Redmond/Wien/Rie. Als Microsoft sein Betriebssystem Windows 95 vorstellte, standen die Menschen in den Geschäften Schlange, um als Erste die neue Software auf ihrem PC installieren zu können. In Wien gab es sogar ein mitternächtliches Verkaufsevent am Schwedenplatz, zu dem sich hunderte Computerfreaks versammelt hatten.
Das war vor 17 Jahren. Seither bleibt niemand mehr länger für ein Microsoft-Produkt wach oder stellt sich in eine lange Schlange. Schlange stehen die Menschen heute für neue iPhones und iPads von Apple, das 1995 nicht einmal als Konkurrent anerkannt war. Damals stand die von Steve Jobs gegründete Firma vor der Pleite, Microsoft gab auf dem Computermarkt weltweit den Ton an. Mittlerweile treibt Apple mit seinen innovativen Produkten die IT-Branche vor sich her und ist wesentlich dafür verantwortlich, dass Microsoft derzeit stark unter Druck ist.
Diese Woche versucht die Firma aus Redmond (US-Bundesstaat Washington) einen Befreiungsschlag mit gleich drei Produktpräsentationen: Am 26. Oktober kommt das neue Betriebssystem Windows 8 in die Geschäfte, fast zeitgleich werden neue Handys von Nokia und HTC mit dem Microsoft-Betriebssystem präsentiert. Alle Hoffnungen ruhen aber auf dem ersten Tablet von Microsoft, dem „Surface“, das ab Ende der Woche erhältlich ist. Mit mehr als zwei Jahren Verzögerung reagiert der Konzern damit auf das erfolgreiche iPad von Apple, das zu einem Einbruch bei den Verkäufen von Notebooks führte und damit auch für weniger Umsatz von Microsoft. Wird das Surface ein Flop, könnte das in einem Desaster für das ganze Unternehmen enden.
Flops mit Zune und Kin
Microsoft kämpft mit sinkenden Verkäufen bei seinen klassischen Softwareprodukten. Allein im vergangenen Quartal ging der Konzernumsatz um acht Prozent auf 16 Mrd. Dollar zurück, der Gewinn brach um 22 Prozent auf 4,5 Mrd. Dollar ein („Die Presse“ berichtete). Seit einem Höhepunkt im November 2007 verlor die Aktie fast 22 Prozent ihres Werts (die Technologiebörse Nasdaq legte im gleichen Zeitraum um mehr als sieben Prozent zu).
„Microsoft wettet viel auf das neue Tablet“, meint der Analyst Tom Mainelli. „Sie nehmen es mit dem iPad auf, und das ist ein großer Konkurrent. Wenn sie diesmal nicht reüssieren, ist das Unternehmen in Problemen.“
Es wäre nicht der erste Kampf, den Microsoft gegen Apple verliert. Mit dem MP3-Player Zune wollten die Redmonder einst Apples iPod Marktanteile wegnehmen. Doch Zune schaffte es nicht einmal nach Europa, mittlerweile wird das Gerät auch in den USA nicht mehr verkauft. Auch mit dem eigenen Handy Kin hatte Microsoft keinen Erfolg: Nach nur sechs Wochen stellte man die Produktion wieder ein, weil die Verkäufe derart enttäuschend waren.
Mit dem Surface, das vorerst nur online und in speziellen Microsoft-Geschäften in den USA erhältlich ist, soll es wieder nach oben gehen. Schon gibt es Gerüchte, dass dem Tablet ein Handy folgen soll – und vielleicht auch irgendwann ein Mittelding.
Doch Apple ist auch hier dem Erzkonkurrenten voraus. Schon morgen, Dienstag, soll in den USA ein iPad Mini präsentiert werden, das in der Größe zwischen einem iPad und einem iPhone liegt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.10.2012)










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