19.05.2013 16:53 Merkliste 0

Talfahrt an Europas Automarkt zieht Deutschland nach unten

28.10.2012 | 14:41 |   (DiePresse.com)

Die Neuzulassungen werden 2013 weiter sinken. Den teuren Überkapazitäten wird in Deutschland mit historisch hohen Rabatten entgegengesteuert.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Autoindustrie in Europa kämpft gegen die anhaltende Absatzkrise. Der Lastwagenbauer MAN drosselt angesichts der schwachen Nachfrage ab Montag seine Produktion und schickt 15.000 Mitarbeiter für eine Woche in den Zwangsurlaub, um nicht auf Halde zu produzieren. Bei Opel ringen Management und Arbeitnehmervertreter weiter um eine Sanierung des angeschlagenen Autobauers. 2013 dürfte sich die Lage in der Branche aber noch verschärfen.

Auf dem deutschen Automarkt gehen die Neuzulassungen im kommenden Jahr weiter zurück, wie Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen am Sonntag prognostizierte. "Weniger verfügbares Einkommen, Kurzarbeit in mehreren Branchen und unsichere Zukunftsaussichten sind wichtige Gründe für die Kaufzurückhaltung im deutschen Automarkt auch im Jahr 2013", sagte Dudenhöffer. Er erwartet im nächsten Jahr 3,03 Millionen Neuzulassungen in Deutschland, nach 3,1 Millionen 2012. Das schlechteste Autojahr nach der Wiedervereinigung war 2010, das Jahr nach der Abwrackprämie, als nur 2,92 Millionen neue Autos zugelassen wurden.

Keine dauerhafte Lösung bei Opel

Der europäische Automarkt ist angesichts der Schuldenkrise seit Monaten auf Talfahrt, die Folge sind teure Überkapazitäten. Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën sowie der US-Hersteller Ford haben bereits Werkschließungen angekündigt.

Opel muss seinen Mitarbeitern Geld nachzahlen, nachdem Sanierungsverhandlungen mit der IG Metall vorerst zu keinem Ergebnis geführt haben. Mit der Novemberabrechnung werden die für Mai bis Oktober gestundeten Tariferhöhungen von je 4,3 Prozent ausgezahlt, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel am Sonntag bei einer IG Metall-Mitgliederversammlung. Zugleich sei eine zunächst unbefristete neue Stundung vereinbart worden, solange die Gespräche über die Sicherung der Werke liefen.

Eine dauerhafte Lösung für das besonders gefährdete Bochumer Werk mit 3.200 Opel-Beschäftigten nach Auslaufen der aktuellen Zafira-Produktion 2016 sei nicht erreicht worden, räumte Einenkel ein. Deswegen gingen die Gespräche jetzt weiter. Er hoffe auf eine Lösung bis zum Jahresende. Der Opel-Mutterkonzern GM möchte wegen Überkapazitäten und hoher Verluste ein Werk in Deutschland schließen.

BMW mit flexiblerer Arbeitszeit

Im Vergleich zu Opel läuft es bei VW sowie den Oberklasse-Herstellern Porsche und BMW noch rund. BMW einigte sich aber nun mit seinem Betriebsrat auf flexiblere Arbeitszeiten. Damit werde die Beschäftigung gesichert, sagte am Sonntag ein BMW-Sprecher. Er bestätigte im Grundsatz einen entsprechenden "Spiegel"-Bericht, betonte aber, dass es nicht nur um ein Anti-Krisen-Programm gehe. Die Arbeitszeit richtet sich in Zukunft stärker nach dem Autoabsatz: Wenn die Nachfrage steigt, sind leichter Sonderschichten möglich. Bei einem Absatzrückgang können die Arbeitszeitkonten ins Minus gehen.

Nutzfahrzeug-Branche weiter auf Talfahrt

Seit Monaten auf Talfahrt ist die Nutzfahrzeug-Konjunktur. Von dem einwöchigen Produktionsstopp beim Branchenriesen MAN sind die beiden Standorte München und Salzgitter sowie einige Verwaltungsbereiche betroffen. Noch offen sei, ob auch in den drei Wochen von 24. Dezember bis 11. Januar der Betrieb geschlossen bleibe, sagte MAN-Sprecher Stefan Straub am Samstag in München.

MAN hatte den einwöchigen Produktionsstopp bereits Mitte Oktober angekündigt. Für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet dies nach Angaben Straubs keine Gehaltseinbußen; sie müssen jedoch Urlaub und Überstunden abbauen. Auch bei Daimler hatte es im Lastwagenbau bereits Produktionsstopps gegeben.

(APA/dpa)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Mehr auf DiePresse.com

29 Kommentare
 
12

Nicht mehr bezahlbar!!

" Autos kaufen keine Autos" Henry Ford, vor fast 100 Jahren.
Die Einkommensentwicklung der Zielkundschaft der Massenhersteller hat in den letzten 25 Jahren keine Kaufkraftsteigerung versprürt. Minimale Lohnerhöhungen wurden durch erhöhte Steuern, Abgaben, Gebühren, Gesunddheitskosten und vor allem Energiekosten und Inflation weggefressen. Der Niedriglohnsektor, die Zeitarbeit, Befristiete Aushilfsverträge usw.. nehmen rasant zu. Die Flächentarife werden breit unterlaufen. In vielen Ländern Europas sind horrende Arbeitslosenheere der Einheimischen und massig Pfuschkolonnen aus dem Osten präsent. Wer sollte sich hier ein Auto für 20.000 plus x leisten können??? Diese Krise kommt langsamer in Schwung als 2008. Wird aber sehr viel tiefer sein, sehr viel länger dauern und am Ende einige Hersteller in die Knie gezwungen haben.

Antworten Gast: Reflector
29.10.2012 20:22
0 0

Re: Nicht mehr bezahlbar!!

Stimme in vielen überein, nur diese Krise ist noch immer die gleiche von 2008.

Diese wurde lediglich mit Geld übertüncht, was nun auf Grund der enormen Verschuldung nichteinmal mehr bei Staaten funktioniert.

Mit diesen Übertünchaktionen hat man lediglich temporär die Symptome gelindert damit aber die Fallhöhe erweitert, sowie keinerlei nachhaltige Lösungen erzielt, weil diese eben sehr schmerzhaft sind.

Re: Re: Nicht mehr bezahlbar!!

Ich kann Ihnen nicht ganz zustimmen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich in der Mitte. Seit 2008 lief beispielsweise der Sektor der Mittel- und Oberklasse noch sehr gut. Vora allen Dingen der Export in die aufstrebenden Läder Asiens, Osteuropas und Südamerikas. Auch Japan und USA waren für diese sektoren starke Abnehmer. Dies hat den seit dem Einmaleffekt der nationalen Abrackprämien den sinkenden Absatz der Massenhersteller verdeckt. Jetzt wird der Mittel-, Oberklasse und SUV Bereich deutlich schwächer und offenbart die Krise. Die Masse verrdient heute zu wenig um sich die Autos der Massenhersteller zu kaufen. Und das schlägt in den kommenden Jahren voll durch. Heftiger und anhaltender als 2008, als man es noch, nach Ihren Worten mit Geld übertünchen konnte.

Gast: gast:1
29.10.2012 06:53
2 0

Problem vs. Lösung

Tja, neue Autos lösen die Probleme der von Arbeitslosigkeit und Armut bedrohten Bürger nicht - und weil das immer mehr Leute erkennen, kaufen sie keine neuen Autos - so einfach ist das letztlich.

Gast: Bärenfalle...
29.10.2012 06:49
1 0

Wen interessiert der Rabatt ??

Interessant ist doch der Endpreis.

Und da zahlen wir in AT und DE sprichwörtlich Irrsinnspreise im Vergleich zum Rest der Welt (ja, auch vor Steuern).

Da ist noch sehr viel Luft nach unten, sowohl bei Neuwagen als auch bei der Vielzahl an Tageszulassungen und Leasing-Rückläufern die sich überall bei den Händlern die Reifen platt stehen.


Gast: otto f.krammer
29.10.2012 06:44
0 1

Jeder der elektrisch fahren will,..

kennt das Portal evalbum.com
und ist erstaunt, mit wieviel Erfindergeist bisher
solche Fahrzeuge selbst gebaut worden sind.
Nur die großen Autoproduzenten wollen dies nicht wahrhaben und möchten bin in alle Ewigkeit ihre Verbrennungsmotore weiterhin produzieren.
Das ist aber außerts unwirtschaftlich, eine enorme Verschwendung an Ressourcen und Verschmutzung unserer Atmosphäre.
Die Kunden und Autofahrer erkennen nun diesen falschen Weg und erwarten entsprechende Elektrofahrzeuge am Markt.
Wer das negiert wird eben vom Markt verschwinden.

Re: Jeder der elektrisch fahren will,..

Und der Strom kommt aus der Steckdose - gell?

Falsche Selbsteinschätzung über Jahre

Über Jahre wurde die quantitative Tragfähigkeit der Märkte falsch eingeschätzt. Wenn man die jährlichen Verkaufsplanungen der KFZ Hersteller addierte, kam man regelmäßig auf Werte von ca. 120% des Gesamtmarkt.

Um einen Kollaps zu vermeiden, wurden ständig neue Märkte gesucht, um die Überproduktion abzusetzen.

Diese Lösung funktioniert jetzt nicht mehr. Es sei denn man liefert nun auf den Mond.

Wachstum ist nur noch qualitativ möglich. Wer wird wohl der Erste sein, der das erkennt?

zu Rad und zu Fuß ist es auch viel bequemer

Autos sind für jene die die Zeichen der Zeit nicht erkennen wollen


Re: zu Rad und zu Fuß ist es auch viel bequemer

Was sind Sie denn für ein Ewiggestriger?
Sollen wir gleich wieder ins Mittelalter zurückkehren, frei nach dem Motto: Mittelstand auch gleich Ade!

Re: Re: zu Rad und zu Fuß ist es auch viel bequemer

da der Mittelstand nicht denkt, hat er seine politische Vernichtung verdient

genau das geschieht gerade

eben die Zeichen der Zeit erkennen


1 0

Re: Re: Re: zu Rad und zu Fuß ist es auch viel bequemer

Und wie lebt es sich auf Ihrem Planeten? Captain Nerd?

Antworten Gast: Frage
28.10.2012 22:20
1 1

Re: zu Rad und zu Fuß ist es auch viel bequemer

Wo fahren bzw gehen Sie ohne die Straßen die von MöSt und Nova finanziert werden - von der Wertschöpfung der Autoindustrie ganz zu schweigen!

Re: Re: zu Rad und zu Fuß ist es auch viel bequemer

Durchnschnittsgeschwindigkeit in der Stadt? rofl

Das Argument mit der Wertschöpfung ist also ein Holler. Erst das Kapital binden und dann noch langsam unterwegs sein...


Antworten Antworten Antworten Gast: Frage
29.10.2012 12:17
1 1

Re: Re: Re: zu Rad und zu Fuß ist es auch viel bequemer

Falls Sie es noch nicht wissen - die Straßen enden nicht an den Stadtgrenzen!

8 1

Re: zu Rad und zu Fuß ist es auch viel bequemer

... und für jene die halt zufällig am Land wohnen. Oder jene, die beruflich mit dem Auto unterwegs sein müssen.
So wie unser aller Vorbild Bleifuß Glawischnig mit ihrem grünen Toyota Prius.

Antworten Gast: CommonSense
28.10.2012 22:04
2 0

Re: zu Rad und zu Fuß ist es auch viel bequemer

scheint sie sind im falschen Film ?

Gast: Wenn der Hunger brennt, ist altes Brot frisch!
28.10.2012 18:43
1 0

Talfahrt an Europas Automarkt zieht Deutschland nach unten.....

....wenn die Politik so weitermacht, dann wird es bald einen Porsche um 50 Mark geben, das Brot wird 500 Mark kosten und 1Liter Benzin 1000 Mark!
be.es:
ich hoffe, ich täusche mich!

Gast: Made in Japan
28.10.2012 18:24
1 9

Und als Dank dafür

kaufe ich mir nächstes Jahr einen Japsen SUV Benziner mit Automatic.(7% NoVa) Und nicht einen überteuerten deutschen Dreckschleuder Diesel.Ihr habt an mir vorbei entwickelt. Nächstes Jahr wird demnach auch ein gutes Prozente Käufer Jahr.

Antworten Gast: Reserverad
28.10.2012 20:38
6 3

Re: Und als Dank dafür

Sie haben wirklich keine Ahnung - viel Spaß mit dem neuen Reiskocher.

Antworten Antworten Gast: Bärenfalle...
29.10.2012 06:56
1 1

Re: Re: Und als Dank dafür

Geh bitte, deutsches "Premium" ist doch heute auf Alfa Niveau.

Neu kaufen, 5 Jahre fahren und dann schnell weg damit sonst fressen einen die Erhaltungskosten auf.

Bei den Japanern muss man nur achten dass sie tatsächlich auch "made in Japan" sind (geben auch die Händler offen zu). Seriennummer etc. geben darüber Aufschluss.


Antworten Antworten Antworten Gast: Reserverad
29.10.2012 10:03
0 0

Re: Re: Re: Und als Dank dafür

Wir haben ein dt und ein jap Fabrikat im Haushalt. Aktuell 5 bzw 6 Jahre alt. Beide laufen bei etwa gleichen Servicekosten einwandfrei.

Wenn sich einer hinstellt und einen SUV Beziner (Mikropartikel) über einen modernen Diesel lobt, zeigt das halt seine Grenzen auf.

Gast: DrBiersauer
28.10.2012 17:33
0 0

Die elegante Politik der Merkel&Co,...

hat es bislang nicht zustande gebracht, dass die dafür nötigen Lithiumakkumulatoren für E-Karossen in Europa hergestellt werden 8und daher umständlich und teuer aus China importiert werden müssen.
Derzeitger Preis pro Kilowattstunde einzeln an die 500€. Somit aknn es mit einer späteren Erzeugung hier auf dem Kontinent nur billiger werden.
Für einen Kleinwagen braucht man an die 8kWh und für ein Leichtfahrzeug tut es auch schon 1kWh
sodass man damit über 50km fahren kann.
Das Fahrzeug selbst ohne Batterie ist aber deutlich billiger herzustellen als ein Erdölschlucker und erspart über die Lebensdauer den Kaufpreis durch die Dieseleinsparung.

Gast: Fprester
28.10.2012 17:00
5 0

Geht's der Wirtschaft nun gut oder nicht gut?

Vergangene Woche wurde uns erzählt, wie gut es der deutschen Wirtschaft gehe und dass es bereits ab 2013 wieder aufwärts gehe. Und nun soll die Autoidustrie, immerhin eines der Standbeine der deutschen Wirtschaft, so schlecht dran sein. Was gilt denn nun? Dieses ewige Hin und Her solcher Wirtschaftsmeldungen ist echt mühsam. Da sind offensichtlich Kräfte am Werk, die die Informationen, sprich Medienberichte, steuern.

17 0

vorhersehbar

ist seit gut 20 jahren vorhersehbar: wenn die arbeitsplätze nach china ausgelagert werden u. wurden, dann fallen halt viele weg , die sich ein auto leisten können. dazu kommt noch, der aufgeblähte beamtenstaat u. ihre privilegien, die auch noch milliarden von den bürgern einfordert. siehe die gebührenerhöhung von häuptl u. co. wer soll sich dann noch ein auto leisten können . nur mehr die obere mittelschicht u. darüber. für die massenhersteller ist das aber zu wenig.

Gast: Steuerbeobachter
28.10.2012 16:25
12 0

Zu hoch besteuert

Bei weit ueber 100% Steuer auf die Kosten eines Autolebens kann sich halt keiner mehr ein Gefaehrt leisten...

 
12

Hobbyökonom