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Amazon stürzt tief in die Verlustzone

26.10.2012 | 18:44 |   (Die Presse)

Der weltgrößte Onlinehändler verschleudert Waren zu Selbstkosten und verbrennt damit Geld. Firmenchef Jeff Bezos hat für das Unternehmen nur ein Ziel ausgegeben und das lautet: Wachstum.

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Wien/Auer. Wäre Amazon ein ganz normales Unternehmen, seine Investoren hätten das Management wohl schon lange vor die Tür gesetzt. Am Donnerstagabend teilte das Unternehmen mit, dass es im dritten Quartal tiefrote Zahlen geschrieben hat. Nach etlichen Perioden mit mageren Gewinnen setzte es diesmal einen deftigen Verlust von 274 Mio. US-Dollar (209,75 Mio Euro). Und das, obwohl der weltgrößte Onlinehändler zwischen Juli und September so viele Bücher, Filme und Elektronikartikel verkauft hat, wie selten zuvor. Im Vorjahr hatte Amazon im selben Zeitraum ein Viertel weniger an Umsatz, aber einen Gewinn von 63 Mio. Dollar verbucht.

Der plötzliche Absturz ist eine direkte Folge der Strategie, die der Firmenchef Jeff Bezos seit nunmehr 15 Jahren fährt. Er hat für das Unternehmen nur ein Ziel ausgegeben und das lautet: Wachstum. Profite spielen im Vergleich dazu nur eine Nebenrolle. Das wissen auch die Aktionäre. Sie reagierten auf die Verlustmeldung nur kurzzeitig mit Verkäufen. Am Freitag hatte sich die Aktie allerdings wieder deutlich erholt.

 

Fehlkauf kostet Millionen

Der rasante Aufstieg des Onlinehändlers beflügelt offenbar die Fantasie der Anleger. Und Jeff Bezos lässt sich dieses Wachstum auch einiges kosten. Er investiert massive Summen, um das Angebot des Händlers zu verbreitern. So baut Amazon mittlerweile nicht nur E-Book-Reader und Tablet-Computer, sondern ist auch einer der größten Anbieter von Rechenleistung in seinen Datenzentren. Mitunter greift Bezos aber auch daneben. Mehr als die Hälfte des Quartalsverlustes muss das Unternehmen einem Fehlkauf zuschreiben. Um 175 Mio. Dollar erwarb Amazon das Rabattgutschein-Portal Living-Social, einen kleinen Rivalen von Branchenführer Groupon. Fast den gesamten Kaufpreis (169 Mio. Dollar) musste Amazon nun abschreiben.

 

Kleiner Amazon-Store für jeden

Zudem verfolgt den Handelsriesen ein grundsätzliches Problem seit Jahren. Er setzt auf Niedrigpreise und schraubt so seine eigene Gewinnmarge weit nach unten. Im vergangenen Quartal erzielte Amazon gerade einmal eine Gewinnmarge von zwei Prozent. Seine „Bestseller“, allen voran der iPad-Konkurrent „Kindle Fire“ verkauft das Unternehmen überhaupt zu Selbstkostenpreisen. Amazons Hybrid aus E-Reader und Tablet-Computer ist somit deutlich billiger als die Geräte der Konkurrenz. Geld verdienen will der Konzern ohnedies in erster Linie mit Büchern, Filmen und Musik, die sich die Nutzer auf die Geräte herunterladen. Und da gilt: Je mehr Menschen diesen kleinen Amazon-Store in der Hand haben, desto besser.

Im Vorjahr verkaufte das Unternehmen noch 5,5 Millionen „Kindle Fire“. Heuer sollen es schon 18,4 Millionen Stück sein. Die Steigerung ist beachtlich, den Anschluss an Apple schafft Amazon damit dennoch nicht. Zum Vergleich: Apple setzte nur in den vergangenen drei Monaten 18 Millionen iPads ab – und war darüber enttäuscht. Mit der zweiten Generation seines Tablets, dem „Kindle Fire HD“, bringt Amazon rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft einen starken Apple-Rivalen in Europa auf den Markt. Nach Österreich kommt der „Kindle Fire HD“ vorerst nicht.

 

Österreich: Kein „Kindle Fire HD“

Im Gegensatz zu deutschen Kunden müssen Österreicher mit einem anderen, ebenfalls neuen Kindle-Modell vorliebnehmen. Der „Kindle Paperwhite“ mit deutlich hellerem Display wird auch hierzulande erhältlich sein. Mit ihm bringt Amazon auch die elektronische Verleihbücherei für alle Kindle-Nutzer in den deutschsprachigen Raum. 8500 digitale Bücher sind erhältlich. Für eine Jahresgebühr von 29 Euro kann jeden Monat ein anderes gelesen werden.

Zumindest bei diesem Geschäftsfeld hat Bezos offenbar ins Schwarze getroffen. Schon heute verkauft der Konzern in Deutschland mehr digitale als Hardcover-Bücher. Das Ende des gedruckten Wortes sieht der Onlinehändler dadurch nicht. Im Gegenteil: Wer E-Books liest, so Amazon, kauft auch vermehrt klassische Bücher.

Auf einen Blick

Amazon setzt auf Expansion. Der weltgrößte Online-Händler streckt seine Fühler in neue Geschäftsfelder aus – und verbrennt damit hunderte Millionen Dollar.

Den iPad-Rivalen „Kindle Fire HD“ verkauft Amazon zu Selbstkosten. Die neue Generation des Tablets ist nun auch in Europa erhältlich – allerdings nicht in Österreich. Hierzulande müssen sich Kunden mit dem – ebenfalls neuen – „Kindle Paperwhite“ begnügen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2012)

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17 Kommentare

"Werbeeinschaltung"

Gern verwende ich seit Jahren -- wenn auch mit ein bisschen schlechtem Gewissen gegenüber "echten" Buchhändlern -- den Service von A.
Ob es ausgefallene, teils fremdsprachige, oder antiquarische Werke sein mögen, fast immer klappt es, teils auch portofrei (leider nicht bei vielen antiquarischen Büchern aus dem Ausland). Reklamationen werden kulant erledigt. Mit einem Wort_ zufrieden!

Gast: unbedacht
29.10.2012 13:38
0 0

hätte ich nicht gedacht,

dass das so arge konsequenzen hat, nachdem ich meine verbindung zu amazon gekappt habe...

Alleine schon wieviel ich im Monat dort bestelle,

da kann man doch keine Verlust machen^^
Nein, ernsthaft, ich finde das Amazon bei vielen Produkten gar nicht so brutal billiger ist, klar Amazon hat meist den billigsten Preis, aber so gravierend kommt mir das gar nicht vor...

Amazon

ist das Beste was es gibt. bin ein sehr zufriedener Kunde.

Gast: Einefragehättichnoch
27.10.2012 19:13
13 2

Bin seit 2006 zufriedener Kunde.

Versuchen Sie mal fremdsprachige Bücher samt Lieferung und Service anderswo zu diesen Preisen zu bekommen!

Gast: otto_III
27.10.2012 10:02
17 4

Amazon der Fachbuchhändler!

Gemäß meiner Erfahrung ist Amazon der einzige Händler, welcher Fachliteratur für Studium und Beruf, auch fremdsprachig, in akzeptabler Zeit und zu einem akzeptablen Preis bei absolut komfortabler Lieferung anbietet.

Versuchen sie mal eine Spezialliteratur an einer Unibibliothek etc. auszuleihen oder eine Anfrage bei einer Fachbücherei einzubringen -> Absolute Zeitverschwendung!

Eine Bekannte von mir hat eine leitende Funktion an Bibliotheksfachstelle der Diözese Linz. Gemäß ihrer Aussage bestellen österreichische Bibliotheken sehr gerne bei Amazon.

Am Freitag

hat sich die Aktie also wieder deutlich erholt.

nur so als Vergleich:
Kurs 5.10.: 260$
Kurs 26.10.: 238$

immerhin über 8% Minus in 3 Wochen.

Wenn das stimmt,

ist AMAZON dann eine kriminelle Organisation?
Verkauf ohne reelle Gewinnchanche, nur motiviert, den Konkurrenten zu schaden, ist nach meiner Information ein Verstoß gegen Wettbewerbregeln.

3 6

. . . nur motiviert, den Konkurrenten zu schaden

wie könnte der kleine Fachmann und Händler mit den Giganten überleben?
Nope. Die Zukunft gehört den Multinationalen, die sorgen, dass der Mensch zum Arbeitssklaven wird, verarmt und noch mehr hungert.

Hab mir gerade drei Bücher liefern lassen

Gesamtkosten: 11,80 €

Gast: Callisto
26.10.2012 20:41
33 5

Eine Werbeeinschaltung meinerseits für Amazon auch wenn die es nicht nötig haben.

Amazon ist Spitze und hat einen tollen Kundenservice.
Kaufe seit über 12 Jahren bei Amazon ein.
Anfangs nur Kleinigkeiten weil ich kein Vertrauen in Internetkäufe hatte - heute ist es umgekehrt.
Neben z.B. Hofer oder Fielmann und einigen anderen Geschäften die Einzigen die noch so etwas wie Kundenservice bieten.
Habe immer wieder versucht kleinen österreichischen Läden eine Chance zugeben - kurz gesagt die waren eine Frechheit (bestell ma net, kost mehr, nur wasma habn)

Re: Eine Werbeeinschaltung meinerseits für Amazon auch wenn die es nicht nötig haben.

wirtschaftlich eine Katastrophe.

0 0

Re: Re: Eine Werbeeinschaltung meinerseits für Amazon auch wenn die es nicht nötig haben.

. . . und dazu berichten die Medien tagaus tagein nur mehr von den Internet-Multinationalen.
Ob das Arbeit "daheim" schafft?

Antworten Antworten Gast: Callisto
27.10.2012 09:57
11 1

Re: Re: Eine Werbeeinschaltung meinerseits für Amazon auch wenn die es nicht nötig haben.

Ich habe nur mein eigenes kleines Einkommen zu verwalten - ich kann es mir nicht leisten "wirtschaftspolitisch" zu denken.
Man schenke mir einen Abgeordnetenposten und ich ändere mein Einkaufsverhalten...

p.s. dümmer und unfähiger als die Derzeitigen bin ich auch nicht also Freunde...

3 14

Investoren-Blase?

Und da wundern sich noch Leute, warum ein iPad Mini teurer ist, als ein Kindle Fire...

Gast: mrnebu
26.10.2012 19:21
4 2

erklärungsbedarf

"Amazons Hybrid aus E-Reader und Tablet-Computer"

hm.. auf welchem tablet kann man keine ebook app installieren? somit müssten alle tablets hybriden aus e-readern und tablet computern sein.

möchte dem autor mal unterstellen dass er kaum ahnung davon hat was er geschrieben hat wenn ein artikel mit solchen phrasen geschmückt werden muss!

3 2

Re: erklärungsbedarf

Für Sie ist das kein Problem. Aber die Mehrzahl der Digitalen Mediennutzer wissen nicht, wie man einen e-book reader installiert.

Wenn der also schon vorinstalliert ist, dann ist es eben ein Reader Tablet, so wie es beim Hofer den MultimediaPC gibt, weil da die TC Karte schon drin ist.

Hobbyökonom