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Weidmann: "Geldpolitik ist keine Wunderwaffe"

12.10.2012 | 06:26 |   (DiePresse.com)

Der deutsche Bundesbankpräsident kritisierte das EZB-Anleihenprogramm. Bei der Konjunkturabkühlung warnt er vor übertriebenem Pessimismus.

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Der Chef der deutschen Bundesbank, Jens Weidmann, hat angesichts der weltweiten Konjunkturabkühlung vor übertriebenem Pessimismus gewarnt. Die Weltwirtschaft befinde sich derzeit zwar in einer schwierigen Situation. "Die ist aber kein Grund für Schwarzmalerei", sagte Weidmann am Freitag in Tokio vor Beginn der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank.

Die deutsche Wirtschaft befinde sich weiter in einer robusten Verfassung, bekomme aber die Lage in der Euro-Zone zu spüren. Die Nachfrage aus Euro-Ländern sei schwach, Investitionen der Unternehmen seien trotz vorteilhafter Finanzierungsbedingungen zuletzt ins Minus gerutscht. Dies sei auch Ausdruck der Unsicherheit in der Euro-Schuldenkrise, sagte Weidmann. Für das Winterhalbjahr erwarte die Bundesbank eine "konjunkturelle Seitwärtsbewegung".

Gründe für Eintrübung mehrschichtig

Als einen Grund für die eingetrübte Welt-Konjunktur nannte Weidmann neben den Energiepreisen sowie der Unsicherheit durch die Euro-Staatsschuldenkrise befürchtete Auswirkungen der in den USA drohenden Steuererhöhungen bei gleichzeitig automatisch in Kraft tretenden drastischen Budgetkürzungen. Auch der IWF hatte wegen dieser zum Jahresende greifenden "Fiskalklippe" ("fiscal cliff") vor einem Rückfall der US-Wirtschaft in die Rezession gewarnt.

Weidmann warnte erneut die Politik nicht nur der Euro-Zone davor, allein mit der Notenpresse die Probleme zu lösen. "Die Geldpolitik stellt kein Allheilmittel dar und ist keine Wunderwaffe", sagte der Bundesbank-Präsident, der die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB), unbegrenzt Staatsanleihen aus Problemländern anzukaufen, mehrfach kritisiert hatte.

Zentralbanken nicht alleinige Problemlöser

Weidmann zeigte sich besorgt darüber, dass sich die Erwartungen der Politik mehr und mehr auf die Zentralbanken als Problemlöser richteten. Dies betreffe nicht nur die Euro-Gruppe, sondern auch andere Währungsräume: "Letztlich können die Ursachen der Krise nur durch die Regierungen beseitigt werden."

"Was mir ... etwas Sorge bereitet ist, dass sich die Hoffnungen und Erwartungen der Politik mehr und mehr auf die Zentralbanken richten als Problemlöser für konjunkturelle und fiskalische Probleme", sagte Weidmann. Es sei wichtig zu unterstreichen, dass die Geldpolitik "kein Allheilmittel darstellt, keine Wunderwaffe". Sie könne die Probleme der Krise nicht grundlegend lösen, sondern "nur unter Dehnung ihres Mandats kurzfristig finanzieren". Damit drohe sie in das Schlepptau der Fiskalpolitik zu geraten, mahnte er. Letztlich sei es Sache der Regierungen, mit fiskalischen und strukturellen Reformen zu handeln.

Lagarde: Weltfinanzsystenm mehr schützen

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, hat ihre Forderung nach einer tatkräftigeren Stabilisierung der internationalen Finanzmärkte erneuert. Auch fünf Jahre nach der verheerenden Bankenkrise sei das Weltfinanzsystem weiterhin zu verwundbar, sagte Lagarde zum Auftakt der dreitätigen IWF- und Weltbank-Jahrestagung am Freitag in Tokio. Trotz aller erfreulichen Fortschritte seien die nötigen Reformen längst nicht abgeschlossen, mahnte sie.

Weltbank-Präsident Jim Yong Kim sagte in seiner anschließenden Eröffnungsrede, dass vor allem die andauernde ökonomische und finanzielle Instabilität in Europa das Wachstum und die Arbeitsplätze in den Entwicklungsländern bedrohe. Er warnte davor, in diesem "herausfordernden Umfeld" den Kampf gegen die Armut auf der Welt aus den Augen zu verlieren.

(APA/dpa/Reuters)

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3 Kommentare
Gast: Chrematistikus
12.10.2012 13:20
0 0

Sie haben (leider) recht!

Schon in den ersten VW-Vorlesungen wird klar zwischen Fiskal- und Geldpolitik unterschieden.

Monetäre Probleme gilt es mittels Geldpolitik zu bekämpfen, realwirtschaftliche Krisen mittels Fiskalpolitik.

Und heute macht mans gerade umgekehrt: Die unsicheren Finanzmärkte versucht man mittels eines Fiskalpakts zu stabilisieren und Arbeitslosigkeit sollen niedrige Zinsen beseitigen – hat bisher noch nie funktioniert.

Die unter 2) beschriebenen Phänomene sind ein klarer Hinweis auf das Ende eines längeren Technologiezyklus. Und das Aufblähen der Finanzsphäre bezeichnete Schumpeter als die Zweite Welle – die perverse Elastizität des Kreditgeldmarktes lässt eine spekulative Geldblase entstehen.

Ohne Zerstörung dieser Finanzvermögen wird es keine schöpferische Welle in der Realwirtschaft geben - bis dieser Schnitt vollzogen ist stecken wir in einer „balance sheet recession“.

Ist Weidmann der einzige mit Hirn bei denen?

Weidmann hat verstanden, was er kann und wo seine Grenzen sind.
Lagarde will noch immer durch aufgeblasene Bilanzen ein potemkinsches Dorf aufstellen.
Und Jim Yong Kim glaubt noch immer dass der Finanzbereich irgendwelche Arbeitskräfte schafft oder vernichtet.

Wir stehen vor 2 strukturellen Probleme:
1) Der Finanzbereich hat uns was vorgegaukelt und uns glauben gemacht, dass es ohne ihn nicht geht. Diese Wahnvorstellung muss beendet und bereinigt werden
2) Unsere reale Wirtschaft steht vor einem Strukturwandel, wo Maschinen und Computer den Menschen ersetzen. Hier noch von Vollbeschäftigung zu reden ist eine Verkennung der Situation.

Weidmann weiß dass, weil die Deutschen (und die Österreicher) in der Industrie und in der Dienstleistung eine Vorreiterrolle spielen.
Es gewinnen jene die am meisten automatisieren! Diese Umstellung hat gesellschaftliche Auswirkungen.

Aber vor dieser Aufgabe verschließen die Wähler und die Politiker ihre Augen und träumen noch immer von arbeitslosen Gewinnen, die es nur in den Boom/Inflationszeiten ab den Ende 60ern gegeben hat.

Re: Ist Weidmann der einzige mit Hirn bei denen?

Die Politik erinnert hier an Chirurgen, welche zwar nur Taxisfahren gelernt haben (Verzeihung, Faymann konnte ich hier nicht weg lassen), aber im OP den Staatskörper operieren. Dabei werden ihnen die Handgriffe zwar manchmal von "Sachverständigen" vorgesagt, welche eventuell sogar "Chirurg" studiert, diesen Beruf aber selten bis nie in der Praxis ausgeübt haben.

Und die Taxisfaherer versuchen dabei die Schmerzsymptome (Schulden) operativ (mit neuen Steuern) zu behandeln, wobei jedoch die Ursache selbst (Ineffizienz der Staatsverwaltung, falsche Erwartungshaltungen, ...) unberücksichtigt bleibt.

D.h., aber auch, dem Operationsproblem vorgelagert ist falsche Diagnose, erstellt von Personal mit falscher Berufsausbildung und Null Praxis in der Wirtschaft des täglichen Lebens.

Hobbyökonom