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Sonnenfinsternis in der Solarbranche

26.10.2012 | 18:43 |  JOSEF URSCHITZ (Die Presse)

Die Solarzellenindustrie hat weltweit riesige Überkapazitäten aufgebaut. In einer Pleite- und Übernahmewelle könnten bis zu 180 Unternehmen vom Markt verschwinden.

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Wien. Oerlikon verkauft seine Solarsparte, Siemens zieht sich aus dem Solarsektor zur Gänze zurück. In der Steiermark muss der Solarzulieferer Isovoltaic wegen dramatischer Umsatzeinbrüche ein Drittel seiner Belegschaft abbauen. In Deutschland gibt der börsenotierte Wechselrichterhersteller SMA Solar nach scharfen Gewinneinbrüchen den Abbau von 1000 Beschäftigten bekannt. Und in den USA droht die Technologiebörse Nasdaq dem chinesischen Solarmodulhersteller JA Solar mit dem Delisting. Der Grund: An der Nasdaq dürfen auf Dauer keine „Penny Stocks“ notieren, die von 24 Dollar auf 64 Cent abgestürzte China-Solaraktie verharrt aber schon seit Monaten unter der mit einem Dollar festgelegten Untergrenze.

Das sind, zusammengefasst, die wichtigsten Meldungen aus der Solarbranche aus den vergangenen zehn Tagen. Mit anderen Worten: Ein zur „Zukunftsbranche“ hochgejubelter Sektor ist global in ein Krisenloch gefallen. Enorme Überkapazitäten lassen die Margen unermesslich schrumpfen, selbst große Unternehmen mit global klingenden Namen kämpfen verzweifelt gegen die Insolvenz.

Die Konsolidierung, die jetzt angesagt ist, wird in der Branche ein „Blutbad“ anrichten. Die auf grüne Technologien spezialisierte Beratungs- und Marktforschungsunternehmen GTM Research hat Mitte Oktober eine Studie über die Marktchancen der Hersteller von Solarmodulen vorgelegt. Das ernüchternde Ergebnis: Von 300 untersuchten Herstellern werden wohl 180 die kommenden beiden Jahre nicht überleben. Durch Pleiten oder Übernahmen könnten selbst so bekannte Hersteller wie Conergy oder Solarworld vom Markt verschwinden.

 

Pleitewelle trifft Europa

Die Pleite- und Übernahmewelle wird überwiegend Europa treffen, die Produktion werde sich tendenziell nach Asien verlagern, meint GTM Research. Aber auch in China, von wo die härteste Konkurrenz für europäische und amerikanische Hersteller kommt, wird die Konsolidierung wüten. Dort dürften 54 Solarmodulhersteller vom Markt verschwinden, in Europa könnten es bis zu 80 sein.

China hat einen klaren Produktionskostenvorteil: Die Produktionskosten pro Watt Solarmodulleistung liegen in Europa derzeit laut GTM Research bei rund 80 US-Cent und in den USA auf ähnlichem Niveau, in China aber nur bei 58 bis 68 Cent. Allerdings haben die Überkapazitäten den Preis so stark gedrückt, dass offenbar auch die 58 Cent nicht reichen. Man kann das sehr schön an den Aktienkursen der großen chinesischen Solarmodulhersteller ablesen, die in den vergangenen Jahren teils um bis zu 97 Prozent gefallen sind. Die Aktie des Solar-Stars Yingli Green etwa wurde in besseren Zeiten mit 38 Dollar gehandelt, jetzt ist das Papier um schlappe 1,70 Dollar zu haben.

Die Hauptursache der Solarkrise ist leicht auszumachen: Völlig überzogene und marktwirtschaftsferne Solarförderungen in Italien und vor allem in Deutschland haben einen Bedarf vorgegaukelt, der auf dem Markt nicht gegeben war. Weil die Kombination von Planwirtschaft (langjähriger Abnahmeverpflichtung für erzeugten Solarstrom auf Basis überhöhter garantierter Tarife) und Marktwirtschaft (Verschleudern der nicht benötigten, aber zwangseingespeisten Solarstrommengen auf Strombörsen) die deutschen Stromversorger in die Bredouille bringt und die Verbraucher, die das über gerade erst wieder stark erhöhte Ökostromzuschläge bezahlen, extrem belastet, muss Deutschland nun kräftig auf die Förderbremse steigen.

 

Deutschland dominiert den Markt

Das sendet Schockwellen rund um den Globus. Denn Deutschland dominiert die Nachfrage auf dem Weltsolarmarkt: Mit etwas mehr als 30.000 Megawatt verfügt das Land über mehr als 40 Prozent der weltweit installierten Fotovoltaik-Leistung. Weitere 13.000 MW finden sich im ebenfalls völlig „überförderten“ Italien, womit diese beiden Länder mehr als die Hälfte der installierten Weltleistung stellen. Zum Vergleich: Die USA verfügen derzeit über knapp 5000 MW Fotovoltaik-Leistung. Und: Die gesamte installierte Leistung in China ist mit weniger als 4000 MW kleiner als der Zuwachs in Deutschland von 2010 auf 2011.

Die Förderbremse in Deutschland könnte die globalen Umsätze mit Solarmodulen um ein Drittel einbrechen lassen. Die Folge, eine Pleite und Übernahmewelle großen Ausmaßes, dürfte frühestens 2015 abgeschlossen sein. Erst dann wird sich mit der „grünen“ Solartechnologie auf Produzentenseite wieder Geld verdienen lassen.

Auf einen Blick

Auf die Solarbranche rollt eine Pleitewelle zu. Betroffen sind vor allem europäische Unternehmen, aber auch die günstigere Solar-Konkurrenz aus Asien wird Federn lassen müssen, sagt das Marktforschungsunternehmen GTM Research. Hohe Förderungen für Solarenergie in Europa haben weltweit den Aufbau von Überkapazitäten nach sich gezogen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)

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45 Kommentare
 
12

Eigenstrom 20 Jahre für 16 Cent/kwh

Das können Sie auch.
Bei mir sind es mittlerweile mehr als 50% Eigenverbrauch.
Wie?
Siehe www.Solarworld.de
Oder neue Studie der Fraunhofer Gesellschaft.
Informieren hilft ihrem Geldbeutel und dem Klima, aber nicht den Stromkonzernen.

Gast: PVProfi2
27.10.2012 21:46
0 5

Und täglich grüßt das Murmeltier

Da freuen sich die Ewiggestrigen wieder über die Negativschlagzeile und sowohl Autor als auch Leser (Kommentar) werden nicht müde, immer wieder die selben Mantras zu wiederholen.

Dass es in der Branche zu einem Sterben von Firmen kommt, wird auf Photovoltaik-Kongressen schon seit über zwei Jahren diskutiert. Die Förderungen werden ja nicht zurückgeschraubt, weil man sie für sinnlos hält, sondern weil das von Anfang an so gedacht war. Manche Firmen konnten ihre Kosten und Ihre Geschäftsmodelle schnell genug anpassen und sich für eine Zeit nach den Förderungen rüsten. Andere Firmen leider nicht und die werden nun abgedreht.

Dass die Firmen sterben heißt aber nicht, dass die Photovoltaik schlecht ist.


Gast: lukas2
27.10.2012 17:48
2 4

Wer

hätte die Produkte ohne Förderung gekauft? Nur wenige Idealisten. Das Problem sind nicht die Förderungen ,sondern China, das den Markt dank billiger Arbeitskräfte mit Solarpanelen überschwemmt. Die Entwicklung war seit Jahren absehbar, trotzdem haben die europäischen Firmen nicht reagiert.

2 0

Re: Wer

mich wunderts nicht dass du wegen dieser bemerkung negativpunkte bekommst... solarenergie wurde ueber die vergangenen 50 jahren zu einer art religion mit einer zombiearmee von fanatikern (siehe beitraege hier) denen es weder um technik noch wirtschaftlichkeit geht, sondern nur um ideologie.

und ja, es haben genug gescheite leute das politikergeschwurbel von neuen 'gruenen industrien' hinterfragt wenn doch klar war dass china das zeug wesentlich billiger herstellen wird,und selbst schon ueberkapazitaeten hatte.

Gast: Ideologe
27.10.2012 17:34
2 0

Thema regenerative Energie von Grünen besetzt

Es ist ja schon fast ein Schildbürgerstreich,da die asiatische Produktion mit Ausbeutung von seltenen Erden, extreme Umweltverschmutzung und rücksichtsloser Kinderarbeit verknüpft ist und dann von den Grünen als die Zukunft verkauft wird; in Europa ist Fotovoltaik als nicht nachhaltige Produktion mit intensiver Kapitalvernichtung zu werten,die in den kommenden Jahren auch große Probleme bei der fachgerechten Modulentsorgung aufwerfen wird

Antworten Gast: ezekiel
27.10.2012 17:59
0 2

Re: Thema regenerative Energie von Grünen besetzt

Absolut niemand zwingt sie ein chinesisches Modul zu kaufen. Sie kaufen doch auch kein 'Kinderarbeit'-iPhone oder?

Gast: Sundance13
27.10.2012 15:47
4 0

Solar-Warmwasser

ich wollte auf Sonnenkolletoren umsteigen aber - 3 Kollektoren mit Zwischenspeicher (500 lt) und mit Montage im Garten (nicht am Dach) kosten bei 3 lokalen Firmen jeweils 12.000 Euro. Da die Kollektoren bei meinen Eltern 27 Jahre funktioniert haben (im Jahr 24 größere Reparatur) zahlt sich das beim aktuellen Ölpreis noch nicht aus. Ganz einfach.

Antworten Gast: Gödels friend
27.10.2012 17:38
0 2

Re: Solar-Warmwasser

einfach das Material in Deutschland
selber kaufen (per Internet), da müssen
sie mit max. 2000 Euro inkl Transport
rechnen (für 500 l Pufferspeicher
und 3 Kollektoren und Steuerung) und dann einen geschickten Pfuscher nehmen der die Sachen in ca. 2-3 Tagen montiert.
Also mit 3000 Euro sollten sie
eine perfekte Anlage haben. Die Preise
ihrer lokalen Anbieter klingen verrückt.

Antworten Antworten Gast: 7tz8
27.10.2012 18:20
1 0

Re: Re: Solar-Warmwasser

Frage: Was sind das für Kollektoren? Erhitzen diese das Wasser direkt (also zirkuliert dort Wasser unter der Sonnenbestrahlung), ODER erzeugen diese Kollektoren Strom mit dem Kaltwasser beheizt wird?


Re: Solar-Warmwasser

Bravo! jemand der rechnen kann!

3 0

Die auf grüne Technologien spezialisierte Beratungs- und Marktforschungsunternehmen GTM Research hat

noch vor wenigen Monaten dank der Gremlinge diese in unseren Breitengraden aber unnütze Technologie als einzige Alternative beworben; und nun ein derartiger Rückzug ?

Statt weitere Wasserkraftwerke zu bauen und damit Ö. im Stromsekor autark werden zu können, werden solche dank G. boykottiert das es einem schlechter nicht werden kann, weil angeblich Flora und Fauna dadurch gefährdet seien ?

Bald schon werden uns grüne selbst den Atomstrom als einzig "grüne Energie" andrehen wollen, weil sie dafür bezahlt werden ;-)

Warum wurde die Förderung in Deutschland nicht auf rein Deutsche Produkte beschränkt ?


wenn

jeder ölheizungsdepp auf solar wechseln würde, gebe es keine krise
und es blieben milliarden in österreich statt nach kuwait und saudi.

4 0

Re: wenn

in Ö wie auch D an mindestens 300 Tagen die Sonne scheinen würde, könnte wenn auch die Ausbeute noch immer sehr fraglich ist, das ganze Sinn machen. Aber so will man nur wenigen "grünen Unternehmen" weiterhin Fördergelder zukommen lassen, welche allerdings anderswo eher gebraucht werden !

3 1

Re: wenn

Ihr Ökofreaks seid völlig lernresistent. Das kommt davon, wenn man sein ganzes Leben in künstlichen ideologischen Blasen, abgeschirmt von der Realität verbringt.

Förderungen

an diesem Beispiel sieht man wieder deutlich, dass künstliche Förderungen, auch unter dem Mantel "Öko" nichts bringen!
Wo bleibt die Ökonomie? Das selbe gilt für die Biospriterzeugung; auch das funktioniert nicht ohne Förderungen und politischem Wohlwollen. Dieser künstlich aufgebaute Wirtschaftszweig wird genauso scheitern.

Gesetze der Ökonomie


gelten für alle auch für die Solarbranche. Wer diese kennt vermeidet große Verluste bzw. macht daraus schöne Gewinne!!

Antworten Gast: Halbwissen
27.10.2012 11:02
4 1

Re: Gesetze der Ökonomie

Die Gesetze des Betruges über Subventionen gelten auch für die Solarbranche !

Elsners ( Banker ) versorgen Politiker- und Bankerkinder mit Millionen, Aktien versteckt über Investmentvehikel kaufen, Subventionen einführen, Aktien mit Milliardengewinn verkaufen und Subventionen streichen oder auch nicht ( Wurscht ).

5 0

Deutschland dominiert die Nachfrage auf dem Weltsolarmarkt

Deutschland hat im Mittel ja auch 1500 Sonnenstunden, da machts natürlich auch Sinn (kopfschüttel).

Antworten Gast: Gödels friend
27.10.2012 10:56
1 3

Re: Deutschland dominiert die Nachfrage auf dem Weltsolarmarkt

Sehr geehrter "Cougar",

eine Solarzelle ist in Deutschland etwa
gleich effizient wie in der Sahara, denn
die Degradation nimmt mit der
Sonneneinstrahlung zu, d.h. in der
Sahara erzeugt die Zelle pro Jahr viel
mehr Energie dafür wird sie schneller
"kaputt". Wenn man die Billigmodule
selbst auf das Dach schraubt kommt
man schon deutlich unter 15 Cent/kwh.
D.h. besonders auch in Österreich rechnen
sich Solarmodule sofern man auf
Erspartes zurückgreift und sich nicht
von lokal tätigen "Solarfirma" hereinlegen lässt.

3 0

Re: Re: Deutschland dominiert die Nachfrage auf dem Weltsolarmarkt

So gesehen werden sie sicher recht haben, aber die Relation verbaute Fläche zur produzierten Energie bleibt in Deutschland (das ja an verfügbarer Fläche nicht ganz so reich ist) auf schlechtem Niveau.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gödels friend
27.10.2012 12:39
3 1

Re: Re: Re: Deutschland dominiert die Nachfrage auf dem Weltsolarmarkt

für die Großanlagen trifft ihre Kritik zu.
Bei Hausdächern sieht die Situation
anders aus, die Fläche ist gratis und
direkt beim Verbraucher. Aber Autarkie
fürchten die EVUs wie der Teufel das
Weihwasser. Ich werde jedenfalls
mein Hausdauch, Carport und Garage
vollpflastern und auch nichts einspeisen.
Ich habe es satt die Parteifilzaristokraten
in den EVUs durchzufüttern. Der Zweitwagen wird ein E-Auto für Kurzstrecken wodurch sich die Rendite
nochmals erhöht.

Re: Re: Re: Re: Deutschland dominiert die Nachfrage auf dem Weltsolarmarkt

Lernens rechnen!
Von solchen Dummheiten lebt die Förderungspolitik!

Antworten Gast: Bärenfalle...
27.10.2012 10:40
7 0

Re: Deutschland dominiert die Nachfrage auf dem Weltsolarmarkt

Die Milliarden die für den Unfug (in unseren Breiten) ausgegeben wurden und noch werden wären im ITER besser investiert gewesen.

Na immerhin wurde endlich einmal mit dem Bau begonnen.

http://www.iter.org/construction

Und selbst der kleine Versuchsreaktor wird 500MW Leistung haben.

Der erste kommerzielle Reaktor DEMO wird 4000MW liefern.

Also ca. 1/4 der Leistung der in D installierten Solaranlagen (17000MWpeak), dies aber konstant und auch in der Nacht im Winter.

Weil es halt wesentlich schlauer ist die Energie der Sonne vor Ort zu produzieren als diese großflächig einzufangen.


9 0

Wen wunderts?

Grüne ÖKO-Politik ist in den meisten Fällen ein Synonym für "gut gemeint"

Grüne Politik allgemein ist in den meisten Fällen nicht einmal gut gemeint.

Immer wenn sich der Staat


in die Wirtschaft einmischt, geht die Sache in die Hose!

Aber die Grünen und RotSchwarz wollen noch mehr Förderungen!

Österreich ist ein Musterbeispiel der Marktverzerrung, da Österreich Förderungsweltmeister ist!

Sämtliche Förderungen sollten abgeschafft werden!

Dann wäre eine Steuersenkung kein Problem!


 
12

Hobbyökonom