kleinwagen setzten, aber sie sind alle drei im mitleren bzw unteren preissegment vertreten

oberkalsse autos made in france gibt es defacto nicht ok bugatti mag eine ausnahme sein, aber die sind wiederum derart exklusiv, dass man damit auch nie die stückzahlen hinbekommt mit denen man tonnenweise jobs schaffen würde, denn ich vermute mal dass für bugatti max ein par 100 leute abreiten werden!

anders ist das in deutschland, da gibt es mit mercedes, bmw und audi ganze 3 oberklasse hersteller, die stattliche margen einfahren, und millionen fahrzeuge absetzen und enorme gewinne dabei erzielen, sowie tausende leute beschäftigen

in der mittelkalsse ist es ja das selbe, VW hat einen enorm guten ruf, an dem vermutlich schon etwas dran sein wird, die verkaufen ihre fahrzege relativ teuer und finden trotzdem genug abnehmer, und fahrne außerdem ebenso gute margen ein

ich persönlich habe mit VW nur gute erfahrungen gemacht, während der renault den ich eine zeit lang hatte ständig macken vorwies und mir den letzten nerv geraubt hat

Gast: lefir
08.10.2012 00:37
2 1

Gut so.

Wenn Auto, dann Peugeot. Vive l'Europe!

Re: Gut so.

oh bei gott, namens peugeot die einen untern hintern durch rosten das. zum thema peugeot

Gast: Liberty Force
07.10.2012 22:16
2 0

Das wahre Problem: Mangelnde Qualität!

Hatte 2 Citroen, einen AX und einen XM.

Zwar waren das Fahrzeugkonzept, die Innenräume, die Alltagstauglichkeit und der niedrige Verbrauch der Dieselmotoren sehr gut. Nur leider hatten beide Fahrzeuge zahlreiche teure Reparaturen, welche ganz eindeutig auf Qualitätsmängel bzw. wenig durchdachte Konstruktion zurückzuführen waren.

Das betraf besonders den XM: Zwar hat Citroen die Zentralhydraulik endlich dicht bekommen, dafür aber in Hartgummiblöcken aufgehängte vordere Domlager verbaut, die unweigerlich nach 12-15 Jahren verschleißen. Diese komplexen Teile gibt es ausschließlich bei PSA, Kostenpunkt mit Einbau ca. 1000 Euro. Das Kraftstoffsystem ist undicht und zieht Luft, während der Fahrt geht der Motor einfach aus. Ursache war ein Riss im Kraftstoffwärmetauscher. Seltsam, bei allen anderen Marken halten diese einfachen Teile ein ganzes Autoleben lang.

Der stets verwinkelten und umständlichen Konstruktion ist es geschuldet, dass man kaum selber was machen kann und die Werkstatt für alles viel Zeit braucht.

Sorry, PSA: Ihr erlebt es gerade selbst, dass diese Mankos mit "Patriotismus" nicht wieder wettgemacht werden können.

Re: Das wahre Problem: Mangelnde Qualität!

ja französcher mist halt. fahre zwar noch einen, aber denn letzten habe mit denn franzosen zu viel rostpropleme. das leider fast immer ein grund ist warum die meisten die franzosen meiden.

Re: Das wahre Problem: Mangelnde Qualität!

Wenn Sie nur alle 12-15 Jahre einen neuen Citroen kaufen sind sie selber schuld wenn es PSA schlecht geht.

Re: Re: Das wahre Problem: Mangelnde Qualität!

ja herr oberhuber. mein peugeot ist alle auf ein fall, weil sie alleine bei meinen peugeot kein verzinkes blech verarbeitet hatten und natürlich ist mein peugeot durch gerostet. das zum thema mangelnde qualität.

Gast: Halbwissen
07.10.2012 21:20
2 1

Autokonzerne mit ihren zigtausend Mitarbeitern sind immer Patrioten !

Wer hat ( Mitarbeiter ) dem wird geholfen.

Eine Textilbude mit ein paar hundert Mitarbeitern wird einfach dicht gemacht.

Autofirmen bekommen eine Abwrackprämie ( siehe Deutschland und VW ).

Hobbyökonom