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Handel: Zahlt Handelsriese H & M fairen Lohn?

18.10.2012 | 17:16 |   (Die Presse)

Gewerkschaften aus Österreich, Deutschland und der Schweiz wollen gemeinsam gegen die Lohnpolitik des Handelsriesen aus Schweden vorgehen. Stein des Anstoßes ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofs.

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Wien/JUK. Karl Proyer scharrt bereits in den Startlöchern. „Wir haben mit H & M noch eine Rechnung offen“, sagt der Vize-Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten. Und um diese zu begleichen, hat die Arbeitnehmervertretung sich Unterstützung aus dem Ausland geholt.

Die GPA-DJP will mit den Gewerkschaften aus der Schweiz und Deutschland (Unia beziehungsweise Verdi) Stimmung gegen den Moderiesen aus Schweden machen. Was genau geplant ist, verrät Proyer noch nicht. „Sie können aber davon ausgehen, dass es eine ordentliche Kampagne wird“, sagte er am Dienstagabend vor Journalisten.

„Falsche Einstufung im KV“

Stein des Anstoßes ist ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, wonach Kassierinnen im Handel in die Beschäftigungsgruppe drei des Kollektivvertrags einzustufen sind statt in die Gruppe zwei. Der Mindestlohn beträgt für beide Beschäftigungsgruppen 1350 Euro brutto. Die Gehaltskurve von Kassiererinnen steigt allerdings steiler an. Nachdem das Höchstgericht der Beschwerde einer Angestellten recht gab, die sich falsch eingestuft fühlte, stuften große Ketten wie XXXLutz, Kika oder Baumax ihre Mitarbeiter neu ein. Rewe (Billa, Merkur, etc.) und Spar betonten, ihre Mitarbeiter ohnehin „richtig“ entlohnt zu haben.

Nur an H & M beißen sich die Gewerkschafter offenbar die Zähne aus. Berichten zufolge hat auch der Moderiese aus Schweden auf das OGH-Urteil reagiert, allerdings mit seiner ganz eigenen Strategie: Die Geschäftsführung soll eine Weisung an die Leiter der Filialen erteilt haben, Mitarbeiter weniger als die Hälfte ihrer Arbeitszeit an der Kassa zu beschäftigen. Man denke nicht daran, die Einstufung in die höhere Gehaltsstufe zu vollziehen.
Offiziell will der Marktführer im heimischen Modehandel (vor C & A und Peek & Cloppenburg) davon nichts wissen. Man halte sich an alle gesetzlichen und im Kollektivvertrag festgelegten Bestimmungen.

Das Urteil aus dem Vorjahr jedoch beziehe sich auf „reine Kassenkräfte in Supermärkten“, ein Berufsbild, das es im schwedischen Unternehmen nicht gebe – ergo: Das Urteil betreffe H & M nicht. Die Mitarbeiter seien nicht überwiegend an der Kassa beschäftigt, sondern würden „vielfältige Tätigkeiten“ ausüben. Mit der Gewerkschaft befinde man sich bereits in einem „offenen Dialog“ und sei zu konstruktiven Gespräch bereit.

Kommenden Mittwoch fällt der Startschuss für die Kollektivvertragsverhandlungen im Handel. Ausgehend von einer Inflationsrate von 2,7 Prozent erhofft sich die Gewerkschaft eine „deutliche Reallohnerhöhung“. Die Arbeitnehmervertreter fordern, dass für die sechste Woche Urlaub, die ab 25 Dienstjahren gewährt wird, auch frühere Dienstverhältnisse anerkannt werden.

Auf einen Blick
Kassamitarbeiter von H & M sollen zu wenig Geld erhalten, weil sie der falschen Beschäftigungsgruppe im Kollektivvertrag zugeteilt sind. H & M argumentiert, dass es sich bei den Mitarbeitern nicht um Kassierinnen handelt, ein OGH-Urteil, das die Einstufung in eine höhere Beschäftigungsgruppe vorschreibt, sie also nicht betrifft. Gewerkschaften aus der Schweiz, Österreich und Deutschland planen nun eine Negativkampagne.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2012)

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26 Kommentare
 
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Das wirklich schöne...

hier ist die Tatsache, dass die Gewerkschaften mehrerer Länder GEMEINSAM, GLEICHZEITIG und KOORDINIERT gegen einen Konzern vorgehen um das Drohpotenzial zu maximieren!

Ich will mehr davon in der Zukunft sehen!!!

Der Globalisierung der Unternehmen muss auch eine Globalisierung der Arbeitnehmerinteressen folgen!

Gast: phj
19.10.2012 13:24
0 0

„Falsche Einstufung im KV“

Da haben die Gewerkschaften wohl etwas verschlafen.
Der KV sollte auch, wenn auch nur geringe Arbeit an der Kassa, diese berücksichtigen.
In Form eines "Kassastundengeldes".
Das Rotationssystem ist ja nichts Neues und gibt es schon viele Jahre.

Gast: geschlechtsneutral?
19.10.2012 05:45
4 0

Kassierinnen?

welcher sexistische Unhold hat den diesen Artikel verbrochen?

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Kein Einkauf bei unsozialen Unternehmen

Kaufboykott ist die einzig richtige Reaktion.Man hat es als Konsument in der Hand die Arbeitsbedingungen dieser Arbeitnehmer entweder zur Kenntnis zu nehmen oder sich zu solidarisieren und hoffentlich eine Veränderung zu bewirken.

ja ja

nur auf die gewerkschaft verlassen... realität in US, bald auch in Ö: self checkout und andere neuerungen. hier in NY kommt mein gross-supermarket mit 1 kassiererin aus, plus 16 automatische kassen. kommt mir nicht mit service, das braucht man selten und ich empfinde es als wohltat nicht von unmotiviertem personal angegrantelt zu werden. also nur weiter so, gewerkschaft beschleunigt so nur die zukunft;)!

Re: ja ja

das sagen sie als Kunde, ich als Verkäuferin bin jedoch froh, diesen Job zu haben. und in meinem Geschäft sind die Kunden durchaus froh darüber, bedient zu werden und einen gewissen Service zu bekommen. Also frage ich mich, wie sie zu dieser Annahme kommen?
btw - Würde ich nicht richtig bezahlt werden, wie ja anscheinend die H&M-KassiereInnen, wäre ich froh darüber, dass jemand was dagegen unternimmt.

hennes und mauritz ist eines der miesesten unternehmen ....

in punkto corporate social responsibility.

sie zerstören die umwelt, lassen ihre produkte unter schlimmsten bedingungen in bagladesh fertigen, kassieren für die verwendung von us-baumwolle hohe förderungen, und betrachten ihre verkaufsmitarbeiter als nützliche idioten.

mir ist es ein rätsel, daß junge menschen noch immer dort einkaufen.

Re: hennes und mauritz ist eines der miesesten unternehmen ....

"mir ist es ein rätsel, daß junge menschen noch immer dort einkaufen. "

mir nicht. denn der preis passt. und die marken haben nicht ganz so einen flair wie die von cick oder wie die kette heißt.

merke: höhere löhne (auch im handel, nicht nur in der Produktion) ziehen höhere preise nach sich. höhere preise lassen unter umständen, speziell mit mäßig qualitativer ware, den gesamtumsatz schwinden. schwindet der gesamtumsatz und damit auch der gewinn, wird eingespart. und wo passiert das? na, da, wo die höchsten kosten bei (verhältnismäßig) minimaler gegenleistung (die dazu noch in der regel mit minimalem einschulungsaufwand ausgetauscht werden könnte) entstehen.

mit einem wort: gewerkschaften garantieren im 21. Jahrhundert jobverlust. und das trotzdem man mit der "mitgliedskarte" zu reduzierten kosten in "kulturelle veranstaltungen" kommt.

sachen gibt's. es is a wahnsinn.


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Re: Re: hennes und mauritz ist eines der miesesten unternehmen ....

Rechnen Sie sich einmal aus, wie hoch der Umsatz einer solchen Filiale ist und welchen Unterschied es bedeutet, ob die Mitarbeiter ein paar tausend Euro mehr oder weniger kosten.

Gewerkschaften garantieren keinen Jobverlust. Ich möchte nicht, dass Leute - so wie in Deutschland - ganztags tüchtig arbeiten und dafür - vom Gesetzgeber her legalisiert - so wenig bezahlt bekommen dürfen, dass sie zusätzlich Hartz4 brauchen um überhaupt leben zu können.

ich hoffe, ...

das wird schon bald der/die letzte konsumierende verstanden haben und gemäß der dann vorhandenen einsicht auch entsprechend handeln!

es kann aber auch sein...

dass die Arbeit von den Kassiererinnen nicht mehr wert ist, dann kann auch nicht mehr bezahlt werden. Und der Staat zockt ja auch über 50% ab.

Sicher, über 50% bei einem Bruttolohn von 20.000 Euro jährlich

und das bei einem steuerfreien Betrag von 8.000 in D und sogar 11.000 in Österreich.

Und danach Einstiegssteuersätze von 18% in D und 36% in Ö (mit Berücksichtigung der 1/6 Regelung 32%).

Durchgerechnet (inklusive MWST) kommst auch mit der SV nie auf 50%

Re: Sicher, über 50% bei einem Bruttolohn von 20.000 Euro jährlich

SV sind alleine ca. 40% (20%AN+20%AG-anteil) - sollens aufgrund der niedrigen Steuern eben 45% sein. Ist aber immer noch eine enorme staatliche Abzocke...

0 2

Re: es kann aber auch sein...

50% von mehr sind auch mehr. Die Konzentration und Verantwortung an der Kassa ist wohl etwas höher als wenn man Kunden zeigt wo die Unterhosen-Abteilung ist.

Re: Re: es kann aber auch sein...

Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, daß es nch ein Manko-geld gibt.

Gast: Gregorx
18.10.2012 10:42
5 2

Gut so

Schon richtig, dass gegen Ausbeutung vorgegangen wird!!!!

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Warum

Wenn ich das Wort Gewerkschaft höre, erinnere ich mich immer wieder an Mafia und Vatikan! Warum ist das so? Vielleicht wegen dem Äußeren der Gewerkschafter, der Primitivität oder doch der Falschheit???

Re: Warum

Leute wie Sie sind es, die als erstes schreien würden wenn es keine 5 Wochen bezahlten Urlaub, mehr als 40 Stunden/Woche (ohne Lohnausgleich versteht sich) oder ähnliches geben würde.

Das (und noch einiges mehr) sind alles Dinge, die wir den Gewerkschaften verdanken!

3 3

Re: Re: Warum

VOLKSVERBLÖDUNG HAT VOLL GEGRIFFEN!!! Alles was Du anführst habe ich bereits geleistet, Du auch??? Du weißt wohl nicht was Arbeit heißt. Solltest ein wenig mehr lesen und recherchieren, dann würdest auch Du wissen wer und was Gewerkschaft ist!!!

Re: Re: Re: Warum

Danke, ich arbeite seit mehr als 20 Jahren, ich brauch Deine Belehrungen nicht.
Und ja, ich habe auch schon solche Jobs gehabt. Und ich bin froh darüber dass es Gewerkschaften gibt, die dem einen Riegel vorschieben.

6 2

Re: Warum

Als die Gewerkschaft noch stark war, ist es allen gut gegangen in Österreich. In Österreich ist es noch nicht so weit, aber in Deutschland ist es schon ein Glücksfall sogar für einen jungen Akademiker, wenn er wenigstens leben kann von seinem Einkommen. Ohne Auto, ohne großartige Reisen. Nur leben.

Antworten Gast: Johann S
18.10.2012 11:47
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Re: Warum

Die pauschale Verunglimpfung von Arbeitnehmervertreten,weist Sie nicht gerade als sachlichen User aus.

Antworten Antworten Gast: Gegenpart
19.10.2012 08:15
1 0

Re: Warum

:
D.: Branche Zeitarbeit, Gewerkschaften wurden installiert damit ein Tarifpartner existiert, um einen Tarifabschluss vorweisen zu können, andernfalls (verkürzt, wenn kein Tarifvertrag für ZAF existiert) würde Equal-Pal gelten.
Bonus (neg. für AN): für Klitschen können zw. einem lokalen(!) Vertreter der Gewerkschaft und der Fa. sog. Haustarifverträge geschlossen werden, die regelmäßig nochmal zu Ungunsten der Arbeitgeber abweichen. (Sonst könnte man ja auch denNnormalen nutzen)

Im Grunde sind die Erfolge der gegenwärtigen Gewerkschaften nicht größer als die, die ihnen freundlich eingeräumt werden. Ich meine (&bildlich,überzogendargestellt), dass sie im Gegenteil berechtigen Versailler-Verträge gegenzuzeichnen und dies dann noch als Erfolg verkaufen.
Gegenüber den in "Ich-tanze-Eure-Interessen"-Vertreter/innen, bevorzuge ich Rambo-Feilscher und Partisanen-Verhandler.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gegenpart
19.10.2012 10:35
0 0

Re: Re: Warum : Korrektur

Schreibfehler!:
Es muss lauten: "..., die regelmäßig zu Ungunsten der !Arbeitnehmer! abweichen."

1 1

Re: Re: Johann S

Ich spreche von den Systemen, vereinzelt finden sich sogar in der Mafia ehrwürdige Menschen!

Antworten Antworten Antworten Gast: Johann S
18.10.2012 15:28
2 2

Re: Re: Re: Johann S

Hab mich über Ihre Unsachlichkeit doch nicht getäuscht.

 
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Hobbyökonom