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Wirtschaftsnobelpreis: Die „Spieler“ räumen ab

15.10.2012 | 18:17 |  von Matthias Auer (Die Presse)

Der Wirtschaftsnobelpreis geht an die US-Ökonomen Alvin Roth und Lloyd Shapley. Sie kümmern sich nicht um Schulden und Finanzkrisen, sondern um Nierenspenden.

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Wien. Der Mensch ist längst kein reiner Nutzenmaximierer mehr. Er ist ein Spieler. Mit den beiden US-Ökonomen Alvin Roth und Lloyd Shapley ging der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bereits zum neunten Mal an Vertreter der Spieltheorie. Diese Disziplin beschäftigt sich mit Konflikten, bei denen das Ergebnis für alle Teilnehmer stets von den Entscheidungen der anderen abhängt. Um zu „gewinnen“, muss also jeder Einzelne immer auch richtig einschätzen, was die anderen Mitspieler tun werden.

Die beiden diesjährigen Preisträger Lloyd Shapley und Al Roth wurden für ihre Theorien der „stabilen Verteilungen und die Praxis des Marktdesigns“ ausgezeichnet, begründete die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften ihre Entscheidung am Montag in Stockholm.

Märkte von Manipulation befreien

So hat etwa Lloyd Shapley, heute emeritierter Professor der Universität von Kalifornien, einen Weg gefunden, wie Wirtschaftswissenschaftler Märkte möglichst sicher vor Manipulation machen können. Ausgehend von der Frage, wie sich eine Gruppe von Männern und Frauen trotz unterschiedlicher Vorstellungen vom Traumpartner unter die Haube bringen lassen, fand der heute 89-jährige eine Lösung, bei der letztlich alle zufrieden waren – und hielt diese unter dem Namen Gale-Shapley-Algorithmus fest.

Soweit die Theorie. Auf den Boden der Realität gebracht hat dieses Modell der knapp 30 Jahre jüngere Al Roth. „Manche sagen, die Ökonomie habe alle Werkzeuge, aber einen Mangel an interessanten Problemen“, zitiert das US-Magazin Forbes den Forscher. „Ich sehe überall Probleme.“

Die großen politischen Probleme der Makroökonomie klammerte der langjährige Harvardprofessor, der heuer an die Universität Stanford wechselt, jedoch meist aus. Statt um Staatsschulden und schlecht konstruierte Währungssysteme kümmerte er sich lieber um Nierenspenden.

Tauschbörse für Nierenspender

Jedes Jahr sterben Nierenkranke, weil es für sie kein passendes Spenderorgan gibt. Um den Anreiz für Spender zu erhöhen, könnten die Nieren mit einem Preis versehen werden. In der Praxis ist das allerdings heikel, weil so auch der illegale Organhandel gefördert würde. Das ist aber noch kein Grund, bei der Verteilung der Organe auf den Markt zu verzichten, sagte Roth – und baute eine Tauschbörse für Nierenspender auf.

Patienten, die einen Verwandten haben, der zwar gerne spenden würde, aber nicht kompatibel ist, können ihn nun an dieser Börse zum Tausch anbieten. Je mehr Menschen der Nierenkranke überzeugt, desto höher seine Chancen, einen passenden Tauschpartner zu finden. Auf Geld verzichtet Roth bei diesem Modell – wie bei den meisten seiner Projekte – komplett. Mittlerweile ist die Nierentauschbörse, die auf dem Gale-Shapley-Algorithmus aufbaut, im US-Bundesstaat New England im Einsatz – mit großem Erfolg.

Nobelpreis: Die bekanntesten Wirtschafts-Preisträger

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Die Kritik am Nobelpreiskomitee, dass mitten während der größten Wirtschaftskrise nach dem Zweiten Weltkrieg kein Makroökonom den Preis erhalten hat, kümmert Roth wenig. „Mein Blogeintrag könnte sich heute etwas verzögern“, schrieb er auf seiner Internetseite. „Betrachten Sie mich als überrascht.“ Man wird sehen, ob der Nobelpreisträger sich künftig auch mit Fragen zu Griechenland und Eurokrise herumschlagen wird müssen. Am Sonntag widmete er seinen Blogeintrag noch scheinbar wichtigeren Dingen: dem Nobelpreis und der Frage, warum Nationen, die mehr Schokolade essen, die meisten dieser Preise abräumen.

Auf einen Blick

Die beiden US-Ökonomen Alvin Roth und Lloyd Shapley haben den diesjährigen Wirtschaftsnobelpreis erhalten. Sie wurden für ihre Arbeit über die ideale Verteilung an Märkten gewürdigt.

Die beiden Preisträger teilen sich 930.000 Euro Preisgeld. Anders als die übrigen Nobelpreise war dieser Preis nicht im Testament des Stifters Albert Nobel vorgesehen. Der von der Schwedischen Reichsbank gestiftete Preis wird nach dem gleichen Verfahren vergeben wie alle Nobelpreise.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2012)

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37 Kommentare
 
12

Nur 2 völlig

verfaulte Witzfiguren.

0 0

Re: Nur 2 völlig

jaja.Wer Gier und Eigennutz nach wie vor als Maßstab menschlichen Handelns nimmt, muß so denken. Aber Gauben Sie mir: mit Gier und Eigennutz geht auch nichts mehr.

spieler und nutzenmaximierer

ergänzung zum ersten satz:
spieler und nutzemaximierer widersprechen sich nicht - der mensch "spielt" um seinen nutzen zu maximieren

Gast: Zen
15.10.2012 21:34
5 3

Kein Nobelpreis

Liebe Presse,

den 'Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften' gibt es schlicht nicht. Den Preis den die beiden US-Ökonomen gewonnen haben heißt auch ganz anders. Auf schwedisch lautet der Titel : 'Sveriges Riksbanks pris i ekonomisk vetenskap till Alfred Nobels minne' - Also ein Preis im Gedenken an Alfred Nobel, nicht ein Preis der Alfred Nobel Stiftung.

Jedes Jahr die gleiche Beleidigung für wahre Nobelpreisträger. Ein klare Verletzung der Namensrechte der Stiftung von Alfred Nobel.

P.S.: Bitte auch der APA und AP weiter sagen.

Re: Kein Nobelpreis

1) Danke für die Richtigstellung

2) Überflüssiges wehleidiges Getue

Gast: Halbwissen
15.10.2012 19:53
1 0

Funktionieren tuns jedenfalls, die Märkte ohne Geld !

Da die ganze Welt pleite ist und es immer noch Märkte gibt ...

Gast: Edlinger-Tausender
15.10.2012 19:40
1 1

Wie Märkte ohne Geld funktionieren:

Tausche Nobelpreis gegen Kaugummi.

0 1

Ein Wirtschaftmodell

mit Zukunft, wir werden es bald ausprobieren (müssen).

Praktisch

Könnte man in Athen gleich anwenden.

Gast: USpete
15.10.2012 17:46
1 1

New England

Zur Info: New England ist kein Bundesstaat, es ist ein Gebiet der USA:

http://de.wikipedia.org/wiki/Neuengland

in diesem forum

merkt man echt, wie dumm (ich sage so etwas nicht oft und auch nicht gerne) viele leser sein können. Hinter den überzogen kritischen kommentaren steht entweder ein nationalstolzkomplex, da ja nur die USA die preise abstauben, oder arrogantes und stumpfsinniges wutbürgertum à la "die da oben sind ja alles vollidioten inkl. professoren, politiker, preisträger etc"

Ich finde den Wirtschaftsnobelpreis und volkswirtschafliche forschung _gerade_ in zeiten wie diesen wichtig (jetzt ist die beste zeit wirtschaftskrisen zu analysieren und sich weiterzuentwickeln als gesellschaft).

Die sache mit dem markt für nieren hat übrigens eine wichtige praktische anwendung - leute finden schneller einen passenden organspender und (auch bei anderen körperteilen) sterben viele patienten, wenn es rechtzeitig keines gibt… In anderen staaten ist das problem halt größer, da - nicht wie in ö. - von jeder leiche automatisch organe entnommen werden dürfen.

Antworten Gast: PÖHSE
15.10.2012 17:45
0 5

Re: in diesem forum


Organhändler haben einfach keinen Humor !

Antworten Gast: PÖHSE
15.10.2012 17:09
0 7

Re: in diesem forum


Jaaa, Du bist eh ein irrsinnig gschaftiges Manderl....

0 6

garusius99

wie viele geldmaerkte gibt es? GENAU EINEN. Wieviele Tauschmaerkte gibt es? quasi UNENDLICH VIELE.

die forschung ist VOELLIG irrelevant, weil sie nur fuer einen einzigen markt von quasi unendlich vielen gueltig ist.

aber der nobelpreis zeigt die generelle richtung fuer oekonomie heute. totale irrelevanz.

ps: die kommentarfunktion der presse funktioniert mit internet explorer auf zufaelliger basis.

Gast: PÖHSE
15.10.2012 15:45
0 8

Saure Nierndl'n kann man nicht täglich essen...



Und dafür gibt's den Nobelpreis?

Und Mißwirtschaft samt Wahnsinn zum Quadrat, sprich, die EU- auch preiswürdig?

Man sollte die Kommittees austauschen, die können's nicht .

Antworten Gast: PÖHSE
15.10.2012 16:19
0 5

Re: Saure Nierndl'n kann man nicht täglich essen...


Berufsrotstrichler vom 'Haus für Eurobba' am Werk?

Gast: Nobelexperte
15.10.2012 15:34
2 7

Nierentauschringe?

Eine konfuse Geschichte, aber nach dem Preis für die EU ...

Gast: Marsmensch
15.10.2012 15:32
6 4

--

Was ist aus den Preisträgern geworden, die uns den unregulierten Markt eingebrockt haben, an desen Kriese wir jetzt kauen?

unreguliert?

Kasperl.
Merkst DU das noch immer nicht, daß immer dann, wenn regulierend eingegriffen wird, einiges aus dem Ruder läuft.

Antworten Antworten Gast: Stefan Bach
15.10.2012 23:35
3 0

Re: unreguliert? Deregulierung = Chaos

Hast Du die letzten Jahre verschlafen oder einfach nicht hingesehen?
Die Deregulierung der Märkte verursachten ein Chaos das kaum noch zu bewätigen ist.
Das Land mit den größten Schulden im Finanzsektor ist Großbritannien. Großbritannien hat den am wenigsten regulierten Finanzmarkt aller G10-Länder. Das britische Schulden/BSP-Verhältnis liegt bei atemberaubenden 950%
Das Bankenschulden/BSP-Verhältnis Großbritanniens liegt im Bereich von 600%.
In den Vereinigten Staaten haben die Staatsschulden die Marke von 16.000 Mrd. Dollar überschritten.
Tolle Deregulierung, Schulden für Alle!

Antworten Gast: libertine
15.10.2012 16:13
3 3

Re: --

offensichtlich gibts am mars nix zu lesen, denn ihr kommentar lässt auf nichts ausser ahnungslosigkeit schließen. tun sie sich einen gefallen und suchen sie eine bibliothek auf und füttern sie ihr gehirn mit gehaltvolle information. presse lesen erfodert ein mindestmaß an intelligenz.

Antworten Antworten Gast: Marsmensch
15.10.2012 18:46
2 3

Re: Re: --

Na jetzt haben Sie es mir aber gegeben, ich h hoffe für Sie das es Ihnen einen satten Orgasmus eingebracht hat. Aber wo bleibt die gewünschte Information?? Nicht mal einen Link zu der Information haben Sie geliefert.

Gast: lesen und denken
15.10.2012 14:50
8 0

warum nachdenken?

die beiden nobelpreisträger entwickeln verfahren, die es erleichtern, Turnusärzte zu vermitteln, Nierenspenden zu optimieren, etc.
Und das alles ohne Einsatz von Geld. Ich versteh nicht, warum das so was schlechtes ist.

Warum schimpft das Publikum trotzdem so? Ich versteh das nicht.

Re: warum nachdenken?

Weil es hier immer nur ums schimpfen geht, meistens.
Leider.
Tatsächlich ja eine hoch spannende Forschung, in Richtung Spieltheorie und Märkte.
Preis hin oder her.
Auf der UCLA wissens schon was sie tun.

Gast: vito c
15.10.2012 14:13
1 4

hmmmm

oh, ich liebe nieren. am liebsten kalbsnieren, geröstet.

Gast: Rauhhaardackel
15.10.2012 13:47
1 2

Der EU-preis war noch weniger gerechtfertigt

Schön für die USA, die auch diesen Preis gepachtet haben.
Politisches Staement war es wohl keines sondern eher eine Freunderlkorruption zwischen Kollegen, die die schw. Reichsbank veranlasst hat, den Preis an die US-haberer zu verleihen.

 
12

Hobbyökonom