Kopenhagen. Überrumpelt vom eigenen Erfolg warnt der dänische Spielzeuggigant Lego nun vor Lieferengpässen in dem für die Branche so wichtigen Weihnachtsgeschäft. Obwohl man mit Volldampf produziere und neues Personal eingestellt habe, werde man nicht imstande sein, alle Bedürfnisse zu befriedigen, bekannte Legos Verkaufsdirektor Mads Nipper am Freitag der Kopenhagener Wirtschaftszeitung „Børsen”. „Wir könnten 30 bis 50 Prozent mehr verkaufen, wenn wir nur genügend Waren bekämen“, lautet die Rückmeldung aus den großen Spielzeugketten.
Lego hat seinen Umsatz im ersten Halbjahr 2012 – auf einem insgesamt um vier Prozent schrumpfenden Spielzeugmarkt – um 24 Prozent gesteigert und blickt auch dem Weihnachtsgeschäft, das traditionell für die Hälfte des Verkaufs steht, optimistisch entgegen. Doch vor allem der Erfolg der auf Mädchen zugeschnittenen Lego-Friends-Serie überraschte sowohl die Branche als auch die Erfinder selbst. Gedacht als Nischenprodukt, mit dem Lego auch in die Mädchenzimmer vordringen wollte, steht man nun mit einem Bestseller da, der das Niveau des „Jungenspielzeugs“ Ninjago erreichen könnte, „wenn wir nur genügend Lieferungen bekämen“, wie Carsten Nielsen, der Direktor des Spielzeuggroßhändlers Top Toy, beklagt.
Auch im Internethandel ist der Frust groß. „Wir verkaufen, was wir kriegen, aber viele beliebte Warennummern bekommen wir gar nicht“, sagt Kenneth Madsen von „Heaven4kids“. Bei Warenmangel beliefert Lego zunächst die Spielzeugläden, in denen die Produkte physisch zur Schau gestellt werden.
Zwar hat der Konzern die Kapazität in seinen Fabriken in Dänemark, Mexiko, Tschechien und Ungarn erweitert und die Produktion klassischer Klötze zugunsten der Verkaufsschlager zurückgeschraubt, dennoch kann man mit der Nachfrage nicht Schritt halten.
Auch Mädchen spielen mit Lego
„Selbst wenn wir zehn Prozent mehr Kapazität hätten, wären Engpässe nicht zu vermeiden“, weist Nipper den Vorwurf der Fehlplanung zurück. Schließlich ist es Teil des Geschäfts, nicht zu großzügig zu kalkulieren: Im Jänner kommen neue Produktserien auf den Markt, und dann soll es möglichst wenig Ladenhüter geben. Und für den Weihnachtsumsatz ist es auch nicht übel, wenn durch die Mangelrapporte aufgeschreckte Eltern und Großeltern die Spielzeugläden stürmen, um sich die angeblich knappen Schätze zu sichern.
Lego verbuchte im Vorjahr einen Gewinn von 4,2 Milliarden Kronen (565 Mio. Euro) bei einem Umsatz von 18,7 Milliarden Kronen (2,5 Mrd. Euro). Das war ein Zuwachs um 17 Prozent gegenüber dem Jahr davor. 2012 will man weit über 20 Milliarden Kronen umsetzen, trotz Stillstand in der Branche. Der dänische Konzern steht für acht Prozent des globalen Spielwarenhandels und gewinnt laufend Marktanteile. Die Lego Friends spielen auch dabei eine besondere Rolle, finden sie doch bei einer Kundengruppe Anklang, die bisher nicht zu den größten Lego-Fans zählte. So geht der Erfolg der umstrittenen Mädchenserie vor allem zulasten von Barbies und Ponys und nicht von anderen Legoserien.
Zu den guten Nachrichten für Lego zählt Nipper auch den Verkauf des Lucas-Imperiums an den Vergnügungskonzern Disney. Für Stars-Wars-Produkte haben die Dänen einen bis 2020 unkündbaren Lizenzvertrag, und die Sternenfilmserie ist nach den traditionellen Bauklötzen Legos größter Verkaufserfolg. „Bisher gingen wir davon aus, dass es keine weiteren Star-Wars-Filme geben werde. Jetzt ist von drei neuen die Rede“, freut sich Legos Verkaufsdirektor.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2012)
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