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Deutschland plant Notbremsung bei Energiewende

11.10.2012 | 18:22 |   (Die Presse)

Damit die Kosten nicht weiter aus dem Ruder laufen, will Umweltminister Altmaier auch die Förderung der Windkraft begrenzen. Bis 2020 darf der Anteil der erneuerbaren Energie 40 Prozent nicht übersteigen.

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Berlin/Gau. Peter Altmaier hält Windräder für durchaus „ästhetisch“. Wem die Metall-Ungetüme nicht gefallen, dürfe auf Holzkonstruktionen hoffen, das sei gerade in Entwicklung. Die deutsche Energiewende soll nicht an ihren Kritikern scheitern. Wer sie torpediert, aus welcher Partei auch immer, „wird es mit diesem Umweltminister zu tun bekommen“.

Nun braucht der CDU-Politiker aber auch gegenüber vielen erbosten Bürgern eine dicke Haut. Am Dienstag wurde bekannt, was alle vermutet hatten: Die Ökostromumlage steigt um fast die Hälfte, von 3,6 auf 5,3 Cent pro Kilowattstunde. Noch vor einem guten Jahr hatte Kanzlerin Merkel versprochen, diese Förderung, die der Stromkunde zu tragen hat, werde sich nicht erhöhen.

So wird manifest, dass die Kosten für die Energiewende, dem größten wirtschaftspolitischen Eingriff der Nachkriegszeit, völlig aus dem Ruder laufen. Dass die Politik durch „Überförderung“ arme Haushalte finanziell überfordert, während der Strompreis an der Börse sinkt, macht sich in einem Wahljahr gar nicht gut. Deshalb steigt der Minister nun auf die Bremse. Er gibt zu, dass „etwas schief gelaufen“ ist, und will das Erneuerbare-Energien-Gesetz gründlich reformieren. Nachdem schon Solarstrom nur mehr gedeckelt und gedämpft gefördert wird, soll es auch bei den Geldern für die Windenergie eine Grenze geben.

 

Weniger Ausnahmen für Industrie

Für 2020 lautete der Plan der Regierung: 35 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien. Jetzt will Altmaier eine neue Grenze von 40 Prozent. Was nach beschleunigtem Ausbau klingt, ist in Wahrheit eine Notbremsung. Denn allein heuer steigt der Anteil von 20 auf 25 Prozent. Schreibt man die Dynamik fort, werden die Ziele weit übererfüllt. Zählt man die Pläne der Bundesländer zusammen, kommt man auf 50 bis 60 Prozent Anteil.

Weil der Ökostrom aber noch lange nicht marktfähig ist, drohen die Kosten zu explodieren. Am Endziel von 80 Prozent mit Erneuerbaren bis 2050 will Altmaier festhalten, aber der Anstieg soll gleichmäßiger erfolgen. Passiert er viel zu früh, verzögere sich auch die Marktfähigkeit. Sprich: Wer mit Förderungen überfüttert wird, hat keinen Anreiz, durch Forschung die Herstellkosten zu senken.

Der schnellere Weg zurück zum Markt ist freilich mit noch mehr Planwirtschaft gepflastert. Alles, wo es heute hakt, sei besser „abzustimmen“: keine neuen Anlagen ohne Ausbau der Netze, zu ehrgeizige Bundesländer müssen eingebremst werden, der Süden braucht mehr Reservekapazitäten.

Das große Thema der Opposition aber wischt der Minister vom Tisch. Vor allem die Grünen machen die Industrie mit ihren Ausnahmen für die steigende Umlage verantwortlich. Altmaier ärgert sich „maßlos, mit welcher Unsachlichkeit darüber diskutiert wird“. Die großen Befreiungen, die schon Rot-Grün beschlossen haben, beträfen Aluminiumhütten oder Stahlwerke, die sonst international nicht konkurrenzfähig wären. Dass sich in den letzten Jahren auch ein paar Hühnerfarmen und Brauereien dazugeschwindelt haben, müsse man „überprüfen“. Aber selbst wenn die wieder zahlen müssen, mache es das Kraut nicht fett: Auf unter fünf Prozent schätzt der Umweltminister die mögliche Entlastung der privaten Stromkunden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

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11 Kommentare

Ich verstehe solche Diskussionen nicht

Es ist doch super, dass wir 2020 40% regenerativen Strom erzeugen können. Die Diskussion und der Hintergrund ist doch, dass wir so schnell wie möglich vollständig von fossilen Brennstoffen wegkommen. Altmaier führt es definitiv in die falsche Richtung. Die soziale Verträglichkeit muss herbeigeführt werden, aber doch nicht mit einer gesetzlichen Deckelung des Ökoanteils! Im Gegenteil, wir sollten jetzt 80% für 2020 fordern. Dann muss es eben so, wie es früher bei Telefon und Radiogebühren war, eine vom sozialen Status abhängige Stufung geben. Natürlich kann und muss man auch die Förderungen stufenweise reduzieren, aber doch nicht den Ökoanteil deckeln.

Altmaier ist ein reiner Wahlpolitiker, dem das Sachziel weniger wichtig ist als die nächste Wahl zu gewinnen. Traurig für den Klimawandel.

Gast: Walter Gerhold
12.10.2012 10:40
3 1

Energies ends

Der Artikel zeigt wiederum den kompletten Unsinn der sogenannten Energiewende. Politik kann eben physikalische Gesetze nicht außer Kraft setzen.

Gast: gäst
12.10.2012 03:30
1 0

Schlicht

nicht wahr:
"Aber selbst wenn die wieder zahlen müssen, mache es das Kraut nicht fett: Auf unter fünf Prozent schätzt der Umweltminister die mögliche Entlastung der privaten Stromkunden."
Die Netzumlage zahlt der größte Teil der KMUs nicht.Das wird alles auf die Privthaushalte umgeälzt.

5 0

das mit der kostenexplosion stand schon vor jahrem auf dem horizont

aber die wahren kosten wurden der ideologie zuliebe aus der oeffentlichen debatte wegretuschiert. auch dass vorindustrielle technologien keine magischen neuen maerkte und arbeitsplaetze bringen in europa weiss man schon lang aus den beispiel deutschland und vorallem spanien. verrueckte welt der politischen korrektness, der seichten phrasen und der teuren staatlichen intervention mit unerwarteten nebenwirkungen.

Antworten Gast: georg n
12.10.2012 10:58
1 0

nicht nachvollziehbar

Ihre Behauptung, dass die Kosten aus der öffentlichen Debatte wegretuschiert würden, ist nicht nachvollziehbar. z.B. eine Suche bei "Google News" zum Thema "Energiewende", bei allen Artikeln ist der Strompreis ein Thema.

Meiner Ansicht nach ist das Problem der Energiewende, wie in dem Artikel bereits angedeutet, dass sie zu gut funktioniert hat. Die Förderungen haben den Zubau an erneuerbaren Energien zu stark ansteigen lassen. Bei Solarenergie beispielsweise war aber mit ein Grund, dass diese Energieform zwar teuer ist, aber die Kosten in den letzten Jahren stark gesunken sind.

Offensichtlich haben die Förderungen genau das bewirkt, was sie bewirken sollten: Einen künstlichen Markt schaffen, der Massenproduktion ermöglicht und somit Preissenkungen. Diese Preissenkungen führten dann zu einem sprunghaften Anstieg der Installationen, jedenfalls bei Fotovoltaik.

Dieser Umstand wird jetzt so stark kritisiert. Dabei sind fallende Preise doch genau das, was ursprünglich bezweckt wurde. Die Idee ist, kurzfristig mehr zu bezahlen (zu fördern), um langfristig weniger zu bezahlen (fallende Preise) und erneuerbare Energie gewinnen zu können.

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Re: nicht nachvollziehbar

strompreise haben mit den vollen kosten der herstellung eben nichts zu tun, schon gar nicht mit sozialen und umweltkosten (bergbau nach seltenen erden ist keine oekologische kinderjause). nun denn, den chinesischen herstellern wurde ein quersubventionierter markt geschaffen, hurra.

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Re: nicht nachvollziehbar

Unsinn, die Förderung der Erneuerbaren sollte ursprünglich nur eine Anschubfinanzierung sein. 20 Jahre später wird noch immer "anschubfinaziert u. das Ganze ist zu einem Fass ohne Boden geworden.
Boskin:
"Der Staat sollte sich aus dem Spiel heraushalten, durch Subventionen, Steuern, Regulierung, Mandate, Kredite und Investitionen einzelne Gewinner zu bestimmen. Es funktioniert einfach nicht, und, was noch schlimmer ist, es verdrängt oder unterdrückt potenziell wertvolle konkurrierende Technologien.
Die Regierung sollte allgemeine Ziele für den Energiebereich und die Umwelt festlegen und es dann Unternehmen, Investoren und Verbrauchern überlassen zu entscheiden, wie sich diese am besten umsetzen lassen. Sie sollte wissenschaftliche und technologische Grundlagenforschung fördern, die auf diese Probleme anwendbar ist. Eine Strategie jedoch, die sich ohne langfristige staatliche Unterstützung nicht aufrechterhalten lässt, ergibt keinen Sinn.“
Dem braucht man nichts mehr hinzuzufügen.
Michael Boskin ist übrigens Professor für Ökonomie an der Universität Stanford.

Antworten Antworten Antworten Gast: georg n
12.10.2012 15:22
1 0

20 jahre?

Was meinen Sie mit 20 Jahre später?

Dass die Förderung über 20 Jahre garantiert wird? Nun, eine garantierte Einspeisevergütung mit nur ein paar Jahren Laufzeit wäre kein Anreiz gewesen, die Anlagen zu bauen, weil sie sich sonst nicht rentiert hätten.

Oder reden Sie von der Einführung des Gesetzes? lt. Wikipedia wurde das Stromeinsparungsgesetz 1991 beschlossen, das "Erneuerbare Energien Gesetz" aber im Jahr 2000. Beim Stromeinsparungsgesetz waren es unter 10 Cent pro kwh; der eigentliche Boom setzte aber mit dem EEG ein (2000), bei der Wind zwar mit weniger als 10 Cent, aber Solar mit mehr als 50 Cent gefördert wurde. Und ab da hat sich der Preis für Fotovoltaik stark reduziert. (nach kurzfristigem Anstieg durch einen Siliziumengpass). Stiftung Warentest schrieb z.B. 2006, dass eine PV-Anlage ohne Mwst 4500-6500 Euro pro kwp koste; 2011 redet Stiftung Warentest von 2300 Euro pro kwp. (etwas mehr als die Hälfte bis etwas mehr als ein Drittel. Ich habe Stiftung Warentest als Beispiel genommen, weil es schwer ist, relativ objektive Quellen zu finden)

Zu Boskin: Wie soll die Regierung dem Verbraucher allgemeine Ziele zum Energieverbrauch vorgeben? Dreht sie ihm dann den Strom ab, wenn er die Ziele verfehlt? Oder verteuert sie den Strom dann nur? Das wäre dann der gleiche Effekt wie das EEG.

Zur Förderung der Forschung: Bsp. PV: Die Modulhersteller, die die Preise so reduziert haben (s.o.) haben ja Forschung betrieben, um das zu erreichen - indirekt gefördert durch das EEG.

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Re: 20 jahre?

Wenn sie es genau wissen wollen ist es ja noch schlimmer.
Es stimmt in A wurde das Ökostromgesetz im Jahr 2000 beschlossen.
Die sinnlosen "Ökoanlagen" wurden allerdings bereits mehrere Jahre vorher schon "anschubfinanziert".
Da heute noch immer Verträge abgeschlossen werden, die eine Laufzeit von mindestens 13 Jahre haben, kommen sie auf noch mehr, wahrscheinlich sogar auf 30 Jahre und mehr "Anschubfinanzierung"
Und das ist Unfug oder sogar Betrug, meint nicht nur Boskin.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: georg n
14.10.2012 11:12
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Re: Re: 20 jahre?

(Anmerkung: ich rede von Deutschland) Es geht nicht nur um die Laufzeiten, sondern auch um die Höhe der Förderung. Lt. Wikipedia hat sich die Förderung für Neuinstallationen von 2004 bis 2012 gedrittelt, d.h. von 57,4 cent/kwh auf 20,76 cent/kwh.

Es ist weder Unfug noch sinnlos: Es steigt der Anteil erneuerbarer Energie, was ein Vorteil für die Umwelt ist (ja, trotz des Emissionshandels, siehe unten) und die erneuerbare Energie wird langfristig billiger. Zur Zeit ist sie noch teurer und muss gefördert werden, das Ziel ist natürlich, dass die Förderungen irgendwann (das wird bald sein) nicht mehr nötig sind. Es könnte bald soweit sein: http://www.taz.de/!98357/

Zum Emissionshandel: Emissionszertifikate werden dann gehandelt, wenn die Ziele übererfüllt sind.
Das dt. Umweltministerium schreibt:
"Bei der Festlegung der Gesamtemissionsmenge für die EU wurde das 20-Prozent-Ausbauziel für die erneuerbaren Energien bereits fest verbucht. Für dieses ambitionierte Ausbauziel war es wichtig, dass das EEG bereits in der Vergangenheit die bedeutenden CO2-Minderungspotenziale der erneuerbaren Energien demonstriert hat."

Zu Michael Boskin: Ist das derselbe Boskin, der bei Exxon Mobil im Vorstand sitzt?
(http://www.exxonmobil.com/Corporate/investor_governance_directors.aspx)
Dann zweifle ich an seiner Objektivität, da Exxon/Mobil lt. eigener Homepage "die größte börsennotierte Öl- und Gasgesellschaft weltweit" ist - und daher Interessenskonflikte mit der Solarenergie hat.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: georg n
14.10.2012 14:51
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Korrektur

Korrektur: Hier ist der richtige Link zu Boskin:
http://www.exxonmobil.com/Corporate/investor_governance_directors.aspx

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