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Hunger: Afrika steht sich selbst im Weg

30.10.2012 | 17:13 |  Von Matthias Auer (Die Presse)

Afrikas Bauern könnten den Kontinent problemlos mit Grundnahrungsmitteln versorgen, sagt die Weltbank. Das Potenzial wäre enorm. Handelsbarrieren verhindern jedoch, dass Afrika zu anderen Regionen aufschließt.

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Wien. Johannesburg, Nairobi, Lagos. In den vergangenen Jahren haben Investoren so viel Geld in die Hauptstädte im Süden Afrikas getragen, als gäbe es New York, London und Tokio nicht mehr. Kein Wunder. Während die westliche Welt in die Rezession taumelt, erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) für die Region südlich der Sahara heuer fünf Prozent Wirtschaftswachstum. Wäre der Kontinent ein Land, der Durchschnittsbürger würde mit einem Einkommen von 1700 Dollar bereits zur „Mittelschicht“ zählen, errechnete die Weltbank. Nur die Landwirtschaft in Afrika hält mit dieser Entwicklung nicht Schritt. Immer noch hungern hunderte Millionen auf dem Kontinent.

Das müsste nicht sein, schreibt die Weltbank in einer aktuellen Studie. Afrikas Bauern könnten Afrika problemlos mit Grundnahrungsmitteln versorgen. Doch statt mit den eigenen Nachbarn zu handeln, beziehen Afrikas Länder 95 Prozent ihrer Getreideimporte von außerhalb des Kontinents.

Teurer Wegzoll für Afrikas Bauern

Wer sich mit Entwicklungspolitik beschäftigt, hörte dafür bisher eine einfache Erklärung: Die reichen Industriestaaten fluten die Märkte mit hoch subventionierten Billigstlebensmitteln. Dagegen haben Landwirte aus Afrika keine Chance. Doch das allein ist es nicht. Zwar weist die Weltbank auch in der neuen Studie auf den schädlichen Einfluss der Agrarförderungen in Industrieländern hin. Das größte Problem ist aber ein anderes: Afrika behindert sich selbst. Wie sonst wäre zu erklären, dass andere Entwicklungsregionen wie Osteuropa oder Südamerika in den vergangenen zwanzig Jahren einen Entwicklungssprung gemacht haben, während Afrika stets auf Importe angewiesen ist? (Siehe Grafik.)

Es sind vor allem Hemmnisse auf dem Kontinent selbst, die die afrikanische Landwirtschaft am Boden halten. Bürokratische Hürden, kostspielige Wegelagerer und Importbarrieren nehmen Bauern die Motivation und verteuern die Nahrungsmittel für die Konsumenten. Oft sei es für nicht afrikanische Produzenten leichter, eine afrikanische Stadt zu versorgen als für Landwirte vor den Toren des Ballungszentrums. Dabei spielt sich dort Afrikas Zukunft ab. Bis 2020 wird sich die Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln auf dem Kontinent verdoppeln, schätzt die Weltbank. Vor allem in den boomenden Städten sind dann Mais und Weizen gefragt. Für lokale Bauern ist es aber nicht einfach, ihre Ware dorthin zu bringen. Dabei mangelt es nicht an Straßen, die sind zur besseren Anlieferung westlicher Güter überraschend gut ausgebaut. Es sind die menschengemachten Stolpersteine, mit denen gekämpft wird. Bauern aus Kenia, Tansania oder Uganda müssen auf dem Weg vom Feld zum nächsten Großmarkt etwa mit vier bis zehn willkürlich aufgebauten Straßensperren rechnen. Alle 30 bis 50 Kilometer müssen sie – auch auf Seitenstraßen – Wegzoll bezahlen. Ihnen bleibt bestenfalls ein Fünftel des Endkundenpreises. Herzlich wenig Motivation, eine so widrige Reise auf sich zu nehmen oder für das Nachbarland zu produzieren.

Importverbote treiben Preise

Dabei wäre das Potenzial enorm. 400 Mio. Hektar fruchtbares Land gibt es in Afrika – das ist halb Australien. Doch nur ein Zehntel davon wird genutzt. Und auch Ernteausfälle in einem Land müssten nicht zur Katastrophe führen, schreibt die Weltbank. Denn der ganze Kontinent leide höchst selten unter Dürre. Irgendwo gebe es immer eine gute Ernte.

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Doch was nützt das, wenn Regierungen danach trachten, dass die Feldfrüchte  den Weg ins Nachbarland nicht finden? Import- und Exportverbote gelten immer noch als probates Mittel, um die eigenen Bauern vor Konkurrenz und die Bürger vor Hunger zu schützen. In der Realität beschert diese Politik Kunden wie Landwirten vor allem extrem schwankende Preise. Fällt in Sambia ein Drittel der Maisernte aus, schießt der Preis bei geschlossenen Grenzen um 150 Prozent in die Höhe. Wären Importe erlaubt, stiege der Preis nur um 36 Prozent.

Den Handel offiziell zu genehmigen, reicht aber nicht immer aus. Denn wer in Afrika mit Mais handeln will, muss sich genau überlegen, wo seine Ware landen soll. Während in Tansania drei Prozent Verunreinigungen mit Insekten erlaubt sind, gestattet Uganda nur ein Prozent. In Malawi erfahren die Bauern überhaupt erst in der Handelsstadt Blantyre, ob die Inspektoren ihr Getreide für gut befinden.

Die Lösungsvorschläge der Weltbank klingen vertraut: Abbau der Handelsschranken, Harmonisierung der Normen. So würde Afrika nicht nur den Hunger verbannen, sondern auch 20 Mrd. Dollar mehr im Jahr erwirtschaften. Und 2025 könnten die meisten Afrikaner wirklich zur Mittelschicht zählen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2012)

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29 Kommentare
 
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So so, sehr interessant,

und ich dachte E10 sei am Hunlger schuld. So hat man es uns doch eingeredet? Nachdem E10 ja nun doch nicht kommt sollte das Hungerproblem doch gelöst sein, oder doch nicht?

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"Politisch incorrect", aber richtig

Diese Analyse durch die Weltbank entspricht nicht der political correctness, aber sie ist richtig, wenn auch unvollständig!
Politisch korrekt ist: "Der böse Westen ist an Afrikas Armut schuld."
Richtig (und politisch incorrect) ist:
1) Afrika verfügt über immense Ressourcen, nicht nur Landwirtschaft, sondern auch Erdöl, Rohstoffe, seltene Mineralien und Unmengen an Gratis-Energie (Sonne)
2) Der Großteil der Regime besteht aus Gangstern, die sich am eigenen Volk bedienen.
3) In diesen mafiösen Strukturen der Machthaber und ihrer Günstlinge landet der Großteil der westlichen Entwicklungshilfe, die somit kontraproduktiv wirkt.

Gast: Was vergessen wird:
31.10.2012 11:31
6 0

Die unzähligen Kriege!

Regelmäßig werden ganze fruchtbare Gebiete entvölkert, und Menschen auf der Flucht werden wohl kaum Landwirtschaft betreiben.

Untereinander sind die Afrikaner ziemliche Rassisten, auch wenn das nur den "Weißen" angekreidet wird.

Alleine in Äthiopien machen sich einige Dutzend Stämme das Leben schwer. Da wird schon gerne eine Kuh gegen das Gewehr und eine Handvoll Patronen eingetauscht.

Die Kuh fehlt dann, und das Gewehr ernährt keine Familie.

Gast: moralos
31.10.2012 10:27
3 1

Die Weltbank hat gut

reden. Warum tut sie dann nichts. Und wenn der Absatz passen würde, würde schon Monsanto und Konsorten dafür sorgen, dass es geht. Wahrscheinlich fühlt die Weltbank genau für diese Konzerne vor, damit die dann zuschlagen können. und das zum Schaden der Afrikaner und deren Böden.

wissenwaswieläuft

Meiner Meinung nach ist die einzige Hilfe die Afrika braucht in der Bildung zu suchen.
Ein halbwegs gebildetes Volk lässt sich nicht so leicht über den Tisch ziehen.
Aber wollen WIR das?

Ist es nicht in Europa genauso, dass absichtlich in der Bildung gespart wird um leichter regieren zu können- eine Unterstellung oder?

Afrikas Chancen liegen im Binnenmarkt

Der afrikanische Binnenmarkt muß besser entwickelt wird. Bis heute haben die lokalen Entscheidungsträger den intraregionalen Handel vernachlässigt. Er beträgt nur 10 % des Handels in Afrika. Innerafrikanische Handelsschranken und die Tatenlosigkeit der Machteliten kosten wichtige Marktanteile. Vereinbarungen mit den unmittelbaren Nachbarn werden -nach Untersuchungen des südafrikanischen Instituts IDASA nicht umgesetzt. Hohe Bestechungsgelder und stundenlange Wartezeiten an Kontrollpunkten bremst den Handel. Zitat aus einer Untersuchung die den Staatschefs der Afrikanischen Union im Januar 2012 vorgelegte wurde:
” Innerafrikanische Grenzformalitäten sind bürokratisch, kostspielig und langsam. Die Transportkosten innerhalb Afrikas sind durchschnittlich 63-mal höher als in den Industrienationen” Stattdessen blüht der Schmuggel. Ökonomische und politische Strukturen müssen stärker auf die benachbarten Regionen ausgerichtet werden und weniger auf den Weltmarkt.
Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert

Zukunft Afrika!

kaum eine Region, Kontinent ist seit Jahren von solch einem starken Wirtschaftswachstum wie Afrika geprägt! daher: investieren in Afrika! sofern man nicht von schwachsinnigen Vorurteilen und dumpfer Unkenntnis geprägt ist.

Wenn die Weltbank das sagt

dann ist Feuer am Dach.

Afrika könnte. Aber nur, wenn die Weltbank und der Währungsfonds vorher zerschlagen wird.

Gast: Denknix
31.10.2012 07:41
0 0

und wieder so ein Schei....dieser Artikel ist ein einziger Widerspruch

Doch statt mit den eigenen Nachbarn zu handeln, beziehen Afrikas Länder 95 Prozent ihrer Getreideimporte von außerhalb des Kontinents..........................................................................................................................also sind die Transportbarrieren immer noch zu gering!!!!!!!

uje, die weltbank

wo die hintritt, wächst kein grashalm mehr!
und sie weiß vortrefflich von sich abzulenken, indem sie 'lokalen zuständen' die schuld gibt.

wer es nicht glaubt, der möge sich mal zimbabwe anschauen. entgegen der landläufigen meinung, der diktator mugabe sei an allem schuld, möge er/sie sich informieren, wer mugabe erst die mittel fürs diktator-sein in die hand gegeben hat. richtig: die weltbank!

0 1

Re: uje, die weltbank

Warum bitte ist der Gläubiger Schuld, wenn der Kreditnehmer zu blöd und/oder zu korrupt ist verantwortungsvoll mit dem Geld umzugehen? Hoffentlich nicht deswegen, weil er ein Schwarzer ist, das wäre nämlich dann doch rassistisch...

Gast: mir reichts
31.10.2012 07:17
6 3

interessante details

doch das allerwichtigste wurde nicht erwähnt:

der rasante anstieg der bevölkerung. es wird nicht in verbesserung der arbeit investiert sondern noch mehr kinder produziert.

Re: interessante details

Das dieses schwachsinnige Argument kommen würde, war so sicher, wie das Amen im Gebet.

Endlich schreibt man auch in österreichischen Medien darüber,

dass die Afrikaner nicht wegen dem Biosprit verhungern müssen.

Wir haben doch gar kein Interesse die Verhältnisse in der 3ten Welt zu verbessern, ...

denn dann würden die versuchen ihren Lebensstandard zu heben und würden plötzlich Forderungen an dem Kuchen der begrenzten Güter wie Öl erheben!

Deshalb werden wir weiter mit unzureichenden Methoden Wirtschaftshilfe leisten um die Unabhängigkeit zu verhindern. Zur Beruhigung unseres Gewissens können wir ja auch noch humanitäre Hilfe leisten, so bekommen wir dann gleich die minderwertigen Produkte los, die bei uns schon längst verboten wurden ...

Es hätten noch viel mehr Regionen weniger Armut wenn sie sich besser organisieren würden ...

.... aber die EUropäer arbeiten eh genug um ein Drittel der Erdkugel zu versorgen.

und aus welchem Kontinent kommen Sie,

wenn ich höflich nachfragen darf? Nur damit wir wissen, wen wir noch so mit durchfütteren müssen!

0 0

staatliche intervention

gegen den freien markt mit negativfolgen wohin man sieht, und mangel an kapital sowieso. auch finanzmaerkte fehlen wie man sieht: gegen stark schwankende preise kann man sich - beidseitig - versichern.

Gast: UKW
30.10.2012 22:50
6 8

Böser Westen ist schuld, dass sich die Leute wie die Karniickel vermehren und die Überbevölkerung immer steigt und steigt.

Aber mit Verhüterlis macht es halt keinen Spaß.

Gast: Kuya
30.10.2012 20:56
15 1

wie kann man unterentwickelten Menschen Geld geben, dass sie sich entwickeln?

. . . die Entwicklungshilfe reissen sich oft die Bonzen und Autokraten der armen Länder unter den Nagel.
Nur erfahrene, kompetente Fachkräfte und Handwerker aus den Industriestaaten gleich einer Friedensarmee könnte der Dritten Welt helfen und modernisieren.
Doch erst in Demokratien.

6 7

Re: wie kann man unterentwickelten Menschen Geld geben, dass sie sich entwickeln?

Die westliche Welt müsste nur aufhören in Afrika zu klauen.
Die Einkommen der Bauern sind dort unter anderem sehr niedrig, weil die Agrarprodukte hier zulande massiv gestützt werden.

Gast: yoshi1
30.10.2012 20:47
2 8

400 Mio. Hektar fruchtbares Land gibt es in Afrika

Sind da auch schon die (noch) nicht abgeholzten Regenwälder miteingerechnet?

Gast: b745
30.10.2012 20:06
10 10

die weltbank die ganz großen verbrecher


Gast: DrBiersauer
30.10.2012 19:57
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Die kommen lieber auf abenteuerliche Weise zu uns,..

als ihre Weizenfelder zu bewirtschaften. Diese liegen brach.

Re: Die kommen lieber auf abenteuerliche Weise zu uns,..

Hör auf, Bier zu trinken.
Weicht Gehirn auf.

2 14

Re: Die kommen lieber auf abenteuerliche Weise zu uns,..

suchen sie sich ein schimpfwort aus, darf ruhig sehr deftig ausfallen.

 
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Hobbyökonom