Baukonzern Alpine verhandelt mit den Banken

11.10.2012 | 18:22 |  GERHARD HOFER (Die Presse)

Die Bankschulden der Alpine belaufen sich dem Vernehmen nach auf 600 Millionen Euro. Die Gründe für die finanziellen Schwierigkeiten dürften in Süd- und Südosteuropa liegen.

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Wien. „Geschäftsführer Dotter gibt vor den Gesprächen mit den Banken keine öffentliche Stellungnahme ab“, hieß es am Freitag beim Salzburger Baukonzern Alpine auf Anfrage der „Presse“. Tags zuvor war publik geworden, dass auf das zweitgrößte Bauunternehmen Österreichs massive Wertberichtigungen zukommen könnten. Laut einer Untersuchung des Wirtschaftsprüfers KPMG könnten diese Wertberichtigungen bis zu 400 Millionen Euro ausmachen. In diesem Falle hätte das Unternehmen ein massives Liquiditätsproblem.

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Bei den kolportierten Zahlen handle es sich um ein Szenario von vielen, erklärte die Alpine. Und es sei natürlich das Worst-Case-Szenario, das den Medien zugespielt worden sei. Tatsächlich rechne man nicht, dass dieses eintreten werde. Dass es heuer allerdings zu markanten Wertberichtigungen kommen dürfte, das wurde am Donnerstag gegenüber der „Presse“ nicht ausgeschlossen. Man müsse davon ausgehen, hieß es. Schlimmstenfalls drohe dem Unternehmen heuer ein negatives Ergebnis von 263 Millionen Euro, heißt es in der KPMG-Expertise.

Die Gründe für die finanziellen Schwierigkeiten dürften in Süd- und Südosteuropa liegen. Dort hat die Schuldenkrise vor allem auch die Bauwirtschaft arg gebeutelt. Die Alpine habe nun mit massiven Zahlungsausfällen zu kämpfen, heißt es in Salzburg. Dies ist auch der Grund, warum Alpine-Holding-Chef Johannes Dotter erst im Sommer einen Rückzug aus diesen Regionen angekündigt hat. Die Alpine wolle sich vor allem auf die Kernmärkte in Österreich, Deutschland, Tschechien und der Slowakei konzentrieren.

Dass die Probleme mit dem Mutterkonzern FCC Construcción aus Spanien zusammenhängen, wird in Salzburg hingegen bestritten. Bekanntlich geht es der spanischen Bauwirtschaft schlecht. „Die Alpine hat keine Bauprojekte in Spanien“, heißt es. Ob die Spanier allerdings bereit oder in der Lage sind, der Alpine finanziell unter die Arme zu greifen, ist ungewiss. Die Alpine erklärte dazu: „Der Eigentümer hat seine volle Unterstützung zugesagt, die Liquidität ist ausreichend gesichert.“

Vorerst führt Alpine-Chef Dotter Verhandlungen mit den Gläubigerbanken Erste Bank, Raiffeisen Oberösterreich, UniCredit und der russischen VTB. Die Bankschulden der Alpine belaufen sich dem Vernehmen nach auf 600 Millionen Euro. Zusätzlich muss der Baukonzern drei Anleihen mit einem Volumen von 290 Millionen Euro bedienen.

 

Krise gepaart mit Fehlern

Die Probleme des Konzerns, der 15.000 Mitarbeiter beschäftigt und in 30 Ländern tätig ist, dürften aber nicht nur mit der schlechten Konjunktur zusammenhängen. Anfang des Jahres übernahm der frühere Porr-Manager Dotter das Kommando bei der Alpine. Und seither rührt er auch im Management kräftig um. Gleich vier Manager mussten mittlerweile den Hut nehmen. Neben dem früheren Alpine-Holding-Geschäftsführer Werner Watznauer traf es auch die Alpine-Bau-Geschäftsführer Christian Trattner, Karl Gruber und Roman Esterbauer. Mit den Abgängen sei auch eine langjährige Entscheidungsschwäche in der Unternehmensführung behoben worden, hieß es im Baukonzern.

Nachdem der frühere Alpine-Chef und Firmenmitbegründer Dietmar Aluta-Oltyan heuer seine letzten Anteile abgestoßen hat, gehört der Baukonzern zu 100 Prozent der spanischen FCC Construcción. Die Alpine wies 2011 einen Umsatz von 3,5 Mrd. Euro und einen operativen Gewinn (Ebit) von 48Mio. Euro aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2012)

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10 Kommentare
Gast: Nepomuk
16.10.2012 08:41
0 0

Wovon leben Zeitungen?


Naja, häuptsächlich von Sensationsnachrichten.
Das gilt im Speziellen für das Profil.

Wirtschaft ist aber nun ein Auf und Ab.
Ewigen Gewinn gibt es nicht. Warum sollen Baufirmen in wirtschaftlichen schwierigen Zeiten keine Einbrüche haben?

Und da ist ganz und gar nichts Besonderes dabei.

2 2

Wie kommt der KPMG Bericht ins Profil?

Wahrscheinlich hat einer der gefeuerten Manager diesen widerrechtlich mitgehen lassen um so seinem früheren Arbeitgeber eine ans
Bein geben zu können.
Dieser Bericht wurde laut Zeitungsberichten schon vor einiger Zeit dem Eigentümer vorgelegt. Er ist möglicherweise nicht brandaktuell.
FCC ist ein großer Konzern mit 90.000 Mitarbeitern, international tätig mit sehr gut vernetzten und kompetenten Eigentümer. Bloß weil sie in Spanien die zentrale haben, sind sie nicht disqualifiziert.
Sie haben kürzlich die Alpine gekauft. Da geht man nicht einfach zur Billa und kauft ein sondern solchen Transaktionen geht eine gründliche Betriebsprüfung voraus, die, wenn nicht strafbare Handlungen vom Vorbesitzer vorliegen, extreme Schwächen aufgezeigt hätten. Dafür würde der Vorbesitzer haften müssen.

230 Mio Verlust ist in etwa der Gewinn von 5 Jahren. Das kann ein kompetentes Management aufholen.

So gesehen, hat jene Person die diesen Bericht gezielt dem Profil zugespielt und dem Profil einen Sensations-Einseiteter beschert hat, in erster Linie die Anleihenbesitzer getroffen, die in begreiflicher Panik die Bonds jetzt zum halben Preis verscherbeln.

Ich habe diesen Bond nach eingehender Prüfung auch gekauft und werde ihn sicher nicht in Panik verkaufen!! Weniger als 45 wird er nicht fallen, sonst wäre es schon. Jetzt muss man einen vernünftigen Kopf behalten. Die Banken und der Eigentümer lassen die Alpine nicht sterben! Sie werden aber sehr gerne die Bonds um 50% kaufen!!

Re: Wie kommt der KPMG Bericht ins Profil?

Wie soll die FCC helfen???? Die FCC hat ihre Kreditlinien bei den spanischen Banken mit der guten Alpine STory erhalten.nun ist es damit wohl vorbei. Dotter wird auch bald Geschichte sein.dafür wird schon der spanische Wirtschaftsprüfer sorgen,welcher voriges Jahr eine tolle Bilanz testiert hat.

Antworten Gast: Sorry
11.10.2012 22:31
1 1

Re: Wie kommt der KPMG Bericht ins Profil?

Sg Dihaus
Sie tun mir echt leid. Die Frage war nie ob sondern wann? Bloomberg hat heute das Papier mit 35 quotiert! 1. Googeln Sie FCC - die haben Problemforderungen iHv 1,8 bil. Euro in Spanien und echt vieles nur kein Geld! 2. Mehr als die Hälfte des Managements von damals arbeitet jetzt woanders - und alle sagen was ich am Anfang gesagt habe; apropos kompetente Manager - die jetzigen haben es verbockt und versteckt - also jetzt sollen Sie was machen? 3. Bei der nächste Prüfung geben Sie mehr Acht auf Cash Flow - da kann man echte Gewinne von Träume und Hoffnung trennen 4. die Banken haben der Erlös der Anleihe dafür genutzt um eigene Risiko zu Reduzieren i.e. Sie haben deren Kredite bezahlt!!!! 5. wie erklären Sie sich dass ein fremder Prüfer Mitte des Jahres prüft?Alpine wird von Delloite geprüft. 6. Strabag ist eine der besten in Ö. Swietelsky ist auch ganz OK - und die haben auch Profitabilitätsprobleme .... Sorry echt!!!

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Re: Re: Wie kommt der KPMG Bericht ins Profil?

WennSie das alles so genau wissen, warum kommentieren sie als "Gast"? Sie machen nicht den Eindruck eines "neutralen Anlegers" sondern eher als jemand, der der Alpine schlecht gesinnt ist.
Ich will hier nicht Lesern wie Ihnen entgegnen, sondern Bondholdern raten, die richtige Einstellung zu finden. Am ersten Tag einer derartigen Entwicklung ist man als "nicht Insider" sowieso schon "gelegt". Das wollte offensichtlich jene Person, die den KPMG Bericht dem Profil zugespielt hat, erreichen. Sympatisieren sie mit dieser Person?

Fakt ist dass ein Unternehmen dieser Grösse sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, über Wasser halten kann. Das ist wichtig für die 15.000 Mitarbeiter, auch jene die möglicherweise in Spanien sind unc das ist wichtig für die Bondholder.
Wer Bonds von Alpine hat, hat über Nacht sowieso schon die Hälfte verloren. Es wird in einigen Wochen wieder steigende Kurse geben.
Kaufen Sie jetzt noch was sie können und partizieren Sie an diesem Titel. Das lindert Ihren Groll gegen die Alpine. Wenn sie zur Haselsteiner Partie gehören, stehen ihnen die schwereren Zeiten vielleicht noch bevor. Hoffentlich haben sie dann etwas ähnliches wie FCC im Hintergrund,

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Re: Re: Re: Wie kommt der KPMG Bericht ins Profil?

"Fakt ist dass ein Unternehmen dieser Grösse sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, über Wasser halten kann."

Ein "too big to fail" gibt es nicht. Jeder Konzern, egal wie groß er ist kann pleite gehen. Siehe Lehman Brothers, siehe Parmalat, siehe Quelle Versand, siehe Schlecker, oder auf österreichischem Maßstab siehe Konsum Österreich.

Gast: UKW
11.10.2012 21:27
1 0

Warum nur?

Sind die Manager bei der falschen Partei?

Gab es zu wenig Aufträge vom Staat?

Wurden die Parteimitgliedsbeiträge nicht bezahlt?

Damals und heute.....

Der Firmenmiteigentümer hat rechtzeitig gewusst, dass er das Schiff verlassen soll und sich seine Anteile rechtzeitig gesichert - dass das Unternehmen schon vor 6 Jahren ordentlich in die Schlagzeilen geriet bewies auch ein aufsehenerregender Korruptionsprozeß in Müchen (mit Verurteilungen!) Weshalb "Die Presse" dies alles jetzt verschweigt?????? Selbstverständlich
gab es für das große Unternehmen durchwegs sehr positive, eindrucksvolle Entwicklungen -allein schon die Zahl der Mitarbeiter beeindruckt!
Dass nun ausgerechnet Spanier die Eigentümer geworden sind, klingt angesicht der Zustände in Spanien schon sehr seltsam....

Gast: oko
11.10.2012 21:00
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wohnungsbau in wien

wenn die anderswo auch so gebaut haben, wie meine Wohnung in Wien, dann wundert mich nichts.
Mir wurde immer gesagt: das ist ein bedauericher Einzelfall

Recherche der Arbeitsqualität wäre interessant

Wie geht es weiter?

Was bringt wenn die Presse ständig über alte kammellen berichtet? Die bringen niemanden weiter…

Die Firma wurde vor 50 Jahren gegründet! Wenn die Arbeitsqualität so schlecht wäre, dann würde es heute nicht zu den größten Bau-Unternehmen Österreichs zählen! Das darf man genauso wenig vergessen!
Ich hoffe sehr, dass momentan viel Lärm um nichts (fast nichts) gemacht wird und alles gut geht.
Die größten Gedanken mache ich mir um die Angestellten! Jeder Einzelne muss bangen und das wäre sehr schade, wenn viele plötzlich arbeitssuchend wären!
Komisch, diese Menschen geraten in Vergessenheit Bsp. Schlecker. Wer fragt heute noch danach?!?

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