Wien. Weihnachtsshopping in Paris, Sonne tanken in der Türkei: Mit Billigangeboten haben die Airlines das Fliegen für (fast) jedermann erschwinglich gemacht. Tickets um zehn Euro und weniger haben die Jets auch mit Reisenden gefüllt, die bis dato nicht einmal von einer Flugreise geträumt haben. Für manch einen Passagier endet die Vorfreude aber schon am Flughafen beim Check-in – und spätestens, wenn die Kreditkartenabrechnung kommt.
Die durch die Wirtschaftskrise, den hohen Ölpreis und hohe Steuern unter Ertragsdruck geratenen Fluglinien lassen sich viele Leistungen, die früher gratis waren, extra bezahlen. Und sie erfinden auch neue Zusatzeinnahmen. „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Wilfried Kropp, Geschäftsführer von Amadeus Austria und nennt ein Beispiel: Die Sitze beim Notausgang, die es ermöglichen, auch in der „Holzklasse“ die Beine auszustrecken, werden von der Lufthansa-Tochter AUA gesondert angeboten: um 70 Euro Zuschlag je Strecke.
Wie heute kalkuliert wird, zeigt die jüngste Analyse des Buchungsspezialisten Amadeus: 36,1 Mrd. Dollar (28 Mrd. Euro) lukrieren die Fluglinien heuer weltweit an Zusatzumsätzen, um 14 Mrd. Dollar mehr als 2010. Das sind 5,4 Prozent des prognostizierten Gesamtumsatzes von 667 Mrd. Dollar. „Die jährlich zweistelligen Zuwachsraten zeigen das Potenzial.“ Die US-Fluglinien etwa machen vor allem mit dem Verkauf von Vielfliegermeilen an Partnerunternehmen viel Geld.
Lufthansa mit Gepäckautomaten
Waren anfänglich die Billigairlines mit Ryanair an der Spitze Weltmeister bei Zusatzumsätzen, kassieren nun auch die klassischen Gesellschaften wie Lufthansa extra für Schnell-Check-in, Zusatzgepäck, Bord-WLAN, Wunschfilme, Gourmetmenü und Zutritt zu Lounges. Oder sie streichen Services und sparen so Personal und Kosten.
Die Lufthansa setzt seit gestern, Dienstag, in München und Frankfurt Gepäckautomaten ein. Der Reisende darf also nicht nur selbst im Internet den Flug suchen und buchen, selbst einchecken und die Bordkarte ausdrucken bzw. auf das Handy laden, er muss auch selbst den Koffer aufgeben. Nur selbst fliegen muss der Passagier noch nicht.
Aber wer weiß. Ryanair-Boss Michael O'Leary hat eine Toilettengebühr erfunden (aber nicht umgesetzt). Die größte Billigairline verärgert Passagiere und Konsumentenschützer mit der unübersichtlichsten Webseite. Nur wer das Kleingedruckte, das bei Ryanair gleich mehrere Seiten lang ist, genau liest, erspart sich böse und teure Überraschungen.
Ein Blick auf das Kleingedruckte zahlt sich auch beim Ticketpreis aus: Bei einem Ticket Wien–Paris mit der AUA um 157,24 Euro macht der reine Flugpreis nur noch 40 Euro aus. Wer um 135,86 Euro mit Niki nach Berlin jettet, zahlt nur sieben Euro für den Flug. Der Rest entfällt auf den Kerosinzuschlag sowie Steuern und Gebühren. Die fließen nicht in die Kassen der Fluglinien.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2012)
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