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Deutschlands Energiewende wird zu teuer

08.10.2012 | 17:27 |   (Die Presse)

Ökostromzuschläge für Haushalte steigen in Deutschland um 50 Prozent. Das Hauptproblem: Die Ökostromförderung ist sehr planwirtschaftlich organisiert. Nun wird intensiv über neue Fördermodelle diskutiert.

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Wien/Berlin/ju/red.  In Deutschland läuft die Ökostromförderung völlig aus dem Ruder: Weil Solar- und Windstromerzeuger viel mehr produzieren als erwartet, wird der Ökostromzuschlag für private Stromabnehmer im kommenden Jahr wahrscheinlich um rund 50 Prozent auf 5,4 Cent je Kilowattstunde explodieren. Ein Durchschnittshaushalt wird dann 175 statt bisher 125 Euro im Jahr Ökozuschlag bezahlen.

Für den Chef des deutschen Kartellamts, Andreas Mundt, ist das „völlig unverhältnismäßig“: Allein die Zuschläge würden dann bereits so viel ausmachen, wie Strom im Schnitt an den Strombörsen koste. EU-Energiekommissar Günther Oettinger warnte, dass die Akzeptanz der Verbraucher für die Energiewende bei derart steigenden Kosten „nicht unbegrenzt“ sei.

Produktion trifft nicht Nachfrage

Das Hauptproblem: Die Ökostromförderung ist sehr planwirtschaftlich organisiert. Den Ökostromproduzenten muss die gesamte Produktion bis zu 20 Jahre lang zu fixierten, weit über den Markttarifen liegenden Preisen abgenommen werden. An den Strombörsen muss besonders der Solarstrom aber verschleudert werden, weil die Produktionsspitzen meist zu eher verbrauchsarmen Zeiten (etwa an sonnigen Sommernachmittagen) auftreten.

Das Ergebnis ist ein dramatisches Defizit: In den ersten neun Monaten wurden den deutschen Wind- und Solarstromproduzenten knapp 16 Mrd. Euro überwiesen, wovon mehr als zehn Mrd. Euro von den Konsumenten über Ökostromzuschläge aufgebracht wurden. Der so teuer gekaufte Ökostrom brachte an den Börsen aber nur 2,4 Mrd. Euro Erlös.

Weil ein derartiges Modell bei steigender Ökostromerzeugung nicht finanzierbar ist, wird nun intensiv über neue Fördermodelle nachgedacht. Im Gespräch ist ein Quotenmodell, das die effizientesten Erzeugungsanlagen (im Moment sind das „Onshore“-Windkraftwerke) bevorzugt. Fest steht für das deutsche Kartellamt jedenfalls, dass die Kombination aus planwirtschaftlicher Förderung und Marktabsatz in einem liberalisierten Markt nicht funktioniert – und deshalb möglichst schnell abgeschafft werden muss.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

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3 Kommentare
Gast: otto f.krammer
13.10.2012 04:28
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Jetzzt wird endlich von D. über Solarspeicher nachgedacht...

das kann natürlich noch dauern, bis da einGewinn eintritt.

Gast: Florian Noto
11.10.2012 12:51
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Was kostet die Abhängigkeit von fossiler Energie?

Was kostet es, weiter auf fossil-atomare Energie zu setzen? Die Preise für Kohle, Gas, Öl und Uran auf dem Weltmarkt sind in den letzten Jahren rasant gestiegen. Und sie werden immer weiter steigen. Die Kosten für Windenergie und Photovoltaik sind dagegen stark gesunken.

Deutschland, Österreich und Europa braucht die Energiewende. Nicht nur aus ökologischer Sicht, sondern auch um sich aus der Kostenfalle fossiler Energien, der Abhängigkeit von Ölscheichs und Gazprom, und dem Risiko der Atomkraft zu befreien.

Meistens müssen die Stromkonzerne, die den Ökostrom zum teuren Einspeistarif kaufen mussten, auch noch dazuzahlen um ihn loszuwerden!

Diese Summe müsste noch von den 2,4 Mrd. abgezogen werden! Dann würde man sehen, was dieser Strom wirklich wert ist!

"Die hohe Solar- und Windstromproduktion senkt seit Monaten die Einkaufspreise für Strom" ("Die Presse" vom 15. 9. 2012) ist falsch! Der üppige Einspeistarif bleibt!

Die Konsumenten müssen sich aber auf weitere saftige Strompreiserhöhungen einstellen: Solar- und Windstrom kommen nur stoßweise, weil Wolken über die Paneele ziehen und der Wind immer böig ist. Wenn die Windgeschwindigkeit aber auf ein Viertel sinkt, ist sein Energiegehalt nur mehr ein Vierundsechzigstel, also so gut wie nichts! Weil aber das Netz sofort zusammenbricht, wenn weniger Strom erzeugt wird als die Verbraucher abnehmen wollen, müssen die Wärmekraftwerke ständig laufen, um diese Lücken zu füllen.

Bezahlt bekommen sie aber nur den Strom, mit dem wirklich Lücken gefüllt werden. Das ist aber niemals kostendeckend, weshalb die Betreiber dieser Kraftwerke gedroht haben, diese Kraftwerke vom Netz zu nehmen ("Die Presse" vom 15. 9.). Dann würde das Netz aber sofort zusammenbrechen, weshalb die deutsche Regierung mit einem gesetzlichen Abschaltverbot für Wärmekraftwerke droht.

Das ist aber keine Lösung, ohne Kostendeckung geht es nicht. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, dass die deutschen Verbraucher neben dem Wind- und Sonnenstrom auch noch den von den Wärmekraftwerken bereitgehaltenen, aber nicht abgerufenen Strom zahlen werden müssen!

Hobbyökonom