Baukonzern Alpine verhandelt mit den Banken

Die Bankschulden der Alpine belaufen sich dem Vernehmen nach auf 600 Millionen Euro. Die Gründe für die finanziellen Schwierigkeiten dürften in Süd- und Südosteuropa liegen.

Baukonzern Alpine verhandelt Banken
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(c) Dapd (Ronald Zak)

Wien. „Geschäftsführer Dotter gibt vor den Gesprächen mit den Banken keine öffentliche Stellungnahme ab“, hieß es am Freitag beim Salzburger Baukonzern Alpine auf Anfrage der „Presse“. Tags zuvor war publik geworden, dass auf das zweitgrößte Bauunternehmen Österreichs massive Wertberichtigungen zukommen könnten. Laut einer Untersuchung des Wirtschaftsprüfers KPMG könnten diese Wertberichtigungen bis zu 400 Millionen Euro ausmachen. In diesem Falle hätte das Unternehmen ein massives Liquiditätsproblem.

Bei den kolportierten Zahlen handle es sich um ein Szenario von vielen, erklärte die Alpine. Und es sei natürlich das Worst-Case-Szenario, das den Medien zugespielt worden sei. Tatsächlich rechne man nicht, dass dieses eintreten werde. Dass es heuer allerdings zu markanten Wertberichtigungen kommen dürfte, das wurde am Donnerstag gegenüber der „Presse“ nicht ausgeschlossen. Man müsse davon ausgehen, hieß es. Schlimmstenfalls drohe dem Unternehmen heuer ein negatives Ergebnis von 263 Millionen Euro, heißt es in der KPMG-Expertise.

Die Gründe für die finanziellen Schwierigkeiten dürften in Süd- und Südosteuropa liegen. Dort hat die Schuldenkrise vor allem auch die Bauwirtschaft arg gebeutelt. Die Alpine habe nun mit massiven Zahlungsausfällen zu kämpfen, heißt es in Salzburg. Dies ist auch der Grund, warum Alpine-Holding-Chef Johannes Dotter erst im Sommer einen Rückzug aus diesen Regionen angekündigt hat. Die Alpine wolle sich vor allem auf die Kernmärkte in Österreich, Deutschland, Tschechien und der Slowakei konzentrieren.

Dass die Probleme mit dem Mutterkonzern FCC Construcción aus Spanien zusammenhängen, wird in Salzburg hingegen bestritten. Bekanntlich geht es der spanischen Bauwirtschaft schlecht. „Die Alpine hat keine Bauprojekte in Spanien“, heißt es. Ob die Spanier allerdings bereit oder in der Lage sind, der Alpine finanziell unter die Arme zu greifen, ist ungewiss. Die Alpine erklärte dazu: „Der Eigentümer hat seine volle Unterstützung zugesagt, die Liquidität ist ausreichend gesichert.“

Vorerst führt Alpine-Chef Dotter Verhandlungen mit den Gläubigerbanken Erste Bank, Raiffeisen Oberösterreich, UniCredit und der russischen VTB. Die Bankschulden der Alpine belaufen sich dem Vernehmen nach auf 600 Millionen Euro. Zusätzlich muss der Baukonzern drei Anleihen mit einem Volumen von 290 Millionen Euro bedienen.

 

Krise gepaart mit Fehlern

Die Probleme des Konzerns, der 15.000 Mitarbeiter beschäftigt und in 30 Ländern tätig ist, dürften aber nicht nur mit der schlechten Konjunktur zusammenhängen. Anfang des Jahres übernahm der frühere Porr-Manager Dotter das Kommando bei der Alpine. Und seither rührt er auch im Management kräftig um. Gleich vier Manager mussten mittlerweile den Hut nehmen. Neben dem früheren Alpine-Holding-Geschäftsführer Werner Watznauer traf es auch die Alpine-Bau-Geschäftsführer Christian Trattner, Karl Gruber und Roman Esterbauer. Mit den Abgängen sei auch eine langjährige Entscheidungsschwäche in der Unternehmensführung behoben worden, hieß es im Baukonzern.

Nachdem der frühere Alpine-Chef und Firmenmitbegründer Dietmar Aluta-Oltyan heuer seine letzten Anteile abgestoßen hat, gehört der Baukonzern zu 100 Prozent der spanischen FCC Construcción. Die Alpine wies 2011 einen Umsatz von 3,5 Mrd. Euro und einen operativen Gewinn (Ebit) von 48Mio. Euro aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

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